{"id":8560,"date":"2024-10-09T09:05:57","date_gmt":"2024-10-09T08:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8560"},"modified":"2024-10-11T13:11:47","modified_gmt":"2024-10-11T12:11:47","slug":"elektra-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8560","title":{"rendered":"Elektra &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Richard Strauss (1864-1949) Oper in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: : 25. Januar 1909, Dresden<\/p>\n<p>Regie: Roland Schwab, B\u00fchne: Piero Vinciguerra, Kost\u00fcme: Gabriele Rupprecht, Licht: Andreas Gr\u00fcter<\/p>\n<p>Dirigent: Felix Bender, G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Lioba Braun (Klyt\u00e4mnestra), Allison Oakes (Elektra), Astrid Kessler (Chrysothemis), Martin Koch (Aegisth), Insik Choi (Orest), Lucas Singer (Pfleger des Orest)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 06. Oktober 2024 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Koeln-Elektra.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8562\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Koeln-Elektra.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Koeln-Elektra.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Koeln-Elektra-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Klyt\u00e4mnestra und Aegisth herrschen gemeinsam \u00fcber Mykene. Elektra ist w\u00e4hrenddessen verzweifelt \u00fcber den Mord an ihrem Vater Agamemnon durch die eigene Mutter und ihren Geliebten und sinnt nach Rache. Elektras Schwester Chrysothemis erf\u00e4hrt, da\u00df der verschollene Bruder Orest verstorben sei. Elektra versucht, ihre Schwester dazu zu \u00fcberreden, die Mutter im Schlaf zu t\u00f6ten. Diese lehnt aber ab. Bevor Elektra selbst die blutige Tat ausf\u00fchren kann, begegnet ihr der totgeglaubte Bruder Orest vor den Toren des Palasts. Sie klagt ihm ihr Schicksal, woraufhin dieser Klyt\u00e4mnestra im Schlaf umbringt und auch den zur Hilfe eilenden Aegisth erschl\u00e4gt. Anh\u00e4nger Agamemnons metzeln die Gefolgschaft Klyt\u00e4mnestras und Aegisths ab. Elektra ereifert sich in Ekstase so sehr, bis sie zusammenbricht.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt einen Wald aus rechteckigen schwarzen S\u00e4ulen, die mit l\u00e4nglichen schmalen Lichtr\u00f6hren versehen sind. Durch den Einsatz von Lichteffekten entstehen unterschiedliche Stimmungen auf der B\u00fchne, vorwiegend in d\u00fcsteren T\u00f6nen. Die Kost\u00fcme sind keinem besonderen Stil zuzuordnen und wirken archaisch: Elektra tr\u00e4gt ein schwarzes Kleid mit einem wei\u00dfen N als Aufschrift (N steht f\u00fcr Nemesis, in der griechischen Mythologie die G\u00f6ttin der Rache) und wirkt dadurch wie eine wilde Furie, w\u00e4hrend ihre Schwester Chrysothemis in einem wei\u00dfen T\u00fcllkleid aus gl\u00e4nzendem Stoff, die unschuldige, reine Jungfrau verk\u00f6rpert. Klyt\u00e4mnestra tr\u00e4gt divenhaft ein pink farbiges, seidenes Kleid mit einer langen Schleppe und ist (als alternde Greisin) auf einen Gehstock gest\u00fctzt. Insgesamt ist die Inszenierung sehr d\u00fcster, blutr\u00fcnstig und zeigt viele horrorfilmartige Szenen. Beispielsweise erscheint Klyt\u00e4mnestra wie eine Hexe mit mehreren Sklaven im Schlepptau, die an Ketten festh\u00e4ngen und ihre Gesichter zu schreienden Fratzen verziehen. Das Schlu\u00dfbild zeigt blut\u00fcberstr\u00f6mte Leichen, die an eine Zombie-Apokalypse erinnern &#8211; auch Orest schlitzt sich zuletzt mit einem Messer die Kehle auf der B\u00fchne auf.