{"id":8721,"date":"2025-11-25T08:03:18","date_gmt":"2025-11-25T07:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8721"},"modified":"2025-11-27T19:27:16","modified_gmt":"2025-11-27T18:27:16","slug":"saul-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8721","title":{"rendered":"Saul &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759) Oratorium in drei Akten, Libretto: Charles Jennens, UA: 16. Januar 1739, London, Kings Theatre<\/p>\n<p>Regie: Barry Kosky, Szenische Einstudierung: Donna Stirrup, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Katrin Lea Tag, Choreografie: Otto Pichler<\/p>\n<p>Dirigent: Rub\u00e9n Dubrovsky und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Christopher Purves (Saul), Christopher Lowrey (David), Sarah Brady (Merab), Giulia Montanari (Michal), Linard Vrielink (Jonathan) Benjamin Hulett (Abner\/Hohepriester\/Amalekiter\/Doeg)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23.November 2025 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Koeln-Saul.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8722\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Koeln-Saul.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Koeln-Saul.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Koeln-Saul-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nach Davids Sieg \u00fcber Goliath verehrt das israelische Volk ihn als Helden, was bei K\u00f6nig Saul heftigen Neid verursacht. Trotz Davids Loyalit\u00e4t zum K\u00f6nig versucht Saul mehrfach, ihn zu t\u00f6ten. Seine Kinder, Jonathan und Michal und sp\u00e4ter auch Merab, stellen sich auf Davids Seite; Michal verliebt sich in ihn und wird ihm als Ehefrau versprochen. Als letzten Ausweg David loszuwerden, sucht Saul eine Hexe auf. Doch auch der von ihr heraufbeschworene Geist Samuels sagt Sauls Untergang als Wille Gottes voraus. Saul und Jonathan werden bald darauf im Krieg von den Philistern get\u00f6tet und David als gottgesandter Herrscher Israels mit Michal an seiner Seite best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Vorbemerkung: Die K\u00f6lner Inszenierung ist eine Adaptierung der Produktion des Glyndebourne Festivals, mit der Barry Kosky vor 10 Jahren gro\u00dfe Erfolge feierte. In dieser Version wird das Oratorium als szenische Auff\u00fchrung wie eine Oper gespielt und nicht als konzertante Version, wie im Original vorgesehen.<\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt eine gekippte Fl\u00e4che mit grauem Granulat bedeckt, sodass die Darsteller immer in der schiefen Ebene agieren. Die Kost\u00fcme verorten die Handlung zur Entstehungszeit des Oratoriums im Barockzeitalter: die Frauen tragen satin-gl\u00e4nzende Rokoko-Kleider in Bonbonfarben, die Herren sind wei\u00df geschminkt, tragen Per\u00fccken und Bundhosen mit R\u00fcschenhemden. David tr\u00e4gt einen eleganten Hosen-Anzug mit moderner Kurzhaarfrisur und sticht damit hervor. Die Inszenierung fokussiert sich darauf, Neid und Missgunst als eine Art Wahnsinn zu verk\u00f6rpern, der Saul von innen zerfrisst und ihn zu einem b\u00f6sartigen Menschen macht. Die Choreographie eines Tanzensembles, das verschiedene Elemente des zeitgen\u00f6ssischen Ausdruckstanzes mit Pantomimen und balletartigen Tanzelementen vermischt, sorgt f\u00fcr viele unterhaltsame und skurrile Effekte. H\u00f6llenhafte Symbole entstehen u.a. durch die Rolle des Hohepriesters, der wie ein Horror-Clown aus einem Stephen-King-Roman gekleidet ist. Zum Schluss wird die Barockepoche dekonstruiert: Saul erscheint ohne Per\u00fccke und pomp\u00f6se Kleidung und stirbt halbnackt in Unterhose. Mit Davids K\u00f6nigtum wird ein neues, moderneres Zeitalter eingel\u00e4utet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dubrovsky<\/strong> er\u00f6ffnet den Abend mit einem schnellen, sehr strammen Dirigat, das er besonders in den vielen Soli-Partien im