{"id":882,"date":"2009-10-25T10:14:17","date_gmt":"2009-10-25T08:14:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=882"},"modified":"2010-03-21T23:40:05","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:05","slug":"gera-buhnen-der-stadt-wallenstein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=882","title":{"rendered":"Gera, B\u00fchnen der Stadt &#8211; WALLENSTEIN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jaromir Weinberger (1896-1967), Musikalische Trag\u00f6die in sechs Bildern, Libretto: Milos Kares nach Schillers Wallenstein,  \u00dcbersetzung:  Max Brod, UA: 1937, Wien.<br \/>\nRegie: Matthias Oldag, B\u00fchne: Thomas Gruber<br \/>\nDirigent: Jens Troester, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera, Opernchor von Theater und Philharmonie Th\u00fcringen, Einstudierung: Nikolaus M\u00fcller<br \/>\nSolisten: Teruhiko Komori (Wallenstein), Franziska Rauch (Thekla), Nico Wouterse (Octavio Piccolomini, Dragoner), Vincent Wolfsteiner (Max Piccolomini), Elvira Dre\u00dfen (Gr\u00e4fin Terzky), G\u00fcnter Markwarth (Graf Terzky), Kai Wefer (Illo, Kapuziner), Olaf Plassa (Buttler), Peter Paul Haller (Graf Questenberg, Seni), Bernhard H\u00e4nsch (Oberst Wrangel, Wachtmeister), Marie-Luise Dre\u00dfen (Ein M\u00e4dchen), Michael Siemon (Gordon, K\u00fcrassier), Winfried Roscher (J\u00e4ger), u.a..<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 23.Oktober 2009 (Deutsche Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"gera-wallenstein.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/gera-wallenstein.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"gera-wallenstein.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/gera-wallenstein.jpg\" \/><\/a>Die Oper ist eine gek\u00fcrzte Fassung von Schillers Trilogie Wallenstein. Wallensteins Soldaten haben sich versammelt. Verroht kennen sie nur noch Mord, Beute und Vergewaltigung. Wallenstein sieht keine Hoffnung mehr f\u00fcr Frieden, der Krieg f\u00fchrte nur zu noch auswegloseren Konflikten \u2013 Europa ist am Ende. Einzige Chance ist der \u00dcbertritt zu den Protestanten und der Verrat am katholischen Kaiser. Der schwedische Gesandte Wrangel fordert Eger und Prag, Wallenstein w\u00fcrde K\u00f6nig von B\u00f6hmen werden. Er z\u00f6gert aber. Thekla und Max sind mittlerweile ein heimliches Liebespaar geworden, aber Wallenstein kann die unstandesgem\u00e4\u00dfe Heirat nicht dulden. Octavio wird vom Kaiser zum Nachfolger Wallensteins bestimmt. Es gelingt ihm, Buttler zu seinem Gefolgsmann zu machen. Max w\u00e4hlt die Treue zum Kaiser, verl\u00e4\u00dft Thekla, f\u00fchrt die Pappenheimer in den Kampf und f\u00e4llt. Thekla begeht Selbstmord, Wallenstein und sein Gefolge werden von Buttler get\u00f6tet.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEs ist Max Brod hoch anzurechnen, da\u00df er in der R\u00fcck\u00fcbersetzung (die Komposition wurde urspr\u00fcnglich in Tschechisch ausgef\u00fchrt) die bekannten Zitate Schillers eingef\u00fcgt hat \u2013 man \u201ekennt eben seine Pappenheimer\u201c. So kann man dem Verlauf besser folgen, auch dank der deutschen \u00dcbertitel. Es gibt ein dunkles Einheitsb\u00fchnenbild: Die B\u00fchne steht unter Wasser, zwei Stege f\u00fchren quer \u00fcber hin\u00fcber. Eine Wasserschlacht schafft ein zwar wenig erkl\u00e4rbares, daf\u00fcr aber eindrucksvolles Bild. So werden das M\u00e4dchen und der Kapuziner durch das Wasser geschleift und gesch\u00e4ndet. Die Morde finden nicht auf der B\u00fchne statt, sondern dahinter oder werden durch Abg\u00e4nge dargestellt. Das Staatsbegr\u00e4bnis am Schlu\u00df mit riesigen Lorbeerkr\u00e4nzen neben schwarzen S\u00e4rgen erinnert an die Trauerfeiern unserer Tage.