{"id":8523,"date":"2024-05-20T17:53:20","date_gmt":"2024-05-20T16:53:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8523"},"modified":"2024-05-20T17:53:20","modified_gmt":"2024-05-20T16:53:20","slug":"tristan-und-isolde-kopenhagen-die-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8523","title":{"rendered":"Tristan und Isolde &#8211; Kopenhagen, Die K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 10. Juni 1865 Hof- und Nationaltheater \u00a0M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Sofia Adrian Jupither, B\u00fchnenbild: Erlend Birkeland, Kost\u00fcme: Maria Geber, Licht: Ellen Ruge, Choreographie: Katarina S\u00f6renson<\/p>\n<p>Dirigent: Paolo Carignani, K\u00f6niglich d\u00e4nische Hofkapelle<\/p>\n<p>Chor der d\u00e4nischen Hofoper, Leitung: Steven Moore<\/p>\n<p>Solisten: Bryan Register (Tristan), Elisabet Strid (Isolde), Stephen Milling (K\u00f6nig Marke), Hanne Fischer (Brang\u00e4ne), Jens S\u00f8ndergaard (Kurwenal), Niels J\u00f8rgen Riis (Melot), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Mai 2024 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kopenhagen-tristan-isolde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8525\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kopenhagen-tristan-isolde.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kopenhagen-tristan-isolde.jpg 400w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kopenhagen-tristan-isolde-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Tristan, der Held Kornwalls, und Isolde, Prinzessin von Irland, sind insgeheim f\u00fcreinander in Liebe entflammt, obwohl er ihren Verlobten Morold get\u00f6tet und ihr Vertrauen mi\u00dfbraucht hat: Unter falschem Namen lie\u00df Tristan seine Wunden, die er beim Kampf mit Morold erlitten hatte, von ihr heilen und kehrte danach zu ihr zur\u00fcck, um sie seinem Onkel Marke, dem K\u00f6nig von Kornwall, als Braut zuzuf\u00fchren. Auf der \u00dcberfahrt von Irland beschlie\u00dft Isolde, sich und Tristan mit einem giftigen Trank umzubringen. Brang\u00e4ne, die Zofe Isoldes, verabreicht ihnen jedoch statt dessen einen Liebestrank, und nun k\u00f6nnen beide ihre Gef\u00fchle nicht l\u00e4nger verheimlichen. Ihre Liebe verst\u00f6\u00dft jedoch gegen Gesetz und Moral, und so beschlie\u00dfen sie, den Tod zu w\u00e4hlen. Tristan st\u00fcrzt sich in das Schwert Melots, nachdem er sie im Morgengrauen gemeinsam mit Marke und seinem Hofstaat ertappt hat, und wird schwer verletzt. An seiner Wunde siechend erwartet er auf seiner Burg verzweifelt die Ankunft Isoldes, um den ersehnten Tod finden zu k\u00f6nnen. Als sie bei ihm eintrifft, stirbt er. Isolde wird in ihrem Schlu\u00dfgesang verkl\u00e4rt. Der Vorhang f\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist in allen Aufz\u00fcgen dunkel und das Feld f\u00fcr die Aktionen begrenzt sich auf die Mitte und den vorderen Rand der Szene. Im ersten Aufzug wird das Schiff durch eine schwankende Plattform angedeutet, auf der die S\u00e4nger stehen, der Garten im zweiten Aufzug durch bl\u00fchende B\u00e4ume und die Burg Tristans im dritten durch ein paar schwarze Steine. Neben dieser recht spartanischen Gestaltung kommt ein riesiger Stahlrahmen mit vielen Scheinwerfern zum Einsatz, der im letzten Aufzug beim Schlu\u00dfgesang Isoldes eine lodernde Flamme andeutet. Die Kost\u00fcme sind stilisiert und erinnern entfernt an das Mittelalter oder die Renaissance. Zentrale Requisiten wie die Fackel, die Isolde zu Beginn des zweiten Aufzugs l\u00f6scht, oder der Kasten mit den Tr\u00e4nken im ersten Aufzug sind zu sehen. Der Fokus dieser mit szenischen Effekten sparsam umgehenden Inszenierung liegt auf der Personenregie sowie der Plazierung und Gruppierung der Akteure auf der B\u00fchne. Die Regieanweisungen des Textbuchs werden befolgt und am Ende wird durch die Beleuchtung Isolde aus den anderen Charakteren herausgel\u00f6st, die im Dunkel verschwinden. Das Spiel der Akteure ist eindringlich und physisch intensiv.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Paolo Carignani<\/strong> leitete die k\u00f6nigliche Hofkapelle mit aller nur zu w\u00fcnschenden Deutlichkeit. Die Tempi waren gut gew\u00e4hlt und die schimmernden Farben der Partitur kamen sch\u00f6n zum Tragen. Er bot eine solide musikalische Gestaltung ohne Extravaganzen. Bis auf die ersten Szenen des ersten Aufzugs, die stellenweise im Orchester etwas zu laut waren, und die Monologe Tristans im dritten befanden sich Orchester und S\u00e4nger in klanglicher Balance. Der Chor agierte und sang sicher und nuanciert.