{"id":8634,"date":"2025-03-18T09:47:35","date_gmt":"2025-03-18T08:47:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8634"},"modified":"2025-03-18T22:06:18","modified_gmt":"2025-03-18T21:06:18","slug":"die-meistersinger-von-nuernberg-kopenhagen-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8634","title":{"rendered":"Die Meistersinger von N\u00fcrnberg &#8211; Kopenhagen, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto vom Komponisten, UA: 21. Juni 1868 M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Laurent Pelly, Wiederaufnahmeregisseur: Luc Birraux, B\u00fchnenbild: Caroline Ginet, Kost\u00fcmdesign: Laurent Pelly und Jean-Jacques Delmotte, Lichtdesign: Urs Sch\u00f6nebaum<\/p>\n<p>Dirigent: Axel Kober, K\u00f6niglich d\u00e4nische Hofkapelle<\/p>\n<p>Chor der d\u00e4nischen Hofoper, Leitung: Alessandro Zuppardo<\/p>\n<p>Solisten: Johan Reuter (Hans Sachs), Jens-Erik Aasb\u00f8 (Veit Pogner), Tom Erik Lie (Sixtus Beckmesser), Jens S\u00f8ndergaard (Fritz Kothner), Magnus Vigilius (Walther von Stolzing), Jacob Skov Andersen (David), Jessica Muirhead (Eva), Hanne Fischer (Magdalena), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. M\u00e4rz 2025 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Veit Pogner, ein N\u00fcrnberger Meistersinger, verspricht dem Gewinner eines Gesangswettbewerbs, der am Johannistag stattfindet und dessen Teilnehmer ebenfalls Meistersinger sein m\u00fcssen, seine Tochter Eva zur Frau. Aussichtsreichster Kandidat ist der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser. Eva hat sich jedoch bereits in den Junker Walther von Stolzing verliebt, der v\u00f6llig unvorbereitet versucht, durch ein Vorsingen als Meistersinger aufgenommen zu werden. Da er die Regeln nicht kennt, wird nichts daraus. Dem Schuster und Meistersinger Hans Sachs bleibt sein Probelied jedoch in Erinnerung. Die Nacht bricht herein und Walther und Eva beschlie\u00dfen, gemeinsam zu fliehen. Sachs, der die beiden mit Sorge beobachtet, beginnt lautstark vor seiner Werkstatt zu arbeiten und zwingt sie so, in ihrem Versteck zu bleiben. Als auch noch Beckmesser erscheint, um Eva ein St\u00e4ndchen zu singen, nutzt Sachs die Gelegenheit, um ihm die zahlreichen musikalischen Fehler in seinem Lied zu zeigen. Der Lehrling David kommt hinzu und beginnt mit Beckmesser eine Schl\u00e4gerei, weil der statt Eva versehentlich deren Amme Magdalena seine Serenade darbietet. Allgemeines Chaos bricht aus, das erst von der Ankunft des Nachtw\u00e4chters beendet wird. Eva und Walther werden getrennt und Sachs zieht den Junker zu sich in die Werkstatt, wo er die Nacht verbringt. Am n\u00e4chsten Morgen berichtet er Sachs singend von seinem Traum. Das Lied beeindruckt Sachs, der es niederschreibt und auf dem Tisch liegen l\u00e4\u00dft. Dort entdeckt es Beckmesser, der Sachs zur Rede stellt, ob er denn auch als Werber teilzunehmen gedenke. Sachs verneint und beschlie\u00dft, eine List anzuwenden. Er schenkt Beckmesser das Lied mit dem Hinweis, es sei schwer auszuf\u00fchren. Die Z\u00fcnfte und Meistersinger versammeln sich auf der Festwiese. Beckmesser scheitert mit seiner Darbietung des Liedes und klagt Sachs an, ihm mit dem unausf\u00fchrbaren St\u00fcck eine Falle gestellt zu haben. Der behauptet, es sei ein gutes Lied, wenn es denn von seinem Sch\u00f6pfer vorgetragen werde und bittet Walther als Zeugen auf das Podium. Seine Darbietung des Liedes bezaubert alle, ihm wird der Preis \u2013 Evas Hand \u2013 und der Rang eines Meisters angeboten, den er doch erst nach einer Ermahnung Sachs\u2018 annimmt.