{"id":8741,"date":"2026-03-09T18:32:33","date_gmt":"2026-03-09T17:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8741"},"modified":"2026-03-09T18:32:33","modified_gmt":"2026-03-09T17:32:33","slug":"jenufa-goeteborg-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8741","title":{"rendered":"Jen\u016ffa &#8211; G\u00f6teborg, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854\u20131928), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten nach einem Drama von Gabriela Preissov\u00e1, UA: 1904 Br\u00fcnn<\/p>\n<p>Regie: Nicola Raab, Regieassistenz: Angela Saroglou, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcm: George Souglides, Licht: David Debrinay, Assistenz Lichtdesign: Cl\u00e9mentine Pradier, Choreographie: Sara Suneson<\/p>\n<p>Dirigent: Alejo P\u00e9rez, Orchester, Chor und Extrachor der Oper G\u00f6teborg, Chormeister: Martin Nagashima Toft<\/p>\n<p>Solisten: Julia Spors\u00e9n (Jen\u016ffa), Katarina Karn\u00e9us (K\u00fcsterin), Jesper Taube (Laca), Kjetil St\u00f8a (\u0160teva), Ingrid Tobiasson (Gro\u00dfmutter Buryja), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. M\u00e4rz 2026 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Goeteburg-Jenufa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8742\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Goeteburg-Jenufa.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Goeteburg-Jenufa.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Goeteburg-Jenufa-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Jen\u016ffa und ihr Cousin \u0160teva sind miteinander verlobt. \u0160teva geh\u00f6rt zu den wohlhabenderen jungen M\u00e4nnern im Dorfe und hat gerade erfahren, da\u00df er nicht zum Milit\u00e4r eingezogen wird. Er feiert ausgelassen mit seinen Freunden als die K\u00fcsterin, Jen\u016ffas Ziehmutter, die sich ernsthaft Sorgen um das Schicksal ihrer Ziehtochter macht, ihm befiehlt, ein Jahr lang vom Alkohol zu lassen, wenn er Jen\u016ffa heiraten will. Jen\u016ffa ist jedoch bereits schwanger. In aller Heimlichkeit bringt sie im Winter \u0160tevas Sohn zur Welt. \u0160teva weigert sich, das Kind anzunehmen und hat sich bereits mit der Tochter des Dorfrichters verlobt. Um ihrer Ziehtochter die Schande einer unehelichen Mutterschaft zu ersparen und weil sich Laca, \u0160tevas Halbbruder, bereits seit langem f\u00fcr Jen\u016ffa interessiert, t\u00f6tet die K\u00fcsterin das Neugeborene. Als im Fr\u00fchjahr das Eis schmilzt und Jen\u016ffa und Laca sich anschicken, ihre Hochzeit feiern, findet man die Leiche des S\u00e4uglings und die K\u00fcsterin wird verhaftet. Jen\u016ffa und Laca beschlie\u00dfen, dennoch zusammen zu bleiben.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung l\u00e4\u00dft die Handlung in einem osteurop\u00e4ischen Land \u2013 m\u00f6glicherweise in M\u00e4hren \u2013 zum Ende des 19. Jahrhunderts stattfinden. Der B\u00fchnenhintergrund ist in allen Akten schwarz, Schaupl\u00e4tze und Jahreszeiten werden durch die Beleuchtung und Requisiten angedeutet. Durch diesen abstrakten Hintergrund wird das Gewicht der Inszenierung auf die Aktionen der Darsteller gelegt. Im ersten Akt sieht man die Wasserm\u00fchle der Familie Buryja von au\u00dfen, im zweiten das Haus der K\u00fcsterin von innen und im dritten findet die Handlung wohl im Freien statt. Die Kost\u00fcme sind realistisch und es gibt sch\u00f6n anzusehende folkloristische Einschl\u00e4ge, wenn die Musikanten im ersten und die M\u00e4dchen im letzten Akt auftreten und volksmusikalische Weisen singen und dazu tanzen. Ein wichtiges szenisches Element ist eine Gruppe schwarzgekleideter schweigender alter Frauen, die mit strenger Miene das Geschehen beobachten. Sie symbolisieren die Macht der Tradition, die die Handlung bestimmt. In den beiden letzten Akten erreicht die Inszenierung eine enorme psychologische Intensit\u00e4t dank der realistischen Personenf\u00fchrung und der hervorragenden darstellerischen F\u00e4higkeiten der S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger der tragenden Rollen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Dirigent<strong> Alejo P\u00e9rez<\/strong> bewies an diesem Abend ein sicheres Gesp\u00fcr f\u00fcr die richtige Wahl der Tempi, die Abstufungen der Lautst\u00e4rke und die Mischung der Farben im Orchester. In G\u00f6teborg kann das Orchester leicht die S\u00e4nger \u00fcbert\u00f6nen, was aber an diesem Abend nicht vorkam. Dennoch leuchteten die oft ungew\u00f6hnlichen Mischungen der Partitur Jan\u00e1\u010deks kr\u00e4ftig und in all ihrer Sch\u00f6nheit. Auch rhythmisch sa\u00dfen die Eins\u00e4tze von Orchester, Chor und Solisten