{"id":8670,"date":"2025-09-30T09:45:08","date_gmt":"2025-09-30T08:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8670"},"modified":"2025-10-01T09:50:00","modified_gmt":"2025-10-01T08:50:00","slug":"manon-lescaut-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8670","title":{"rendered":"Manon Lescaut &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924) Dramma lirico in vier Akten, Libretto: Marco Praga, Domenico Oliva und Luigi Illica, UA: 1. Februar 1893, Turin<\/p>\n<p>Regie: Carlos Wagner, B\u00fchne: Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, Kost\u00fcme: Jon Morrel, Licht: Nicol Hungsberg<\/p>\n<p>Dirigent: Andr\u00e9s Orozco-Estrada und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Carolina L\u00f3pez Moreno (Manon Lescaut), Insik Choi (Lescaut), Gaston Rivero (Des Grieux), Cristian Saitta (Geronte Di Ravoir), Vasyl Solodkyy (Edmondo)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. September 2025 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Koeln-Manon-Lescaux.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8671\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Koeln-Manon-Lescaux.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Koeln-Manon-Lescaux.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Koeln-Manon-Lescaux-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Manon soll von ihrem Bruder Lescaut ins Kloster geschickt werden, verliebt sich jedoch in den mittellosen Chevalier Des Grieux. Ihre Sch\u00f6nheit lockt auch den reichen Geronte Di Ravoir an. Zun\u00e4chst entscheidet sich Manon f\u00fcr Des Grieux und flieht mit ihm nach Paris. Doch bald verf\u00fchrt sie Gerontes Reichtum: sie verl\u00e4\u00dft Des Grieux und wird seine M\u00e4tresse. Lescaut, der erkennt, dass sie Des Grieux noch liebt, holt ihn in Gerontes Anwesen. Als die beiden ihre Liebe neu aufleben lassen, werden sie von Geronte in flagranti erwischt; Manon wird wegen Unmoral nach Amerika deportiert, Des Grieux folgt ihr. In der amerikanischen Wildnis stirbt Manon in Des Grieux\u2019 Armen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>In der Mitte befindet sich ein Karussell, davor ist der Boden mit Spiegeln und drappierten Sandhaufen beklebt und zeigt in jedem Akt andere Requisiten. Aufgestapelte Kisten und Luftballons verdeutlichen beispielsweise das feiernde Studentenlager. Im letzten Akt verwandelt sich das Karussell in ein rundes Gef\u00e4ngnis mit Gitterst\u00e4ben. Die Kost\u00fcme sind pragmatisch elegant, im Stil der 1940er Jahre Italiens: die Damen tragen lange R\u00f6cke und flie\u00dfende Stoffe, die M\u00e4nner Anz\u00fcge mit Frack und Pelzstola. Manon entwickelt sich vom unschuldigen M\u00e4dchen im wei\u00dfen Satinkleid, hin zur burlesken Erotikt\u00e4nzerin mit Stiefeln, Spitzenunterw\u00e4sche und rotem Satinmantel. Die Inszenierung stellt die weibliche St\u00e4rke m\u00e4nnlicher Schw\u00e4che gegen\u00fcber und beschreibt besonders im letzten Akt den gescheiterten Emanzipationsversuch einer unkonventionellen Frau. W\u00e4hrend Manon bis zum letzten Moment um ihr Leben und ihre Liebe k\u00e4mpft, f\u00e4llt Des Grieux teilnahmslos neben ihr zusammen, anstatt sie &#8211; wie im Libretto beschrieben &#8211; in den Arm zu nehmen und zu besch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Orozco-Estrada<\/strong> er\u00f6ffnet seinen ersten Einsatz f\u00fcr die K\u00f6lner Oper mit einem sehr lebhaften, schnellen Dirigat. Die Partitur scheint er v\u00f6llig verinnerlicht zu haben, da er sehr nuanciert ist in den einzelnen Stimmungswechseln. <strong>Gaston