{"id":898,"date":"2009-11-13T14:36:07","date_gmt":"2009-11-13T12:36:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=898"},"modified":"2010-03-21T13:40:49","modified_gmt":"2010-03-21T12:40:49","slug":"basel-theater-aus-einem-totenhaus-z-mrtveho-domu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=898","title":{"rendered":"Basel, Theater &#8211; AUS EINEM TOTENHAUS (Z MRTV\u00c9HO DOMU)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten, Libretto: Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek nach Fjodor M. Dostojewskis Aufzeichnungen aus einem Totenhaus<br \/>\nRegie: Calixto Bieito, B\u00fchne: C. Bieito und Philipp Berweger, Kost\u00fcme: Ingo Kr\u00fcgler, Dramaturgie: Ute Vollmar<br \/>\nDirigent: Gabriel Feltz, Sinfonieorchester un Herrenchor Basel, Choreinstudierung: Henryk Polus<br \/>\nSolisten: Ludovit Ludha (Luka Kusmitsch bzw. Filka Morosow), Rolf Romei (Skuratow), Karl-Heinz Brandt (Schapkin\/Kedrill), Claudio Otelli (Schischkow), Eung Kwang Lee (Alexander Petrowitsch Gorjantschikow), Fabio Tr\u00fcmpy (Alej), Andrew Murphy (der Platzkommandant) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 8. November 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"basel-aus-einem-totenhaus.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/basel-aus-einem-totenhaus.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"basel-aus-einem-totenhaus.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/basel-aus-einem-totenhaus.jpg\" \/><\/a>Alexander Petrowitsch Gorjantschikow wird als Str\u00e4fling in ein Gefangenenlager gebracht. Zwischen den beiden Gefangenen Luka Kusmitsch (alias Filka Morosow) und Skuratow bricht ein Streit aus, und Luka erz\u00e4hlt Alej, warum er den Mord begangen hat, f\u00fcr den er nun seiner Strafe verb\u00fc\u00dft. Skuratow berichtet von seiner gro\u00dfen Liebe Luisa, die aber mit einem reichen Verwandten verheiratet wurde, den er aus purer Verzweiflung erschossen hat. Die Str\u00e4flinge improvisieren zwei Theaterst\u00fccke: Ein St\u00fcck \u00fcber Kredil und Don Juan und eine Pantomime \u00fcber eine untreue M\u00fcllerin. Das Fest endet im Streit: Gorjantschikow wird von Gefangenen provoziert und Alej verletzt. Nun erz\u00e4hlt Schischkow von seinem Verbrechen: Akulina war Filka Morosow zur Ehe versprochen, der wollte sie aber nicht mehr heiraten da er schon mit ihr geschlafen hatte. Schischkow heiratet sie, doch sie gesteht ihm, noch immer Filka zu lieben und wird deshalb von ihm ermordet. Schischkow erkennt im sterbenden Luka seinen Feind Filka Morosow. Gorjantschikow wird begnadigt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nCalixto Bieitos Lesart des Sujets raubt jedem Charakter den letzten Funken Menschlichkeit und W\u00fcrde, den er vielleicht noch ins Lager gerettet hat. Eine nahezu pornographische Darstellung brutaler Gewalt, Erniedrigung und triebhafter Sexualit\u00e4t dominiert die Szenerie. Auf die Pflege eines kranken Adlers (eigentlich Bestandteil der Handlung), Sinnbild f\u00fcr menschliches Verhalten, wird hier verzichtet; daf\u00fcr wird ein Flugzeug auf die B\u00fchne gestellt, ein Symbol f\u00fcr Freiheit, um das man die Gefangenen tanzen l\u00e4\u00dft wie um das goldene Kalb. Die \u00fcbrige Kulisse bilden kalte, abweisende Wellblechw\u00e4nde. Die beiden Theaterst\u00fccke innerhalb der Oper werden grotesk verzerrt: Don Juan wird zum Triebt\u00e4ter, der