{"id":940,"date":"2009-12-03T23:24:19","date_gmt":"2009-12-03T21:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=940"},"modified":"2010-03-21T13:25:51","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:51","slug":"erfurt-theater-das-waisenkind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=940","title":{"rendered":"Erfurt, Theater &#8211; DAS WAISENKIND"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jeffrey Ching (geb. 1965), Oper in zwei Akten und drei Szenen vom Komponisten in altchinesischer, italienischer, franz\u00f6sischer, englischer, spanischer und deutscher Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln<br \/>\nRegie: Jakob Peters-Messer, Choreographie: Julien Feuillet-Dolet<br \/>\nDirigent: Samuel B\u00e4chli, Philharmonisches Orchester Erfurt, Opernchor des Theaters Erfurt<br \/>\nSolisten: Andion Fernandez (Waisenkind), Marisca Mulder (Arfisa), Denis Lakey (Osmingti), Marwan Shamiyeh (Alsingo), Mate Solyom-Nagy (Etan), Sebastian Pilgrim (Dag-Ngans-Kagh), Peter Umstadt (Cheng Ying, Sprecher), Julien Feuillet-Dolet (Cheng Ying, T\u00e4nzer)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 29. November 2009 (Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"erfurt-waisenkind.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/erfurt-waisenkind.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"erfurt-waisenkind.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/erfurt-waisenkind.jpg\" \/><\/a>China im 6. Jh. vor Christus: Durch eine Intrige gelingt es Dag-Ngans-Kagh, seinen Rivalen Osmingti und alle seine Familienmitglieder hinrichten zu lassen. Seine Ehefrau Arfisa kann ihren neugeborenen Sohn dem Arzt Cheng Ying anvertrauen. General Etan \u00fcberzeugt den Arzt, das Kind aufzuziehen, dann t\u00f6tet er sich selbst. Cheng Ying flieht zu dem ehemaligen Minister Alsingo. Sie vertauschen das Waisenkind mit Cheng Yings eigenem Kind und beschuldigen Alsingo bei Dag-Ngans-Kagh, das Waisenkind zu verstecken. Dag-Ngans-Kagh t\u00f6tet das falsche Kind und dann Alsingo. F\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter hat Dag-Ngans-Kagh das Waisenkind als Erben adoptiert. Nachdem Cheng Ying das Kind \u00fcber seine Herkunft aufgekl\u00e4rt hat, will es Dag-Ngans-Kagh zun\u00e4chst t\u00f6ten, \u00fcberantwortet ihn aber doch der staatlichen Autorit\u00e4t. Er wird zu einem qualvollen Tod verurteilt und bei lebendigem Leib zerst\u00fcckelt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDer chinesisch-st\u00e4mmige Kosmopolit Jeffrey Ching wurde 1965 auf den Philippinen geboren, studierte in Harvard Musik und hatte in London einen Lehrauftrag. Seit einiger Zeit lebt er als Komponist in Berlin. In dieser Oper erz\u00e4hlt er r\u00fcckblickend auf sein Leben in mehreren Ebenen sowohl die chinesische Originalgeschichte als auch parallel dazu verschiedene europ\u00e4ische Adaptionen dieses Stoffes. Die Erz\u00e4hlerrolle \u00fcbernimmt der Arzt Cheng Ying, kommentiert von seinem Spiegelbild, einem T\u00e4nzer. In der Regie<strong> Jakob Peters-Messer<\/strong> wird der T\u00e4nzer zu einer wichtigen Rolle, seine Choreographie ein zus\u00e4tzlicher Schwerpunkt des St\u00fcckes. Die Eltern des Waisenkindes tragen wei\u00dfe barocke F\u00fcrstenkleider \u2013 nach Ihrem Tod wechseln sie zu Schwarz f\u00fcr ihre Auftritte als Schatten. Das Waisenkind tr\u00e4gt eine wei\u00dfe Offiziersuniform barocker Pr\u00e4gung. Hingegen sieht man Etan und Alsingo in chinesischer Mandarin- bzw. Krieger-Kleidung. Dag-Ngans-Kagh ist eine m\u00e4chtige Figur, was durch ihre K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe (durch Stelzen unter der Kleidung) und die Machtsymbole Hut und Lanze unterstrichen wird.