{"id":8610,"date":"2025-02-17T12:46:18","date_gmt":"2025-02-17T11:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8610"},"modified":"2025-02-17T12:46:18","modified_gmt":"2025-02-17T11:46:18","slug":"lenfant-et-les-sortileges-das-kind-und-der-zauberspuk-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8610","title":{"rendered":"L\u2019enfant et les sortil\u00e8ges (Das Kind und der Zauberspuk) &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Maurice Ravel (1875\u20131937), lyrische Phantasie in zwei Teilen, Libretto von Sidonie-Gabrielle Colette; deutsche \u00dcbersetzung von Werner Hintze und Bettina Bartz, UA: 21. M\u00e4rz 1925 \u00a0Monte Carlo, Monaco<\/p>\n<p>Konzept und Video: Gr\u00e9goire Pont, Inszenierung: James Bonas, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Thibault Vancraenenbroeck, Licht: Christophe Chaupin, Videoeinrichtung: Xavier Boyer, Dramaturgie: Martin L\u00fchr<\/p>\n<p>Dirigent: Elias Grandy, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden, Sinfoniechor Dresden und Extrachor der Staatsoper Dresden, Einstudierung: Jan Hoffmann<\/p>\n<p>Solisten: Nicole Chirka (Kind), Michal Doron (Mutter, chinesische Tasse, Libelle), Sofia Savenko (Lehnstuhl, Eule, Fledermaus), Magdalena Lucjan (Nachtigall, Prinzessin), Jasmin Delfs (Feuer, Hirtenm\u00e4dchen), Dominika \u0160krabalov\u00e1 (Hirtenknabe, Katze, Eichh\u00f6rnchen), Simeon Esper (Teekanne, altes M\u00e4nnchen, Laubfrosch), Anton Beliaev (Standuhr, Kater), Martin-Jan Nijhof (Sessel, Baum)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. Februar 2025 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Das Kind will seine Schularbeiten nicht erledigen und beleidigt seine Mutter, die ihm deswegen Stubenarrest erteilt. Alleingelassen beginnt es zu randalieren und qu\u00e4lt Tiere. Doch dann setzt der Zauberspuk ein: Die Gegenst\u00e4nde im Zimmer reden und klagen \u00fcber das b\u00f6se Kind. Nach der Uhr, Tasse und Teekanne, den Sch\u00e4fern auf der Tapete kommt auch die Mathematikaufgabe zu Wort wie auch die Katze. Die W\u00e4nde des Zimmers \u00f6ffnen sich und das Kind steht im n\u00e4chtlichen Garten. Auch hier beklagen sich die Tiere, darunter der Frosch, die Libelle und Fledermaus. Das Kind hat eine Libelle und eine Fledermaus get\u00f6tet und beginnt, ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Die Tiere raufen sich miteinander und das Kind verbindet dem verletzten Eichh\u00f6rnchen die Pfote. Damit endet der Spuk. Die Tiere freuen sich an seiner Besserung und geleiten es zu seiner Mutter zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Dresden-RavelDas-Kind.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8611\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Dresden-RavelDas-Kind.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Dresden-RavelDas-Kind.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Dresden-RavelDas-Kind-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein B\u00fchnenbild im traditionellen Sinne gibt es nicht. Der Saal ist sehr dunkel. Man sieht das Orchester auf der B\u00fchne hinter einem Gazevorhang, auf den Projektionen geworfen werden. Dem Videodesign, das auch die Decke und W\u00e4nde des Zuschauerraums nutzt, kommt daher eine zentrale Bedeutung zu. Die S\u00e4nger treten vor dem Orchester auf. Alle S\u00e4nger, Solisten wie Choristen, haben identische schwarze Kittel an. Mit Ausnahme der Mathematikaufgabe, bei der der Solist auf Stelzen und wie die Choristen geh\u00f6rnt auftritt, haben alle Darsteller Einheitskost\u00fcme. Einzig das Kind unterscheidet sich von den \u00fcbrigen durch sein Basecap. Die Projektionen werden rhythmisch auf die Musik abgestimmt. Zumeist sind sie zeichnerisch reduziert, es gibt aber auch ein paar farbige, etwa wenn das Feuer singt oder bei den Szenen im Garten. Die Darsteller haben vor allem darauf zu achten, an der richtigen Stelle der Leinwand zu stehen und ihre Aktionen genau dort auszuf\u00fchren, wo die Projektionen stattfinden. Das gelang durchweg sehr gut. Zwei Gr\u00fcnde m\u00f6gen die Veranstalter zu diesem im Grunde auf das Video reduzierten B\u00fchnenbild mit dem Orchester auf der Szene bewogen haben: Zum einen handelt es sich hier um eine Co-Produktion von drei Opernh\u00e4usern \u2013 Dresden, Lyon und Barcelona \u2013, die durch Europa