<\/p>\n<p><strong>Stephen Milling<\/strong> gab einen w\u00fcrdevollen K\u00f6nig Marke. Er verf\u00fcgt \u00fcber eine akzentfreie, deutliche Aussprache und in allen Registern einen vollen, ausgeglichenen Ton, den er ausdrucksvoll abzuwandeln vermag. Auch in den st\u00e4rker begleiteten Passagen stand seine Stimme stets \u00fcber dem musikalischen Geschehen. <strong>Hanne Fischer<\/strong> (Brang\u00e4ne) hat eine nicht minder warme Stimme und nahm ihre Partie nicht nur im zweiten Aufzug eher legato, was der Textverst\u00e4ndlichkeit im ersten Aufzug etwas abtr\u00e4glich war. Ihr darstellendes Spiel im ersten Aufzug war ergreifend und ihre Stimme mischte sich sch\u00f6n in den Gesamtklang. <strong>Jens S\u00f8ndergaard<\/strong> (Kurwenal) ist eine jugendliche, bewegliche Erscheinung und hatte \u00fcberhaupt keine Schwierigkeiten mit der musikalischen Gestaltung. Bei ihm war jedes Wort gut zu verstehen. Schauspielerisch war er gl\u00e4nzend. <strong>Niels J\u00f8rgen Riis<\/strong> (Melot) gestaltete seine kleine Rolle mit Eleganz. Nat\u00fcrlich aber steht und f\u00e4llt <em>Tristan und Isolde<\/em> mit den S\u00e4ngern der beiden Titelrollen. Beide bew\u00e4ltigten ihre Partien recht unterschiedlich. <strong>Bryan Registers<\/strong> Interpretation des Tristan hinterlie\u00df einen zwiesp\u00e4ltigen Eindruck. Er agiert mit Hingabe und schonte sich vor allem im letzten Aufzug bei der Verk\u00f6rperung von Tristans Qualen nicht. Allerdings war seine s\u00e4ngerische Leistung unausgeglichen. Im ersten Aufzug machte sich eine Br\u00fcchigkeit seiner Stimme bemerkbar, dergestalt, da\u00df die lauten, hohen T\u00f6ne sauber und kraftvoll klangen, aber diejenigen Passagen, die er mit halber Stimme sang, tremolierten bzw. es ihm nicht gelang, einen Formanten auszubilden, den es nun einmal braucht, um durch das Orchester hindurch h\u00f6rbar zu werden. Im zweiten Aufzug, bei den kantablen Passagen und eher getragenen Zwieges\u00e4ngen, schien dann alles wieder in Ordnung. Doch im dritten Aufzug, bei den dynamisch wild schwankenden Fiebermonologen, brach ihm einige Male die Stimme und fehlte die Spitze in der H\u00f6he, so da\u00df das Orchester ihn h\u00e4ufig \u00fcbert\u00f6nte. Mochte man das noch zu Beginn als ein expressives Mittel des S\u00e4ngers verstehen, wurde zum Ende hin klar, da\u00df er mit handfesten stimmlichen Problemen zu k\u00e4mpfen hatte. Bleibt zu hoffen, da\u00df es sich hierbei lediglich um eine Indisposition und nicht um einen permanenten Verschlei\u00df handelt. Ganz anders hingegen die Leistung von<strong> Elisabet Strid<\/strong> (Isolde), bei der wirklich alles stimmte. Sie hat eine umwerfende szenische Pr\u00e4senz und ging mimisch-gestisch in jedem Moment vollkommen in ihrer Rolle auf. Ihr Gesang ist hervorragend durchgestaltet und ihr stehen viele Nuancen zur Verf\u00fcgung. Sie hat eine schlackenfreie, metallische H\u00f6he, kann aber ihren Stimmklang f\u00fcr einen dramatischen Sopran ungew\u00f6hnlich stark modifizieren. So nahm sie ein paar Verse in ihren ironischen Ausf\u00fchrungen im ersten Aufzug etwas zu tief und vibratofrei, was ihnen einen sprecherischen Charakter verlieh, sang einige Passagen schon fast deklamierend, war aber jederzeit in der Lage, in einen unangestrengten, hell strahlenden Ton zur\u00fcckzuschalten. Diese klangliche Flexibilit\u00e4t macht ihren Vortrag abwechslungsreich und lebendig. Ihr Schlu\u00dfgesang war makellos und frei von Effekthascherei.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum erhob sich beim Schlu\u00dfapplaus nach einer ber\u00fchrenden und musikalisch \u00fcber weite Strecken gro\u00dfartigen Premierenauff\u00fchrung. Elisabet Strid, Stephen Milling und Jens S\u00f8ndergaard wurden v\u00f6llig zu Recht am st\u00e4rksten bejubelt. Der Eindruck blieb, da\u00df wir an diesem Abend eine weitere schwedische Sopranistin erleben durften, deren stimmliche F\u00e4higkeiten nun auf ihrem H\u00f6hepunkt angelangt sind und die mit dieser Partie ihren Eintritt in die exklusive Schar der gro\u00dfen Wagner-Heroinen vollzog. Vor ihr d\u00fcrfte, wenn alles gut geht, eine gl\u00e4nzende Karriere liegen. Die Inszenierung stellte sich in den Dienst der Sache und lie\u00df den S\u00e4ngern den n\u00f6tigen darstellerischen Freiraum. Insgesamt ist das B\u00fchnenbild vielleicht jedoch etwas zu kammerspielartig, um auf dieser gro\u00dfen Szene zu \u00fcberw\u00e4ltigen, was hingegen den Musikern rundum gelang.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild:Miklos Szabo<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Bryan Register (Tristan), Elisabet Strid (Isolde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 10. 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