{"id":880,"date":"2009-11-11T17:31:48","date_gmt":"2009-11-11T15:31:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=880"},"modified":"2010-03-21T23:40:03","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:03","slug":"leipzig-oper-il-turco-in-italia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=880","title":{"rendered":"Leipzig, Oper  &#8211; IL TURCO IN ITALIA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Dramma buffo per musica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani, UA: 14. August 1814, Mailand. Regie\/B\u00fchnenbild: Michiel Dijkema, Kost\u00fcme: Claudia Damm, Dirigent: Andreas Sch\u00fcller, Gewandhausorchester, Chor der Oper Leipzig. Solisten: Viktorija Kaminskaite (Fiorilla), Paolo Rumetz (Geronio), Timothy Fallon (Narciso), Giovanni Furlanetto (Selim), Claudia Huckle (Zaida), Dan Karlstr\u00f6m (Albazar), Giulio Mastrototaro (Prosdocimo), u. a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 7. November 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"leipzig-turke-in-italia.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/leipzig-turke-in-italia.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"leipzig-turke-in-italia.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/leipzig-turke-in-italia.jpg\" \/><\/a>Der Dichter Prosdocimo sucht h\u00e4nderingend nach einem Stoff f\u00fcr eine neue Oper. In einem Zigeunerlager findet er schlie\u00dflich die dazu n\u00f6tige Inspiration. Geronios Gattin Fiorilla bandelt in dem Lager n\u00e4mlich mit dem T\u00fcrken Selim an. Doch nicht nur Geronio, sondern auch Fiorillas Liebhaber Narciso sind dar\u00fcber gar nicht erfreut. Als Selim Fiorilla entf\u00fchren will, verkleidet sich Zaida, die in Selim verliebt ist und welche sich ebenfalls in dem Lager aufh\u00e4lt, als Selims Geliebte, Narciso aber als Selim. In dem allgemeinen Durcheinander erringt schlie\u00dflich Zaida ihren Selim wieder und Fiorilla bereut ihre Untreue bitter. Geronio verzeiht ihr schlie\u00dflich und der Poet Prosdocimo ist \u00fcber den guten Stoff f\u00fcr sein neues Werk \u00fcberaus zufrieden.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung versetzt den Zuschauer ganz in den Entstehungsprozess des Librettos, wie es gerade auf der B\u00fchne umgesetzt wird und somit auch in die Gedankeng\u00e4nge des Dichters. Auf der B\u00fchne steht in beiden Akten eine gro\u00dfe Maschinerie, auf der das Libretto in deutscher Sprache (welche die \u00dcbertitel ersetzen) abgespult und aufgewickelt wird. Dabei durchl\u00e4uft es eine, auf der Vorderseite der Maschine angebrachte B\u00fchnenfront mit Vorhang. Durch den Vorhang und das Libretto entschl\u00fcpfen immer wieder die Charaktere wie sie auch bei ihrer Einf\u00fchrung gro\u00dfen S\u00e4cken entsteigen, die als Einf\u00e4lle des Dichters vom B\u00fchnenboden herabfallen. Der Dichter ist bei dem ganzen Schaffensprozess zugegen und steuert ihn durch Gestikulationen und Eingriffe in die Handlung. Ein Pantomimenensemble verk\u00f6rpert dazu in Nackt-Kost\u00fcmierung des Dichters Gedanken, w\u00e4hrend die Protagonisten in plakativ historisierenden Kost\u00fcmen die B\u00fchne bev\u00f6lkern.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nEs ist ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr die Inszenierung, da\u00df sich die Solisten gesanglich auf einem durchweg hohen Niveau bewegen. Sopranistin <strong>Viktorija Kaminskaite<\/strong> (Fiorilla) verzaubert mit ihrer geschmeidigen, selbst in den H\u00f6hen ohne Anstrengung strahlend aufleuchtenden und wohl gef\u00fchrten Stimme wie in der Kavatine <em>Non si d\u00e0 follia maggiore \u2013 Es gibt keine gr\u00f6\u00dfere Verr\u00fccktheit<\/em>. Auch <strong>Giovanni Furlanetto<\/strong> gibt einen Selim, wie man sich ihn w\u00fcnscht. Bereits in seiner Auftrittsarie <em>Cara Italia, alfin ti miro &#8211; Sch\u00f6nes Italien, seh ich dich endlich<\/em> wei\u00df der kernige, luxuri\u00f6s ausgebaute Ba\u00df ein nuancenreiches Spektrum ostinater Klangartikulation einzusetzen. Ba\u00df <strong>Paolo Rumetz<\/strong> (Geronio) brilliert mit seiner bezwingend beweglichen und insbesondere in den Gruppenbildern mit sattsam druckvoll ausgebauten Stimme. <strong>Timothy Fallon<\/strong> (Narciso) wandelt im <em>Tu seconda il mio disegno, dolce amor &#8211; Hilf meinem Plan, s\u00fc\u00dfer Amor<\/em> mit seiner schmiegsam elegant timbrierten Tenorstimme traumsicher zwischen lyrisch ausgekosteter Ergriffenheit und subtil affektierter \u00dcberbetonung. <strong>Claudia Huckle<\/strong> (Zaida) indes verf\u00fchrt mit ihrem warmen Mezzosopran, neben dessen immenser Strahlkraft sich insbesondere die auffallend bewegliche Phrasierung auszeichnet. Weitere H\u00f6hepunkte sind Bariton <strong>Giulio Mastrototaro<\/strong> (Prosdocimo) mit geschmeidigem Timbre, gewandter Betonung und s\u00fcffisant einnehmendem Spiel sowie <strong>Dan Karlstr\u00f6m<\/strong> (Albazar), dessen Tenor sich vor allem im Mittelbau mit weit \u00f6ffnendem Stimmvolumen \u00fcberzeugen kann.<br \/>\nDirigent <strong>Antonello Allemandi<\/strong> wei\u00df das<strong> Gewandhausorchester<\/strong> sicher durch die, f\u00fcr Rossini typische, breit angelegte Farbpalette musikalischer Gef\u00fchlsnuancierungen zu leiten. Mit hohem Anspruch an musikalische Transparenz und mittels unb\u00e4ndiger Spielfreude gelingt es ihnen, die Br\u00fccke von den ausgelassen heiteren Szenen zu den ausdrucksstark lyrischen Passagen zu schlagen und Rossinis Werk in schillernder Leuchtkraft erbl\u00fchen zu lassen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEs wird eine intelligent umgesetzte, abwechslungsreiche und dem St\u00fcck angemessen mit spr\u00fchend komischen Einf\u00e4llen gespickte Inszenierung geboten, die eine herrliche Abrundung mit den gesanglichen Leistungen erf\u00e4hrt, alles durchweg auf sehr hohem Niveau angesiedelt. In dieser genu\u00dfvoll interpretierten italienisch-musikalischen S\u00fc\u00dfe mit gesanglichen H\u00f6chstleistungen zu schl\u00fcrfen wie ein anregender, starker t\u00fcrkischer Kaffee!<br \/>\nDr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Andreas Birkigt<br \/>\nDas Bild zeigt: Orientalisch-italienische Liebe, Viktorija Kaminskaite (Fiorilla) und Giovanni Furlanetto (Selim).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Dramma buffo per musica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani, UA: 14. August 1814, Mailand. Regie\/B\u00fchnenbild: Michiel Dijkema, Kost\u00fcme: Claudia Damm, Dirigent: Andreas Sch\u00fcller, Gewandhausorchester, Chor der Oper Leipzig. 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