punktgenau und \u00fcber dem Herausarbeiten der Details der Partitur kamen die gro\u00dfen musikalischen B\u00f6gen nicht zu kurz. <strong>Julia Spors\u00e9n<\/strong> (Jen\u016ffa) singt die Titelrolle ohne Sch\u00e4rfen und Unsicherheiten in der Vokalisierung; in dieser Produktion wird, wie mittlerweile bei Jan\u00e1\u010deks Opern \u00fcblich, auf Tschechisch gesungen. Darstellerisch macht sie die gewaltige innere Entwicklung der Figur, die sich am Ende des letzten Aktes nicht in ihr Schicksal ergibt, sondern es selbst in die Hand nimmt, anschaulich. Ihre makellose Leistung wurde von derjenigen <strong>Katarina Karn\u00e9us\u2018 <\/strong>fast noch ein wenig \u00fcberstrahlt, die der \u00e4u\u00dferlich harten und unnachgiebigen K\u00fcsterin eine zutiefst menschliche Note verlieh, die es braucht, um die Handlung plausibel werden zu lassen. Wirklich eindrucksvoll war, wie sie die unterschiedlichen Register ihrer Stimme einsetzte. Sie verf\u00fcgt, wenn erforderlich, \u00fcber eine st\u00e4hlerne H\u00f6he, kann aber auch einen br\u00fcchigeren und in tiefer Lage sprechenden Tonfall anschlagen, der ohne Probleme durch den Orchesterklang hindurchdringt. Sie verlieh ihrer Rolle menschliche Tiefe und machte sie damit zur eigentlichen Identifikationsfigur der Handlung. <strong>Jesper Taube<\/strong> (Laca) sprang an diesem Abend f\u00fcr einen erkrankten Kollegen ein und erbrachte vor diesem Hintergrund eine eindrucksvolle Leistung. Im ersten Akt verschwand seine Stimme ein paar Mal im Orchesterklang, in den letzten beiden war die Tongebung durchweg kraftvoll und klangsch\u00f6n. Auch darstellerisch macht seine Figur wie diejenige Jen\u016ffas eine drastische Entwicklung durch. Im ersten Akt tritt er linkisch und nerv\u00f6s in Erscheinung, im letzten strahlt er, wenn auch mit Unterbrechungen, wachsende Selbstsicherheit aus. <strong>Kjetil St\u00f8as<\/strong> (\u0160teva) Tenor gl\u00e4nzte in allen Lagen und auch er spielte mit Hingabe w\u00e4hrend<strong> Ingrid Tobiasson<\/strong> (Gro\u00dfmutter Buryja) eher teilnahmslos vor der M\u00fchle und bei den Hochzeitsvorbereitungen aus einem Stuhl sitzt und ins Leere starrt. Herauszuheben ist schlie\u00dflich noch der Gesang der M\u00e4dchen im dritten Akt, der mit einem volksmusikalisch glatteren Timbre und einem augenscheinlich authentischen Reigen ausgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese G\u00f6teborger Produktion verdient in musikalischer Hinsicht die Bestnote. Allein schon das Dirigat von Alejo P\u00e9rez ist ein Erlebnis an sich, in Kombination mit diesen gro\u00dfartigen S\u00e4ngern und einer subtilen, \u00fcberaus klugen Inszenierung wird daraus aber ein umwerfendes musikdramatisches Gro\u00dfereignis. Die ergreifenden Wendungen des Librettos werden psychologisch \u00fcberzeugend gestaltet und dies wie Text und Musik dieser Oper ohne ein \u00fcberfl\u00fcssiges Moment oder eine Geste zuviel. Die Konzentration des musikalisch-dramatischen Ausdrucks ri\u00df nirgends ab, und diese Produktion erreicht in den letzten beiden Akten eine Dichte, die das Publikum ganz in ihren Bann schlug. Sie l\u00e4\u00dft deutlich werden, warum es sich bei Jan\u00e1\u010dek um einen der ganz Gro\u00dfen des Musiktheaters handelt.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: H\u00e5kan Larsson<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ingrid Tobiasson, Elisa Svedberg, Inez Carlsson, Klara Robertson, Selma Pettersson Lindgren, Ann-Kristin Jones<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854\u20131928), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten nach einem Drama von Gabriela Preissov\u00e1, UA: 1904 Br\u00fcnn Regie: Nicola Raab, Regieassistenz: Angela Saroglou, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcm: George Souglides, Licht: David Debrinay, Assistenz Lichtdesign: Cl\u00e9mentine Pradier, Choreographie: Sara<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8741\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8742,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[262,1],"tags":[],"class_list":["post-8741","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-goeteborg-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8741","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8741"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8741\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8743,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8741\/revisions\/8743"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8742"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8741"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}