{"id":8711,"date":"2025-08-07T17:17:53","date_gmt":"2025-08-07T16:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8711"},"modified":"2025-10-27T17:20:04","modified_gmt":"2025-10-27T16:20:04","slug":"tristan-und-isolde-bayreuther-festspiele-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8711","title":{"rendered":"Tristan und Isolde &#8211; Bayreuther Festspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Richard Wagner, Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. Juni 1865, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Thorleifur \u00d6rn Arnarsson, B\u00fchne: Vytautas Narbutas, Kost\u00fcme: Sibylle Wallum<\/p>\n<p>Dirigent: Semyon Bychkov, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Thomas Eitler de Lint<\/p>\n<p>Solisten: Camilla Nylund (Isolde), Andreas Schager (Tristan), Jordan Shanahan (Kurwenal), G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (K\u00f6nig Marke), Ekaterina Gubanova (Brang\u00e4ne), Alexander Grassauer (Melot), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. August 2024 (Neuinszenierung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Tristan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8712\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Tristan.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Tristan.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Tristan-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritter Tristan f\u00fchrt die irische Prinzessin Isolde, deren Verlobten Morold er einst im Zweikampf get\u00f6tet hat, seinem Onkel K\u00f6nig Marke als Braut zu. Auf der \u00dcberfahrt nach England verlangt Isolde S\u00fchne f\u00fcr Morolds Tod: Sie fordert Tristan auf, gemeinsam mit ihr Gift zu trinken. Brang\u00e4ne hat jedoch das Gift heimlich gegen einen Liebestrank ausgetauscht, so entbrennen Tristan und Isolde in heftiger Leidenschaft f\u00fcreinander. Isolde heiratet zwar K\u00f6nig Marke, trifft sich aber mit Tristan. Melot verr\u00e4t die Liebenden und verwundet Tristan schwer &#8211; Kurwenal verbringt den Verletzten nach Kornwall. Tristan stirbt jedoch bei Isoldes Ankunft. Als Konsequenz ihrer Liebe folgt Isolde ihm in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Szenisch zeigte Arnarsson eine Art Flucht zweier Liebender vor der Welt und vor dem \u201eLicht des Alltags\u201c. Sie suchen Zuflucht in der milden Dunkelheit eines verfallenden Schiffsrumpfes. Der Laderaum ist gef\u00fcllt mit Antiquit\u00e4ten, Erinnerungsst\u00fccken und Plunder eines ganzen Lebens: B\u00fccher, ein Globus, Marmorfiguren, M\u00fchlr\u00e4der, ausgestopfte Tiere und sogar ein Gem\u00e4lde \u2013 m\u00f6glicherweise ein Caspar David Friedrich \u2013 lehnen an den Planken.<\/p>\n<p>Isolde bemalt im ersten Akt ein wei\u00dfes Brautkleid mit Schleppe, gro\u00dffl\u00e4chig mit Zitaten aus dem Libretto. Die Kost\u00fcme sind bewu\u00dft zeit- und ortslos, eher Phantasiegebilde als historische Anspielungen.<\/p>\n<p>Der Liebestrank wird minimalistisch gehandhabt: kleine braune Fl\u00e4schchen, die unauff\u00e4llig in den H\u00e4nden verschwinden. Eine dramaturgisch m\u00f6gliche Flaschenverwechslung findet nicht statt \u2013 im ersten Akt trinken die Liebenden \u00fcberhaupt nicht; die Flasche rollt lediglich \u00fcber die B\u00fchne und bringt einen Hauch Bewegung ins Geschehen. Im dritten Akt begeht Tristan nicht den traditionellen B\u00fchnentod durch eine Schwertwunde, sondern nimmt demonstrativ einen tiefen Schluck aus der Flasche mit Todestrank, bevor diese in ein dunkles Loch \u2013 den <em>M\u00fcll der Geschichte<\/em> \u2013 geworfen wird.<\/p>\n<p>Der dritte Akt \u2013 <em>Sch\u00f6ner sterben<\/em><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild reduziert sich hier auf das letzte Inventar. Tristan sitzt zun\u00e4chst fast unsichtbar, springt dann pl\u00f6tzlich hervor. Melot greift nicht ein, kein Kampf findet statt. Tristan und Isolde singen sich an, ohne sich je zu ber\u00fchren \u2013 eine konsequente Fortf\u00fchrung des ber\u00fchrungsfreien Konzepts der Inszenierung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Camilla Nylund hat sich in Bayreuth endg\u00fcltig als hochdramatischer Wagnersopran etabliert. Ihre Isolde besticht durch eine Interpretation, die stets der gro\u00dfen Gesangslinie verpflichtet bleibt und dabei weitgehend textverst\u00e4ndlich ist \u2013 eine Eigenschaft, die in der schwierigen Akustik des Festspielhauses von unsch\u00e4tzbarem Wert ist. Besonders beeindruckend ist ihr fein gesetztes Piano, das nicht nur atmosph\u00e4rische Spannungen schafft, sondern auch Einflu\u00df auf das Tempo und die Ausdrucksweise ihres B\u00fchnenpartners nimmt.