{"id":8546,"date":"2024-07-24T09:07:21","date_gmt":"2024-07-24T08:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8546"},"modified":"2024-08-24T09:10:42","modified_gmt":"2024-08-24T08:10:42","slug":"don-giovanni-coburg-landestheater-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8546","title":{"rendered":"Don Giovanni &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von W.A. Mozart (1756-1791), Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, in italienischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 29. Oktober 1787, St\u00e4ndetheater, Prag<\/p>\n<p>Regie: Beatrice Lachaussee, B\u00fchne &amp; Kost\u00fcme: Maria Lena Sch\u00f6nborn<\/p>\n<p>Dirigent: Mark Rohde, Philharmonisches Orchester und Chor des Landestheaters Coburg, Choreinstudierung: Alice Lapasin Zorzit<\/p>\n<p>Solisten: Daniel Carison (Don Giovanni), Michael Lion (Leporello), Jinwook Jeong (Il Commendatore), Galina Benevich (Donna Anna), Jaeil Kim (Don Ottavio), Emily Lorini (Donna Elvira), Francesca Paratore (Zerlina), Bartosz Araszkiewicz (Masetto), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Juli 2024<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Coburg-Don_Giovanni_Carison_Paratore1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8547\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Coburg-Don_Giovanni_Carison_Paratore1.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Coburg-Don_Giovanni_Carison_Paratore1.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Coburg-Don_Giovanni_Carison_Paratore1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Komtur, Donna Annas Vater; wird im Duell von Don Giovanni get\u00f6tet. Sein Diener Leporello berichtet Donna Elvira von den unz\u00e4hligen Erfolgen seines Herrn bei den Frauen. Don Giovanni macht auf einer Bauernhochzeit der Braut Zerlina den Hof und l\u00e4dt alle zum Fest auf sein Schlo\u00df ein. Dort versucht er Zerlina zu verf\u00fchren. Doch Donna Elvira, Donna Anna und ihr Verlobter Don Ottavio erkennen in ihm den M\u00f6rder des Komturs. Er kann mit Leporello fliehen, sie finden Zuflucht auf einem Friedhof. Dort wird Don Giovanni von der Steinstatue des Komturs zur Rede gestellt. Don Giovanni l\u00e4dt ihn leichtfertig zu Abendessen ein. Donna Elvira macht einen letzten, vergeblichen Versuch, ihren ehemaligen Geliebten zu retten, als der Komtur eintritt und ihn zur H\u00f6lle schickt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist eigentlich eine Brechtb\u00fchne. Es gibt keine Farben, keine wirkliche Ausstattung, sie bleibt schwarz, wenn man vom Feuerschein der H\u00f6lle absieht. Es gibt kein Festmahl (Don Giovanni und Leporello unterhalten sich auf leerer B\u00fchne), keinen Festball f\u00fcr die blumenlose Hochzeitsgesellschaft. Spektakul\u00e4r die zeitlosen Kost\u00fcme der Darsteller, die die Jahrhunderte der Inszenierungs-Geschichte Don Giovannis reflektieren, wie die Verfolgergruppe Masettos in zeitloser heller Landkleidung mit Heugabeln und Dreschflegeln. Vor dem schwarzen B\u00fchnenrund stehen zwei drehbare W\u00e4nde, die zusammen geschoben die B\u00fchne in Vorder- und Hintergrund teilen. Auf der Vorderseite gibt es Fenster und T\u00fcren, die sich \u00f6ffnen lassen, so da\u00df Don Giovanni seine Arie an die Zofe singen kann. Die R\u00fcckseite ist offen, so da\u00df ein zweist\u00f6ckiger begehbarer Raum entsteht.<\/p>\n<p>Die Handlung beginnt mit einer Vorgeschichte: Don Giovannis Mutter stirbt fr\u00fch, am Grab trifft er seinen Vater und seinen Erzieher Leporello. Der Vater stirbt sp\u00e4ter auf einer seiner zahlreichen Eskapaden mit Frauen und Alkohol.<\/p>\n<p>In der R\u00fcckwand \u00f6ffnet sich eine T\u00fcr, davor eine Portaltreppe. Aus dem Haus und \u00fcber die Treppe betreten nacheinander Don Giovanni, Donna Anna und der Komtur zum Duell, das f\u00fcr den Komtur t\u00f6dlich endet. Die beiden drehbaren W\u00e4nde bilden immer neue R\u00e4ume und Zug\u00e4nge. Besonders spektakul\u00e4r der Friedhof: In zwei Reihen stehen die Statuen vor den Grabnischen \u00fcbereinander, halten die Buchstaben des Wortes Vendetta in den H\u00e4nden. Der Komtur im hellen Anzug singt direkt auf der B\u00fchne. Im gleichen Anzug steht er auch auf der B\u00fchne im Finale, als er Don Giovanni verdammt. Er zieht ihn aber nicht in die H\u00f6lle, denn eine Versenkung gibt es nicht, so zieht Don Giovanni ein schwarzer Bewegungschor in den feuerrot beleuchteten B\u00fchnenhintergrund.