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Kopenhagen-Meistersinger.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8635 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Kopenhagen-Meistersinger.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"409\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Kopenhagen-Meistersinger.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Kopenhagen-Meistersinger-300x189.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><br \/>\nAuff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Gemeinschaftsproduktion mit dem Teatro Real in Madrid findet in einer Art gro\u00dfer, auseinanderfallender Fabrikhalle statt. In der B\u00fchnenmitte befinden sich riesige Paletten, das verwinkelte N\u00fcrnberg wird im zweiten Aufzug mit H\u00e4usern aus Karton angedeutet, die w\u00e4hrend der Pr\u00fcgelfuge durcheinandergeworfen und umgekippt werden. Sachs\u2018 Werkstatt im dritten Aufzug besteht aus enormen B\u00fccherstapeln und einer Traube von Schuhmacherwerkzeug, die von der Decke h\u00e4ngt. Die Festwiesenszene findet vor einem gewaltigen romantischen Berggem\u00e4lde statt, vor dem die von einem goldenen Bilderrahmen eingefa\u00dften Meistersinger ihre Pl\u00e4tze einnehmen. Die Kost\u00fcme erinnern an die 1940er Jahre. Die Meistersinger sind allesamt alt und ergraut und bewegen sich drollig wackelnd. Veit Pogner am Stock mit seinem w\u00fcrdevollen Auftreten und der unruhige Beckmesser stechen aus der Gruppe der Meistersinger heraus. Die Personenregie h\u00e4lt sich sklavisch an Wagners originale Vorgaben in der Partitur und die Aktionen sind rhythmisch exakt mit der Musik synchronisiert.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die k\u00f6niglich d\u00e4nische Hofkappelle wurde vollkommen verdient am Ende mit stehenden Ovationen bedacht. <strong>Axel Kober<\/strong> l\u00e4\u00dft die Instrumente kraftvoll spielen, ohne da\u00df die S\u00e4nger \u00fcbert\u00f6nt w\u00fcrden. Mit der Wahl der Tempi kam er ihnen entgegen und die Koordination von B\u00fchne und Orchestergraben lief tadellos. Das bei geschlossenem Vorhang erklingende <em>Meistersinger<\/em>-Vorspiel gab die generelle Richtung der musikalischen Interpretation vor: Der vielstimme Satz wurde durchh\u00f6rbar, indem Neben- und Ba\u00dfstimmen herausgehoben wurden und das Tempo nicht zu breit genommen wurde. Man konnte auch im weiteren Verlauf des Abends den Variationen der unterschiedlichen Themen und ihrer polyphonen Verzahnung im Orchesterpart gut folgen. <strong>Johan Reuter<\/strong> (Hans Sachs) gestaltete seine lange Partie klug mit den stimmlichen Ressourcen haushaltend, so da\u00df der Wahnmonolog und die Dialoge im dritten Aufzug wie auch seine Ansprachen auf der Festwiese vollt\u00f6nend und ohne vokale Erm\u00fcdungserscheinungen dargeboten wurden. Seine Aussprache ist deutlich; lediglich ein paar Schlu\u00dfkonsonanten k\u00f6nnten noch st\u00e4rker forciert werden. Darstellerisch zeichnet ihn eine gewisse l\u00e4ssige Nat\u00fcrlichkeit aus; sein Sachs ist unpr\u00e4tenti\u00f6s und so gar nicht statuarisch. Ebenso wie seine szenische Verk\u00f6rperung der Rolle ist auch sein Gesang angenehm unaufdringlich. Es mag angesichts der eigentlichen Hauptrolle eigenartig klingen, aber es gelingt ihm, musikalisch und darstellerisch Teil des Ensembles zu werden, anstatt