{"id":8705,"date":"2025-10-27T17:12:15","date_gmt":"2025-10-27T16:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8705"},"modified":"2025-10-27T17:12:15","modified_gmt":"2025-10-27T16:12:15","slug":"lohengrin-malmoe-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8705","title":{"rendered":"Lohengrin &#8211; Malm\u00f6, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten<\/p>\n<p>UA: 28. August 1850 Weimar<\/p>\n<p>Regie: Charlotte Engelkes, B\u00fchnenbild und Licht: Linus Fellbom, Kost\u00fcme und Maske: Anna Ardelius, Choreographie: Eytan Sivak, Video: Johannes Ferm Winkler<\/p>\n<p>Dirigent: Patrik Ringborg, Szenenmusiker, Orchester und Chor der Oper Malm\u00f6, Chormeister: Elena Mitrevska<\/p>\n<p>Solisten: Joachim B\u00e4ckstr\u00f6m (Lohengrin), Sabina Bisholt (Elsa), Nicolai Elsberg (K\u00f6nig Heinrich), \u00d3lafur Sigurdarson (Telramund), Martina Dike (Ortrud), Luthando Qave (Heerrufer), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. Oktober 2025 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Malmoe-Lohengrin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8706\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Malmoe-Lohengrin.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Malmoe-Lohengrin.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Malmoe-Lohengrin-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Elsa von Brabant ist des Brudermordes angeklagt und hat vor dem Gericht K\u00f6nig Heinrichs zu erscheinen, der ein Heer zum Kampf gegen die Ungarn versammelt. In ihrer Not wei\u00df sie sich keine andere Hilfe als ein inbr\u00fcnstiges Gebet. Das Wunder geschieht: Ein Ritter, dessen Herkunft und Namen sie nicht wissen darf, erscheint und tritt f\u00fcr sie gegen ihren Widersacher Friedrich von Telramund im Gotteskampf an. Der unbekannte Ritter tr\u00e4gt den Sieg davon und erringt damit die Hand Elsas. Telramunds Gattin Ortrud, eine heidnische Zauberin, die Elsas Vertrauen erschleicht, s\u00e4t Zweifel an der Herkunft des unbekannten Ritters, die Elsa schlie\u00dflich dazu bringen, ihm in ihrer gemeinsamen Hochzeitsnacht die verbotenen Fragen zu stellen. In diesem Moment schl\u00e4gt ein Mordversuch Telramunds fehl, der von Elsas Gatten im Brautgemach erschlagen wird. Er gibt ihr und dem zum Krieg versammelten Heer nach Tagesanbruch Auskunft: Von Montsalvat, der Burg, in der der heilige Gral aufbewahrt wird, ist er zu Elsas Rettung gekommen und der Sohn des Herrschers \u00fcber die Gralsritter. Sein Name ist Lohengrin und Elsas vermi\u00dfter Bruder Gottfried von Ortrud in einen Schwan verwandelt worden. Da seine Herkunft bekannt geworden ist, mu\u00df er zu den Gralsrittern zur\u00fcckkehren und nimmt Abschied von Elsa. Ortrud triumphiert, doch Lohengrins Gebet macht ihren Zauber r\u00fcckg\u00e4ngig. W\u00e4hrend das Volk staunend den Brabanter Thronfolger begr\u00fc\u00dft, sinkt Elsa vernichtet nieder.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme bringen einige Extreme zusammen. Insgesamt ist das B\u00fchnenbild durchaus auf wenige Elemente reduziert \u2013 darunter zwei riesige wei\u00dfe Bl\u00f6cke, die verschoben werden \u2013 und leer. Zugleich werden mit minimalistischen Mitteln maximale Effekte erzielt. Mitunter werden die Bl\u00f6\u00e7ke transparent und lassen Figuren traumartig weichgezeichnet sichtbar werden. Zudem laufen w\u00e4hrend der gesamten Auff\u00fchrung kleine Scherenschnittfiguren die Rampe entlang, die gro\u00df auf die leeren wei\u00dfen Fl\u00e4chen projiziert werden. Diese k\u00f6nnen mit der Handlung zusammenh\u00e4ngen \u2013 man sieht ein Boot und einen Schwan bei Lohengrins Ankunft \u2013 oder auch nicht; w\u00e4hrend Elsas schw\u00e4rmerischem Duett mit Ortrud im zweiten Aufzug sieht man einen Saturn oder einen Wal