{"id":955,"date":"2009-12-18T23:02:50","date_gmt":"2009-12-18T21:02:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=955"},"modified":"2010-03-21T13:25:38","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:38","slug":"dresden-semperoper-giulio-cesare-in-egitto-%e2%80%93-julius-casar-in-agypten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=955","title":{"rendered":"Dresden, Semperoper &#8211; GIULIO CESARE IN EGITTO \u2013 JULIUS C\u00c4SAR IN \u00c4GYPTEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p> von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Libretto: Nicola Francesco Haym, UA: 20. Februar 1724, King\u2019s Theatre am Haymarket, London<br \/>\nRegie: Jens-Daniel Herzog, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Mathis Neidhardt, Choreographie: Ramses Sigl, Dramaturgie; Stefan Ulrich<br \/>\nDirigent: Alessandro De Marchi, S\u00e4chsische Staatskapelle und Chor der Staatsoper<br \/>\nSolisten: Anke Vondung (Giulio Cesare), Steffen R\u00f6ssler (Curio), Christa Mayer (Cornelia), Janja Vuletic (Sesto), Laura Aikin (Cleopatra), Max Emanuel Cencic (Tolomeo), Christoph Pohl (Achilla), Christopher Field (Nireno)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 13. Dezember 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/dresden-cesare.jpg\" TITLE=\"dresden-cesare.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/dresden-cesare.jpg\" ALT=\"dresden-cesare.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>In der Verfolgung seines Widersachers Pompeo landet C\u00e4sar in \u00c4gypten. In der Absicht, ihm zu gefallen, wird ihm zum Empfang das abgeschlagene Haupt des Pompeo pr\u00e4sentiert. C\u00e4sar ist dar\u00fcber \u00e4u\u00dferst ver\u00e4rgert und beabsichtigt, diese Untat durch Eroberung \u00c4gyptens zu r\u00e4chen. Cleopatra will den Pharao Tolomeo, ihren Bruder, vom Thron dr\u00e4ngen. Zun\u00e4chst bezirzt sie C\u00e4sar, verliebt sich dann aber in ihn. C\u00e4sar ist von ihr fasziniert. Als es dann zum Kampf zwischen R\u00f6mern und \u00c4gyptern kommt, wird Tolomeo get\u00f6tet und Cleopatra vom siegreichen C\u00e4sar zur K\u00f6nigin \u00c4gyptens ausgerufen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nH\u00f6lzerne W\u00e4nde von hellbrauner Farbe werden vom Schn\u00fcrboden dann und wann heruntergelassen. Diese hohen W\u00e4nde bilden einmal den Hintergrund. Davor ist die B\u00fchne leer. Das andere Mal bilden sie die Privatgem\u00e4cher im K\u00f6nigspalast. F\u00fcr die ber\u00fchmte Pastoralszene (dem Parna\u00df), in der C\u00e4sar den Reizen von Cleopatra erliegt, bilden die Holzw\u00e4nde eine Bar mit B\u00fchne und Tischen. Sp\u00e4ter gibt es innerhalb dieser W\u00e4nde auch eine Hinrichtungsszene: Tolomeo erledigt etliche Personen mit Kopfschu\u00df. Sie steht nicht im Libretto. Zum Schlu\u00dfbild liegen C\u00e4sar und Cleopatra im riesigen Bett, das die B\u00fchnenmitte v\u00f6llig ausf\u00fcllt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nSchon die Ouvert\u00fcre leidet unter dem dauernden Trampeln einer Gruppe hellbraun Uniformierter. Im sp\u00e4teren Opernverlauf kommen noch Stampfen, Schie\u00dfen, Schreien hinzu. Dadurch wird die Arbeit des eminent gut aufspielenden <strong>Orchesters<\/strong> stark beeintr\u00e4chtigt. Unter <strong>Alessandro De Marchi<\/strong> entfaltet die <strong>Staatskapelle<\/strong> (an Zahl stark verringert) und die dazu engagierte Ba\u00dfgruppe (Basso continuo) eine