{"id":8749,"date":"2026-03-27T16:59:10","date_gmt":"2026-03-27T15:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8749"},"modified":"2026-03-27T16:59:10","modified_gmt":"2026-03-27T15:59:10","slug":"der-rosenkavalier-kopenhagen-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8749","title":{"rendered":"Der Rosenkavalier &#8211; Kopenhagen, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864\u20131949), Kom\u00f6die f\u00fcr Musik in drei Aufz\u00fcgen, Libretto von Hugo von Hofmannsthal, UA: 26. Januar 1911<\/p>\n<p>Semperoper, Dresden<\/p>\n<p>Regie: Elisabeth Linton, B\u00fchnenbild: Julia Hansen, Kost\u00fcme: Anja Vang Kragh, Licht: Ulrik Gad, Choreographie: Miles Hoare<\/p>\n<p>Dirigent: Marie Jacquot, K\u00f6niglich d\u00e4nische Hofkapelle, Chor der d\u00e4nischen Hofoper, Leitung: Michael Schneider<\/p>\n<p>Solisten: Gisela Stille (Feldmarschallin), Patrick Zielke (Baron Ochs auf Lerchenau), Elisabeth Jansson (Octavian), Jens S\u00f8ndergaard (Herr von Faninal), Clara Cecilie Thomsen (Sophie), My Johansson (Jungfer Marianne), Morten Staugaard (ein Polizeikommissar), Granit Musliu (ein S\u00e4nger), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. M\u00e4rz 2026 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kopenhagen-Rosenkavalier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8750\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kopenhagen-Rosenkavalier.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kopenhagen-Rosenkavalier.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kopenhagen-Rosenkavalier-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt im Wien der 1740er Jahre. Nachdem sie eine Liebesnacht mit ihrem jugendlichen Geliebten, dem Graf Octavian, verbracht hat, wird die Feldmarschallin F\u00fcrstin Werdenberg durch den Besuch ihres Vetters, Baron Ochs auf Lerchenau, gest\u00f6rt. In Hast verkleidet sich Octavian als Kammerzofe und hat sich fortan den Nachstellungen des Barons, der sich mit seinen zahllosen Aff\u00e4ren br\u00fcstet, zu erwehren. Der verarmte Baron plant Sophie, die Tochter des Parven\u00fcs Herrn von Faninal, zu heiraten, um an dringend ben\u00f6tigtes Geld zu kommen. Die Marschallin macht den Vorschlag, durch seinen entfernten Vetter Octavian eine silberne Rose an die zuk\u00fcnftige Braut \u00fcberbringen zu lassen, welchem der Baron zustimmt. Darauf empf\u00e4ngt die F\u00fcrstin etliche Bittsteller und wird verstimmt. Sie weist sie alle ab und erkl\u00e4rt dem entt\u00e4uschten Octavian, da\u00df ihre Aff\u00e4re fr\u00fcher oder sp\u00e4ter enden werde. Im zweiten Aufzug empf\u00e4ngt Herr von Faninal seinen zuk\u00fcnftigen Schwiegersohn, der seine Braut Sophie allerdings mit seiner Grobschl\u00e4chtigkeit abst\u00f6\u00dft. Sie findet den jungen Rosenkavalier Octavian viel interessanter, dem die Schm\u00e4hungen des Barons zu weit gehen, so da\u00df er zum Degen greift und ihn verwundet. Faninal l\u00e4\u00dft ihn hinauswerfen und droht seiner Tochter, sie ins Kloster zu geben, wenn sie den Baron nicht ehelichen wolle. Im dritten Aufzug l\u00e4dt der Baron Ochs in der Hoffnung auf eine weitere Aff\u00e4re die Kammerzofe der Marschallin, bei der es sich in Wahrheit um den verkleideten Octavian handelt, zum Souper ein. Nachdem eine Unbekannte, die sich als seine Frau ausgibt, mit vielen Kindern auftaucht, die ihn Papa nennen, ruft man nach der Sittenpolizei, die auch auf den Plan tritt. Die Maskerade wird beendet, doch nicht ohne da\u00df Herr von Faninal sich zuvor ein Bild von der zweifelhaften Moral seines zuk\u00fcnftigen Schwiegersohns machen kann. Die Marschallin l\u00f6st die angespannte Situation auf, indem sie den Baron fortschickt, Herrn von Faninal ihre Kutsche anbietet und Octavian mit Sophie zusammenf\u00fchrt. Das junge Paar gelobt sich ewige Treue.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt nicht im 18. Jahrhundert, sondern in der Zeit um 1900, also in der Entstehungszeit dieser Oper. Au\u00dferdem spielen alle drei Akte in den holzget\u00e4felten S\u00e4len und im Kellerarchiv der Kopenhagener B\u00f6rse. Die Choristen und viele der kleinen Rollen sind als M\u00e4nner mit Zylinder und Bart gekleidet, die S\u00e4ngerinnen eingeschlossen. Vor diesem Hintergrund bekommt der Handel zwischen Faninal und dem Baron und der Empfang der Bittsteller den Charakter einer Gesch\u00e4ftsbeziehung. Der dritte Akt spielt im Keller der B\u00f6rse, in dem sich die \u201eGespenster\u201c, die den Baron erschrecken, zwischen den Regalen verstecken und der Archivar in die Rolle des Sittenpolizisten schl\u00fcpft. Die Marschallin und Sophie heben sich durch ihre helle Kleidung von den M\u00e4nnern in Zylindern ab.