{"id":8583,"date":"2024-12-03T12:09:35","date_gmt":"2024-12-03T11:09:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8583"},"modified":"2025-01-29T18:42:50","modified_gmt":"2025-01-29T17:42:50","slug":"nabucco-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8583","title":{"rendered":"Nabucco &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901) Dramma lirico in vier Teilen, Libretto: Temistocle Solera, UA: 9. M\u00e4rz 1842, Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie und B\u00fchne: Ben Baur, Kost\u00fcme: Julia Katharina Berndt, Choreographie: Rachele Pedrocchi<\/p>\n<p>Dirigent: Sesto Quatrini und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Ernesto Petti (Nabucco), Young Woo Kim (Ismaele), Evgeny Stavinsky (Zaccaria), Marta Torbidoni (Abigaille), Aya Wakizono (Fenena)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. Dezember 2024 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Koeln-Nabucco.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8584\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Koeln-Nabucco.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Koeln-Nabucco.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Koeln-Nabucco-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der babylonische K\u00f6nig Nabucco hat die Hebr\u00e4er besiegt. Seine Tochter Fenena ist verliebt in den Hebr\u00e4er Ismaele und will mit ihm durchbrennen. Abigaille, die erstgeborene Tochter, ist eifers\u00fcchtig auf ihre Schwester, da sie ebenfalls in Ismaele verliebt ist und ihr Vater Fenena bevorzugt. Nabucco nimmt in seiner \u00dcberheblichkeit die Hebr\u00e4er gefangen und betitelt sich als ihr Gott. In diesem Moment wird er vom Blitz getroffen und verliert den Verstand. Abigaille rei\u00dft die Krone an sich, nimmt den Vater gefangen und plant ein Todesurteil f\u00fcr alle Hebr\u00e4er, inklusive Fenena. Erst als ihr Vater den Gott der Juden um Verzeihung bittet und von ihm seinen Verstand zur\u00fcckerlangt, sieht sie ihr Fehlverhalten ein. Sie vergiftet sich und bittet Jehovah sterbend um Vergebung. Nabucco preist zusammen mit dem Volk Israels und ihrem Hohepriester Zaccaria Gott und die wiedergewonnene Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist sehr karg und wird lediglich von Stahl- und Betontr\u00e4gern an der Seite verziert. Der Rest der B\u00fchne bleibt kahl, da der Platz f\u00fcr das immens gro\u00dfe Ensemble (Chor und S\u00e4nger) ben\u00f6tigt wird. Die Kost\u00fcme sind keiner spezifischen Zeitepoche zuzuordnen, aber eher modern und in dezenten Farben gehalten. Ernesto Petti erscheint im Gesch\u00e4ftsmann-Outfit mit schwarzem Anzug, wei\u00dfem Hemd und zur\u00fcckgelegten Haaren, als K\u00f6nig ist er lediglich durch ein goldenes \u201cMetallstirnband\u201d und Brustpanzer erkennbar. Marta Torbidoni als Abigaille tr\u00e4gt ein Satinkleid mit Ledermantel in schwarz. Die Hebr\u00e4er erscheinen in abgenutzter Alltagskleidung. Die Inszenierung geht sehr frei mit dem Libretto um: Auf religi\u00f6se Symbole wird trotz des biblischen Stoffes komplett verzichtet, zwischen dem Umbau der B\u00fchne wird ein Gedicht von Ingeborg Bachmann vorgetragen und Nabucco eher als ein von Hybris und Macht zerfressener Diktator stilisiert. Der ge\u00e4nderte Schlu\u00df verwandelt das Dramma lirico nahezu in eine griechische Trag\u00f6die: nicht nur Abigaile trinkt Gift und st\u00fcrzt zu Boden, sondern Fenena und Nabucco gleich mit.