{"id":8737,"date":"2026-03-02T13:31:27","date_gmt":"2026-03-02T12:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8737"},"modified":"2026-03-03T13:41:24","modified_gmt":"2026-03-03T12:41:24","slug":"le-nozze-di-figaro-koeln-oper-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8737","title":{"rendered":"Le nozze di Figaro &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang A. Mozart, Commedia per musica (Opera buffa) in vier Akten, Text: Lorenzo da Ponte nach Beaumarchais, UA: 1. Mai 1786 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Katharina Thoma, B\u00fchne: Johannes Leinacker, Kost\u00fcme: Irina Bartels<br \/>\nDirigent: Andr\u00e8s Orozco-Estrada und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<br \/>\nSolisten: Germ\u00e1n Olvera (Conte Almaviva), Selene Zanetti (Contessa Almaviva), Kathrin Zukowski\u00a0 (Susanna), Adolfo Corrado (Figaro), Anita Monserrat (Cherubino), Sarah Alexandra Hudarew (Marcellina), Dmitry Ivanchey (Basilio), Rhydian Jenkins (Don Curzio), Lucas Singer (Bartolo), Christoph Seidl (Antonio), Giulia Montanari (Barbarina)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 01. M\u00e4rz 2026 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Koeln-Figaro-Internet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8738\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Koeln-Figaro-Internet.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"550\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Koeln-Figaro-Internet.jpg 550w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Koeln-Figaro-Internet-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Koeln-Figaro-Internet-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Hochzeit seines Dieners Figaro mit der Kammerzofe Susanna will Graf Almaviva unbedingt verhindern, denn Susanna soll seine Liebhaberin werden. Figaro plant den Grafen auszutricksen. Die betrogene Gr\u00e4fin hilft dem Brautpaar dabei. Sie soll mit Susanna die Kleider tauschen und zu einem geheimen Treffen erscheinen, um den Grafen auf frischer Tat zu ertappen. Doch Figaro verstrickt sich so sehr in L\u00fcgen, dass der Plan zu scheitern droht. Also nehmen die Frauen die Sache selbst in die Hand: Susanna steckt dem Grafen einen Brief mit dem Ort ihres Treffens zu. Figaro glaubt daraufhin, Susanna sei ihm tats\u00e4chlich untreu. Als Gr\u00e4fin verkleidet, f\u00fchrt sie ihm vor Augen, dass seine Eifersucht unbegr\u00fcndet ist. Die verkleidete Gr\u00e4fin \u00fcberf\u00fchrt ihren Ehemann der Untreue. Dieser ist nun endlich einsichtig.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung wird auf drei verschiedene Zeitepochen im R\u00fcckw\u00e4rtsgang verteilt: beginnend in der heutigen Moderne, \u00fcber das Jahr 1939 bis zur Entstehungszeit der Oper (1786). Die Fassade eines Schlosses umrahmt den Schauplatz der B\u00fchne und wird mit Videoprojektionen (Ornamente, Naturbilder und k\u00fcnstlerische Verzierungen) in jedem Akt ausgeleuchtet. Requisiten und Kost\u00fcme markieren die jeweilige Epoche. Im ersten Akt wird das Innere eines Museumsshops gezeigt, mit Exponaten in Regalen, einer Werkstatt f\u00fcr alte M\u00f6bel und einem Vortragsraum f\u00fcr Touristen. Danach verwandelt sich der Raum in das Schlafgemach der Gr\u00e4fin, die ein gr\u00fcnes Seidengewand im Art-D\u00e9co-Stil mit Bademantel und Turbanhaube tr\u00e4gt, ihr Mann erscheint im eleganten Anzug mit Stiefeln. Im dritten Akt erscheinen die Damen in pomp\u00f6sen Rokoko-Kleidern mit seitlichen H\u00fcftkissen und Per\u00fccken, die Herren in R\u00fcschenhemden und Bundhosen. Viel mehr nutzt die Regie die Oper als Schablone f\u00fcr die Grundaussage, dass Konflikte in Paarbeziehungen zeitlos sind. Ein roter Faden oder eine innere Logik ist bei diesen teilweise zusammenhanglosen Zeitspr\u00fcngen aber nicht zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Orozco-Estrada<\/strong> dirigiert das Orchester sehr beschwingt und mit viel Gef\u00fchl f\u00fcr die dynamischen Wechsel durch die Ouvert\u00fcre. Dabei entwickelt das Orchester eine sehr gute Eigendynamik, mit gro\u00dfen Steigerungsb\u00f6gen. Leider manchmal mit dem Ergebnis, dass der Gesang etwas \u00fcbert\u00f6nt wird. <strong>Adolfo Corrado<\/strong> (Figaro) besticht mit einem dunklen, sehr volumin\u00f6sen Bass: in der Tiefe hat er eine profunde St\u00fctze, in der H\u00f6he scheppert er mit metallischer Nuancierung. Die Arie <em>Se vuol ballare<\/em> &#8211; <em>Wenn Sie tanzen wollen<\/em> im ersten Akt ist allerdings nicht seine beste Leistung, dagegen kann er sp\u00e4ter in der Arie <em>Non piu andrai<\/em> &#8211; <em>Nun vergiss leises Flehen<\/em> mit rhythmischer Genauigkeit und guter Verzierung in den Spitzent\u00f6nen besondere Akzente setzen. Eine konstantere Leistung bringt seine Mits\u00e4ngerin <strong>Kathrin Zukowski <\/strong>(Susanna), die von der ersten Minute an H\u00f6chstleistungen abruft. Ihr glockenklarer, lyrischer Sopran hat ein ausgenommen reines Timbre. Technisch f\u00fchrt sie ihre Stimme mit einer m\u00fchelosen Leichtigkeit durch die schnellen und hohen Melodiel\u00e4ufe, wie auch durch die langsamen, gef\u00fchlvollen Partien. Besonderer H\u00f6hepunkt ist das Duett mit ihrer Gesangspartnerin <strong>Selene Zanetti<\/strong> (Gr\u00e4fin Almaviva), die \u00fcber einen warmen Sopran mit mehr vibrato und Schwere verf\u00fcgt. Hier legen sich die beiden kontr\u00e4ren Stimmfarben so wundersch\u00f6n umeinander und singen so synchron, dass es f\u00fcr eine sehr intime, z\u00e4rtliche Stimmung sorgt. Auch in den Solopartien wei\u00df Zanetti zu \u00fcberzeugen: in der Arie <em>Dove sono i bei momenti<\/em> &#8211; <em>Wo sind die sch\u00f6nen Momente, <\/em>besingt sie die Sehnsucht nach besseren Tagen ihrer Liebe mit einer so konzentrierten, im <em>pianissimo<\/em> gesungenen Stimme im <em>sotto voce<\/em>. Unter den Frauenstimmen ist ebenso <strong>Anita Montserrat<\/strong> (Cherubino) zu erw\u00e4hnen: ihr Einsatz bei der Arie <em>Non so pi\u00f9 cosa son, cosa faccio &#8211; Ich wei\u00df nicht mehr was ich bin, was ich mache <\/em>kommt zwar etwas zu fr\u00fch, aber ihr lyrischer flinker Sopran hat ein ausgenommen schillerndes, stechendes Timbre, das sie im weiteren Verlauf sehr gut unter Kontrolle bringt. <strong>Germ\u00e1n Olvera<\/strong> (Almaviva) bringt von allen das markanteste und einpr\u00e4gsamste Schauspiel, was dankenswerter Weise etwas Abwechslung in die Handlung bringt: von Beginn an markiert er den Graf als Ekel mit d\u00e4monischer Mimik und \u00fcberheblicher Brutalit\u00e4t gegen\u00fcber dem restlichen Ensemble. Dabei singt er mit einem knurrigen, rauen Bariton und scharfer Intonation und erzeugt besonders in den H\u00f6hen ein glanzvolles Volumen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch bringt der Abend viele H\u00f6hepunkte. Allen voran Kathrin Zukowski und Adolfo Corrado werden vom Publikum lange beklatscht und gefeiert, aber auch Selene Zanetti und Germ\u00e1n Olvera sowie das Orchester erhalten besonders schallenden Applaus. Die Inszenierung ist aufgrund der inkonsistenten Zeitspr\u00fcnge eher verwirrend und das Schauspiel an vielen Stellen zu zur\u00fcckhaltend, was f\u00fcr viele unn\u00f6tige L\u00e4ngen sorgt. F\u00fcr eine Opera buffa gibt es wenig zu lachen, an seltenen Stellen h\u00f6rt man vereinzelt Kichern im Saal. Ein netter Opernabend &#8211; aber keiner, der im Ged\u00e4chtnis bleiben wird.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Kathrin Zukowski, Germ\u00e1n Olvera<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang A. Mozart, Commedia per musica (Opera buffa) in vier Akten, Text: Lorenzo da Ponte nach Beaumarchais, UA: 1. 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