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Da es zu der Oper keine Ouvert\u00fcre gibt, wird ein \u201cVorspiel\u201d ohne Musik geboten, in dem man fl\u00fcsternde Stimmen h\u00f6rt, die unter anderem \u201cDer Tod ist die Erl\u00f6sung\u201d hauchen und ahnungsvoll auf den Abend einstimmen. <strong>Allison Oakes<\/strong> (Elektra) ist von der ersten Minute an, voll in der Rolle der Rache lustigen und k\u00e4mpferischen Tochter des Agamemnon pr\u00e4sent. Mit einem warmen, sehr eindringlichen Timbre in der Stimme singt sie sehr klar und gut akzentuiert. In der H\u00f6he entfaltet sie ein unfa\u00dfbar pralles Volumen. W\u00e4hrend sie den Tod ihres Vaters anschaulich beschreibt h\u00e4lt sie sich links und rechts an zwei Seilen gespannt fest, was ihre innere Zerrissenheit gut verbildlicht. Dabei starrt sie mit einem st\u00e4hlernen Blick in die Weite und beschmiert sich mit Blut im Gesicht. Kontrastprogramm dazu ist ihre Schwester Chrysothemis, die <strong>Astrid Kessler<\/strong> mit einem dunkleren Timbre in der Stimme, daf\u00fcr aber einem etwas zarteren und schlankeren Sopran singt. Bei ihr klingen die T\u00f6ne sehr weich intoniert, soda\u00df sie das M\u00e4dchenhafte ihrer Rolle gut verk\u00f6rpern kann. Dabei schaut sie mit einem \u00e4ngstlichen Blick \u00fcber die B\u00fchne und singt verzweifelt \u00fcber die Sehnsucht danach, Mutter und Ehefrau zu sein. <strong>Lioba Braun<\/strong> (Klyt\u00e4mnestra) vervollst\u00e4ndigt das Frauen-Trio mit einem dunklen Mezzo, der fast schon wie ein Alt klingt, mit sehr viel Bruststimme und bewu\u00dft gesetzten Stimmbr\u00fcchen beim Wechsel in die Kopfstimme. Dadurch betont sie die K\u00f6nigin als alternde Greisin mit br\u00fcchiger Stimme und geschw\u00e4cht &#8211; auch indem sie sich st\u00e4ndig auf ihren Gehstock oder ihre Vertrauten st\u00fctzt. Besonders hervorzuheben ist aber ihr Schauspiel: mit einem schallenden Lachen zum Ende ihres Auftritts markiert sie ihre Rolle als b\u00f6sartige Hexe. Die M\u00e4nnerstimmen sind in der Strauss-Oper durch die eher kurzen Auftritte nur Nebensache, trotzdem sei <strong>Insik Choi <\/strong>(Orest) mit seinem schallenden Bariton erw\u00e4hnt, den er besonders nach Entschlu\u00df des Mordes an der Mutter mit den Worten \u201cIch will es tun\u201d scheppern l\u00e4\u00dft. Dabei zeigt er aber anhand seiner verkniffenen Mimik und nicht zuletzt des Selbstmords am Ende, dass er sich an dieser Entscheidung zerbricht. Absolut hervorragend leitet <strong>Felix Bender<\/strong> das Orchester, was in der Strauss-Oper eine gro\u00dfe Eigenst\u00e4ndigkeit einnimmt, durch den gesamten Abend und legt dabei sehr viel Wert auf die dynamische Entwicklung von Lautst\u00e4rken, durch sehr gro\u00dfe Crescendi- und Decrescendi-B\u00f6gen. Ebenso wuchtig und pomp\u00f6s dirigiert er die Bl\u00e4ser, was zu einem dramatischen Klang f\u00fchrt, der fast schon an Filmmusik erinnert. Die Synchronit\u00e4t von Orchester und Gesang ist durch sein akkurates Dirigat jederzeit gegeben, was eine gro\u00dfe Leistung ist, wenn man bedenkt, dass das Orchester in diesem Fall links von der B\u00fchne platziert ist.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein stimmgewaltiger Blutrausch mit epischen Bildern, Drama pur von der ersten bis zur letzten Minute und ein absolut hervorragender Orchesterklang in Vollbesetzung. Mehr kann man sich f\u00fcr eine Strauss-Oper nicht w\u00fcnschen! Der gesamte Saal steht am Ende und applaudiert ganz besonders Allison Oakes, Astrid Kessler und dem Orchester f\u00fcr diese Glanzleistung. Ein grandioser Start in die neue Saison!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Matthias Jung<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Allison Oakes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard Strauss (1864-1949) Oper in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: : 25. 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