{"id":870,"date":"2009-10-21T12:57:36","date_gmt":"2009-10-21T10:57:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=870"},"modified":"2010-03-21T23:40:10","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:10","slug":"augsburg-theater-don-carlos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=870","title":{"rendered":"Augsburg, Theater &#8211; DON CARLOS"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813 \u2013 1901), Oper in vier Akten, Libretto: Joseph M\u00e9ry und Camille du Locle nach Friedrich Schiller<br \/>\nUA: 1867, Paris<br \/>\nRegie: Ludger Engels, B\u00fchne: Marc Bausback, Kost\u00fcme: Sebastian Ellrich, Dramaturgie: Juliane Votteler und Silke Meier<br \/>\nDirigent: Dirk Kaftan, Philharmonisches Orchester, Chor und Extrachor des Theaters Augsburg, Choreinstudierung: Karl Andreas Mehling<br \/>\nSolisten: Christian Tschelebiew (Philipp II.), Ji-Woon Kim (Don Carlos), Seung-Gi Jung (Rodrigo, Marquis von Posa), Stephen Owen (Gro\u00dfinquisitor), Wilfried Zelinka (M\u00f6nch), Sally du Randt (Elisabeth von Valois), Kerstin Descher (Prinzessin Eboli), Cathrin Lange (Tebaldo), Jutta Lehner (Gr\u00e4fin von Aremberg), Oliver Scherer (Graf von Lerma), Berit Barfred Jensen (Stimme von oben)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 17. Oktober 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"augsburg-don-carlos.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/augsburg-don-carlos.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"augsburg-don-carlos.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/augsburg-don-carlos.jpg\" \/><\/a>Der spanische Kronprinz Don Carlos erlebt, wie seine Braut Elisabeth, die Tochter des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs, des eigenen Vaters Frau wird, um Spanien und Frankreich zu vers\u00f6hnen. Don Carlos begegnet seinem Freund Rodrigo, der ihn nachdr\u00fccklich an seine gro\u00dfe politische Verpflichtung erinnert: den Freiheitskampf im Gro\u00dfreich Spanien. Die Don Carlos liebende Prinzessin Eboli schw\u00f6rt Rache, als er ihre Liebe nicht erwidert. Rodrigo verwickelt Carlos in die Aufst\u00e4nde in Flandern. Der pers\u00f6nliche und politische Kampf zwischen Vater und Sohn spitzt sich zu. Gerade noch rechtzeitig rettet ein M\u00f6nch den Infanten, als dieser w\u00e4hrend des Abschieds von seiner geliebten Elisabeth vom K\u00f6nig und dem Gro\u00dfinquisitor \u00fcberrascht wird.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Augsburger Oper spielt die vieraktige Mail\u00e4nder Fassung des Jahres 1884. (Historisch korrekt w\u00e4re deswegen die Betitelung Don Carlo gewesen, was man aber leider in Augsburg ignoriert hat.) Der Vorhang geht auf, und es ist dunkel. Das schlichte B\u00fchnenbild mit Aluw\u00e4nden wird erst allm\u00e4hlich, in Abstimmung mit der langsam anschwellenden Musik sichtbar. Im zweiten Bild des ersten Akts dreht man eine Kamera, die das B\u00fchnengeschehen permanent an die hintere Wand projiziert, zum Publikum, welches dadurch miteinbezogen wird. Die eng geschnittenen Kost\u00fcme sind modern gehalten. Sie sollen das beengende, kirchlich gepr\u00e4gte Regime symbolisieren, von dem sich die Protagonisten im Laufe der Handlung befreien. Die Akteure werden anscheinend in ihren Bewegungen von den Kost\u00fcmen eingeschr\u00e4nkt. Den Tod Rodrigos im dritten Akt interpretiert der Regisseur frei: der sterbende Rodrigo reicht dem Prinzen nicht die Hand, wie es im Libretto steht.