{"id":925,"date":"2009-12-01T23:45:48","date_gmt":"2009-12-01T21:45:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=925"},"modified":"2010-09-14T15:21:13","modified_gmt":"2010-09-14T14:21:13","slug":"berlin-deutsche-oper-il-barbiere-di-siviglia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=925","title":{"rendered":"Berlin, Deutsche Oper &#8211; IL BARBIERE DI SIVIGLIA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gioachino Rossini (1792-1868), Melodramma buffo in zwei Akten, Libretto: Cesare Sterbini, UA: 1816 Rom<br \/>\nRegie: Katharina Thalbach, B\u00fchne: Momme R\u00f6hrbein, Kost\u00fcme: Guido Maria Kretschmer, Dramaturgie: Angelika Maidowski, K\u00fcnstlerische Produktionsleitung: Christian Baier<br \/>\nDirigent: Enrique Mazzola, Orchester und Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Thomas Richter<br \/>\nSolisten: Lawrence Brownlee (Graf Almaviva), Maurizio Muraro (Bartolo), Jana Kurucov\u00e1 (Rosina), Markus Br\u00fcck (Figaro), Ante Jerkunica (Basilio), Nathan De\u2019Shon Myers (Fiorello), Hulkar Sabirova (Berta) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 29. November 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a title=\"berlin-do-barbier.jpg\" href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/berlin-do-barbier.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/berlin-do-barbier.jpg\" alt=\"berlin-do-barbier.jpg\" align=\"right\" \/><\/a>Graf Almaviva wirbt um Rosina, die bei ihrem Vormund, dem griesgr\u00e4migen Bartolo, lebt. Die Zeit dr\u00e4ngt, denn Bartolo plant, sein M\u00fcndel zu heiraten. Der Barbier Figaro, der im Hause Bartolos ein und aus geht, ist Almaviva behilflich. So gelingt es, Almaviva als Musiklehrer einzuschmuggeln, und w\u00e4hrend einer Lektion, bei der der mi\u00dftrauische Bartolo anwesend ist, gelingt es dem Grafen, Rosina mitzuteilen, da\u00df er sie zu entf\u00fchren beabsichtige. Begeistert stimmt sie zu. Zwar fliegen ihre Pl\u00e4ne auf, doch gelingt es Almaviva zuvor noch rechtzeitig, Rosina zu heiraten. Figaro kann sich zufrieden zur\u00fcckziehen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nMan sieht den ganzen Abend lang eine s\u00fcdeurop\u00e4ische Stra\u00dfe vor sich. Die Handlung spielt in einer nicht n\u00e4her zu bestimmenden Zeit, irgendwann im 20. Jahrhundert. Es gibt zwei Handlungsebenen: Zum einen eine genrehaft detailliert gezeichnete, realistische Szenerie: Da bewegen sich Fahrzeuge und ein echter Esel \u00fcber die Stra\u00dfe, legen sich Urlauber an den Strand, um das Geschehen zu verfolgen, spielen Kinder und servieren Kellner Getr\u00e4nke in einem Stra\u00dfencaf\u00e9. Diese stummen Akteure beobachten das Spiel einer Wanderb\u00fchne, die mitten auf der Szene steht und auf der zum Gro\u00dfteil die eigentliche Handlung der Oper spielt. Die Akteure sind auf dieser zweiten Handlungsebene stilisiert gekleidet und agieren betont \u00fcbertrieben. Sie bieten eine Art Mischung aus Zirkus und Commedia dell\u2019Arte. Es gibt sehr viele kleine pantomimische Nebenaktionen und eine bunte Mischung aus realistischen und phantastischen Momenten. Bis auf ein paar nicht ganz jugendfreie Scherze hat die ganze Inszenierung \u2013 das ist nicht abwertend gemeint &#8211; durchaus das Gepr\u00e4ge eines Films f\u00fcr Kinder.