{"id":8729,"date":"2026-03-01T15:11:03","date_gmt":"2026-03-01T14:11:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8729"},"modified":"2026-03-01T15:14:04","modified_gmt":"2026-03-01T14:14:04","slug":"das-schlaue-fuechslein-berlin-staatsoper-unter-den-linden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8729","title":{"rendered":"Das schlaue F\u00fcchslein &#8211; Berlin, Staatsoper Unter den Linden"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854\u20131928), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten, UA: 6. November 1924, Nationaltheater Br\u00fcnn<\/p>\n<p>Regie: Ted Huffman, Mitarbeit Regie: Sonoko Kamimura, B\u00fchne: Nadja Sofie Eller, Kost\u00fcme: Astrid Klein, Choreographie: Pim Veulings, Dramaturgie: Detlef Giese und Elisabeth K\u00fchne, Licht: Bertrand Couderc<\/p>\n<p>Dirigent: Simon Rattle, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor (Einstudierung: Dani Juris), Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden (Einstudierung: Vinzenz Weissenburger)<\/p>\n<p>Solisten: Vera-Lotte Boecker (F\u00fcchsin Schlaukopf), Magdalena Ko\u017een\u00e1 (Fuchs), Svatopluk Sem (F\u00f6rster), Natalie Skrycka (F\u00f6rsterin\/Eule), Florian Hoffmann (Schulmeister\/M\u00fccke), David O\u0161trek (Pfarrer\/Dachs), Carles Pachon (Hara\u0161ta), Sandra Laagus (Dackel\/Specht), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Februar 2026 (Erstauff\u00fchrung an der Staatsoper Berlin)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Berlin-das_schlaue_fuechslein_Internet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8730\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Berlin-das_schlaue_fuechslein_Internet.jpg\" alt=\"\" width=\"974\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Berlin-das_schlaue_fuechslein_Internet.jpg 974w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Berlin-das_schlaue_fuechslein_Internet-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Berlin-das_schlaue_fuechslein_Internet-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 974px) 100vw, 974px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der F\u00f6rster f\u00e4ngt eine junge F\u00fcchsin und nimmt sie mit auf seinen Hof. Dort freundet sie sich mit dem Hund an, wiegelt sie die H\u00fchner auf und t\u00f6tet den Hahn und die Hennen. Als der F\u00f6rster sie bestrafen will, entkommt sie in den Wald. Dort nimmt sie die H\u00f6hle des Dachses in Beschlag, trifft den Fuchs, gr\u00fcndet mit ihm eine Familie und wird schlie\u00dflich von dem Wilderer Hara\u0161ta get\u00f6tet, als sie ihm seine Beute zu stehlen versucht. Derweil ist auch die Menschenwelt im Dorfe in Bewegung. Die alternden Herren sitzen im Gasthaus beieinander und denken an ihre Jugend zur\u00fcck. Der Pfarrer mu\u00df sich versetzen lassen und der Schulmeister hat sich ungl\u00fccklich verliebt. Auch der F\u00f6rster sp\u00fcrt, wie er \u00e4lter wird und das Leben in der Natur unbeeindruckt seinen Fortgang nimmt, als er die Nachkommen der F\u00fcchsin im Wald erblickt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Szenen dieser Oper sind sehr kurz und machen viele Schauplatzwechsel notwendig. Diese finden bei heruntergelassenem Vorhang statt. Die Aktionen finden in abstrakter Umgebung statt, vor kahlen wei\u00dfen W\u00e4nden und bei recht n\u00fcchterner Beleuchtung. Requisiten deuten die Schaupl\u00e4tze an: Ein gro\u00dfer Erdhaufen symbolisiert den Wald, eine Sammlung von Wanduhren das Heim des F\u00f6rsters, im letzten Akt rieselt das Herbstlaub und beim Massaker im H\u00fchnerstall stieben die Federn. Eine kleine \u00c4nderung oder Auslegung der Handlung besteht darin, da\u00df die m\u00e4nnlichen Figuren in dieselbe junge Frau Terynka verliebt sind, die Hara\u0161ta am Ende heiratet. Es geht in dieser Inszenierung nicht darum, ein atmosph\u00e4risches B\u00fchnenbild zu schaffen, sondern die darstellerischen Aktionen in den Vordergrund treten zu lassen. Die k\u00f6nnen sich allerdings auch sehen lassen. Viele sehr junge Akrobaten und T\u00e4nzer der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin bev\u00f6lkern als Tiere des Waldes die B\u00fchne und f\u00fchren beeindruckende Kunstst\u00fccke aus. Unter anderem kreisen zwei von ihnen an Strapaten im Hintergrund \u00fcber der B\u00fchne. Die Bewegungen der Darsteller imitieren gelegentlich diejenigen der Tiere, die sie verk\u00f6rpern. Die Titelrolle hat hier die schwierigste Aufgabe zu bew\u00e4ltigen. Die Kost\u00fcme sind bei den meisten Tierrollen ebenfalls abstrakt und deuten nur durch ihre Farbe an, da\u00df es sich bei ihnen um einen Frosch oder einen Fuchs handelt. Sie bewegen sich zumeist wie Menschen \u00fcber die B\u00fchne. Der Dackel und der Hahn verk\u00f6rpern hingegen konsequent ihre Tierrolle auf allen Vieren bzw. mit eckigen Bewegungen. Der kurze Auftritt des Chors anl\u00e4\u00dflich der Hochzeit der beiden F\u00fcchse erfolgt in formeller, individueller Kleidung. Neben den vielen S\u00e4ngern treten T\u00e4nzer und stumme Rollen auf.