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nSchwierig ist es, hier S\u00e4nger und Orchester angemessen zu w\u00fcrdigen. Die Zusammenstellung von fern\u00f6stlichen Klangweisen, Sonaten im Stile Mozarts und spanischer Renaissance, aber auch von Sprechgesang, Rezitativ und barocker Bravourarie stellt eher ungew\u00f6hnliche, gleichwohl aber hohe Anforderungen an S\u00e4nger und Musiker. Das Quintett, in dem sich Andion Fernandez als Waisenkind mit den Schatten der get\u00f6teten Ahnen und Freunde auseinandersetzt, zeigt deutliche Anleihen an das Finale des <em>Don Giovanni<\/em> von Mozart und erlaubt so <strong>Marisca Mulder<\/strong> (Arfisa), <strong>Denis Lakey<\/strong> (Osmingti), <strong>Marwan Shamiyeh<\/strong> (Alsingo) und <strong>Mate Solyom-Nagy<\/strong> (Etan) die Anerkennung als Mozart-S\u00e4nger. Andion Fernandez kann zus\u00e4tzlich noch mit zwei Bravourarien das Publikum begeistern.<br \/>\n<strong>Samuel B\u00e4chli<\/strong> ist S\u00e4nger an der <strong>Oper Erfurt<\/strong> und kommt mit der Gestaltung komplexer Partituren und einem riesigen Klangk\u00f6rper hervorragend zurecht, denn die Instrumentation sieht neben 46 Streichern, Glasharmonika, Harfe, einigen Tasteninstrumenten, 12 Blech- und Holzbl\u00e4sern auch sehr viel Schlagwerk vor. Es nimmt so viel Platz ein, da\u00df es in zwei Ebenen &#8211; im Orchestergraben und \u00fcber der B\u00fchne &#8211; aufgestellt werden mu\u00df. Das Orchester hat seinen gro\u00dfen Auftritt im Ballettfinale, das im Stile eines Divertissements (ein franz\u00f6sischer Tanz zum Ende einer Oper) gehalten ist, wenn die Zerst\u00fcckelung des Dag-Ngans-Kagh musikalisch donnernd zelebriert wird.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDer Zusammensto\u00df zwischen Fernost und Europa entlud sich wie eine Gewitterfront \u00fcber dem Zuschauer. Es wirkte elektrisierend, wie auf mehreren musikalischen Ebenen die chinesische Handlung erz\u00e4hlt wurde und von den europ\u00e4ischen Adaptionen des Stoffes konterkariert wurde. Hilfreich ist der zweite <strong>Cheng Yin<\/strong><strong>g<\/strong> als T\u00e4nzer, der die statische chinoise Personenf\u00fchrung auflockerte, weil er die Handlung an sich verst\u00e4ndlicher machte und so zur eigentlichen Hauptfigur wurde. Das w\u00fcrdigte das Erfurter Publikum entsprechend mit einem kr\u00e4ftigen Applauses f\u00fcr <strong>Julien Feuillet-Dolet<\/strong>, der sich selbst die Choreographie schrieb. Das musikalisch dominante Waisenkind bekam deutlich weniger Beifall, wurde aber genauso gefeiert wie Samuel B\u00e4chli f\u00fcr seinen erfolgreichen Kampf mit einer komplexen Partitur und einem riesigen Klangk\u00f6rper. Insgesamt wohl eine der interessantesten und intelligentesten Urauff\u00fchrungen des Jahres 2009!<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<br \/>\nDas Bild zeigt: Das Waisenkind trifft seine Ahnen und deren Freunde als Schatten.<br \/>\n(v.l.n.r: Mate Solyom-Nagy (Etan), Marwan Shamiyeh (Alsingo), Marisca Mulder (Arfisa), Denis Lakey (Osmingti), Andion Fernandez (Waisenkind))<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jeffrey Ching (geb. 1965), Oper in zwei Akten und drei Szenen vom Komponisten in altchinesischer, italienischer, franz\u00f6sischer, englischer, spanischer und deutscher Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln Regie: Jakob Peters-Messer, Choreographie: Julien Feuillet-Dolet Dirigent: Samuel B\u00e4chli, Philharmonisches Orchester Erfurt, Opernchor des<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=940\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28,1],"tags":[],"class_list":["post-940","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erfurt-theater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=940"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/940\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1232,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/940\/revisions\/1232"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}