{"id":974,"date":"2009-12-11T22:59:06","date_gmt":"2009-12-11T20:59:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=974"},"modified":"2010-03-21T13:25:46","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:46","slug":"dessau-anhaltisches-theater-candide","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=974","title":{"rendered":"Dessau, Anhaltisches Theater &#8211; CANDIDE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leonard Bernstein (1918-1990); Musical in einem Akt von Hugh Wheeler und Stephen Sondheim nach dem Roman von Voltaire; in deutscher Sprache von Stephan Kopf und Cordula D\u00e4uper; Urauff\u00fchrung: 8. M\u00e4rz 1974 in New York<br \/>\nRegie: Cordula D\u00e4uper<br \/>\nDirigent: Daniel Carlberg, Anhaltische Philharmonie, Opernchor des Anhaltischen Theaters Dessau<br \/>\nSolisten: David Ameln (Candide), Angelina Ruzzafante (Kunigunde), Stephan Lohse (Voltaire), Renate Dasch (Old Lady), Wiard Witholt (Maximilian), Kristina Baran (Paquette), Kostadin Arguirov (Kapit\u00e4n) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 6. Dezember 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/dessau-cadide.jpg\" TITLE=\"dessau-cadide.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/dessau-cadide.jpg\" ALT=\"dessau-cadide.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Dr. Pangloss lehrt seine Sch\u00fcler, da\u00df sie in der besten aller Welten leben. Candide wird wegen seines Verh\u00e4ltnisses zu Kunigunde aus dem Schlo\u00df Thunder-ten-tronckh gejagt, das sp\u00e4ter von Soldaten zerst\u00f6rt wird. Candide flieht mit Pangloss nach Lissabon, wo sie als \u00dcberlebende des Erdebebens vom Autodafe der Ketzerei beschuldigt werden. Candide findet seine Kunigunde in der Halbwelt wieder, t\u00f6tet ihre Liebhaber und flieht mit Ihr per Schiff in die neue Welt. Nach einer Entf\u00fchrung, dem Wiedersehen mit Maximilian in einer Pilgergruppe und dem Pl\u00fcndern von Eldorado treffen sich schlie\u00dflich alle wieder. Man einigt sich auf den wahren Sinn des Lebens: Ein St\u00fcck Garten selbst zu bestellen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEigentlich versucht <strong>Cordula D\u00e4uper<\/strong> die komplizierte episodenhafte Handlung zu vereinfachen, indem sie mit einfachen Mitteln immer wieder neue R\u00e4ume und Spielfl\u00e4chen schafft.  So werden Rampen auf die B\u00fchne gefahren und wieder hinaus. W\u00fcrfel lassen sich \u2013 weil die Seiten unterschiedlich gestaltet sind \u2013 zu immer neuen Motiven zusammensetzen. Weiteres Mittel zum Zweck ist die Verlegung der Handlung von der Barockzeit in die Gegenwart. So entstehen rasch eindrucksvolle Bilder, die aber genauso schnell wieder vergehen: Das Autodafe ist eine Mischung aus einem Treffen von Fu\u00dfball-Hooligans und einem Ha\u00dfangriff auf Raucher. Amerika wird auf ein paar Hochh\u00e4user, Schnurrb\u00e4rte und ein Geldbad in Eldorado reduziert. In der Pause gibt es im Foyer einige Gesangseinlagen \u2013 mitten im Publikum. Am Ende sieht man auf den Tr\u00fcmmern der Kulissen in eine etwas unsichere Zukunft.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMusik von Bernstein ist eben kein Allerwelts-Musical-Gedudel. Was f\u00fcr die <em>West Side Stor<\/em>y gilt, gilt in besonderem Ma\u00dfe f\u00fcr Candide, n\u00e4mlich der hohe musikalische Anspruch: Die Arie der Kunigunde <em>Mich umglitzert Gold<\/em> gilt als Herausforderung f\u00fcr jeden Koloratursopran. <strong>Angelina Ruzzafante<\/strong> hat solche strahlenden, sicheren Koloraturen und meistert sie ohne Probleme. Ebenso aus dem Ensemble stammen <strong>David Ameln<\/strong> als Candide und <strong>Wiard Wiholt<\/strong> als Maximilian (ein vielversprechender Nachwuchs-Wagner-Bass-Bariton mit sch\u00f6ner, aber noch nicht sicherer H\u00f6he). <strong>Renate Dasch<\/strong> als Alte Lady hat das n\u00f6tige Alter, um diese Rolle auch stimmlich mit Charme und Grandezza umzusetzen.<br \/>\nDie <strong>Anhaltinische Philharmonie Dessau<\/strong> stellt unter <strong>Daniel Carlberg<\/strong> unter Beweis, da\u00df man dieses Musical durchaus unter dem Begriff<em> Oper<\/em> einordnen kann. Mit einer gr\u00f6\u00dferen Besetzung als ein Broadway-Orchester gelingt in fast epischer Breite der Nachweis der musikalischen Genialit\u00e4t Leonard Bernsteins &#8211; vielleicht sogar seine W\u00fcrdigung als letzter Sp\u00e4tromantiker.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDas Theater Dessau und sein Opern-Ensemble k\u00f6nnen sich beweisen, die Inszenierung ist handwerklich einfach gebaut, dabei einfallsreich und pointiert. Den Diskurs zwischen Voltaire und Leibnitz, ob wir in der besten aller m\u00f6glichen Welten leben, kann sie aber nicht beantworten: Entweder baut sich auf dem Leid einiger der Erfolg der Gemeinschaft auf, oder sind die anderen Welten noch schlimmer? Die Antwort von Cordula D\u00e4uper kann die Komplexit\u00e4t des St\u00fcckes (die auch dazu f\u00fchrt, da\u00df es viel zu selten gespielt wird) nicht l\u00f6sen &#8211; oder findet sich Hoffnung nur in trauter Zweisamkeit im eigenen Garten? Aber wie w\u00e4re mehr aus dem St\u00fcck zu machen? Die Zuschauer zeigten sich zufrieden: Langanhaltender und freundlicher Beifall, auch von den Opern-Abonnenten.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Claudia Heysel<br \/>\nDas Bild zeigt: Aus W\u00fcrfeln entsteht eine barocke Schulwand f\u00fcr die Sch\u00fcler Wiard Witholt (Maximilian), Angelina Ruzzafante (Kunigunde), David Ameln (Candide), Kristina Baran (Paquette).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leonard Bernstein (1918-1990); Musical in einem Akt von Hugh Wheeler und Stephen Sondheim nach dem Roman von Voltaire; in deutscher Sprache von Stephan Kopf und Cordula D\u00e4uper; Urauff\u00fchrung: 8. 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