<\/p>\n<p>Die Personenregie ist intensiv und die Figuren befinden sich in st\u00e4ndiger Bewegung, womit sie den Gesangstext verdeutlichen oder kommentieren. Auch von dem f\u00fcr Trickfilme charakteristischen Mickey-Mousing, also der exakten Synchronisierung von Geb\u00e4rden und musikalischem Rhythmus, macht die Regie Gebrauch, um komische Effekte zu erzeugen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion wartet in den gr\u00f6\u00dferen Partien mit S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern auf, deren darstellerische F\u00e4higkeiten ihren soliden bis \u00fcberragenden musikalischen Leistungen in nichts nachstehen. <strong>Gisela Stille<\/strong> (Feldmarschallin) verf\u00fcgt \u00fcber eine ihrer Rolle sehr gut anstehende distinguierte K\u00f6rpersprache, eine ausgeglichene, volle Stimme und eine musterg\u00fcltige Aussprache, die ebenso wie bei <strong>Patrick Zielke<\/strong> (Baron Ochs auf Lerchenau) den Blick auf die \u00dcbertitel \u00fcberfl\u00fcssig machte. Zielke ist ein ausgezeichneter Schauspieler, dessen Gestaltung der Rolle vergn\u00fcglich anzuschauen war. Sein Ochs auf Lerchenau wird nicht zuletzt wegen seiner st\u00e4ndigen Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung zu einer l\u00e4cherlichen Figur und bemerkenswerterweise trotz seiner unbeholfenen und lauten Art nicht unsympathisch. <strong>Elisabeth Jansson<\/strong> (Octavian) hat die gr\u00f6\u00dfte darstellerische Aufgabe zu bew\u00e4ltigen, denn sie verk\u00f6rpert die Titelfigur der Oper, die in dieser Produktion auch die eigentliche Hauptfigur war. Die Entwicklung dieser Figur und die zahlreichen Stimmungs- und Rollenwechsel, die es hier darzustellen gilt \u2013 vom nachdenklichen oder leidenschaftlichen jugendlichen Liebhaber \u00fcber die naive Kammerzofe und zur\u00fcck \u2013 gelangen vollauf. Ihr Mezzo hat einen warmen, raumf\u00fcllenden Charakter. Einzig ihre Aussprache k\u00f6nnte phasenweise etwas deutlicher sein, was vor allem im ersten Akt auffiel. <strong>Jens S\u00f8ndergaard<\/strong> (Herr von Faninal) hat stimmlich alles, was es f\u00fcr seine Rolle braucht, und agierte, passend zu ihrem eindimensionalen Charakter, etwas eckig. Publikumsliebling unter den Solisten war jedoch<strong> Clara Cecilie Thomsen<\/strong> (Sophie), die in h\u00f6chster Lage seidenweiche, leise T\u00f6ne zu setzen in der Lage ist. Ihre Stimme harmonierte in den Duetten und dem Terzett im zweiten und dritten Alt hervorragend mit denen von Jansson und Stille. Von den kleineren Partien sind <strong>Morten Staugaard<\/strong> (ein Polizeikommissar) als gem\u00fctlicher alter Archivar und <strong>Granit Musliu<\/strong> (ein S\u00e4nger) hervorzuheben, der seine beim Publikum traditionell beliebte kurze Rolle als italienischer Tenor mit allem nur w\u00fcnschenswerten stimmlichen Glanz ausf\u00fcllte. Da\u00df S\u00e4nger und Hofkapelle an diesem Abend tadellos miteinander zusammenspielten ist <strong>Marie Jacquot<\/strong> zu verdanken, die die richtigen Tempi und Lautst\u00e4rkegrade w\u00e4hlte. Die ber\u00fchmten raffinierten Klangmischungen der Strauss\u2019schen Partitur kamen sch\u00f6n heraus und es gelang ihr dabei, eine pers\u00f6nliche Note zu setzen. Jacquots <em>Rosenkavalier<\/em> ist weniger ein kulinarischer Flu\u00df von angenehmen Kl\u00e4ngen, sondern stellenweise durchaus explosiv und rhythmisch zupackend. Im Verbund mit der abwechslungsreichen Personenregie kam es zu keinem musikalischen Leerlauf, sondern der Takt des szenischen Geschehens blieb hoch.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Solistinnen und Solisten wurden verdienterma\u00dfen mit Beifall bedacht; besonders euphorisch wurde Clara Cecilie Thomsen beklatscht. F\u00fcr die Dirigentin und das Orchester gab es hingegen zu Recht stehende Ovationen. Die Inszenierung nimmt die Figuren der Handlung ernst und f\u00fcgt durch die zeitliche und r\u00e4umliche Versetzung der Handlung an die historische d\u00e4nische B\u00f6rse einen Subtext ein, der sicherlich niemanden verst\u00f6rt; tats\u00e4chlich tr\u00e4gt das St\u00fcck laut Hugo von Hofmannsthal Z\u00fcge seiner Entstehungszeit in sich, die dadurch zum Vorschein kommen. Der neue Kopenhagener <em>Rosenkavalier<\/em> ist musikalisch gelungen und so liebevoll wie kurzweilig inszeniert.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Miklos Szabo<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Gisela Stille (Feldmarschallin), Elisabeth Jansson (Octavian)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864\u20131949), Kom\u00f6die f\u00fcr Musik in drei Aufz\u00fcgen, Libretto von Hugo von Hofmannsthal, UA: 26. 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