{"id":914,"date":"2009-11-22T00:19:51","date_gmt":"2009-11-21T22:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=914"},"modified":"2012-12-14T15:16:23","modified_gmt":"2012-12-14T14:16:23","slug":"paris-theatre-des-champs-elysees-christian-thielemann-dirigiert-die-wiener-philharmoniker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=914","title":{"rendered":"CHRISTIAN THIELEMANN DIRIGIERT DIE WIENER PHILHARMONIKER &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Ludwig van Beethoven (1770-1827)<br \/>\nSymphonie Nr. 8, F-Dur Op. 93, Ouvert\u00fcre zu Goethes Trauerspiel <em>Egmont <\/em>Op. 84, Symphonie Nr. 7, A-Dur, Op. 92<br \/>\nAuff\u00fchrung: 16. November 2009<\/p><\/blockquote>\n<p><a title=\"paris-thielemann.jpg\" href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/paris-thielemann.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/paris-thielemann.jpg\" alt=\"paris-thielemann.jpg\" align=\"right\" \/><\/a>Vor ausverkauftem Theater spielten die Wiener Philharmoniker, eines der weltbesten Sinfonieorchester, unter Thielemann ein reines Beethovenkonzert. Der Komponist selbst leitete die Urauff\u00fchrungen der beiden Symphonien in den Jahren 1812 und 1813 in Wien, die ihm einen riesigen Erfolg brachten. Beethoven hat in seinen Konzerten diese Symphonien auch \u00f6fter zusammen dargeboten. Beide Werke stehen in Durtonarten und weisen denselben heiteren, ja fr\u00f6hlichen Charakter auf.<br \/>\nThielemann beginnt mit der <strong>8. Symphonie<\/strong>.<br \/>\nInsgesamt nimmt der Dirigent das Tempo des ersten Satzes recht langsam, verglichen z.B. mit der bekannten Einspielung von G\u00fcnter Wand mit dem NDR-Sinfonieorchester von 1987. Schon ganz zu Anfang merkt man Thielmanns Handschrift, indem er (Takt 11) den Dominant-Tonika-Schritt von C-Dur nach F-Dur durch eine Verz\u00f6gerung betont. Kurze Zeit sp\u00e4ter gibt es ein Solo f\u00fcr das Fagott. Der Fagottist begleitet sozusagen das Erscheinen des zweiten Themas. Seine Solomelodie tr\u00e4gt er \u00fcbrigens in edelster Weise vor. Thielemanns \u201eRegieeinfall\u201c ist nicht nur \u00fcberraschend, sondern er verleiht dem Satz grazi\u00f6se Eleganz. Dies \u00fcbertr\u00e4gt sich auch im weiteren Verlauf auf den gesamten Satz, der ja ohnehin vom kontrastreichen Wechselspiel der Bl\u00e4ser mit dem gro\u00dfen Orchester lebt. Es ist eine St\u00e4rke von Thielemann, die Phrasenschl\u00fcsse sehr deutlich abzusetzen und neue Stimmeins\u00e4tzen sind klar gegen\u00fcber den anderen Stimmen unterscheidbar. Das Zuh\u00f6ren wird dadurch ungemein erleichtert. Der Dirigent befolgt allerdings streng alle Vorgaben Beethovens: es gibt m\u00e4chtige Crescendo-B\u00f6gen und genaue Decrescendi, manchmal sogar nur innerhalb eines Taktes.<br \/>\nHierdurch wird das symphonische Gewebe sehr durchh\u00f6rbar.<br \/>\nDie weiteren S\u00e4tze erklingen in \u00e4hnlich angelegter Deutlichkeit sowohl in der Dynamik wie auch im Einsetzen der solistischen Instrumente. Erw\u00e4hnenswert ist noch die besondere Verz\u00f6gerung zu Beginn des Menuetts (2. Satz). Hier k\u00f6nnte man das \u201eZusp\u00e4tkommen\u201c (das Ritardando) des hohen C auf dem ersten Taktteil des Themas als geschm\u00e4cklerisch bezeichnen. Doch w\u00e4re das ganz falsch, da der Beginn beim Tanzen eines Menuetts <em>immer<\/em> verz\u00f6gert einsetzen mu\u00df, wenn man ihn denn wirklich als Tanz auffa\u00dft. Nur das macht Thielemann hier deutlich.