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Von Beginn an dirigiert <strong>Sesto Quatrini<\/strong> das G\u00fcrzenich-Orchester mit sehr strengen und akkuraten Gesten, um auch in den lauten und schnellen L\u00e4ufen gut zu kontrollieren und die Instrumente auszutarieren. Dabei klingen in der Ouvert\u00fcre die lebhaften schnellen Tempi deutlich fl\u00fcssiger als die leiseren tragischen T\u00f6ne, wo es etwas an Schmelz und legato fehlt. Der Zusammenklang mit dem immens gro\u00dfen Chor ist von Anfang an einer der H\u00f6hepunkte des Abends. Sowohl M\u00e4nner-, als auch Frauenstimmen entfalten ein pr\u00e4chtiges Volumen, k\u00f6nnen sich aber auch an den entsprechenden Stellen zur\u00fccknehmen und zart und and\u00e4chtig singen. Insgesamt besticht der Chor durch die rhythmische Genauigkeit und die gro\u00dfen dynamischen Crescendi-B\u00f6gen, besonders in dem bekannten St\u00fcck <em>Va pensiero &#8211; Flieg Gedanke,<\/em> und baut vom piano zum fortissimo eine gro\u00dfartige Spannung auf. <strong>Evgeny Stavinsky <\/strong>(Zaccaria) verf\u00fcgt \u00fcber einen m\u00e4chtigen, donnernden Ba\u00df und singt mit sehr viel Bruststimme und sehr kraftvoll. Dabei betont er den standhaften Hohepriester durch ein sehr ruhiges, unaufgeregtes Schauspiel. <strong>Young Wo Kim<\/strong> (Ismaele) zeigt hingegen sehr viel Theatralik in seiner verzweifelten Liebe zu Fenena, schmei\u00dft sich auf den Boden, rei\u00dft die Augen weit auf und legt sich mit seinem hell gef\u00e4rbten, schmetternden Tenor voll in jeden einzelnen Ton. Absolutes Highlight unter den M\u00e4nnerstimmen ist <strong>Ernesto Petti<\/strong> (Nabucco), der mit seiner verbissenen Miene und dominanten K\u00f6rperhaltung von Anfang an als Herrscher pr\u00e4sent ist. Sein Bariton hat ein warmes, schmelzendes Timbre, dass er besonders im zweiten Aufzug in der Phrase \u201c<em>non piu son r\u00e9, son di\u00f3 &#8211; ich bin kein K\u00f6nig mehr, ich bin Gott\u201d<\/em> strahlend zur Geltung bringt, dabei aber auch den Zusammenbruch und die leisen T\u00f6ne in einem wundersch\u00f6nen sotto voce hauchen kann. Unangefochtener Star des Abends ist allerdings <strong>Marta Torbidoni<\/strong> (Abigaille), die sich mit ihrem glockenklaren, hellen Sopran technisch fehlerfrei und intonationssicher durch den gesamten Abend singt und alle Register zieht. Sie verf\u00fcgt \u00fcber eine ausgesprochen markante Mimik, soda\u00df ihr schon am Funkeln ihrer Augen der Ha\u00df und die Rachsucht gegen\u00fcber der eigenen Familie anzuerkennen ist. Dabei brilliert sie in den Spitzent\u00f6nen durch ein strahlendes und reines Volumen und beherrscht auch die Koloraturen in den schnellen Partien rhythmisch einwandfrei. Dagegen kann <strong>Aya Wakizono<\/strong> (Fenena) im Vergleich kaum mithalten. Sie verf\u00fcgt zwar \u00fcber einen warmen und lyrischen Sopran, den sie besonders in den leisen T\u00f6nen sehr anmutig und sanft schimmern lassen kann, reicht aber bei weitem nicht an das technisch und schauspielerisch hohe Niveau ihrer Mits\u00e4ngerin heran.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>In der Inhaltsangabe auf der Website der K\u00f6lner Oper liest man: \u201can dieser Oper ist alles gro\u00df (&#8230;)\u201d. Und das stimmt: aber leider spiegelt das die Inszenierung in dem zu kleinen Staatensaal nicht wider. Das B\u00fchnenbild ist sehr spartanisch, die Kost\u00fcme zu zur\u00fcckhaltend. Fehlende Symbole des biblischen Stoffes machen es hier und da schwer, die Handlung noch nachzuvollziehen. Das tragische Ende mit gleich drei Toten macht die Oper zu einer recht d\u00fcsteren und wenig vers\u00f6hnlichen Veranstaltung und verdreht die eigentliche Botschaft des Librettos. Zum Gl\u00fcck kann die musikalische Leistung vollends \u00fcberzeugen und den Abend retten. Gro\u00dfen Applaus gibt es allen voran f\u00fcr den Chor, Marta Torbidoni und Ernesto Petti, vereinzelte Buhrufe f\u00fcr Regie, B\u00fchne und Kost\u00fcme.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Chor der Oper K\u00f6ln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901) Dramma lirico in vier Teilen, Libretto: Temistocle Solera, UA: 9. 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