wandert. Und zum anderen wird das oft sehr leise, kammermusikalisch filigran spielende Orchester so besser h\u00f6rbar als wenn es im Orchestergraben spielen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Elias Grandy<\/strong> leitete die S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden mit Umsicht, die die F\u00fclle der faszinierenden Klangmischungen Ravels balanciert vortrug, \u2013 soweit man sie denn gut zu Geh\u00f6r bekam. Denn es traten zwei Probleme zutage: Diese Inszenierung ist als Familienproduktion gedacht und wendet sich insbesondere an Kinder ab acht Jahren \u2013 dazu unten mehr \u2013, was dazu f\u00fchrt, da\u00df es nicht so leise im Saal ist, da\u00df alle Feinheiten der Partitur durchkommen. Ein weiteres Problem ist, da\u00df alle S\u00e4nger mit dem R\u00fccken zum Dirigenten und zum Orchester singen, wodurch vor allem bei den schnellen Passagen wie der Mathematikaufgabe, die ein Solo mit Chor vorsieht, Eins\u00e4tze klapperten. Die Ch\u00f6re sangen entweder in einer Reihe hinter den Solisten stehend oder von beiden Seiten des Orchesters. <strong>Nicole Chirka<\/strong> (Kind) hat den Hauptpart zu singen, was sie stimmlich ausgeglichen tut, und agiert dabei wie ein junger Knabe. <strong>Jasmin Delfs<\/strong>\u2018 (Feuer, Hirtenm\u00e4dchen) Koloraturen als Feuer sa\u00dfen sicher und wurden von ihr mit der n\u00f6tigen Leichtigkeit gesungen. <strong>Dominika \u0160krabalov\u00e1<\/strong> (Hirtenknabe, Katze, Eichh\u00f6rnchen) und <strong>Anton Beliaev<\/strong> (Standuhr, Kater) trugen das Duett der jaulenden Katzen naturalistisch vor; \u0160krabalov\u00e1 hat als Eichh\u00f6rnchen ein elegisches musikalisches Element einzubringen, was ihr gut gelang. <strong>Simeon Esper<\/strong> (Teekanne, altes M\u00e4nnchen, Laubfrosch) hat die karikierende Mathematikaufgabe und den quakenden Frosch mit den schnelle Tonrepetitionen zu singen. Das sind beides keine leichten Aufgaben und die Koordination mit dem Orchester war nicht immer hunderprozentig. Generell haben die S\u00e4nger aufgrund ihrer kurzen Partien und des ins Video verlagerten Geschehens nur wenig M\u00f6glichkeit, ihre Figuren darstellerisch n\u00e4her zu charakterisieren. Bei den schnellen Passagen ist man auf die \u00dcbertitel angewiesen, da hier der Text leicht unverst\u00e4ndlich wird. Das ist zumeist nicht der \u00dcbersetzung anzukreiden, sondern Ravels Textvertonung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Semperoper Dresden feierte den 40. Jahrestag ihrer Wiederer\u00f6ffnung mit einer Produktion, die sich vor allem an Kinder richtet. Bei der Premiere wurde dieses Angebot auch dankbar angenommen: Ein erheblicher Teil des Publikums bestand aus Kindern um die zehn Jahre. Man kann sich allerdings fragen, ob gerade dieses Werk wirklich so gut als Kinderoper geeignet ist. Der Umstand, da\u00df ein Kind die Hauptfigur und seine Entwicklung eines moralischen Bewu\u00dftseins der Kern der Handlung ist sowie die kurze Auff\u00fchrungsdauer von einer guten Dreiviertelstunde m\u00f6gen es daf\u00fcr als passend erscheinen lassen. Doch ist die phantastische Handlung, die auf den Projektionen oft auch nur abstrakt angedeutet wurde, wie auch die komplexe, viele Anspielungen enthaltende und nicht durchweg eing\u00e4ngige Musik des sp\u00e4ten Ravel nicht leicht verst\u00e4ndlich. Mit einem gewissen Ger\u00e4uschpegel im Saal, der mitunter die Feinheiten der Ravel\u2019schen Orchestrierungskunst \u00fcberdeckt, mu\u00df man hier also leben. Es gibt in diesem kurzen, etwas exzentrischen St\u00fcck viele musikalische Details zu entdecken. Die S\u00e4nger wurden gewisserma\u00dfen Teil eines lebenden Films und f\u00fchrten alle Aktionen akkurat vor, so da\u00df die Projektionen \u00fcberaus effektvoll wirkten. Die Interpretation der S\u00e4chsischen Staatskapelle war \u00fcber jeden Zweifel erhaben.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Sebastian Hoppe<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nicole Chirka (Kind), Anton Beliaev (Standuhr, Kater)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Maurice Ravel (1875\u20131937), lyrische Phantasie in zwei Teilen, Libretto von Sidonie-Gabrielle Colette; deutsche \u00dcbersetzung von Werner Hintze und Bettina Bartz, UA: 21. 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