{"id":8708,"date":"2025-07-30T17:13:45","date_gmt":"2025-07-30T16:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8708"},"modified":"2025-10-27T17:16:55","modified_gmt":"2025-10-27T16:16:55","slug":"die-meistersinger-von-nuernberg-bayreuther-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8708","title":{"rendered":"Die Meistersinger von N\u00fcrnberg &#8211; Bayreuther Festspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 &#8211; 1883) in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 21. Juni 1868 K\u00f6niglichen Hof- und Nationaltheater, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Matthias Davids, B\u00fchne: Andrew D. Edwards, Kost\u00fcm: Susanne Hubrich<\/p>\n<p>Dirigent: Daniele Gatti, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Thomas Eitler de Lint<\/p>\n<p>Solisten: Georg Zeppenfeld (Hans Sachs), Jongmin Park (Veit Pogner), Michael Nagy (Sixtus Beckmesser), Michael Spyres (Walther von Stolzing), Kordan Shanahan (Fritz Kothner), Matthias Stier (David), Christina Nilsson (Eva), Christa Mayer (Magdalene), Tobias Kehrer (Nachtw\u00e4chter), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Juli 2025 (Er\u00f6ffnungspremiere)<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_8709\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Meiszters-Nawrath.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8709\" class=\"size-full wp-image-8709\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Meiszters-Nawrath.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Meiszters-Nawrath.jpg 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bayreuth-Meiszters-Nawrath-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8709\" class=\"wp-caption-text\">Die Meistersinger von N\u00fcrnberg<br \/>III. Aufzug<br \/>Michael Nagy (Sixtus Beckmesser), Christina Nilsson (Eva).<br \/>Musikalische Leitung: Daniele Gatti<br \/>Regie: Matthias Davids<br \/>B\u00fchne: Andrew D. Edwards<br \/>Kost\u00fcm: Susanne Hubrich<br \/>Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz<br \/>Licht: Fabrice Kebour<br \/>Chorleiter: Thomas Eitler de Lint<\/p><\/div>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritter Walther von Stolzing liebt Pogners Tochter Eva. Sie soll demjenigen zur Frau gegeben werden, der den Meistersingerwettstreit gewinnt. Die Meistersingervereinigung lehnt die Aufnahme des Ritters zun\u00e4chst wegen seines unkonventionellen, nicht regelkonformen Probeliedes ab. Allein der Schuster Hans Sachs tritt f\u00fcr ihn ein und erkennt sein Talent. Auch der Stadtschreiber Beckmesser interessiert sich f\u00fcr Pogners Tochter, doch am Ende ist es Walther von Stolzing, der den Wettstreit und damit Eva gewinnt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die neue Produktion Die Meistersinger von N\u00fcrnberg in der Regie von Matthias Davids versucht sich an die bildgewaltige Inszenierung seines Vorg\u00e4ngers anzulehnen. Herausgekommen ist ein bildgewaltiges Werk mit detailliert und eindrucksvoll choreographierten Chorszenen, einem absurd surrealen B\u00fchnenbild und Kost\u00fcmen, die Bezug nehmen auf die aktuelle Trachtenmode der Spa\u00df- oder Bussi-Bussi-Gesellschaft. Man denke hierbei durchaus an die Wiesn \u2013 an das aktuelle Oktoberfest.<\/p>\n<p>Am Anfang steht man vor einer absurd und einzelnen Doppelstiege, die zu einem kleinen Kirchenraum f\u00fchrt. Den Choral h\u00f6rt man somit aus dem Hintergrund. Durch eine Drehung des B\u00fchnenbildes kann man abwechselnd das Singgericht oder kommende\/gehende Meister und G\u00e4ste beobachten. Der Aufbruch der Meister ger\u00e4t doch zu einem erwarteten Stolpern auf der Steilen Treppe, denn eine <em>augenzwinkernde aber nicht lustige<\/em> Kom\u00f6die soll es ja sein.<\/p>\n<p>Der 2. Akt spielt auf einem ineinander verschachtelten Platz aus runden Platten, Begrenz von gr\u00fcnen Tannen und einer gelben Telefonzelle. Erf\u00fcllt sich zur Pr\u00fcgelfuge mit einem gezielten Aufmarsch, einer herrlichen allgemeinen Verfolgungsjagd und einem schnell auf- und abgebauten Boxring f\u00fcr David und Beckmesser, der nach Punkten verliert.