Rivero<\/strong> (Des Grieux) kann mit diesem schnellen Tempo im ersten Akt nicht ganz mithalten. Sein reichhaltiger Tenor ist scheppernd und kraftvoll und bringt ein geschmeidiges Timbre mit sich, allerdings pre\u00dft er in der Arie <em>Donna non vidi mai &#8211; Nie gab es eine Frau wie diese zenner<\/em>seine Stimme sehr stark, soda\u00df manche hohen T\u00f6ne heiser und \u00fcbersteuert klingen. Ab dem zweiten Akt legt sich dies aber und er schafft es, seine Stimme besser zu kontrollieren. Unangefochtener Star des Abends ist <strong>Carolina L\u00f3pez Moreno<\/strong> (Manon Lescaut). Nicht nur in den Duetten singt sie ihren Partner mit ihrem warmen, glockenklaren und technisch versierten Sopran, wortw\u00f6rtlich an die Wand. Beim Ansetzen der hohen Spitzent\u00f6ne zeigt sie ein unglaublich nuanciertes crescendo und l\u00e4\u00dft ihre Stimme mit so viel Anmut St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck anschwellen, dass es einem die Sprache verschl\u00e4gt. Dabei hat sie schauspielerisch eine unglaublich gro\u00dfe Pr\u00e4senz und betont Manon als facettenreiche Frau, die keineswegs als femme fatalte geboren wird, sondern von M\u00e4nnern zum Lustobjekt degradiert wird. Im letzten Akt hebt sie im Sterben ihre Arme beschw\u00f6rend in die Luft und schaut hoffnungsvoll in den Himmel, womit sie die St\u00e4rke ihrer Rolle auch k\u00f6rperlich sehr gut hervorhebt &#8211; und stirbt alleine, ohne die Hilfe eines Mannes. Ebenfalls zu erw\u00e4hnen ist auch <strong>Cristian Saitta<\/strong> (Geronte Di Ravoir), der mit seinem grollenden, schallenden Ba\u00df und seinem \u00fcberzogenen Schauspiel eine parodistische Rolle abgibt. Dabei gelingt es ihm sehr gut, dramatische Spannung aufzubauen, indem er seine Stimme sehr gekonnt anschwellen l\u00e4\u00dft in den hohen T\u00f6nen und Manon mit aufgerissenen Augen und dominanter K\u00f6rpersprache anklagt. <strong>Insik Choi<\/strong> (Lescaut) \u00fcberzeugt mit seinem schallenden Bariton, der ein sehr helles Timbre hat und besonders in den H\u00f6hen majest\u00e4tisch klingt. Dabei schafft er es, die Arien sehr abwechslungsreich zu gestalten, indem er zwischen sotto voce und mezza di voce wechselt und auch in der Lautst\u00e4rke viele Akzente setzt. Ein gro\u00dfer H\u00f6hepunkt sind auch die vielen Chorauftritte: sowohl die M\u00e4nner- als auch die Frauenstimmen erzeugen ein sehr harmonisches Klangbild und singen dabei rhythmisch sehr synchron mit dem Orchester.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Puccinis Musik geht unter der Leitung von Orozco-Estrada und dem hervorragenden musikalischen Gesamtklang von Orchester und Gesang unter die Haut: man weint, man hofft, man f\u00fchlt sich hineingezogen in das Leid und die Trauer, genauso wie in die unb\u00e4ndige Leidenschaft einer tragischen Liebesgeschichte. Sp\u00e4testens nach der Pause h\u00f6rt man es im ganzen Saal nur noch schluchzen und schniefen, als Manon verzweifelt um ihr Leben k\u00e4mpft. Einfach eine wundersch\u00f6ne Inszenierung mit einer grandiosen Besetzung. Allen voran Carolina L\u00f3pez Moreno, die zu Recht viele Bravo-Rufe und schallenden Applaus erh\u00e4lt. Ein grandioser Auftakt f\u00fcr die neue Spielzeit!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: \u00a0Sandra Then<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Carolina L\u00f3pez Moreno (Manon Lescaut)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924) Dramma lirico in vier Akten, Libretto: Marco Praga, Domenico Oliva und Luigi Illica, UA: 1. 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