das Geschehen zu dominieren. <strong>Jens-Erik Aasb\u00f8<\/strong> (Veit Pogner) hat verglichen mit Reuter eine f\u00fclligere Stimme, die allerdings auch dank seines eher getragenen Parts st\u00e4rker zur Geltung kommt. <strong>Tom Erik Lie<\/strong> (Sixtus Beckmesser) ist ein begnadeter Darsteller und hat nicht nur die Worte und T\u00f6ne seiner Partie, sondern auch die rhythmisch synchron mit dem Orchesterpart ausgef\u00fchrten Aktionen \u2013 vor allem in seiner Solo-Pantomime im dritten Aufzug \u2013 vollkommen verinnerlicht. Das Timing seiner Aktionen sitzt und er beweist, da\u00df Wagners originale Regieanweisungen auch noch nach \u00fcber anderthalb Jahrhunderten funktionieren. Sein Beckmesser ist eine komische, aber keine l\u00e4cherliche Figur. Mit seiner Stimmgebung findet er eine gute Balance zwischen Sprechtonfall und Gesang. <strong>Jens S\u00f8ndergaard<\/strong> (Fritz Kothner) hat von der Gruppe der Meistersinger den bedeutendsten Part, den er mit seiner recht gro\u00dfen Stimme als pedantischen Schulmeister mit dem Zeigestock gibt.<strong> Magnus Vigilius<\/strong> (Walther von Stolzing) hat eine gl\u00e4nzende, starke Tenorstimme mit einer lyrisch anmutenden Spitze und bot seine Lieder ohne h\u00f6rbare Anstrengung dar. Seine Aussprache ist musterg\u00fcltig und im zweiten Aufzug schlug er gekonnt die erforderlichen deklamatorischen T\u00f6ne an. Interessanterweise sang <strong>Jacob Skov Andersen<\/strong> (David) seine Spieltenorpartie mit einem vollen Brustton, der fast schon heldentenoral timbriert war. Sein s ist leider etwas undeutlich. Darstellerisch beweglich nahm man ihm den jugendlichen Charakter, den er verk\u00f6rperte, ohne weiteres ab. <strong>Jessica Muirhead<\/strong> (Eva) hat eine ausgeglichene Stimme mit einem leichten, von ihr mit Umsicht eingesetzten Vibrato in der hohen Lage. Sie kann, wenn n\u00f6tig, auch hochdramatische T\u00f6ne anschlagen.<strong> Hanne Fischer<\/strong> (Magdalena) gestaltete ihre komische Nebenrolle darstellerisch souver\u00e4n. Die Ch\u00f6re der Lehrbuben agierten und sangen \u00fcberaus deutlich und die dynamischen H\u00f6hepunkte der Ch\u00f6re auf der Festwiese wurden gekonnt gesetzt. \u00dcberhaupt beeindruckte die Sicherheit der musikalischen Darbietungen aller S\u00e4nger dieses komplexen Werkes.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Kopenhagener Produktion der <em>Meistersinger<\/em> bietet ein h\u00fcbsch anzusehendes B\u00fchnenbild, eine strikt befolgte Umsetzung der originalen Handlung und Musiker, die ihre vokalen und instrumentalen Parts souver\u00e4n vortragen. Die Hauptpartien sind mit exzellenten Kr\u00e4ften besetzt und die abwechslungsreiche Choreographie und Personenregie machen die Auff\u00fchrung des langen St\u00fcck zu einem kurzweiligen Erlebnis. Es gibt keine Umdeutung oder kritische Hinterfragung des Stoffes, sondern eine von einer zupackenden musikalischen Interpretation getragene geradlinige Darbietung von Wagners Kom\u00f6die. Nicht nur f\u00fcr Wagnerfreunde uneingeschr\u00e4nkt zu empfehlen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Miklos Szabo<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Jessica Muirhead (Eva), Johan Reuter (Hans Sachs), Magnus Vigilius (Walther von Stolzing), Meistersinger, Lehrbuben, Ch\u00f6r der k\u00f6niglichen Hofoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto vom Komponisten, UA: 21. 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