{"id":911,"date":"2009-11-30T00:11:26","date_gmt":"2009-11-29T22:11:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=911"},"modified":"2010-03-21T13:26:00","modified_gmt":"2010-03-21T12:26:00","slug":"chemnitz-oper-tannhauser","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=911","title":{"rendered":"Chemnitz, Oper &#8211; TANNH\u00c4USER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in 3 Akten, UA: 19. Oktober 1845, Dresden<br \/>\nRegie: Michael Heinicke, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Peter Sykora<br \/>\nDirigent: Frank Beermann, Robert-Schumann-Philharmonie, Chor und Extrachor der Oper Chemnitz<br \/>\nSolisten: Kouta R\u00e4s\u00e4nen (Landgraf), Jon Ketilsson (Tannh\u00e4user), Heiko Trinsinger (Wolfram von Eschenbach), Johan Weigel (Walther von der Vogelweide), Matthias Winter (Biterolf), Andr\u00e9 Riemer (Heinrich), Martin G\u00e4bler (Reinmar), Astrid Weber (Venus\/Elisabeth), Jana B\u00fcchner (Hirt) u. a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 28. November 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"chemnitz-tannhauser.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/chemnitz-tannhauser.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"chemnitz-tannhauser.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/chemnitz-tannhauser.jpg\" \/><\/a>Tannh\u00e4user fr\u00f6nt im Venusberg ausgiebigen Ausschweifungen mit der Liebesg\u00f6ttin. Schon bald sehnt er sich in die reale Welt zur\u00fcck und zieht mit dem Landgrafen und seinem Gefolge, die ihn im Wald finden, zur\u00fcck zur Wartburg. In einem S\u00e4ngerwettstreit soll das Geheimnis der Liebe von Elisabeth, der Nichte des Landgrafen, zu Tannh\u00e4user offenbart werden. Doch im Gegensatz zu Wolfram, der die Liebe als unantastbaren, entr\u00fcckten Quell besingt, entfacht Tannh\u00e4user mit seinem Lobpreis auf die fleischliche Sinnenlust einen heftigen Streit. Tannh\u00e4user, der zur Bu\u00dfe als Pilger nach Rom geschickt wird, erh\u00e4lt dort keine Absolution, doch Elisabeth opfert sich f\u00fcr sein Seelenheil.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die dargebotene Pariser Fassung des Werkes orientierte man sich vorwiegend an einem klar durchstrukturierten, neoromantischen B\u00fchnenbild, bei dem in allen drei Akten mit gotischen Spitzbogenfenstern durchbrochene, monumentale Fassadenelemente den Bau der Wartburg andeuten sollen. W\u00e4hrend im ersten und dritten Akt die Elemente frontal von durchscheinenden Stellw\u00e4nden, die den Blick, je nach Ausleuchtung, in das Innere freigeben k\u00f6nnen, abgeschlossen werden, r\u00fccken die Fassadenteile im zweiten Akt als S\u00e4ngersaal in den B\u00fchnenmittelpunkt. Eine facettierte, verschlie\u00dfbare Halbkugel mit Liegefl\u00e4che simuliert zudem im ersten Akt die Liebesgrotte der Venus. W\u00e4hrend das St\u00fcck im B\u00fchnenaufbau weitgehend von d\u00fcsteren Farben und Ausleuchtungen dominiert wird, zeigen warme Rott\u00f6ne den Einflu\u00dfbereich der Liebesg\u00f6ttin an. Das Bacchanal im ersten Akt wird zudem von Pantomimen-Damen in durchscheinenden Gew\u00e4ndern mit ruhigen Gesten gegeben, wobei die Kost\u00fcme des Landgrafen und seines Gefolges zeitlos modern anmuten.