{"id":877,"date":"2009-11-04T17:26:08","date_gmt":"2009-11-04T15:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=877"},"modified":"2010-03-21T23:40:04","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:04","slug":"koln-opernhaus-orfeo-ed-euridice","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=877","title":{"rendered":"K\u00f6ln, Opernhaus &#8211; ORFEO ED EURIDICE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Christoph Willibald Gluck, Azione teatrale per musica in drei Akten (1714 \u2013 1787), Libretto: Ranieri Simone Francesca Maria de&#8216; Calzabigi, UA der italienischen Fassung: 5. Oktober 1762, Wien<br \/>\nInszenierung: Johannes Erath, B\u00fchne: Olaf Altmann, Kost\u00fcme: Claudia Jenatsch, Licht: Hans Toelstede, Dramaturgie: Francis H\u00fcsers<br \/>\nDirigent: Konrad Jungh\u00e4nel, G\u00fcrzenichorchester, Chor der Oper K\u00f6ln, Einstudierung: Andrew Ollivant<br \/>\nSolisten: Maria Gortsevskaya (Orfeo), Jutta B\u00f6hnert (Euridice), Anna Palimina (Amore)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 24. Oktober 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"koln-euridice.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/koln-euridice.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"koln-euridice.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/koln-euridice.jpg\" \/><\/a>Von der Klage um seine tote Gattin ger\u00fchrt erlauben die G\u00f6tter Orpheus, seine Frau aus der Unterwelt zur\u00fcckzuholen. Er d\u00fcrfe sie w\u00e4hrenddessen jedoch nicht ansehen, sonst sei sie f\u00fcr immer verloren. Orpheus will die Bedingung der G\u00f6tter erf\u00fcllen, doch Euridice zweifelt an seiner Liebe. Orpheus verliert die Beherrschung, umarmt Euridice, und sie sinkt tot zu Boden. \u00dcberraschend erscheint Amor und erweckt Euridice erneut zum Leben. Am Ende preisen alle die Macht Amors.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung ist sehr schlicht. Das B\u00fchnenbild verzichtet auf jegliche Darstellung des jeweiligen Ortes der Handlung, zwei St\u00fchle sind die einzigen Requisiten. Schwarze verschiebbare Zwischenw\u00e4nde werden eingesetzt, um \u00c4nderungen der Szenerie anzudeuten und Vorder- und Hinterb\u00fchne zu trennen. Das Gefilde der Seligen wird durch eine gelblich hell strahlende Wand dargestellt, auf der auch der Schatten Euridices erscheint. Auf der B\u00fchne herrscht beinahe st\u00e4ndig Bewegung, da der Chor nicht nur statisch singt, sondern als Bewegungschor eingesetzt wird. Alle Beteiligten tragen zeitlose Kleidung. In der Schlu\u00dfszene schweben dann barocke Kost\u00fcme an B\u00fcgeln von der Decke herab, und der Chor und Amor verkleiden sich in barocke Gew\u00e4nder. Euridice aber bleibt tot auf dem Boden liegen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nAlle drei S\u00e4ngerinnen geben in Glucks Oper Orfeo ed Euridice ihr Rollendeb\u00fct. <strong>Maria Gortsevskaya<\/strong> (Orfeo) umrei\u00dft mit ihrem szenischen Spiels und ihrem Gesang beide Seiten des Orfeo-Charakters: Verzweiflung auf der einen, Hoffnung auf der anderen Seite. Die bekannteste Arie der Oper<em> Che faro senza Euridice \u2013was werde ich ohne Euridice machen <\/em>singt sie voller Trauer, ohne \u00fcbertriebene Gestik. Gesangstechnisch erlebt der Zuschauer an diesem Abend ein H\u00f6chstma\u00df an Pr\u00e4zision: Jeder Triller, jede Koloratur, jeder Ton sitzt. Gerade die Partie des Orfeo, bei der die S\u00e4ngerin fast durchgehend singen und pr\u00e4sent sein mu\u00df, fordert Ausdauer und einen durchdachten Einsatz der Stimme. Geradlinig f\u00fchrt Maria Gortsevskaya ihre Stimme auch in die tieferen Passagen und wird, auch dank des sensibel gef\u00fchrten Orchesters, nie \u00fcbert\u00f6nt. \u00dcberhaupt stehen die Stimmen der drei S\u00e4ngerinnen absolut und zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund. <strong>Jutta B\u00f6hnert<\/strong> (Euridice) beherrscht ebenfalls sehr ordentlich den Koloraturgesang und interpretiert ihre Partie stets lyrisch. Vor allem den Dialog zwischen Orpheus und Euridice im dritten Akt gestaltet sie mit wundersch\u00f6n timbrierter H\u00f6henlage und perfekt ausgef\u00fchrten Koloraturen und Trillern. <strong>Anna Palimina<\/strong> (Amore) darf bei der Inszenierung Johannes Eraths mehr singen, als es bei Gluck der Fall gewesen w\u00e4re, denn die Umdeutung des Schlusses beschert der Sopranistin einen zus\u00e4tzlichen Schlu\u00dfauftritt, bei dem sie die Identit\u00e4t Euridices annimmt. Gesanglich steht sie ihren beiden Kolleginnen in nichts nach.<br \/>\n<strong>Konrad Jungh\u00e4nel<\/strong> leitet das <strong>G\u00fcrzenichorchester<\/strong> mit Elan, man meint beinahe ein Spezialorchester f\u00fcr Alte Musik vor sich zu haben. Die Ouvert\u00fcre beginnt effektvoll mit einem Knall, als ob ein schwerer Gegenstand auf den Boden gefallen w\u00e4re. Besonders hervorzuheben ist auch die Leistung des Chores in der Einstudierung von <strong>Andrew Ollivant<\/strong>. Die Bewegungen des Chores wirken nie \u00fcbertrieben, und wie in der gesamten Inszenierung steht der Gesang im Vordergrund, ebenso wie die Vermittlung eines zentralen Gef\u00fchls, n\u00e4mlich des Gef\u00fchls der Trauer, das auch bei einem doch so fr\u00f6hlich anmutenden St\u00fcck wie dem Jubelschlu\u00dfchor beherrschend bleibt.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nAlles in allem eine gelungene, wenn auch keine \u00fcberragende Inszenierung.<br \/>\nMusikalisch wurden bis auf kleine Einschr\u00e4nkungen alle Erwartungen mehr als \u00fcbertroffen. Sonderapplaus erhielten verdienterma\u00dfen vor allem Konrad Jungh\u00e4nel und Andrew Ollivant mit seinem exzellenten Opernchor, von den S\u00e4ngerinnen die \u00fcberragende Maria Gortsevkaya. Stereotyp wirken einige Mittel, die den Schmerz auszudr\u00fccken sollen. So werden schwarze Westen mehrmals ausgezogen und vor Verzweiflung auf den Boden geworfen sowie St\u00fchle krachend auf der B\u00fchne umhergeworfen. Die Deutung des Schlusses als verzweifelte Selbstt\u00e4uschung des trauernden Menschen ist im Grunde nichts Neues.<br \/>\nKatharina Rupprich<\/p>\n<p>Bild: Klaus Lefebvre<br \/>\nDas Bild zeigt: Anna Palimina als Amore und einen Teil des Ensembles (Chor der Oper K\u00f6ln)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christoph Willibald Gluck, Azione teatrale per musica in drei Akten (1714 \u2013 1787), Libretto: Ranieri Simone Francesca Maria de&#8216; Calzabigi, UA der italienischen Fassung: 5. 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