Humor der Handlung kippt ins Morbide und Gewaltt\u00e4tige, \u00fcbergro\u00dfe Genitalien aus Gummi schm\u00fccken die Kost\u00fcme der M\u00e4nner, und alles wirkt wie eine einzige gro\u00dfe Travestieshow, die in der (nicht in der Originalhandlung vorkommenden) Vergewaltigung Alejs m\u00fcndet. Einige Gefangene werden hingerichtet und bleiben in Leichens\u00e4cken inmitten des Geschehens liegen. Sprichw\u00f6rtlich wird hier von der Regie \u00fcber Leichen gegangen. Die abschlie\u00dfende Begnadigung Alexander Petrowitsch Gorjantschikows, die vom Aufsteigen des Flugzeugs begleitet wird, das bis dahin in der Mitte der B\u00fchne steht, wird umgedeutet: Auch er wird am Ende erschossen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDas einzige Individuelle, was den Inhaftierten noch bleibt, ist ihr jeweiliges pers\u00f6nliches Schicksal. Die S\u00e4nger interpretierten ihre Rollen eindrucksvoll und mit viel Sensibilit\u00e4t f\u00fcr den psychischen Zwiespalt und f\u00fcr die Frage nach Schuld und Rechtfertigung ihrer Verbrechen. Da es keine Gesangsrolle in dieser Oper gibt, in der in gro\u00dfen Soloabschnitten brilliert werden kann, ist die schauspielerische Ensemble-Leistung aller Akteure enorm wichtig. Mit Eindringlichkeit meisterten sie ihre Partien. Besonders zu erw\u00e4hnen sind <strong>Fabio Tr\u00fcmpy<\/strong> (Alej), dessen schlanker Tenor seiner Figur jederzeit gerecht wurde, aber auch <strong>Claudio Otelli<\/strong> (Schischkow) mit seinem volumin\u00f6sen Bariton, dem ein reiches Nuancenspektrum abverlangt wurde. Der M\u00e4nnerchor des Theaters Basel sowie die Statisterie agierten im perfekten Zusammenspiel mit dem guten Solistenensemble. Gabriel Feltz dirigierte ein zupackend aufspielendes Orchester: Die Balance zwischen den musikalischen Gegens\u00e4tzen vermochte es herzustellen und fand f\u00fcr die verschiedenen Stimmungen, die diese nicht einfach zu spielende Musik transportiert, eine entsprechende klangliche Vielfalt. Das lag nicht zuletzt am Schlagwerk, das rhythmisch sicher spielte und den aggressiv-brutalen Kl\u00e4ngen das n\u00f6tige Fundament gab. Auch die Umsetzung des Volksliedhaften gelang hervorragend und verlieh der Musik etwas Authentisches.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDiese Inszenierung ist definitiv Geschmackssache und auf Schockwirkung hin angelegt. Man sieht eine oberfl\u00e4chliche Deutung der Handlung, die ohne jegliche R\u00fccksichtnahme auf die Vorlage \u2013 eine Handlung, die trotz aller Unmenschlichkeit den Glauben an das Humane zum Thema hat \u2013 aus der Oper Jan\u00e1\u010deks eine blutr\u00fcnstige und vor Gewalt strotzende Show macht. Im Gegensatz dazu bem\u00fchten sich S\u00e4nger und Orchester, der Musik den angemessenen Tiefgang zu geben, indem sie feinsinnig die unterschiedlichsten Nuancen herausarbeiteten und ihre Partien konstruktiv interpretierten.<\/p>\n<p>Isabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Hans-J\u00f6rg Michel<br \/>\nDas Bild zeigt v.l.n.r.: Andrew Murphy (der Platzkommandant), Eung Kwang Lee (Alexander Petrowitsch Gorjantschikow), Erlend Tvinnereim (Wache), Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten, Libretto: Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek nach Fjodor M. Dostojewskis Aufzeichnungen aus einem Totenhaus Regie: Calixto Bieito, B\u00fchne: C. 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