w\u00e4hrend der Brautgemachszene im dritten Aufzug. Und hier kommen zwei weitere Extreme zusammen: W\u00e4hrend die Regie die originale tragische Handlung im Wesentlichen intakt l\u00e4\u00dft, enth\u00e4lt die Inszenierung zuhauf bizarre Einf\u00e4lle und reichert das Geschehen mit humoristischen Momenten an. So h\u00e4lt Heinrich der Vogeler tats\u00e4chlich st\u00e4ndig ein Vogelh\u00e4uschen in der Hand und hat einen Kragen, der aus Buschwerk und kleinen V\u00f6geln besteht. Auf seinen Plateausohlen ragt er \u00fcber alle anderen S\u00e4nger hinaus. Gelegentlich nimmt er wie eine gro\u00dfe Klucke auf einem gro\u00dfen Gummiball Platz. Die Ch\u00f6re, vor allem im ersten Aufzug, bewegen sich phasenweise wie aufgescheuchte H\u00fchner, sind zugleich aber strikt geometrisch voneinander getrennt; das schafft auch Transparenz im Klangbild. Ortrud und Telramund tragen im zweiten Aufzug ein schwarzes Federkleid. Das Wunder im ersten Aufzug ist buchst\u00e4blich erhebend \u2013 ein gro\u00dfer, rechteckiger Teil der Szene wird angehoben \u2013 und ironisch gebrochen zugleich: Lohengrin tritt in schluffiger Kleidung im Publikum auf und bahnt sich singend seinen Weg durch die Zuschauerreihen zur B\u00fchne. Am Ende der Oper verl\u00e4\u00dft er die B\u00fchne in Richtung des K\u00fcnstlerausgangs.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Patrik Ringborg<\/strong> hatte neben dem gro\u00dfen Chor und Orchester auch die zahlreichen Szenenmusiker zu leiten, die im dritten Akt im gesamten Auditorium verteilt sind. Das gelang trotz der schwierigen Akustik des Saales ohne rhythmisches Klappern. Mit Ausnahme des Vorspiels zum dritten Aufzug, das er etwas zu flott nahm, war die Wahl der Tempi vorz\u00fcglich. Choristen und Solisten konnten ihre Melodien gut aussingen und den Text deutlich vortragen. Der technische Standard der s\u00e4ngerischen Leistungen war durchweg hoch. Beachtlich war wie gesagt die Klarheit in der Interpretation des Chorsatzes dank der voneinander getrennt aufgestellten Gruppen von Choristen. <strong>Eytan Sivaks<\/strong> Choreographie sorgte f\u00fcr ein stets bewegtes B\u00fchnenbild in den Szenen mit Chor. Durch ihr abwechslungsreiches Spiel werden dessen S\u00e4nger zu aktiven Akteuren der Handlung. Auch ihre Textaussprache mu\u00df hier lobend erw\u00e4hnt werden. Das Orchester machte seine Sache sehr ordentlich; ein paar kieksende Eins\u00e4tze der Bl\u00e4ser taten der Sache hier keinen Abbruch. Allerdings sind die architektonischen Gegebenheiten im Haus einem derart stark besetzten Orchester nicht zutr\u00e4glich. Das fiel vor allem bei den hohen Streicherpassagen auf, die im Vergleich zu den Bl\u00e4sern etwas dumpf klangen. Auch von den Kontrab\u00e4ssen h\u00e4tte man gerne mehr geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Wenden wir uns den solistischen Leistungen zu: <strong>Luthando Qave<\/strong> gab einen charismatischen Heerrufer, der sich stimmlich gut gegen die Orchestereinw\u00fcrfe behaupten konnte. <strong>Nicolai Elsberg<\/strong> (K\u00f6nig Heinrich) kam die Aufgabe zu, sich in einem einengenden Kost\u00fcm \u00fcber die B\u00fchne zu bewegen. Das gelang ihm mit erstaunlicher Leichtigkeit. Seine Charaktergestaltung war \u00fcberraschend wenig statuarisch, sondern recht einf\u00fchlsam und empathisch. Stimmlich hatte er keine Probleme mit der Partie, auch wenn die Aussprache etwas klarer sein k\u00f6nnte. <strong>\u00d3lafur Sigurdarson<\/strong> (Telramund) geht seine Partie mit viel Kraft an und sein Vortrag wirkte dann auch in einzelnen Momenten leicht angestrengt. Darstellerisch und stimmlich wurde er von <strong>Martina Dike<\/strong> (Ortrud) in den Schatten gestellt, was von der Regie so intendiert sein d\u00fcrfte. Ihre Leistung war in allen Belangen