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Hauptrolle zu besetzen ist meist problematisch: Als Darsteller des Don Giovanni ben\u00f6tigt man einen \u201edurchschlagsstarken Helden-Bariton\u201c, der den Furor und die dramatischen Ausbr\u00fcche glaubhaft gestalten kann, hingegen f\u00fcr den weichen zarten Schmelz der s\u00fc\u00dflichen Liebesarien ben\u00f6tigt man einen eher lyrischen samtigen Bariton. <strong>Daniel Carison<\/strong> ist ein \u00fcberzeugender S\u00e4ngerdarsteller, vor allem die die zahlreichen Liebesh\u00e4ndel und sein empathischer Umgang mit seiner Umgebung ist eindrucksvoll und glaubhaft. Die Stimme verf\u00fcgt \u00fcber eine dramatische Durchschlagskraft, f\u00fcr die lyrischen Momente w\u00e4re mehr tenoraler Schmelz sch\u00f6n.<br \/>\nDer Haus-Ba\u00df <strong>Michael Lion<\/strong> gibt dem Leporello eine sagenhafte Tiefe und glaubhafte H\u00f6he, die Zahlenarie am Anfang bleibt etwas statisch und wirkt wie eine gro\u00dfe Arie. In der letzten Inszenierung war er der Komtur und als gro\u00dfe statische Mozart-Arie singt <strong>Jinwook Jeong<\/strong> die Friedhofsarie. Ebenso zieht er Don Giovanni mit gro\u00dfer stimmlicher Wucht in die H\u00f6lle &#8211; ohne akustische Tricks nur mit der durchschlagsstarken tiefen Stimme. <strong>Jaeil Kim<\/strong> als Don Ottavio verf\u00fcgt \u00fcber eine leuchtende baritonale Mittelage, aus der heraus er sich in die tenoralen H\u00f6hen aufschwingt. <strong>Galina Benevich<\/strong> als Donna Anna ist ein jugendlicher, leicht dramatischer Sopran und tritt mit sicheren Koloraturen in Erscheinung. <strong>Emily Lorini<\/strong> ist ausdrucksstark in den dramatischen Momenten, lyrisch verhalten mit technischem Glanz \u2013 und fast immer mit einer Ekstase, die den Rahmen des Dramatik Mozarts sprengt. Aufmerksamkeit erregt das Hochzeitspaar, <strong>Francesca Paratore<\/strong> als jugendliche naive Zerlina ist mit hellem Timbre mit hauchzarter Intonation gut unterwegs. <strong>Marcello Mejia-Mejia<\/strong> ist ein Masetto mit hoher Leidensf\u00e4higkeit, der sich mit fester Stimme zu wehren wei\u00df. <strong>Mark Rohde<\/strong> ist etwas zu verhalten und statisch, allerdings kehrt er die Raffinesse und Feinheiten Mozarts nicht unter den Teppich. Das steigert die Spannung beim Publikum f\u00fchlbar.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch ist dieser Don Giovanni ein w\u00fcrdiger Endpunkt einer Spielzeit im neuen Haus, dem Globe. Das Haus hat sich bew\u00e4hrt, das Publikum str\u00f6mt in das neue Haus, die Anreise \u00fcber den Schotterplatz im abgelegenen Bahnhofviertel ist Normalit\u00e4t. Der Imbi\u00df eines Supermarktes bietet keine empfehlenswerte Pausengastronomie. Der weitere Ausbau steht an, die Renovierung des alten Hauses steht noch in weiter Ferne. Das neue Haus bewegt sich weiterhin auf hohem musikalischem Niveau. Wieder wird eine lange Fassung gespielt mit der gro\u00dfen Arie der Donna Elvira. Szenisch reift die Erkenntnis, da\u00df kleinere Einschr\u00e4nkungen bei der B\u00fchnentechnik kein Hindernis sind, das Publikum mit einer durchdachten Inszenierung mitzurei\u00dfen. Heftiger und langanhaltender Applaus nach einem das Publikum fesselnden Opern-Abend.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Christina Iberl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Daniel Carison (Don Giovanni), Francesca Paratore (Zerlina)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von W.A. Mozart (1756-1791), Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, in italienischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 29. 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