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Simon Rattle<\/strong> ist einer der weltweit anerkannten Spezialisten f\u00fcr die Musik Jan\u00e1\u010deks. Mit dieser Erstauff\u00fchrung an der Berliner Staatsoper geht ein \u00fcber 15 Jahre andauernder Zyklus zu Ende, innerhalb dessen s\u00e4mtliche Jan\u00e1\u010dek-Opern zur Auff\u00fchrung gekommen sind. Wie die Handlung so ist auch die Musik kurzatmig und verlangt vom Orchester und den S\u00e4ngern, blitzschnell klanglich und von Ausdruck her umschalten zu k\u00f6nnen. Viel h\u00e4ngt von der Wahl der richtigen Tempi ab, und hier konnte man sich die gesamte Auff\u00fchrung \u00fcber wirklich in sicheren H\u00e4nden f\u00fchlen. Die vielen schroffen Eins\u00e4tze und Tempowechsel wie auch die rhythmische Koordination zwischen B\u00fchne und Orchestergraben waren sauber, und gestochen scharf wurden die oft ungew\u00f6hnlichen klanglichen instrumentalen Mischungen herausgearbeitet. Dar\u00fcberhinaus befanden sich die S\u00e4nger \u2013 also sowohl die erwachsenen und jugendlichen Solisten und die Ch\u00f6re \u2013 und das Orchester auch von der Lautst\u00e4rke her in der Balance. Das ist bei den sich zuweilen abrupt auft\u00fcrmenden Klangmassen der Partitur keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Makellos war die Wiedergabe der zahlreichen Orchesterzwischenspiele. Die drei umfangreichsten Partien von F\u00fcchsin, Fuchs und F\u00f6rster waren dabei mit S\u00e4ngern besetzt, die sowohl \u00fcber kraftvolle Stimmen verf\u00fcgen als auch die nicht selten pointillistischen, sprechartigen Passagen klangvoll zu singen verm\u00f6gen. <strong>Vera-Lotte Boecker<\/strong> (F\u00fcchsin Schlaukopf) bewegt sich mit ungemeiner Elastizit\u00e4t zwischen den unterschiedlichen Facetten ihrer ungew\u00f6hnlichen, wenn nicht gar unm\u00f6glichen Rolle, in welcher sie eine junge, rebellische Frau und ein unberechenbares wildes Tier zugleich zu verk\u00f6rpern hat. <strong>Magdalena Ko\u017een\u00e1<\/strong> (Fuchs) agierte im Vergleich dazu gemessen und mit kraftvoller Stimme und lie\u00df die animalische Seite ihrer Partie lediglich in der Szene der Ann\u00e4herung mit der F\u00fcchsin aufscheinen.<strong> Svatopluk Sem<\/strong> (F\u00f6rster) hat eine sehr schnell ansprechende Baritonstimme, mit der er auch mit seinen kurzen und quasi-gesprochenen Passagen souver\u00e4n \u00fcber dem Orchester steht. Dieses St\u00fcck erfordert sehr viele S\u00e4nger, darunter auch etliche Jugendliche, die an diesem Abend ihre Partien ohne h\u00f6rbare Schwierigkeiten bew\u00e4ltigten und sicher agierten. Stellvertretend f\u00fcr sie sei hier lediglich <strong>Sandra Laagus<\/strong> (Dackel\/Specht) erw\u00e4hnt, die auf allen Vieren singend den seinem Schicksal ergebenen Dackel des F\u00f6rsters gibt, ohne den richtigen Stimmsitz zu verlieren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion ist einer Staatsoper vollkommen w\u00fcrdig. Musikalisch wie auch darstellerisch bekam man eine perfekte, ja vielleicht schon perfektionistische Inszenierung geboten. Lyrische Ruhepunkte gibt es in diesem St\u00fcck kaum, sondern die in kurzen Episoden sich abspielende Handlung schreitet oder vielmehr l\u00e4uft st\u00e4ndig weiter. Es gibt viel Spektakul\u00e4res zu sehen und zu h\u00f6ren, so da\u00df die ohne Pause gespielte Oper wie im Flug vor\u00fcberging. Das Publikum wu\u00dfte die musikalisch und schauspielerisch hervorragende Interpretation dieses eigenartigen Werkes zu w\u00fcrdigen und feierte neben den vielen erwachsenen und jungen S\u00e4ngerinnen, S\u00e4ngern und Akteuren auch das Regieteam und nicht zuletzt das Orchester.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Vera-Lotte Boecker, Anna Samuil<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854\u20131928), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten, UA: 6. 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