<br \/>\nF\u00fcr die Schusterstube wird dieser Platz mit M\u00f6beln und einer Br\u00fcstung zu einer Stube umgebaut, die Verwandlung zur Festwiese erfolgt bei geschlossenem Vorhang. Es entsteht ein gro\u00dfer Platz, auf dem die Meister bei Ihrem Einzug von den Umstehenden bejubelt werden. \u00dcber dem Podium in der Mitte schwebt eine gro\u00dfe bunte Kuh, die bei der Forderung \u201eEhrt Eure deutschen Meister\u201c den Kopf h\u00e4ngen l\u00e4\u00dft. Walter mu\u00df erst \u00fcberzeugt werden den Meistertitel anzunehmen und Eva als Preis zu erhalten. Nichtsdestotrotz gibt er die Meisterkette zur\u00fcck und verschwindet mit Eva vor der Schlu\u00dfapotheose.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch erweist sich Daniele Gatti nicht nur als genialer musikalischer Leiter, sondern auch als subtiler Strippenzieher von Erz\u00e4hlung und Handlung. Ohne sich selbst in den Vordergrund zu dr\u00e4ngen, gestaltet er den Ablauf mit einer klugen Zur\u00fcckhaltung, die der Gesamtwirkung zugute kommt. Auf vordergr\u00fcndige H\u00f6hepunkte verzichtet er, und doch funktioniert der Spannungsbogen ausgezeichnet \u2013 selbst heikle Passagen wie die Pr\u00fcgelfuge oder der Einzug zur Festwiese f\u00fcgen sich organisch ins Gesamtgef\u00fcge.<\/p>\n<p>Georg Zeppenfelds Hans Sachs strahlt vokale W\u00e4rme und kultivierte Linienf\u00fchrung aus, doch die Figur bleibt in ihrer geistigen Tiefe eher ein kontemplativer Beobachter als ein impulsgebender Gestalter \u2013 mehr Philosoph als Anf\u00fchrer. An seiner Seite bringt Michael Spyres als Walther von Stolzing das notwendige Ma\u00df an jugendlicher Strahlkraft und textdeutlicher Leidenschaft mit, wodurch die Figur jene Mischung aus Ehrgeiz und Lyrik erh\u00e4lt, die den dramatischen Kern des St\u00fccks mittr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Christina Nilsson verleiht der Eva einen hellen, silbrigen Glanz, wirkt dabei aber stimmlich weniger raumgreifend, Sodas die Figur eher als sensible, zuweilen fast zur\u00fcckgenommene Kraft erscheint. Umso pr\u00e4gnanter tritt Michael Nagys Beckmesser auf \u2013 kein blo\u00dfer Sp\u00f6tter, sondern ein detailversessener, tragikomischer Charakter, dessen pr\u00e4zise artikulierte Linien und szenische Pr\u00e4senz das Spannungsfeld zwischen Komik und Tragik ausloten. Christa Mayer bringt als Magdalene jugendliche W\u00e4rme ins Spiel und kontrastiert so geschickt die zunehmend ernster gezeichnete Eva.<\/p>\n<p>Jongmin Park gibt den Veit Pogner mit kultiviertem, doch zuweilen zu leichtgewichtigem Bass, wodurch die patriarchale Gravit\u00e4t der Figur etwas gemildert wirkt. Matthias Stier hingegen \u00fcberzeugt als David mit frischem, beweglichem Tenor, der im Ensemblespiel immer wieder leuchtende Akzente setzt. Gemeinsam erzeugen diese Stimmen ein Beziehungsgeflecht, das weniger von stimmlicher \u00dcbermacht als von feiner Charakterarbeit lebt \u2013 und gerade darin seinen Reiz entfaltet.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Sind die Meistersinger tats\u00e4chlich lustig \u2013 eine Kom\u00f6die oder Satire? Man spricht zumeist von <em>Augenzwinkernd<\/em>.<\/p>\n<p>Ehrt eure deutschen Meister. Typische zeitgem\u00e4\u00dfe Ablehnung alles Deutschen. Dabei geht es im H\u00f6chstfall um eine Huldigung an Ludwig II (als \u00dcbermeister), den Eigenlob an Wagner. Und die Abrechnung mit seinen<\/p>\n<p>Deutsche Meister. Neben einer Verteidigung gegen Musikkritikern handelt es sich wohl eher um eine Laudatio an Ludwig II und eine Lobhudelei gegen sich selbst, denn Wagner empfand sich als der gro\u00dfe K\u00fcnstler, der die Ma\u00dfst\u00e4be im seinerzeitigen Musikgesch\u00e4ft gesetzt hat.<\/p>\n<p>Wieder wurde aus den Meistersingern eine ernstzunehmende (sic!) Kom\u00f6die gemacht, auch wenn dem Zuschauer das Lachen doch manchmal einschl\u00e4ft. Mit herausragenden S\u00e4ngern und einer Bewegungschoreographie, die den hohen Aufwand rechtfertigt, z\u00e4hlen diese Meistersinger zu den positiven H\u00f6hepunkten des Regietheaters und der Bayreuther Festspiele. Und sie sind un\u00fcberh\u00f6rbar absolute Publikumslieblinge!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michael Nagy (Sixtus Beckmesser), Christina Nilsson (Eva)<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 &#8211; 1883) in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 21. Juni 1868 K\u00f6niglichen Hof- und Nationaltheater, M\u00fcnchen Regie: Matthias Davids, B\u00fchne: Andrew D. 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