{"id":8587,"date":"2025-01-27T20:04:56","date_gmt":"2025-01-27T19:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8587"},"modified":"2025-01-27T20:04:56","modified_gmt":"2025-01-27T19:04:56","slug":"die-frau-ohne-schatten-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8587","title":{"rendered":"Die Frau ohne Schatten &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in drei Akten, Text von Hugo von Hofmannsthal, UA: 1919 Wien<\/p>\n<p>Inszenierung: Tobias Kratzer, Ausstattung: Rainer Sellmaier, Lichtdesign: Olaf Winter, Video: Manual Braun, Jonas Dahl und Janic Bebi, Dramaturgie: J\u00f6rg K\u00f6nigsdorf<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines<\/p>\n<p>Kinderchor und Junger Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Christian Windhorst<\/p>\n<p>Solisten: Daniela K\u00f6hler (Kaiserin), Clay Hilley (Kaiser), Marina Prudenskaya (Amme), Patrick Guetti (Geisterbote), Catherine Foster (Baraks Frau), Jordan Chanahan (Barak, der F\u00e4rber), Hye-young Moon (H\u00fcter der Schwelle), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. Januar 2024 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Berlin-Do_frauohneschatten.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8590\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Berlin-Do_frauohneschatten.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Berlin-Do_frauohneschatten.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Berlin-Do_frauohneschatten-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Die Kaiserin der s\u00fcd\u00f6stlichen Inseln stammt aus dem Feenreich. Noch geh\u00f6rt sie nicht ganz zu den Menschen, denn sie wirft keinen Schatten und kann keine Kinder empfangen. Ihrem Gatten steht darum die Verwandlung in Stein bevor. Die Amme der Kaiserin, die sich insgeheim zum Ziel gesetzt hat, sie wieder zur\u00fcck in das Feenreich zu bringen, gibt vor, ihr helfen zu wollen und macht sich mit ihr auf in die Menschenwelt zu dem F\u00e4rber Barak und seiner jungen Frau. Auch sie haben keine Kinder, allerdings weil die F\u00e4rbersfrau es so will. Die Amme versucht, der F\u00e4rbersfrau ihren Schatten und damit ihre Fruchtbarkeit abzukaufen, doch die Kaiserin schreckt davor zur\u00fcck, ihr Gl\u00fcck mit dem Leid anderer zu erkaufen. Sie empfindet Mitleid mit dem ehrlichen und sanftm\u00fctigen Barak, dessen Wunsch nach Kindern unerf\u00fcllt zu bleiben droht, wenn die Intrige der Amme aufgehen sollte, und dessen Frau sich ihm gegen\u00fcber immer feindseliger verh\u00e4lt. Die Kaiserin erl\u00f6st durch ihren Verzicht auf den Schatten der F\u00e4rbersfrau ihren Mann, den Kaiser, und rettet die Ehe des F\u00e4rberpaares. Ihr Vater, der Geisterf\u00fcrst Keikobad, erf\u00fcllt ihr zudem ihren Wunsch, in die Menschenwelt hin\u00fcberzuwechseln und einen Schatten zu werfen. Die Amme verurteilt er dazu, unter den ihr verhassten Menschen leben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Drehb\u00fchne zeigt immer wieder verschiedene Interieure und wird meistens w\u00e4hrend der instrumentalen Zwischenspiele bewegt. Das Ambiente, in dem wir uns befinden, ist das der Gegenwart und die Handlung hat einige entscheidende Ver\u00e4nderungen erfahren. Die Ehe von Kaiser und Kaiserin befindet sich in der Krise. Der Kinderwunsch lastet auf beiden. Der Kaiser versucht, seinen Kummer zu bet\u00e4uben, die Kaiserin begibt sich mit der Amme zu dem F\u00e4rberehepaar, das eine chemische Reinigung betreibt. Auch deren Ehe steht kurz vor dem Scheitern, weil die F\u00e4rberin ganz und gar nicht auf Mutterschaft aus ist. Die Amme schl\u00e4gt ihr jedoch einen Handel vor, auf den die F\u00e4rbersfrau eingeht: F\u00fcr eine Leihmutterschaft soll sie Geld und G\u00fcter bekommen. Doch die k\u00fcnstliche Befruchtung schl\u00e4gt fehl und st\u00fcrzt beide Paare in eine existentielle Krise. Auch der letzte Akt, in dem die beiden Paare Pr\u00fcfungen zu bestehen haben, ist aus der M\u00e4rchenwelt in die Gegenwart versetzt und schreibt die originale Handlung um: Barak und seine Frau unterziehen sich einer Ehetherapie, allerdings erfolglos, und unterschreiben dann die Scheidung. Die Amme begibt sich mit der Kaiserin zu einem Heim, um ein Kind zu adoptieren, doch die Kaiserin weigert sich. Bei ihr zu Hause warten bereits Freunde und Familie zusammen mit ihrem versteinerten Mann auf die Ankunft des Kindes. Das Bekenntnis der Kaiserin, kein Kind zu wollen, erweckt ihn aus seiner Starre. Beide Gatten finden sich wieder und unter den vers\u00f6hnlichen Kl\u00e4ngen des Nachspiels holt Barack seine kleine Tochter aus dem Kindergarten ab. Die jeweiligen R\u00e4umlichkeiten \u2013 die Wohnung des Kaiser-Ehepaares, des F\u00e4rberehepaares, die Praxis der Ehetherapeutin etc. \u2013 werden durch das Mobiliar andeutet. Szenenwechsel bei offenem Vorhang sind die Regel, bei dem das B\u00fchnenpersonal oft w\u00e4hrend der orchestralen Zwischenspiele die Einrichtung \u00e4ndert. Die Personenregie ist beweglich und sieht viele Aktionen vor, mitunter mit humoristischen Einschl\u00e4gen, etwa wenn Barak den Fernseher anstellt, um sich eine Schlagersendung mit den drei Flippers anzusehen, w\u00e4hrend der Gesang der drei W\u00e4chter zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Erwartungsgem\u00e4\u00df