{"id":886,"date":"2009-11-06T10:27:10","date_gmt":"2009-11-06T08:27:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=886"},"modified":"2010-03-21T23:40:04","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:04","slug":"bonn-opernhaus-rigoletto","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=886","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; RIGOLETTO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Francesco Maria Piave nach Victor Hugos Drama Le Roi s\u00b4amuse (1832), UA: 11. M\u00e4rz 1851, Teatro La Fenice, Venedig<br \/>\nRegie: Bruno Berger-Gorski, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Daniel Adinolfi und Fred Fenner, Licht: Max Karbe<br \/>\nDirigent: Enrico Delamboye; Beethoven Orchester und Opernchor der Oper Bonn, Einstudierung: Sibylle Wagner<br \/>\nSolisten: George Oniani (Herzog von Mantua), Mark Morouse (Rigoletto), Julia Novikova (Gilda), Martin Tzonev (Graf von Monterone) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 25. Oktober 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-rigoletto.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/bonn-rigoletto.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-rigoletto.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/bonn-rigoletto.jpg\" \/><\/a>Keine Sch\u00f6ne ist vor dem skrupellosen Herzog von Mantua sicher. Sein Hofnarr, der bucklige Rigoletto, verh\u00f6hnt die Opfer, wie etwa den Grafen Monterone, dessen Tochter der Herzog verf\u00fchrt hat. Der Graf verflucht den Sp\u00f6tter. Die H\u00f6flinge hassen Rigoletto f\u00fcr seine Narrenfreiheit und f\u00fchren dem Herzog Rigolettos sch\u00f6ne Tochter Gilda zu, die er vor seinem l\u00fcsternen Dienstherrn zu verstecken suchte. Gilda wird entf\u00fchrt. Als Rigoletto erf\u00e4hrt, da\u00df seine Tochter entehrt wurde, beschlie\u00dft er, sich zu r\u00e4chen und den Herzog durch den M\u00f6rder Sparafucile beseitigen zu lassen. Doch dieser treibt ein doppeltes Spiel. Ein anderer soll f\u00fcr den Herzog sterben. Gilda hat das Komplott belauscht und opfert sich.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nAuf der B\u00fchne sind die M\u00fcndungen von verschieden gro\u00dfen R\u00f6hren oder Kan\u00e4len zu sehen mit einer gro\u00dfen \u00d6ffnung im Zentrum, durch die Chor und Komparsen als H\u00f6flinge, sowie Herzog und Rigoletto auf die B\u00fchne str\u00f6men. Herzog und Rigoletto tragen silbern gl\u00e4nzende, die \u00fcbrigen Solos\u00e4nger wei\u00dfe Anz\u00fcge. Komparsen und Chor zeigen sich in neonfarbenen Trainingsanz\u00fcgen. M\u00e4dchen mit blonden Per\u00fccken treten in knappen orangenen R\u00f6cken auf, die an die Sicherheitswesten von Bauarbeitern erinnern. Die M\u00e4nner befingern die M\u00e4dchen, der Herzog bezieht von Rigoletto Kokain in gro\u00dfen Mengen, vergeht sich an einem an einer Stange lehnenden M\u00e4dchen. Eine Frau mit Hund schminkt ihr Kind und \u00fcberl\u00e4\u00dft es gegen Bares einem \u00e4lteren Mann, der einen Zwergw\u00fcchsigen an der Leine f\u00fchrt \u2013 ein Panorama der Perversionen. Im n\u00e4chsten Bild ist vor einer auf einen Vorhang aufgemalten barocken Fassade ein Ger\u00fcst mit Zements\u00e4cken zu sehen. Die entf\u00fchrte, in metallgl\u00e4nzende Folie eingeh\u00fcllte Gilda wird vor der neugierig gaffenden und fotografierenden Menge zu einer Stretchlimousine geschleppt. Das Ger\u00fcst ist danach Schauplatz der ausf\u00fchrlich dargestellten Kopulation von Maddalena mit dem Herzog. Dazwischen wird sie von ihrem Bruder Sparafucile vergewaltigt. Am Ende f\u00e4llt die Vorhangfassade in sich zusammen, dahinter baumelt der Herzog an einem Strick von der Decke.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDas Ensemble, allen voran <strong>Mark Morouse<\/strong> in seinem Deb\u00fct als Rigoletto, war mehr als h\u00f6renswert. Er wirkte nicht zuletzt durch seine vor allem von der Mimik lebenden Darstellung \u00fcberzeugend, etwa wie er mit verbundenen Augen die Leiter f\u00fcr die Entf\u00fchrung der eigenen Tochter zu halten hatte. <strong>Julia Novikova<\/strong> erhielt zu Recht bereits nach ihrer ersten Arie Bravorufe. Sie spielte die Gilda trotzig gegen ihren sie \u00fcberbeh\u00fctenden Vater. Man nahm ihr den sowohl von Liebe als auch von Angst erf\u00fcllten Entschlu\u00df ab, sich f\u00fcr den Herzog zu opfern, als sie das Haus des M\u00f6rders Sparafucile betrat. <strong>George Oniani<\/strong> gab musikalisch einen \u00fcberzeugenden, darstellerisch einen im Kontrast zur Musik stehenden, vor allem widerlich wirkenden Herzog. Ziemlich unpassend war es, ihn seine Bravourarie <em>La donna \u00e8 mobile<\/em> wie einen Rockstar, umringt von kreischenden Blondinen, singen zu lassen. In der ersten H\u00e4lfte der Auff\u00fchrung waren Orchester und S\u00e4nger nicht immer synchron. Der Dirigent <strong>Enrico Delamboye<\/strong> zeigte wenig Gef\u00fchl f\u00fcr eine ausgewogene Dynamik zwischen Orchester und S\u00e4ngern. Im Verlauf besserte sich jedoch dieses Zusammenwirken. Beachtlich war, wie konzentriert die Solisten und auch der Chor, dem Ausdrucksgehalt der Musik vertrauten. Sie befreiten den H\u00f6rer dadurch von der Trivialit\u00e4t der Bilder, die mit dem Stoff des 16. Jahrhunderts nicht das mindeste zu tun hatten.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nBis auf die mit guter Lichtregie umgesetzte Gewitterszene, in der Rigoletto auf die Ermordung des Herzogs wartet, und den Schlu\u00df mit der einst\u00fcrzenden Fassade, gab es keine Bilder, die im Einklang mit der Musik gewesen w\u00e4ren. Vielmehr wurde eine der sch\u00f6nsten Verdi-Opern erniedrigt und mit menschenverachtenden Darstellungen und platt nach Provokation heischenden Mitteln erz\u00e4hlt, etwa in Gestalt der Orgienszenen oder des Treffens von Maddalena und Herzog. Die S\u00e4nger waren zu bewundern: Ihnen gelang  eine gute musikalische Interpretation, trotz eines sie nicht immer tragenden Orchesters und der geradezu gegen die Musik gerichteten Regie. Daf\u00fcr gab es lauthals Buhs bereits nach der ersten Szene, was sich am Ende der Oper wiederholte.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<br \/>\nBild: Thilo Beu\/Oper Bonn<br \/>\nDas Bild zeigt: Julia Novikova (Gilda, links oben), Mark Morouse (Rigoletto, Mitte) und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Francesco Maria Piave nach Victor Hugos Drama Le Roi s\u00b4amuse (1832), UA: 11. 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