{"id":905,"date":"2009-11-25T23:45:28","date_gmt":"2009-11-25T21:45:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=905"},"modified":"2010-03-21T13:40:41","modified_gmt":"2010-03-21T12:40:41","slug":"frankfurt-oper-die-tote-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=905","title":{"rendered":"Frankfurt, Oper &#8211; DIE TOTE STADT"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Von Erich Wolfgang Korngold (1897 \u2013 1957), Oper in drei Bildern, Libretto: Paul Schott (alias Julius Korngold) frei nach Georges Rodenbachs Roman <em>Bruges-la-morte<\/em> (1892)<br \/>\nRegie: Anselm Weber, B\u00fchnenbild: Katja Ha\u00df, Kost\u00fcme: Bettina Walter, Dramaturgie: Norbert Abels, Video: Bibi Abel, Choreografie: Alan Barnes, Dirigent: Sebastian Weigle, Frankfurter Opern- und Museumsorchester, Chor, Kinderchor und Statisterie der Oper Frankfurt<br \/>\nSolisten: Klaus Florian Vogt (Paul), Tatiana Pavlovskaya (Marietta und Erscheinung Maries), Michael Nagy (Frank und Fritz, der Pierrot), Hedwig Fassbender (Brigitta), Anna Ryberg (Juliette), Jenny Carlstedt (Lucienne), Julian Pr\u00e9gardien (Victorin), Hans-J\u00fcrgen Lazar (Graf Albert), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 22. November 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/frankfurt-tote-stadt.jpg\" TITLE=\"frankfurt-tote-stadt.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/frankfurt-tote-stadt.jpg\" ALT=\"frankfurt-tote-stadt.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Paul lebt in Br\u00fcgge, der toten Stadt. Ein Zimmer, in dem ihn alles an seine verstorbene Frau Marie erinnert, nennt er in Gedenken an sie \u201edie Kirche des Gewesenen\u201c. Seine Haush\u00e4lterin Brigitta k\u00fcndigt ihm die T\u00e4nzerin Marietta an, die in allem ein Ebenbild Maries ist, und deshalb Paul bezaubert. Als sie aber ein Bild von Marie enth\u00fcllt, empfindet er dies als St\u00f6rung der Toten. Marie erscheint Paul. Marietta kann Paul noch einmal bet\u00f6ren, will ihn aber nicht mit der Toten teilen: Er soll sie um ihretwillen lieben, und nicht, weil er in ihr Marie sieht. Mit einer Locke der Toten in der Hand tanzt sie f\u00fcr ihn. Paul ger\u00e4t \u00fcber die Entweihung des Heiligtums derart in Rage, da\u00df er Marietta mit dieser Haarstr\u00e4hne erw\u00fcrgt. Paul begreift, da\u00df alles eine Vision war. Frank, ein Freund, r\u00e4t ihm, die Stadt zu verlassen. So geht Paul, von seiner Obsession geheilt, f\u00fcr immer aus Br\u00fcgge fort.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung von Anselm Weber spielt mit der im Sujet tief verankerten Verwischung der Grenze von Traum und Realit\u00e4t. Sie zeichnet ein Bild der wahnhaften Obsession des Witwers. Das Zimmer der Toten ist eine mit Videoinstallationen visualisierte Whitebox, in welcher Paul seinen Heiligenkult an seiner verstorbenen Frau auslebt. Marietta tr\u00e4gt ein \u00e4hnliches Kleid wie Marie in den eingespielten Videosequenzen, was eine klare Grenzziehung zwischen beiden kaum zul\u00e4\u00dft. Die bunten Kost\u00fcme der skurrilen Traumszene sind gepr\u00e4gt von Skelettmotiven und Totenmasken. Kurz vor der Erdrosselung Mariettas erscheint eine kleine Gruppe von als Marie verkleideter Personen mit grotesken Alterungsmasken, Symbole f\u00fcr die Verg\u00e4nglichkeit der Sch\u00f6nheit im Tod. Umgedeutet wird die Ermordung Mariettas: Nicht Paul ist es, der sie t\u00f6tet, sondern die Duplikate des Alter Egos Maries; sie zerren Marietta in den Schrein, wo sie von der Toten aufgesogen wird und sich beide Charaktere zu einem vereinen.<br \/>\n<strong>Orchester und S\u00e4nger<\/strong><br \/>\n<strong>Tatiana Pavlovskaya<\/strong> (Marietta\/Maria) polterte zun\u00e4chst etwas \u00fcbermotiviert auf die B\u00fchne \u2013 ob das ihre Interpretation einer schillernden T\u00e4nzerin ist, sei dahingestellt. Im Verlauf der Oper blieb sie keinen Beweis f\u00fcr ihre Beherrschung der Gesangstechnik schuldig, nicht nur die enormen H\u00f6hen Mariettas meisterte sie vortrefflich, sondern interpretierte auch Maries lyrische Parts gut. Sie war allerdings auch die einzige, deren Textverst\u00e4ndlich zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df. <strong>Michael Nagy<\/strong> (Frank\/Fritz) f\u00fcllte seine Rollen optimal und gl\u00e4nzte mit seinem durchdringenden, kraftvollen Bariton. Unumstrittener Star des Abends war <strong>Klaus Florian Vogt<\/strong> (Paul), dessen lyrischer, heller Tenor dem enormen Kraftakt seiner Partie absolut gerecht wurde: Nicht nur mit seinem au\u00dfergew\u00f6hnlichen stimmlichen Talent verlieh er dem Charakter ein gro\u00dfes Facettenspektrum, auch die schauspielerische Darstellung seiner Figur war \u00fcberragend.<br \/>\nDas <strong>Orchester<\/strong> stand der s\u00e4ngerischen Leistung des gro\u00dfartigen Ensembles in nichts nach. <strong>Sebastian Weigle<\/strong> pr\u00e4sentierte ein grandioses Repertoire an Klangfarben, welche die Emotionen der Musik ebenso sensibel herausarbeiteten, wie die Inszenierung.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nAn diesem Abend pr\u00e4sentierte sich dem Publikum ein ausgezeichnetes Ensemble und Orchester, das die umsichtige Deutung der Inszenierung gl\u00e4nzend realisierte. Ein Opernabend, der Lust auf mehr macht und entsprechend vom Publikum aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>Isabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Barbara Aum\u00fcller<br \/>\nDas Bild zeigt v.l.n.r.: Anna Ryberg (Juliette), Alan Barnes (Gaston), Tatiana Pavlovskaya (Marietta\/Marie; sitzend), Hans-J\u00fcrgen Lazar (Graf Albert), Michael Nagy (Fritz) und Statisterie der Oper Frankfurt (in den T\u00fcren im Hintergrund)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Erich Wolfgang Korngold (1897 \u2013 1957), Oper in drei Bildern, Libretto: Paul Schott (alias Julius Korngold) frei nach Georges Rodenbachs Roman Bruges-la-morte (1892) Regie: Anselm Weber, B\u00fchnenbild: Katja Ha\u00df, Kost\u00fcme: Bettina Walter, Dramaturgie: Norbert Abels, Video: Bibi Abel, Choreografie:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=905\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,1],"tags":[],"class_list":["post-905","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-frankfurt-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/905","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=905"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/905\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1240,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/905\/revisions\/1240"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=905"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=905"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=905"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}