{"id":8717,"date":"2025-11-02T09:09:57","date_gmt":"2025-11-02T08:09:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8717"},"modified":"2025-11-03T09:13:37","modified_gmt":"2025-11-03T08:13:37","slug":"tristan-und-isolde-deutsche-oper-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8717","title":{"rendered":"Tristan und Isolde &#8211; Deutsche Oper Berlin"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1865 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Inszenierung: Michael Thalheimer, B\u00fchne: Henrik Ahr, Kost\u00fcme: Michaela Barth, Licht: Stefan Bolliger, Dramaturgie: Luc Joosten und J\u00f6rg K\u00f6nigsdorf<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Herrenchor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines<\/p>\n<p>Solisten: Clay Hilley (Tristan), Elisabeth Teige (Isolde), Georg Zeppenfeld (Marke), Thomas Lehman (Kurwenal), Irene Roberts (Brang\u00e4ne), Dean Murphy (Melot), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. November 2025 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DO-Tristan-und-Isolde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8718\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DO-Tristan-und-Isolde.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DO-Tristan-und-Isolde.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DO-Tristan-und-Isolde-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Tristan, der Held Kornwalls, und Isolde, Prinzessin von Irland, sind insgeheim f\u00fcreinander in Liebe entflammt, obwohl er ihren Verlobten Morold get\u00f6tet und ihr Vertrauen mi\u00dfbraucht hat: Unter falschem Namen lie\u00df Tristan seine Wunden, die er beim Kampf mit Morold erlitten hatte, von ihr heilen und kehrte danach zu ihr zur\u00fcck, um sie seinem Onkel Marke, dem K\u00f6nig von Kornwall, als Braut zuzuf\u00fchren. Auf der \u00dcberfahrt von Irland beschlie\u00dft Isolde, sich und Tristan mit einem giftigen Trank umzubringen. Brang\u00e4ne, die Zofe Isoldes, verabreicht ihnen jedoch statt dessen einen Liebestrank, und nun k\u00f6nnen beide ihre Gef\u00fchle nicht l\u00e4nger verheimlichen. Ihre Liebe verst\u00f6\u00dft jedoch gegen Gesetz und Moral, und so beschlie\u00dfen sie, den Tod zu w\u00e4hlen. Tristan st\u00fcrzt sich in das Schwert Melots, nachdem er sie im Morgengrauen gemeinsam mit Marke und seinem Hofstaat ertappt hat, und wird schwer verletzt. An seiner Wunde siechend erwartet er auf seiner Burg verzweifelt die Ankunft Isoldes, um den ersehnten Tod finden zu k\u00f6nnen. Als sie bei ihm eintrifft, stirbt er. Isolde wird in ihrem Schlu\u00dfgesang verkl\u00e4rt. Der Vorhang f\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung ist \u00fcberaus sparsam in den \u00e4u\u00dferen Mitteln. Sowohl das schlichte, dunkle B\u00fchnenbild als auch die sich fast nur in Andeutungen ergehende Personenregie ergeben phasenweise den Eindruck eines halbszenischen Konzertes. In allen drei Aufz\u00fcgen ist die B\u00fchne in ihrer gesamten Breite und H\u00f6he von \u00fcber einhundert Lampen ausgef\u00fcllt, deren Lichtintensit\u00e4t im Kontext der Handlung wechselt. Die Kost\u00fcme sind formell und zeitgen\u00f6ssisch. Lediglich Isoldes wei\u00dfes Brautkleid wird ab dem zweiten Aufzug gegen ein schwarzes eingetauscht, ansonsten behalten alle Figuren ihr Kost\u00fcm. Die Ver\u00e4nderungen des B\u00fchnenbildes geschehen langsam und beschr\u00e4nken sich auf das Absenken der B\u00fchnenmitte oder des Lampenrasters. Die Personenregie