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nIm ersten und zweiten Akt ist das Orchester manchmal so laut, da\u00df sich die S\u00e4nger regelrecht dagegen ansingen m\u00fcssen. Der Chor der M\u00f6nche in der ersten Szene liegt am Boden und singt aber in einer guten Balance mit dem Orchesterklang. Der Auftritt der Solisten ist vom ersten Akt an stimmlich \u00fcberzeugend: <strong>Seung-Gi Jung<\/strong> (Rodrigo), hat einen beweglichen Bariton. Er und <strong>Ji-Woon Kim<\/strong> (Don Carlos) brillieren im Duett <em>Dio che nell\u2019alma \u2013 Gott, der in die Seele sieht<\/em> mit einem durchdringenden und zugleich geschmeidigen Zusammenklang. <strong>Sally du Randt<\/strong> (Elisabeth) verf\u00fcgt \u00fcber eine F\u00fclle stimmlicher Nuancen, im Pianissimo wie auch im Fortissimo singt sie klanglich abwechslungsreich, mit und ohne Vibrato. Dabei verk\u00f6rpert sie die ungl\u00fcckliche, machtlose Herrscherin nachvollziehbar und begeistert das Publikum durch gut ausgef\u00fchrte Koloraturen und flie\u00dfende Registerwechsel. <strong>Kerstin Descher<\/strong> (Eboli) hat eine machtvolle und farbenreiche Mezzosopranstimme. Sie stellt die Eifersucht, reuige Offenheit und das k\u00e4mpferische Herz ihrer Figur in steter B\u00fchnenpr\u00e4senz dar.<strong> Christian Tschelebiew<\/strong> (Philipp) spielt und singt den ungl\u00fccklichen Regenten gut. Im dritten Akt, in der Arie <em>Ella giamai m&#8217;am\u00f2 \u2013 sie liebte mich nie<\/em>  singt er sich seine Liebesqual mitrei\u00dfend von der Seele. Nach der Pause, im dritten und vierten Akt, verl\u00e4\u00dft das Orchester den Orchestergraben und spielt auf dem hinteren Teil der B\u00fchne weiter. Ein Vorhang l\u00e4\u00dft nur einen verschwommenen Blick zum Dirigenten und Orchester zu. Zur rhythmischen Orientierung der Solisten sind Monitore angebracht, der Dirigent mu\u00df hingegen ohne Augenkontakt sich blind auf die S\u00e4nger verlassen. Dadurch entsteht ein Kammerspiel auf der verkleinerten B\u00fchne und ein ausgeglichenes Klangerlebnis im Zuschauerraum.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDiese zugleich gro\u00dfartige und beklemmende <em>Don Carlos<\/em>-Auff\u00fchrung war musikalisch gesehen ein mutiges Experiment, das gegl\u00fcckt ist. Das Publikum w\u00fcrdigte das Geschehen mit enthusiastischem Beifall. Seine Erwartungen wurden im Gro\u00dfen und Ganzen erf\u00fcllt, auch wenn die Modernisierung der Oper durch die Regie f\u00fcr viele ein \u00c4rgernis war. Das neue Ensemble mit vielen Deb\u00fctanten konnte sich behaupten, und der Neuanfang mit dem jungen Augsburger Dirigenten Dirk Kaftan wurde gefeiert.<br \/>\nRuta Akelyte Hermann<\/p>\n<p>Bild: A. T. Schaefer<br \/>\nDas Bild zeigt: Als die Inquisition die Ketzerverbrennung veranstaltet. Prinzessin Eboli ist die dritte von links. Im Hintergrund ist die vom Beamer und \u00dcberwachungskamera entstehende Echtzeitaufnahme sichtbar. Hier ist die \u00fcbergro\u00dfe Sally du Randt (K\u00f6nigin Elisabeth) mit ihrem traurigen Blick zu sehen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813 \u2013 1901), Oper in vier Akten, Libretto: Joseph M\u00e9ry und Camille du Locle nach Friedrich Schiller UA: 1867, Paris Regie: Ludger Engels, B\u00fchne: Marc Bausback, Kost\u00fcme: Sebastian Ellrich, Dramaturgie: Juliane Votteler und Silke Meier Dirigent: Dirk<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=870\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[127,1],"tags":[],"class_list":["post-870","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-augsburg-theater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/870","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=870"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/870\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1266,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/870\/revisions\/1266"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}