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nBemerkenswert an der Musik Weinbergers ist die Mischung aus Volksweisen und Soldatench\u00f6ren \u2013 die nebenbei an die Chor\u00e4le Bachs erinnern \u2013 im ersten Bild, der <em>Pappenheimer Marsch<\/em> und die d\u00fcstere Trauermusik f\u00fcr Wallenstein am Schlu\u00df. Dazwischen herrscht Sprechgesang vor, immer wieder unterbrochen durch R\u00fcckgriffe auf mittelalterliche Klangbilder und die Musik f\u00fcr Thekla und Max.<strong> Vincent Wolfsteiner<\/strong> (Max) ist ein etwas zur\u00fcckhaltender lyrischer Tenor mit strahlender H\u00f6he. <strong>Franziska Rauch<\/strong> hingegen k\u00e4mpft als Thekla manchmal mit der Intonation \u2013 f\u00fcr sie als lyrischen Sopran sind die dramatischen Gesangspassagen schwierig. Dagegen kann der Mezzo von <strong>Marie-Luise Dre\u00dfen<\/strong> Sch\u00f6nklang verbreiten. Der hauseigene Bariton <strong>Teruhiko Komori<\/strong> gestaltet die Titelfigur gl\u00e4nzend in Diktion und Stimmf\u00fchrung. Seine Gegenspieler <strong>Nico Wouterse<\/strong> (Octavio) und <strong>Olaf Plassa<\/strong> (Buttler) k\u00f6nnen eine d\u00e4monische Schw\u00e4rze in den Klang ihrer Stimme integrieren. Besonders beachtlich ist, da\u00df ein kleineres Haus zwanzig Rollen ausgezeichnet besetzen konnte \u2013 auch wenn mancher S\u00e4nger zwei Rollen \u00fcbernehmen mu\u00dfte. Allein die musikalisch mitrei\u00dfende Leistung des Orchesters unter <strong>Jens Troester<\/strong> h\u00e4tte eine Tonaufnahme verdient.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEs ist vision\u00e4r schon im Jahre 1937 ein solches St\u00fcck \u00fcber Friedenssehnsucht und Kriegsm\u00fcdigkeit zu schreiben und in Wien uraufzuf\u00fchren. Darin wird z.B. von einer europ\u00e4ischen Gesamtl\u00f6sung gesprochen! Diese Oper hat uns auch heute noch viel zu sagen \u2013 genauso wie Wallenstein selbst. Diese deutsche Erstauff\u00fchrung ist eine gelungene Fortsetzung der Opern-Ausgrabungen in Gera-Altenburg, wie unl\u00e4ngst der <em>Scharlatan<\/em> von Pavel Haas. Zum Besuch sei daher dringend geraten!<br \/>\nEs mag sein, da\u00df Schillers Wallenstein nicht wirklich als Opernstoff geeignet ist. Gerade das zweite und dritte Bild, die eigentlich nur aus Dialogen bestehen, eignen sich kaum f\u00fcr eine Komposition. Da\u00df es dennoch gelungen ist, dieses Werk auf die B\u00fchne zu bringen, wurde vom Publikum mit lang anhaltendem Beifall belohnt.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Stephan Walzl<br \/>\nDas Bild zeigt: Die Soldateska greift Zivilisten an und schreckt nicht davor zur\u00fcck Kindersoldaten zu rekrutieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jaromir Weinberger (1896-1967), Musikalische Trag\u00f6die in sechs Bildern, Libretto: Milos Kares nach Schillers Wallenstein, \u00dcbersetzung: Max Brod, UA: 1937, Wien. 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