arbeitet einzelne Aktionen sehr genau heraus, etwa als der Liebestrank im ersten Akt zu wirken beginnt und sich die Akteure der Titelpartien zu dem sogenannten Blickmotiv erstmals direkt ansehen. Requisiten werden fast gar nicht eingesetzt, abgesehen von einer Scherbe des zerschmetterten Glases, aus dem im ersten Aufzug der Liebestrank getrunken wird. Damit schneiden sich die beiden Hauptfiguren im zweiten Aufzug die Arme auf und Isolde am Ende die eigene Kehle. Ein durchgehendes optisches Motiv ist ein Seil, an dem Isolde im ersten und Tristan im letzten Akt ziehen und dessen Ende nicht sichtbar ist. Die wenigen unmittelbaren physischen Interaktionen, die stattfinden, verlangen den S\u00e4ngern viel ab. Die in rasendem Tempo zu singenden, extrem hohen Rufe bei dem Wiedersehen der beiden Liebenden zu Beginn ihrer gro\u00dfen Szene im zweiten Aufzug waren von den S\u00e4ngern beispielsweise auf dem Bauch liegend auszuf\u00fchren. Und im ersten Aufzug hat die S\u00e4ngerin der Isolde ihren Dialog mit Tristan herabgebeugt und der S\u00e4nger des Tristan die Fiebermonologe im dritten Aufzug auf den Knien zu singen. Neben ihrer Kargheit lehnt sich diese Produktion, die eine Zusammenarbeit mit dem Genfer Grand Th\u00e9\u00e2tre ist, an eine filmische Bearbeitung oder vielmehr filmische Zitierung des Stoffes an, n\u00e4mlich an Lars von Triers <em>Melancholia<\/em> von 2011, der sich ausgiebig der Musik und Symbolik von Wagners <em>Tristan und Isolde<\/em> bedient. Wie zu Beginn des Films tritt Isolde als Braut von rechts auf und hat gegen einen gro\u00dfen Widerstand k\u00f6rperlich anzuarbeiten und im Programmheft werden dann auch die beiden kollidierenden Planeten des Films gezeigt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das <strong>Orchester der Deutschen Oper<\/strong> unter <strong>Sir Donald Runnicles<\/strong> spielte die Partitur wie zu erwarten analytisch und zur\u00fcckhaltend und dehnte das klangliche Feld eher in den Bereich des Leisen als des Lauten aus. Die gro\u00dfen dynamischen B\u00f6gen im zweiten Aufzug wurden sch\u00f6n aufgebaut und den S\u00e4ngern viel Platz gegeben. Das Zusammenspiel mit der B\u00fchne klappte rhythmisch tadellos, auch bei den hinter der Szene zu h\u00f6renden Ch\u00f6ren und Instrumentalmusiken. Bei den S\u00e4ngern der Nebenrollen wurde das Publikum von zwei starken Stimmen \u00fcberrascht: <strong>Irene Roberts<\/strong> (Brang\u00e4ne) steht wie <strong>Dean Murphy<\/strong> (Melot) eine kr\u00e4ftige, raumf\u00fcllende Tongebung zur Verf\u00fcgung. Auch wenn Roberts\u2018 Ton im fortissimo ohne Sch\u00e4rfe bleibt, wird ihr Tremolo dann jedoch etwas unkontrolliert und damit intonatorisch leicht prek\u00e4r. In den leisen und Mezzoforte-Passagen und nicht zuletzt ihrem Wachtgesang konnte sie jedoch brillieren und wurde daf\u00fcr zu Recht mit euphorischem Beifall gefeiert. <strong>Thomas Lehmans<\/strong> Umsetzung der Rolle des Kurwenal war in jeder Hinsicht gelungen. Er vereint eine deutliche Aussprache mit einem in jeder Lautst\u00e4rke kultivierten Baritonklang und agiert darstellerisch souver\u00e4n. <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> (Marke) hat einen Heldenbariton, dessen hohes Register an Durchschlagskraft nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4\u00dft. Seine Diktion ist ebenso wie die von <strong>Clay Hilley<\/strong> (Tristan) in allen Details verst\u00e4ndlich. Hilley, der sich mittlerweile einer soliden Anh\u00e4ngerschaft an diesem Haus erfreuen