dynamisch, kontrastreiche Musik, die sich den S\u00e4ngern in Tempo und Lautst\u00e4rke perfekt anpa\u00dft. Bei ihren beiden Auftrittsarien l\u00e4\u00dft <strong>Anke Vondung<\/strong> (Giulio Cesare) eine gewisse Atemlosigkeit versp\u00fcren, ihre Spitzent\u00f6ne kommen ungenau und die Koloraturen werden verschliffen. Sp\u00e4ter wird ihr Singen etwas ausgeglichener, erreicht aber leider nicht das Niveau, das die m\u00e4nnliche Hauptperson der Oper als strahlenden, beherzt zupackenden Herrscher darstellen sollte. <strong>Christa Mayer<\/strong> (Cornelia) und <strong>Janja Vuletic<\/strong> (Sesto) singen ihren Part beherzt und tongenau, wobei man die sonst kaum anzutreffende Textaussprache und Koloraturtechnik bei Janja Vuletic herausstellen sollte. <strong>Max Emanuel Cencic<\/strong> (Tolomeo) zeigt, wie genau man <em>Gruppetti<\/em> (vier Noten, die die Melodie \u201eumspielen\u201c, vielleicht h\u00e4ufigste Verzierung in der Barockmusik), Triolen, das Legato oder Spitzent\u00f6ne singen kann. Allein bei den Fermaten (Phrasenschl\u00fcssen) \u00fcbertreibt er ein wenig. \u00c4hnlich perfekten Ziergesang liefert <strong>Christopher Field<\/strong> (Nireno) ab, der sogar die selten gesungene Arie: <em>Chi perde un momento \u2013 Wer sich einen Moment verliert<\/em> mit Emphase vortr\u00e4gt. Der Bassist<strong> Christoph Pohl<\/strong> (Achilla) zeigt mit gro\u00dfem Volumen einen dynamisch abgestuften Gesang.<br \/>\n<strong>Laura Aikin<\/strong> (Cleopatra) hat eine sch\u00f6ne Sopranstimme, doch ihre Koloraturen, der eigentliche Prunk einer Barockoper, lassen an diesem Abend viele W\u00fcnsche offen. Am besten gelingt ihr <em>Se piet\u00e0 di me non senti \u2013 Wenn du mit mir kein Erbarmen hast<\/em>. Diese Fis-Moll-Arie ist einer der bedeutendsten der Oper. Doch sonst kommen die Forti in der H\u00f6henlage unkontrolliert, zahlreiche Aspirationen verdunkeln das Legato, das An- und Abschwellen des Tons (<em>messa di voce<\/em>) gelingt nur ausnahmsweise. Alles in allem eine sehr schwankende Leistung f\u00fcr die weibliche Hauptperson der Oper. Ein besonderes Lob verdienen die beiden <strong>Cembalisten<\/strong> (Andrea Marchiol\/Jobst Schneiderat) und Spiel und Gestik des <strong>Violinisten<\/strong> (Wieland Heinze) w\u00e4hrend Cesares Arie: <em>Se in fiorito ameno prato \u2013 H\u00e4lt in bl\u00fchenden Gefilden<\/em> (2. Akt).<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nViele Striche bei Rezitativen und Arien sowie Umstellungen (besonders im 3. Akt) st\u00f6ren erheblich die Proportionen dieser ausgewogenen H\u00e4ndeloper. Da wichtige Arien, die das Verlieben von Cleopatra und Cesare beschreiben, weggelassen sind, kommt kaum Anteilnahme gegen\u00fcber den Protagonisten auf. Durch unausgewogene Artikulation fast aller S\u00e4nger verliert der Text jedes Relief. Das dauernde Trampeln oder Schie\u00dfen beeintr\u00e4chtigt die Musikdarbietung. Den Parna\u00df, das Reich der Musen, in eine Bar zu verlegen und Cleopatra als Solos\u00e4ngerin mit Mikrofon auftreten zu lassen, zeugen kaum vom tiefen Eindringen in H\u00e4ndels Vorstellung. Das Publikum war wohl nicht sehr barockgew\u00f6hnt, sondern klatschte viel und h\u00e4ufig.<br \/>\nDr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<br \/>\nDas Bild zeigt:\u00a0\u00a0Laura Aikin (Cleopatra)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Libretto: Nicola Francesco Haym, UA: 20. 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