<\/p>\n<p>Die<strong> Egmont-Ouvert\u00fcre<\/strong> ist ein dramatisches St\u00fcck. Thielemann liegt Dramatik sehr gut, was man bei seinen Wagner-Dirigaten stets bemerken kann. Dieses sehr ernste kompakte Musikst\u00fcck legen die Wiener mit gro\u00dfer Dramatik hin. Der \u00fcberw\u00e4ltigende Schu\u00df rei\u00dft das Publikum von den St\u00fchlen.<\/p>\n<p>\u00dcber einen langen Prolog f\u00fchrt Beethoven den Zuh\u00f6rer bei seiner <strong>7. Symphonie<\/strong> zum eigentlichen ersten Thema. Es ist ein spannungsreicher \u201eAuftakt\u201c (oder Prolog). Die dabei perfekt gespielten schnellen Tonleitern (Sechzehntel) in allen Orchesterinstrumenten lassen einen Augenblick vergessen, da\u00df der Beginn des Satzes erst danach kommt. Das einfache Hauptthema, das seinen Impuls durch die repetierenden punktierten Achtelnoten erh\u00e4lt, erlebt im weiteren Verlauf eine ungeheuere Mannigfaltigkeit seiner Gestalt. Es gelingt Thielemann durch Crescendi, die manchmal sich \u00fcber eine Dutzende Takte erstrecken, mit genau bemessener Dynamik die Spannung zu intensivieren. Auffallend sind die genaue Intonation und die nicht nachlassende intensive Rhythmik des Satzes.<br \/>\nDer zweite Satz ist ein kompositorisches Wunder: Liedform, gravit\u00e4tische Passacaglia und Fuge sind hier miteinander vereint. Bei der Urauff\u00fchrung mu\u00dfte gerade dieser Satz wiederholt werden. Thielemann wei\u00df, da\u00df nur genaueste Pr\u00e4zision und behutsame Dynamik diesen au\u00dferordentlichen Satz zum Klingen bringen. Und solches wird hier geboten. Trotz des ungemein schnellen Tempos sind die Triller in den Streichern im Anfangs- und Schlu\u00dfteil rund und kommen mit einer unbeschreiblichen rhythmischen Leichtigkeit.<br \/>\nNach diesem Satz \u2013 so glaubt man \u2013 ist eine Steigerung nicht mehr m\u00f6glich. Doch das ist ein Irrtum! Beethoven gelingt es hier, sich selbst zu \u00fcberbieten: Die Musik verliert sich geradezu im ungeheuren Wirbel des stampfenden Rhythmus. Durch die dauernden Wiederholungen (von denen Thielmann einige wegl\u00e4\u00dft) wird nach und nach solche eine riesige Spannung aufgebaut, da\u00df dem Publikum nur ein Ausweg bleibt, sich in einem enthusiastischen Applaus zu entladen. Wenn Richard Wagner diese Symphonie als die <em>Apotheose des Tanzes<\/em> bezeichnete, so hat Thielmann mit den Wiener Philharmonikern ebenfalls eine Apotheose geboten; denn <em>Apotheose<\/em> bedeutet Verherrlichung, wobei hier diese vor Freude und Tanz berstenden Symphonie Beethovens gemeint ist, wie auch die kaum \u00fcberbietbare Darstellung durch Thielemann und seine Wiener.<br \/>\nDr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig van Beethoven (1770-1827) Symphonie Nr. 8, F-Dur Op. 93, Ouvert\u00fcre zu Goethes Trauerspiel Egmont Op. 84, Symphonie Nr. 7, A-Dur, Op. 92 Auff\u00fchrung: 16. 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