kann, hat eine wandelbare Stimme mit in der H\u00f6he schier unverw\u00fcstlicher Strahlkraft, er kann schnell zwischen Gesangs- und Sprechton wechseln, akzentuiert den Text klar und deutlich und hat in allen Lagen wie es scheint immer noch Reserven, so da\u00df sein Vortrag nirgends angestrengt wirkt und immer in Balance mit dem gro\u00dfen Orchesterapparat bleibt. <strong>Elisabeth Teiges<\/strong> Leistung als Isolde war nicht ganz so ausgeglichen. Es handelte sich an diesem Abend um ihr Rollendebut. Ihre Stimme hat, zumal in den leisen und mittellauten Passagen, ein sehr sch\u00f6nes, warmes Timbre. Allerdings sind ihre Register nicht ganz homogen, was die Spitze ihrer Stimme angeht. In der tieferen Lage fehlt die n\u00e4mlich. Statt dessen bekommt ihr Klang dann einen sprechenden Ausdruck, was sich bei einigen Strecken ihrer Partie sehr sch\u00f6n ausnimmt, allerdings dazu f\u00fchrt, da\u00df ihr Gesang in der unteren Mittellage in den lauteren Passagen stellenweise im Orchesterklang verschwindet. Sie ist in der Lage volle, hohe T\u00f6ne stellen, sang aber an diesem Abend vielleicht ein wenig auf Sicherheit und trug ihren Schlu\u00dfgesang eher mit Innerlichkeit als mit Kraft vor. Darstellerisch ist sie eine elegante, stark agierende Erscheinung auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch gibt es an der Besetzung nichts auszusetzen. Die S\u00e4nger f\u00fchren ihre reduzierten Aktionen sicher aus und kommen mit Ausnahme der weiblichen Titelpartie durchweg gut gegen das Wagner\u2019sche Orchester an, dessen Klang angenehm durchh\u00f6rbar bleibt. An der minimalistischen Inszenierung schieden sich die Geister. Einige Zuh\u00f6rer f\u00fchlten sich anscheinend davon unterfordert, andere sch\u00e4tzten wohl, da\u00df keine die Handlung und Musik kontrapunktierenden Einf\u00e4lle der Regie den H\u00f6rgenu\u00df tr\u00fcbten. Der Gesamteindruck bleibt etwas k\u00fchl, trotz aller darstellerischen Hingabe der Solisten, denn die Personenregie h\u00e4lt alle Figuren, auch in der gro\u00dfen Szene des zweiten Aufzugs, auf Abstand zueinander wie auch zum Publikum. Es fehlt an einer visuell wahrnehmbaren durchgehenden Erz\u00e4hlung und damit einer Vertiefung der Charaktere, die auf der B\u00fchne zu sehen sind. Lediglich das psychologische Geschehen, das sich in der Musik abspielt, kann sich frei entfalten, was ja nicht das Schlechteste bei diesem musikges\u00e4ttigten Werk ist. Dank der ihr wird diese Produktion ergreifend, sie scheut auch vor Pathos nicht zur\u00fcck, bleibt aber bei der Zeichnung der Figuren bla\u00df.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Clay Hilley (Tristan), Elisabeth Teige (Isolde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1865 M\u00fcnchen Inszenierung: Michael Thalheimer, B\u00fchne: Henrik Ahr, Kost\u00fcme: Michaela Barth, Licht: Stefan Bolliger, Dramaturgie: Luc Joosten und J\u00f6rg K\u00f6nigsdorf Dirigent: Sir Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8717\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8718,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1],"tags":[],"class_list":["post-8717","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berlin-deutsche-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8717"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8719,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8717\/revisions\/8719"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8718"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}