{"id":8566,"date":"2024-10-13T14:15:01","date_gmt":"2024-10-13T13:15:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8566"},"modified":"2024-10-13T14:15:01","modified_gmt":"2024-10-13T13:15:01","slug":"giovanna-darco-malmoe-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8566","title":{"rendered":"Giovanna d\u2018Arco &#8211; Malm\u00f6, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Oper in einem Prolog und drei Akten, Libretto von Temistocle Solera, UA: 15. Februar 1845 Mailand<\/p>\n<p>Regie: Philipp M. Krenn, Szenographie, Kost\u00fcm- und Maskendesign: Leslie Travers, Licht: Alessandro Careletti, Video: Douglas O\u2019Connell<\/p>\n<p>Dirigent: Daniela Musca, Orchester und Chor der Oper Malm\u00f6, Chorleitung: Elena Mitrevska<\/p>\n<p>Solisten: Ania Jeruc (Giovanna), Bror Magnus T\u00f8denes (Carlo), Fredrik Zetterstr\u00f6m (Giacomo), Gustav Johansson (Talbot), Tor Lind (Delil)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Oktober 2024 (nordeurop\u00e4ische Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Malmoe-giovanna_darco.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8567\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Malmoe-giovanna_darco.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"384\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Malmoe-giovanna_darco.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Malmoe-giovanna_darco-300x177.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Kronprinz Carlo befindet sich in einer verzweifelten Situation: Die Engl\u00e4nder drohen Orl\u00e9ans einzunehmen und damit ganz Frankreich zu erobern. Er hat eine Vision, in dem ihm eine Statue der Jungfrau Maria vor einer Eiche befiehlt, Schwert und Helm abzulegen. Tats\u00e4chlich, so wird ihm berichtet, soll sich in einem Wald in der N\u00e4he, der von D\u00e4monen und Hexen bev\u00f6lkert wird, eine Statue Marias befinden, und er begibt sich dorthin. Im Wald befinden sich der Sch\u00e4fer Giacomo und seine schlafende Tochter Giovanna. Giacomo bef\u00fcrchtet, sie habe einen Bund mit dem Teufel geschlossen. Giovanna h\u00f6rt innere Stimmen von Engeln und D\u00e4monen. Die Engel ermahnen sie, ihre Unschuld zu bewahren wohingegen die D\u00e4monen sie auffordern, ihre Jugend zu genie\u00dfen. Als sie Schwert und Helm Carlos findet, sieht sie darin ein g\u00f6ttliches Zeichen, gegen die Engl\u00e4nder in den Kampf zu ziehen und fordert den Kronprinzen auf, ihr zu folgen. Nach dem Sieg der franz\u00f6sischen Truppen begibt sich Giacomo zu den Engl\u00e4ndern und berichtet ihnen, da\u00df seine Tochter eine Hexe sei. Carlo gesteht ihr unterdessen seine Liebe und fordert sie auf, seiner Kr\u00f6nung in Reims beizuwohnen. Dadurch bringt er sie in Versuchung und der Chor der D\u00e4monen triumphiert. In Reims wird die Kr\u00f6nung feierlich begangen bis Giacomo hervortritt und Giovanna der Ketzerei bezichtigt. Ihr Schweigen, das sie sich selbst auferlegt hat, wird als Zeichen ihrer Schuld gedeutet und man liefert sie den Engl\u00e4ndern aus. Im englischen Lager besucht Giacomo die Gefangene und findet sie im inbr\u00fcnstigen Gebet. Er erkennt seinen Irrtum und befreit sie. Giovanna st\u00fcrzt sich sogleich auf das Schlachtfeld und rettet Carlo das Leben, wird dabei aber selbst schwer verwundet. Kurz bevor sie stirbt, verzeiht sie ihrem Vater. Der Himmel \u00f6ffnet sich und die Jungfrau Maria ruft Giovanna zu sich.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist leer und bis auf Schild, Helm und Schwert Giovannas und eine gro\u00dfe Bettdecke, in die Carlo sie im zweiten Akt wickelt, frei von Requisiten. Der Anfang des Prologs findet im Dunkeln statt. Als Giovanna zum ersten Mal erscheint \u00f6ffnet sich der Blick auf den B\u00fchnenhintergrund, der eine spektakul\u00e4re Gebirgslandschaft zeigt, die im Laufe des Abends in unterschiedlichen Farben beleuchtet wird. Noch ein weiteres spektakul\u00e4res Szenenelement gibt es, n\u00e4mlich eine Spiegelung Giovannas an der B\u00fchnendecke, wo die Akrobatin <strong>Andrea Hilario<\/strong> \u00fcber Kopf auf- und abschreitet. Am Ende der Oper ber\u00fchrt Giovanna ihr Spiegelbild zum ersten Mal und stirbt. Die ersten beiden Akte sind von den Kost\u00fcmen und der Beleuchtung her dunkel und farblos, wohingegen die Kr\u00f6nung in Reims eine regelrechte Farbenorgie ist: Die Choristen sind bunt angemalt und gekleidet und ziehen an farbigen B\u00e4ndern, die von der Decke h\u00e4ngen. Als Giacomo Giovanna vor dem Volk anklagt, zerrei\u00dfen sie die B\u00e4nder