ergreifend. Darstellerisch ist sie wandlungsf\u00e4hig; ihre kurze stumme Klage an der Leiche Telramunds, die sofort in Hohn und Ha\u00df \u00fcber das Versagen Elsas umschl\u00e4gt, verleiht der Rolle der Ortrud eine zutiefst anr\u00fchrende Note. Au\u00dfergew\u00f6hnlich ist ihr Gesang. Dike setzt die T\u00f6ne weich an und verf\u00fcgt \u00fcber einen leicht hauchigen, beinahe schon zerbrechlichen Ton mit einem feinen, leicht ansprechenden Vibrato. Dabei hat ihre Stimme viel Volumen. Sie kann aber auch leuchtende Spitzent\u00f6ne stellen, die es mit jeder Hochdramatischen aufnehmen k\u00f6nnen. Mit einer derart breiten technischen Palette ausgestattet, machte sie die Rolle der Intrigantin zu der vielschichtigsten in dieser Produktion. <strong>Sabina Bisholt<\/strong> (Elsa) hat im Vergleich mit den anderen Solisten eine recht leise Stimme. Das Orchester und die Duette mit ihrer Beteiligung wurden dementsprechend dynamisch zur\u00fcckgenommen. Allerdings, so mu\u00df man der Gerechtigkeit halber hinzuf\u00fcgen, handelt es sich bei ihrer Partie ja auch um eine jugendlich-lyrische Rolle. Was ihr an stimmlichem Ausdrucksverm\u00f6gen abgeht, machte sie durch ihr intensives physisches Schauspiel wett. Ihre Elsa ist zu Beginn naiv \u2013 sehr sch\u00f6n die Idee, ihre Bewegungen bei ihrem ersten Auftritt durch die Choristinnen verst\u00e4rken zu lassen \u2013, l\u00e4\u00dft ihre wachsende Unruhe im zweiten Aufzug durch hektisches Spiel erkennbar werden und konfrontiert im letzten Aufzug Lohengrin vollkommen nachvollziehbar mit der fatalen Frage. <strong>Joachim B\u00e4ckstr\u00f6m<\/strong> (Lohengrin) ist ein nahezu perfekter Lohengrin. Darstellerisch souver\u00e4n und mit einem den Raum f\u00fcllenden, gl\u00e4nzenden Timbre sang er die Titelpartie scheinbar m\u00fchelos und ohne an seine Grenzen zu geraten, mit einer Ausnahme: Das gef\u00fcrchtete hohe A in der Gralserz\u00e4hlung sang er auf Sicherheit, also nur kurz andeutend und ohne Spitze. Davon abgesehen war sein Vortrag musterg\u00fcltig.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der <em>Lohengrin<\/em> in Malm\u00f6 wird musikalisch sehr gut dargeboten. Die \u00fcberw\u00e4ltigenden Momente, an denen die Partitur reich ist, treffen das Publikum mit voller Wucht. Wie soll man aber diese Produktion kurz zusammenfassen? Selten habe ich eine derartige Mischung aus unterschiedlichen optischen und erz\u00e4hlerischen Ebenen und eine solche Vielfalt von technischen und inhaltlich leicht verr\u00fcckten Einf\u00e4llen gesehen, die das St\u00fcck dann \u00fcberraschenderweise eben nicht verfremden oder l\u00e4cherlich machen. Was auch immer das Konzept der Regisseurin <strong>Charlotte Engelkes<\/strong> gewesen ist \u2013 es geht auf! Man k\u00f6nnte die ganzen Anspielungen auf unsere gefiederten Freunde als einen billigen visuellen Kalauer \u2013 Herr Heinrich sitzt am Vogelherd usw. \u2013 empfinden, aber merkw\u00fcrdigerweise geschieht das nirgends. Stattdessen entsteht, trotz der ernsthaften, tragischen Handlung, so etwas Paradoxes wie ein \u2013 entschuldigen Sie bitte die Metapher \u2013 federleichter <em>Lohengrin<\/em>, der aus einer st\u00e4ndigen Abfolge sch\u00f6ner szenischer Bilder besteht. Man m\u00f6chte mehr intelligente und zugleich unterhaltsame Inszenierungen wie diese sehen. Trotz einer gewissen stilisierenden K\u00fchle bleibt ihr Gesamteindruck farbenfroh, packend und kurzweilig. Das Publikum war vom ersten Aufzug an h\u00f6rbar begeistert.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Jonas Persson<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Joachim B\u00e4ckstr\u00f6m (Lohengrin), Sabina Bisholt (Elsa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten UA: 28. 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