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nBeim S\u00e4ngerensemble dominierte in Bezug auf die s\u00e4ngerische Leistung eindeutig das Licht, dennoch wurden auch Schatten geworfen. Allen voran ist<strong> Astrid Webe<\/strong><strong>r<\/strong> zu loben, die gleichzeitig die Rolle der Venus und der Elisabeth \u00fcbernahm. Ihr druckvoller Sopran mit seinen strahlend reinen H\u00f6hen l\u00e4\u00dft <em>Dich teure Halle gr\u00fc\u00df ich wieder<\/em> zu einem gro\u00dfen Auftritt werden. In der Verwandlung der lasziven Venus zur scheuen, reinen Elisabeth zeigt sie sich als K\u00f6nnerin in Bezug auf s\u00e4ngerische und spielerische Wandlungsf\u00e4higkeit, der insbesondere durch nuancenreich eingesetzte Farbtonmodulationen im Gesang zur Geltung kommt.<strong> Jon Ketilsson<\/strong> kann im ersten Akt als Tannh\u00e4user gesanglich nicht ganz \u00fcberzeugen. Zu unkonzentriert und fahrig wirkt sein Spiel, zu angestrengt in den Spitzen sein <em>Dir T\u00f6ne Lob! Die Wunder sei\u2019n gepriesen<\/em>. Ab dem zweiten Akt scheint er v\u00f6llig ausgewechselt. Er besticht mit voller B\u00fchnenpr\u00e4senz und seinem warmen, insbesondere in der Mittellage gut situierten Tenor. Wolfram von Eschenbach ist mit Bariton <strong>Heiko Trinsinger<\/strong> ideal besetzt. Das <em>Lied an den Abendstern<\/em> ger\u00e4t mit tiefer Emphase seiner raumgreifenden Stimme zu einer wahren Sternstunde. <strong>Kouta R\u00e4s\u00e4nen<\/strong> liefert als Landgraf mit seinem geschmeidig schlanken Ba\u00df bei lupenreinem Duktus untadelig ab, ebenso wie die durchweg guten s\u00e4ngerischen Leistungen von <strong>Johan Weigel<\/strong>, <strong>Matthias Winter<\/strong>, <strong>Andr\u00e9 Riemer<\/strong> und <strong>Martin G\u00e4bler<\/strong> das hohe gesangliche Niveau unterstreichen. Besonders hervorzuheben sei zudem noch <strong>Jana B\u00fcchners<\/strong> gesanglich ergreifender Auftritt als Hirte. Die auf hohem Niveau spielende <strong>Robert-Schumann-Philharmonie<\/strong> unter <strong>Frank Beermann<\/strong> schafft es, Wagners Musik in einem satten, impulsiv aufleuchtenden Klangrausch vorzutragen, der jedoch keine erdr\u00fcckend wabernde Klangmasse, sondern feinste Gespinste nuancenreicher Klangtiefenstaffelung entstehen l\u00e4\u00dft. Der <strong>Chor der Oper Chemnitz<\/strong> ist gesangstechnisch gut aufgestellt und die Eins\u00e4tze gelingen auf den Punkt.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung ist mit ihrem Zwiespalt klassischer und neoromantisch-moderner Ausstattung nicht Fisch und nicht Fleisch, da sie weder interpretatorische Wagnisse eingeht, noch flie\u00dfend dynamisch umgesetzt wird, sondern vielmehr die Handlung teilweise in einer statischen Bewegungslosigkeit ausbremst. Die wilden Exzesse im Venusberg geraten so z. B. zu einem, im \u00fcbertragenen Sinn, einschl\u00e4fernden Altersheimausflug, der optisch wenig Berauschendes bereith\u00e4lt. Einzig das mitrei\u00dfend hohe Niveau und Engagement der S\u00e4nger und des Orchesters lassen die Flamme des Opernhauses Chemnitz als sog. <em>S\u00e4chsisches Bayreuth<\/em> wieder aufleuchten.<br \/>\nDr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Dieter Wuschanski<br \/>\nIm Venusberg: Astrid Weber (Venus) und Jon Ketilsson (Tannh\u00e4user).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in 3 Akten, UA: 19. 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