gestaltete <strong>Sir Donald Runnicles<\/strong> mit dem Orchester der Deutschen Oper das stark besetzte Werk analytisch und klanglich transparent. Die Ch\u00f6re sangen stets hinter der Szene. Die Wahl der Tempi und die eher zur\u00fcckgenommene Lautst\u00e4rke kamen den Solisten entgegen, die nicht nur ihre schweren Partien zu singen, sondern auch darstellerisch viel Feinarbeit zu leisten haben. Die Aktionen sind rhythmisch auf die Musik abgestimmt. Was ihren schauspielerischen Part betrifft, machten alle S\u00e4nger eine gute Figur. <strong>Daniela K\u00f6hlers<\/strong> (Kaiserin) Gesang wirkte zu Anfang etwas nerv\u00f6s, was an ihrem schnellen Tremolo liegen kann. Sie hat sowohl die H\u00f6he als auch die f\u00fcr diese Partie erforderliche Strahlkraft der Stimme. <strong>Clay Hilley<\/strong> gab einen desolaten Kaiser und setzte die lauten, hohen T\u00f6ne souver\u00e4n.<strong> Marina Prudenskayas<\/strong> Amme ist gouvernantenhaft und von ihrem Habitus betont distinguiert, man nimmt ihr den Abscheu vor der Menschenwelt ohne weiteres ab. Sie hat eine volle tiefe Lage. <strong>Patrick Guetti<\/strong> (Geisterbote) ist stimmlich und physisch eine beeindruckende Erscheinung, allerdings klingt seine volumin\u00f6se Stimmgebung etwas angestrengt. <strong>Catherine Foster<\/strong> (Baraks Frau) stand im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gesanglich hat sie keine Probleme mit ihrer anspruchsvollen Partie. Hinzu kommt eine burschikose, ihrer Rolle als frustrierter Frau des Kleinunternehmers und -b\u00fcrgers Barak gut anstehende K\u00f6rpersprache. Sie ist ungef\u00e4hr einen Kopf gr\u00f6\u00dfer als <strong>Jordan Chanahan <\/strong>(Barak, der F\u00e4rber), womit das ungleiche Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen beiden in ihren Attacken auf ihn deutlich sichtbar wird. Chanahan gibt seiner Rolle viele Nuancen. Sein Barak ist nicht nur gutm\u00fctig und verzeihend, sondern leidet an seiner ungl\u00fccklichen Ehe. Deren Ende bedeutet f\u00fcr ihn eine Befreiung. Chanahan singt wie alle S\u00e4nger an diesem Abend, von denen nur wenige Muttersprachler sind, mit hervorragend deutlicher Aussprache und dank des zur\u00fcckgenommenen Orchesters k\u00f6nnen sie auch klanglich sprecherisch modifizieren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion ist sowohl szenisch als auch musikalisch auf Klarheit und das Herausarbeiten von Strukturen bedacht. Es geht nicht um das Schaffen einer m\u00e4rchenhaft-entr\u00fcckten Atmosph\u00e4re, sondern das Publikum wird mit einer Handlung konfrontiert, die sich im Hier und Jetzt abspielt. Vielleicht war das manchem zu n\u00fcchtern. Jedenfalls gab es f\u00fcr den Dirigenten vereinzelte Buhs, trotz einer handwerklich vollkommen gediegenen Leistung, die das Heraush\u00f6ren von motivischen Details zu einem wahren Vergn\u00fcgen machte. Beim Erscheinen des Regieteams wurde es dann richtig laut im Saal, als die Buhrufe zunahmen und zugleich derjenige Teil des Publikums, dem die Inszenierung gefallen hatte, sie zu \u00fcbert\u00f6nen versuchte. Diese Produktion weckt starke Emotionen. Sie behandelt trotz ihrer Aktualisierung und der kom\u00f6diantischen Einlagen das St\u00fcck nicht despektierlich, sondern l\u00e4\u00dft die starken musikalischen Energien, die es freisetzt, in eine Deutung der Oper einflie\u00dfen, die gro\u00dfe ergreifende Momente hat. Das eher zur\u00fcckhaltende Spiel des Riesenorchesters l\u00e4\u00dft Raum f\u00fcr kraftvolle dynamische Steigerungen wie etwa am Ende des 2. Aktes und das Geschehen auf der B\u00fchne, das auf Effekte verzichtet und sich stets auf eine Aktion konzentriert, verschafft der Musik alle nur w\u00fcnschenswerte Pr\u00e4senz. Mit anderen Worten: Musikalische und szenische Interpretation spielen sch\u00f6n ineinander und pr\u00e4sentieren eine schl\u00fcssige, geradlinige Deutung des symbolbeladenen Stoffes.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Matthias Baus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Daniela K\u00f6hler (Kaiserin) mit Statisten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in drei Akten, Text von Hugo von Hofmannsthal, UA: 1919 Wien Inszenierung: Tobias Kratzer, Ausstattung: Rainer Sellmaier, Lichtdesign: Olaf Winter, Video: Manual Braun, Jonas Dahl und Janic Bebi, Dramaturgie: J\u00f6rg K\u00f6nigsdorf Dirigent: Sir Donald Runnicles,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8587\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8590,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1],"tags":[],"class_list":["post-8587","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berlin-deutsche-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8587","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8587"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8587\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8591,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8587\/revisions\/8591"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8590"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8587"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8587"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8587"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}