{"id":8714,"date":"2025-08-12T17:20:49","date_gmt":"2025-08-12T16:20:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8714"},"modified":"2025-10-27T17:22:43","modified_gmt":"2025-10-27T16:22:43","slug":"lohengrin-bayreuther-festspiele-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8714","title":{"rendered":"Lohengrin &#8211; Bayreuther Festspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 28. August 1850 in Weimar.<\/p>\n<p>Regie: Yuval Sharon, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Neo Rauch &amp; Rosa Loy<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Festspielorchester, Festspielchor, Chor: Thomas Eitler de Lint<\/p>\n<p>Solisten: Mika Kares (K\u00f6nig Heinrich), Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Elza van den Heever (Elsa), Olafur Sigurdarson (Telramund), Milina-Lisa V\u00e4rel\u00e4 (Ortrud), Michael Kupfer-Radecky (Heerrufer), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. August 2025<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Lohengrin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8715\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Lohengrin.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Lohengrin.jpg 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Lohengrin-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Heinrich ruft die Brabanter zum Feldzug. Telramund, von seiner Gattin Ortrud angestachelt, beschuldigt Elsa des Mordes an ihrem Bruder Gottfried. Ein Gottesgericht in Form eines Zweikampfs soll \u00fcber Elsas Schuld entscheiden. Da erscheint ein Fremder im Boot, gezogen von einem Schwan; er besiegt Telramund. Dieser Fremde wird Elsa heiraten, aber sie darf nie nach seinem Namen und Herkunft fragen. Ortrud und Telramund bezichtigen den Fremden der Zauberei. Im Brautgemach bricht Elsa ihr Versprechen und stellt die Fragen. Telramund dringt ein, im Zweikampf stirbt er. Nun mu\u00df Lohengrin Namen und Herkunft offenbaren. Ortrud triumphiert, aber Lohengrin bewirkt die R\u00fcckkehr Gottfrieds.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>In Neo Rauchs <em>Lohengrin<\/em>-Inszenierung bestimmen surreal verfremdete Landschaftsbilder die B\u00fchne: eine blaue Auenlandschaft ohne Sonne und Wasser, durchzogen von Starkstrommasten, Transformatorenh\u00e4uschen und Isolatoren. Lohengrin erscheint hier nicht als Schwanenritter, sondern als blauer Starkstromtechniker mit Blitz in der Hand; sein W-f\u00f6rmiges Flugger\u00e4t erhebt sich wie ein technisierter Schwan vom Dach des H\u00e4uschens. Die Figuren tragen Insektenfl\u00fcgel, das Gottesgericht mit Telramund wird als Luftkampf gezeigt, bei dem Telramund einen Fl\u00fcgel verliert. Im farblich kontrastierenden orangefarbenen Ehegemach kommt es statt zur Ann\u00e4herung zu Fesselspielen. Den Schlu\u00dfpunkt setzt Gottfried als gr\u00fcnes Ampelm\u00e4nnchen \u2013 ein ostdeutsches Kultsymbol, das ironisch Hoffnung und Neubeginn signalisiert. So verwandelt Rauch den mystischen Kern der Oper in eine Bildwelt zwischen industrieller Moderne, M\u00e4rchen und ironischer Brechung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Ein wesentlicher Erfolgsgarant dieser <em>Lohengrin<\/em>-Produktion ist der durchgehend pr\u00e4sente Chor der Bayreuther Festspiele, der trotz erschwerter Bedingungen \u2013 etwa der V-f\u00f6rmigen, schr\u00e4g zur Rampe gerichteten Aufstellung, die Eins\u00e4tze erschwert \u2013 unter der Leitung von Eberhard Friedrich eine beeindruckende Geschlossenheit bewahrt. Selbst bei Christian Thielemanns mitunter ungew\u00f6hnlicher Tempowahl, die zu neuen Phrasierungen f\u00fchrt, und bei den pr\u00e4zisen Eins\u00e4tzen nach neu eingef\u00fchrten Generalpausen, bleibt der Chor ein verl\u00e4\u00dflicher Klangpfeiler. Thielemann gestaltet sein Dirigat stets im Ausgleich zwischen Orchester und Stimmen, l\u00e4sst aber auch pathetische Klangwolken wie beim Brautlied oder ekstatische dynamische Steigerungen, etwa beim Sonnenaufgang im zweiten Akt, zu. Diese flexible Tempogestaltung kommt den Solisten zugute, die mit der Melodielinie atmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Elza van den