Orchester sehr schnell anpasst. Auch der Wechsel zum langsameren und getragenen Teil gelingt ihm ausgenommen gut. Der Chor, der in dem Oratorium eine exponierte Rolle einnimmt, gl\u00e4nzt vom ersten bis zum letzten Auftritt. In den tragischen und leisen Partien wirkt er unglaublich harmonisch und synchron, in den dramatischen Auftritten entwickelt er ein majest\u00e4tisches Volumen, dabei sind M\u00e4nner- und Frauenstimmen sehr gut austariert. <strong>Giulia Montanari <\/strong>(Michal) \u00fcberzeugt mit einem glockenklaren lyrischen Sopran, der perfekt zu ihrer Rolle der unschuldigen, verliebten Tochter passt. Sie singt ausgenommen klar und kann dabei im sotto voce sehr viel Empfindung in die einzelnen Arien legen. Besonders die Duette mit <strong>Christopher Lowrey<\/strong> (David), der \u00fcber einen warmen Countertenor mit hohem Ambitus verf\u00fcgt, sind bemerkenswert sch\u00f6n: Die kontr\u00e4ren Stimmfarben passen perfekt zusammen und erzeugen harmonische Highlights. Lowrey singt mit sehr viel Dynamik, l\u00e4sst seinen Countertenor durch ein expressives vibrato in der H\u00f6he anmutig scheppern und erreicht dabei fast die hohen T\u00f6ne eines Soprans. Schauspielerisch zeigt er David als erhabenen und kontrollierten Herrscher, der sich nicht zu Ausschweifungen oder Exzessen verleiten l\u00e4sst. <strong>Sarah Brady <\/strong>(Merab) schafft mit ihrem metallischeren Sopran ein gutes Gegengewicht zu Montanari und scheppert mit ihrem anmutigen Organ expressiv und temperamentvoll durch die Arien. Dabei betont sie ihre Rolle als mutige Prinzessin durch ein wildes Schauspiel und widersetzt sich mit vollem K\u00f6rpereinsatz angeekelt ihrem wahnsinnigen Vater. Absolutes Highlight ist <strong>Christopher Purves<\/strong> (Saul), der schauspielerisch alles in seine Rolle legt. Er murmelt vor sich hin, f\u00e4ngt imagin\u00e4re Dinge in der Luft, flucht, schimpft, schreit vor Schmerzen, kommandiert, verzerrt das Gesicht zu einer Fratze und ist die ganze Zeit in Bewegung. Sein klarer Bassbariton ist scharf und rau und wird von ihm sehr lautmalerisch eingesetzt &#8211; leider zu Beginn nicht immer ganz im Takt mit dem Dirigat, doch dies legt sich ab dem zweiten Akt. Unter den M\u00e4nnerstimmen ist <strong>Linard Vrielink<\/strong> (Jonathan) ein gro\u00dfer H\u00f6hepunkt: sein satter Tenor verf\u00fcgt \u00fcber sehr viel Substanz in der Tiefe und ein metallisches Timbre in der H\u00f6he. Er singt sehr akzentuiert und sorgt schauspielerisch f\u00fcr dramatische H\u00f6hepunkte, indem er seinen Vater fast zu erstechen versucht oder David auf den Mund k\u00fcsst.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Inszenierung ist Barry Kosky ein gro\u00dfer Coup gelungen: aus einem Oratorium ein &#8211; wie es auch im Programmheft beschrieben wird &#8211; \u201cepisches und universelles Drama\u201d zu machen. Auch f\u00fcr Menschen, die sonst eher wenig mit barocker Musik anfangen k\u00f6nnen, liefert diese Operninszenierung alles, was es f\u00fcr einen unvergesslichen Abend braucht. Hervorragend ist die Verbindung aus Choreografie, Kost\u00fcmen und Schauspiel, die f\u00fcr sehr viel Abwechslung und Unterhaltung sorgt. Absolut fantastisch ist aber die gesamte musikalische Darbietung unter Rub\u00e9n Dubrovskys Leitung, wof\u00fcr alle schallenden, langen Applaus und Standing Ovations erhalten. F\u00fcr die nicht so eingefleischten H\u00e4ndel-Fans ist dies eine wunderbare Gelegenheit, die Musik in einem ganz neuen Licht zu erleben. Einfach nur toll!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Sandra Then<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Chor der Oper K\u00f6ln, Christopher Lowrey (David), Christopher Purves (Saul)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759) Oratorium in drei Akten, Libretto: Charles Jennens, UA: 16. 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