und bewerfen sie mit den Fetzen. Ausschlie\u00dflich Giovanna hat ein komplett wei\u00dfes Kost\u00fcm. Als das Volk sich von ihr abwendet, dreht sich die Gebirgslandschaft im Hintergrund und bleibt bis zum Ende \u00fcber Kopf stehen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Daniela Musca<\/strong> leitete Orchester, Chor und Solisten mit sicherer Hand. Die Wahl der Tempi war ausgesprochen s\u00e4ngerfreundlich, der Gesamtklang ohne Sch\u00e4rfen und die rhythmische Koordination zwischen allen lief reibungslos. Durch starke dynamische Zur\u00fccknahmen, etwa in Giovannas Sterbeszene, schuf die Dirigentin Intensit\u00e4t und Konzentration auf das szenisch-musikalische Geschehen. Alle drei Hauptpartien waren mit exzellenten S\u00e4ngern besetzt. <strong>Ania Jeruc<\/strong> hat die Titelrolle, die darstellerisch und s\u00e4ngerisch schwer zu gestalten ist. Sie hat den st\u00e4ndigen inneren Kampf ihrer Figur zu verk\u00f6rpern und dazu jede Menge Koloraturen und hohe, leise Figurationen zu singen, gleichzeitig heroisch und zur\u00fcckhaltend-bescheiden zu sein. Neben einer leicht laufenden, ausgeglichenen Stimme von beeindruckender dynamischer Bandbreite, einer makellosen Technik und Deutlichkeit im Vortrag verf\u00fcgt sie \u00fcber die n\u00f6tige szenische Pr\u00e4senz, um ihren anspruchsvollen Part souver\u00e4n zu meistern. <strong>Bror Magnus T\u00f8denes<\/strong> (Carlo) ist ein beweglicher Tenor mit einem fast schon idealtypischen Belcanto Klang. Seine Figurationen artikulierte er akkurat und seinen leichten, an den geeigneten Stellen bisweilen schluchzenden Ansatz nutzte er stilsicher und nuanciert als Ausdrucksmittel. Trotz seiner langen, anspruchsvollen Passagen zeigte seine Stimme keine Spur von Erm\u00fcdung, und sein Spiel war durchweg engagiert. Wie Ania Jeruc ist er in der Lage, auch hohe Passagen kauernd oder im Liegen ohne klangliche Abstriche auszuf\u00fchren. <strong>Fredrik Zetterstr\u00f6m<\/strong> (Giacomo) hat eine beeindruckende Stimme. Sein voller Bariton verliert auch an den lauten, energischen Stellen nicht seine W\u00e4rme und bleibt klanglich ausgeglichen. Viele lange B\u00f6gen und lange T\u00f6ne gibt es in seiner Partie, die sie zu einem veritablen Kraftakt machen. Alle drei S\u00e4nger verf\u00fcgen \u00fcber einen schlackenfreien Stimmklang, intonieren in ihren A-Cappella-Passagen blitzsauber und lieferten den ganzen Abend hinweg nicht einen einzigen prek\u00e4ren Ton ab. Sehr gut aufeinander abgestimmt waren die kompositorisch gediegenen Duett- und Terzett-Abschnitte. Die kurze Partie des Delil wurde gut von <strong>Tor Lind<\/strong> gesungen, die des Talbot von <strong>Gustav Johansson<\/strong>, dem es trotz einer beeindruckenden szenischen Erscheinung am n\u00f6tigen stimmlichen Volumen fehlt. Der <strong>Chor<\/strong> hat sowohl auf als auch hinter der Szene zu singen. Nach einem von der Aussprache her undeutlichen Beginn im Prolog verbesserte sich seine Aussprache schlagartig. Insgesamt war die Lautst\u00e4rke der Ch\u00f6re eher verhalten, was dem Gesang der Solisten gr\u00f6\u00dferes Gewicht verlieh, wie auch die abgesenkte Decke f\u00fcr einen sch\u00f6n in den Zuschauerraum abstrahlenden Klang sorgte. \u00dcberhaupt machte sich die Regie die au\u00dfergew\u00f6hnlich niedrige und breite B\u00fchne der Oper Malm\u00f6 geschickt zunutze, etwa, indem die drei Solisten in den Terzetten weit entfernt voneinander plaziert wurden, was es leicht machte, dem Vortrag eines jeden von ihnen separat zu folgen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Verdis selten zu h\u00f6rende Oper wird in Malm\u00f6 mit erstklassigen Solisten in einer visuell ansprechenden Inszenierung dargeboten. Die spartanische Ausstattung r\u00fcckt sowohl das Spiel der Akteure als auch ihren Gesang in den Vordergrund und die auf das Wesentliche reduzierte Personenregie schafft eine Erz\u00e4hlung, die von der originalen Handlung abstrahiert, sie aber nicht \u00fcberschreibt oder gar konterkariert. Das Publikum feierte alle Beteiligten vollkommen zu Recht f\u00fcr eine rundum gelungene, spannungsgeladene Produktion.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Jonas Persson<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ania Jeruc (Giovanna), Bror Magnus T\u00f8denes (Carlo), Andrea Hilario (Akrobat)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Oper in einem Prolog und drei Akten, Libretto von Temistocle Solera, UA: 15. Februar 1845 Mailand Regie: Philipp M. 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