Heever verleiht Elsa eine jugendlich klare, durchschlagskr\u00e4ftige Stimme mit sicherer H\u00f6he, die jedoch zunehmend eindimensional wirkt und gelegentlich Sch\u00e4rfen zeigt. Klaus Florian Vogt \u00fcbernahm am 9. August 2025 kurzfristig die Titelpartie des <em>Lohengrin <\/em>bei den Bayreuther Festspielen, nachdem der urspr\u00fcnglich vorgesehene Tenor Piotr Becza\u0142a erkrankt war. Vogt zeigte sich in dieser Rolle in hervorragender Verfassung. Sein keusch-entr\u00fccktes, fast knabenhaftes Timbre, das oft mit dem einer Trompete verglichen wird, pa\u00dfte perfekt zu der Figur des Gralsritters und \u00fcberzeugt mit klarer Diktion und einem lyrischen, baritonal fundierten Tenor. Olafur Sigurdarson kann in Bayreuths Akustik nicht immer mit gleicher Durchschlagskraft bestehen, gestaltet Telramund jedoch m\u00fchelos und unangestrengt \u2013 ein dunkles Vorzeichen f\u00fcr das drohende Unheil. Mika Kares best\u00e4tigt als K\u00f6nig Heinrich seinen Rang als derzeit wohl bester Interpret dieser Rolle: samtweiche Tiefe ohne \u00fcberm\u00e4\u00dfige Schw\u00e4rze und unverwechselbare Klangfarbe. Milina-Lisa V\u00e4rel\u00e4 zeigt Ortrud mit ungewohnt menschlichen Z\u00fcgen und technischer Souver\u00e4nit\u00e4t, was zu bestechender Textverst\u00e4ndlichkeit f\u00fchrt. Michael Kupfer-Radecky als Heerrufer, pr\u00e4sentierte er sich als respektvolle und w\u00fcrdige Figur. Sein Bariton klang warm und voll, und die Textverst\u00e4ndlichkeit war ausgezeichnet. Insgesamt profitiert die Produktion enorm von der musikalischen Geschlossenheit und dem hohen k\u00fcnstlerischen Niveau des Ensembles, was auch kleineren Schw\u00e4chen in der Akustik oder einzelnen Rollen zu trotzen vermag. Der Chor, die Solisten und das Orchester bilden gemeinsam ein stimmiges Klangbild, das die dramatische Intensit\u00e4t der Oper wirkungsvoll transportiert.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch pr\u00e4sentiert sich diese Auff\u00fchrung von <em>Lohengrin<\/em> bei den Bayreuther Festspielen als ein echtes Highlight. Dank eines pr\u00e4zise einstudierten Chorklangs und dem Dirigat von Christian Thielemann, das gleicherma\u00dfen ausgewogen wie spannungsvoll wirkt, entwickelt sich ein mitrei\u00dfendes Klangbild, das die dramatischen H\u00f6hen und Tiefen des Werkes eindrucksvoll transportiert. Thielemanns sensible musikalische Leitung schafft es, die differenzierten Klangfarben und dynamischen Nuancen hervorzuheben. Die S\u00e4nger f\u00fcgen sich als geschlossenes, hochkar\u00e4tiges Ensemble harmonisch in diese Atmosph\u00e4re ein, was den Abend zu einem Festspielh\u00f6hepunkt macht.<\/p>\n<p>Die Inszenierung setzt auf eine optisch auff\u00e4llige Starkstrom- und Insekten\u00e4sthetik, die zwar visuell pr\u00e4gnant, jedoch erz\u00e4hlerisch eher beliebig wirkt. Diese Gestaltung verliert dadurch an Klarheit und Stringenz und kann nicht an die Wirkung historischer Meisterinszenierungen heranreichen, die noch eine klare dramaturgische Linie und eine tiefere inhaltliche Durchdringung bieten konnten. Die \u00e4sthetische Konzeptwahl erscheint bisweilen \u00fcberfrachtet und erschwert das Verst\u00e4ndnis des Handlungsverlaufs, was die emotionale Wirkung der Oper beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Dementsprechend galt der Applaus des Publikums vor allem der musikalischen Seite der Auff\u00fchrung. Trotz des Fehlens einer prominenten Starbesetzung \u00fcberzeugte das Ensemble durch die musikalische Geschlossenheit und die hohe Qualit\u00e4t der Darbietung restlos. Insbesondere die kraftvolle und zugleich nuancierte Interpretation von Klaus Florian Vogt als Lohengrin sowie Michael Kupfer-Radecky als Heerrufer wurden besonders gew\u00fcrdigt. Die musikalische Gestaltung gelingt es so, den Abend trotz szenischer Defizite zu einem eindrucksvollen Erlebnis zu machen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Elza van den Heever (Elsa von Brabant), Piotr Becza\u0142a (Lohengrin), Chor der<\/p>\n<p>Bayreuther Festspiele.<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 28. August 1850 in Weimar. 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