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nEine musikalisch \u00fcberragende Interpretation seiner Partie bot der beste S\u00e4nger des Abends, n\u00e4mlich <strong>Lawrence Brownlee<\/strong> (Graf Almaviva). Er verf\u00fcgt \u00fcber eine wahrhaft perfekte Koloraturtechnik. Es gelingt ihm, die zahlreichen Verzierungen der Partie so gebunden wie nur m\u00f6glich zu singen, ohne sie ineinander zu ziehen. Die Homogenit\u00e4t seiner Stimmgebung ist sagenhaft, es d\u00fcrfte in seinem Fach nur wenige S\u00e4nger mit einem derartig gediegenen Registerausgleich geben. Hinzu kommt ein sehr angenehmes Timbre mit einem jugendlich dezenten Vibrato. Gegen\u00fcber ihm standen die anderen S\u00e4nger ein wenig im Schatten, zu Unrecht im Falle <strong>Jana Kurucov\u00e1s<\/strong> (Rosina), die neben einer sicheren H\u00f6he \u00fcber eine \u00fcberraschend f\u00fcllige Tiefe verf\u00fcgt, die sie hier gut zur Geltung bringen konnte, etwas zu Recht im Falle <strong>Markus Br\u00fccks<\/strong> (Figaro), der die dynamischen Wechsel seiner Partie zu abrupt nahm, in den lauten Passagen zu sehr forcierte und vor allem mit dem schnellen Parlando seiner Auftrittsarie nicht recht fertig wurde. In letzterer Hinsicht war ihm <strong>Maurizio Muraro<\/strong> (Bartolo) eindeutig \u00fcberlegen. Ein wenig durchwachsen war der Eindruck, den das Dirigat <strong>Enrique Mazzolas<\/strong> hinterlie\u00df. Das<strong> Orchester<\/strong> spielte angemessen in kleinerer Besetzung und war um einen im Geiste historischer Auff\u00fchrungspraxis gehaltenen ged\u00e4mpften und differenzierten Ton bem\u00fcht. Doch schienen die ber\u00fchmten Crescendi im Zusammenspiel mit den S\u00e4ngern nicht ganz exakt abgestimmt zu sein, so da\u00df das Orchester hier phasenweise die Solisten \u00fcbert\u00f6nte. Das war vor allem bei den Partien <strong>Markus Br\u00fccks<\/strong> der Fall.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDiese Produktion d\u00fcrfte zu einem Publikumsliebling avancieren. Man erlebt sehr gute S\u00e4nger, ja im Falle Lawrence Brownlee eine atemberaubende Leistung. Auch szenisch traf sie genau den Geschmack des Publikums: Bereits w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre, zu der das belebte B\u00fchnenbild zu sehen ist, gab es Applaus \u2013 f\u00fcr die Regieeinf\u00e4lle. Katharina Thalbach hat sich in der Tat sehr viele Gags und Scherze einfallen lassen, um die Handlung dieser Oper noch weiter zu beleben. Wenn man ihrer Inszenierung einen Vorwurf machen kann, dann vielleicht den, da\u00df es mitunter vielleicht ein wenig zuviel des Guten ist. Dar\u00fcber hinaus war aber allen Beteiligten, auch den zahlreichen Komparsen, anzumerken, da\u00df sie mimisch von einer erfahrenen Schauspielerin angeleitet worden waren, die \u00fcber ein absolut sicheres Gesp\u00fcr f\u00fcr den szenischen Effekt verf\u00fcgt. Mit Sicherheit eine der vergn\u00fcglichsten Produktionen, die derzeit in Berlin zu sehen ist!<br \/>\nDr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Matthias Horn\u00a0im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN<br \/>\nDas Bild zeigt: Lawrence Brownlee (Graf Almaviva)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gioachino Rossini (1792-1868), Melodramma buffo in zwei Akten, Libretto: Cesare Sterbini, UA: 1816 Rom Regie: Katharina Thalbach, B\u00fchne: Momme R\u00f6hrbein, Kost\u00fcme: Guido Maria Kretschmer, Dramaturgie: Angelika Maidowski, K\u00fcnstlerische Produktionsleitung: Christian Baier Dirigent: Enrique Mazzola, Orchester und Chor der Deutschen<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=925\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1],"tags":[],"class_list":["post-925","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-deutsche-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/925","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=925"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/925\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1979,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/925\/revisions\/1979"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=925"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=925"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=925"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}