<\/p>\n<p>Andreas Schager, der in die gro\u00dfen Fu\u00dfstapfen von Clay Hilley und dem viel zu fr\u00fch verstorbenen Stephen Gould tritt, \u00fcberzeugt als kraftvoller und ausdauernder Tristan. Bei den Bayreuther Festspielen gelingt es ihm, die enorm anspruchsvolle Partie mit bemerkenswerter stimmlicher Konstanz zu meistern. Ohne erkennbare Erm\u00fcdungserscheinungen h\u00e4lt er seine Stimme \u00fcber die gesamte Auff\u00fchrung kraftvoll und pr\u00e4sent. Mit derselben Energie, mit der er den Abend beginnt, tr\u00e4gt er die Rolle bis zum Schlu\u00df, was seiner Interpretation eine unersch\u00fctterliche Pr\u00e4senz verleiht und den Charakter des Tristan mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit ausstattet.<\/p>\n<p>Jordan Shanahan beeindruckt als Kurwenal mit einem wohlt\u00f6nenden, lyrischen Bariton von samtiger W\u00e4rme. Seine Stimme besticht durch klare Diktion, was dem Publikum ein unmittelbares und klares Textverst\u00e4ndnis erm\u00f6glicht. Neben der stimmlichen Qualit\u00e4t \u00fcberzeugt Shanahan auch durch eine starke darstellerische Pr\u00e4senz. So entsteht ein Kurwenal, der nicht nur als treuer und hingebungsvoller Gef\u00e4hrte Tristans \u00fcberzeugt, sondern durch seine Menschlichkeit und W\u00e4rme auch emotional ber\u00fchrt.<\/p>\n<p>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck gestaltet den K\u00f6nig Marke mit seiner charaktervollen Ba\u00dfstimme, die in Bayreuth ebenfalls mit gro\u00dfer Wirkung und Tiefe zu erleben war. Seine Interpretation vermittelt die Autorit\u00e4t und den inneren Konflikt der Figur glaubhaft und rundet das Ensemble des diesj\u00e4hrigen <em>Tristan und Isolde<\/em> eindrucksvoll ab.<\/p>\n<p>Insgesamt l\u00e4\u00dft sich sagen, dass diese S\u00e4nger bei den Bayreuther Festspielen in <em>Tristan und Isolde<\/em> eine hochkar\u00e4tige, musikalisch und darstellerisch \u00fcberzeugende Auff\u00fchrung gepr\u00e4gt haben, die dem legend\u00e4ren Werk die geb\u00fchrende Intensit\u00e4t und Tiefe verleiht.<\/p>\n<p>Ekaterina Gubanova hat bei den diesj\u00e4hrigen Bayreuther Festspielen als Brang\u00e4ne eine \u00e4u\u00dferst beeindruckende Leistung gezeigt. Mit ihrer warmen, weichen und zugleich kraftvollen Stimme setzte sie einen wohltuenden klanglichen Kontrast zur Isolde. Ihre Stimmfarbe zeichnet sich durch eine sanfte Rundung ohne jegliche Sch\u00e4rfe aus, was ihr erlaubt, selbst dramatische Passagen mit gro\u00dfer Strahlkraft und Leuchtkraft zu gestalten, ohne dabei an Nat\u00fcrlichkeit einzub\u00fc\u00dfen. Sie \u00fcberzeugte durch eine einf\u00fchlsame und nuancierte Stimmf\u00fchrung, die der Figur Brang\u00e4ne eine enorme emotionale Tiefe verlieh. Ihre Darstellung wirkte subtil und differenziert<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende gab es einhelligen Jubel f\u00fcr die musikalische Leistung \u2013 sowohl f\u00fcr Dirigat als auch f\u00fcr das Ensemble. Szenisch hingegen zeigte sich das Publikum gespalten: Manche sch\u00e4tzten die poetische, fast schwebende Symbolik der Inszenierung, andere Vermi\u00dften unmittelbare dramatische Spannung und physische N\u00e4he zwischen den Protagonisten.<\/p>\n<p>Musikalisch jedoch bleibt diese Er\u00f6ffnungspremiere ein Bayreuther Abend von hohem Niveau \u2013 getragen von einem starken S\u00e4ngerensemble und einer erfahrenen, subtil spannungsgeladenen Orchesterleistung unter Semyon Bychkov.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Andreas Schager (Tristan), Camilla Nylund (Isolde)<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Richard Wagner, Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. 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