{"id":8511,"date":"2024-05-02T08:08:40","date_gmt":"2024-05-02T07:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8511"},"modified":"2024-05-05T08:13:50","modified_gmt":"2024-05-05T07:13:50","slug":"goetterdaemmerung-coburg-landestheater-im-globe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8511","title":{"rendered":"G\u00f6tterd\u00e4mmerung &#8211; Coburg, Landestheater im Globe"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten, UA: 17. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie und B\u00fchne: Alexander M\u00fcller-Elmau, Kost\u00fcme: Julia Kaschlinski<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Carter, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg<\/p>\n<p>Solisten: Gustavo Lopez Manzitti (Siegfried), Lars Fosser (Gunther), Bartosz Araskiewicz (alternierend mit Michael Lion) (Hagen), Irina Oknina (Br\u00fcnnhilde), Martin Trepl (Alberich), Ana Naqe (Gutrune), Annika Schlicht (Waltraute) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. April 2024<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Coburg-Goetterdaemmerung-2024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8513\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Coburg-Goetterdaemmerung-2024.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Coburg-Goetterdaemmerung-2024.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Coburg-Goetterdaemmerung-2024-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Siegfried besitzt der von Alberich verfluchte Ring des Nibelungen ewige Macht. Auch Hagen, Halbbruder des F\u00fcrsten Gunther, m\u00f6chte den Ring besitzen. Als es Siegfried an den Rhein zu Gunther verschl\u00e4gt, verliert er unter dem Einflu\u00df eines Zaubertranks jede Erinnerung an Br\u00fcnnhilde, heiratet Gutrune und verspricht Gunther Br\u00fcnnhilde zur Frau. Ha\u00dferf\u00fcllt wendet sich Br\u00fcnnhilde gegen Siegfried und berichtet, da\u00df sie quasi verm\u00e4hlt seien. F\u00fcr seinen Betrug an Gunther t\u00f6tet Hagen auf der Jagd Siegfried, doch Hagen erringt nicht den Ring, denn Br\u00fcnnhilde st\u00fcrzt sich mit dem Ring in den f\u00fcr Siegfried brennenden Scheiterhaufen. Die Flammen erfassen Walhall, die G\u00f6tterd\u00e4mmerung bricht an: Der Ring versinkt im Rhein und die Welt ist erl\u00f6st vom Fluch.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Szenische Erinnerungsmomente an die vorausgegangenen Ringteile pr\u00e4gen auch diese G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Wir sehen auf der Drehb\u00fchne wieder einen Ausstellungs- oder Laborraum, die drei Rheint\u00f6chter oder Nornen k\u00f6nnen in gro\u00dfen Glasvitrinen Platz nehmen, als Alberich aus einem Regal das Rheingold, einen Goldklumpen, an sich nehmen will, schreitet eine Aufsicht ein. Die Gibichungen verwandeln sich in Besucher, die schon seit dem Rheingold die B\u00fchne bev\u00f6lkern. Lagertore erm\u00f6glichen den Zugang zur Handlung, so kommen Gutrune, Gunther und Siegfried zur T\u00fcr herein und nicht durch ein Flammenmeer. Blutsbr\u00fcderschaft trinkt man nicht aus H\u00f6rnern sondern mit Dosenbier (Handschlag reicht), auch Zaubertr\u00e4nke gibt es nicht. Sogar Wotan hat einen Cameo-Auftritt, sein Ausstellungsst\u00fcck ist ein abgehangener Hirsch (dabei ist er doch W\u00f6lfe?). Einen Festsaal, oder Walk\u00fcrenfelsen, geschweige denn Walhal gibt es nicht. Alles findet im intimen Kreis im Ausstellungsraum statt. Am Schlu\u00df erdolcht Hagen Gunter, Gutrune hindert Hagen. Alberich t\u00f6tet Hagen und ergreift als einziger \u00dcberlebender den Ring. Der Weltenbrand bleibt aus, beginnt die Ringhandlung von neuem &#8211; oder gibt es Hoffnung auf einen Neubeginn? Alberich wirft den Ring ins Publikum.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Auch in der neuen Spielst\u00e4tte <em>Globe<\/em> gibt es nur einen kleinen Orchestergraben, hier sitzen nur 70 Orchestermusiker, hinter der B\u00fchne spielt im Hintergrund die B\u00fchnenmusik, in der linken Sonder-Loge spielt die einzige Harfe. Man spielt wie in den anderen Ring-Teilen und in der alten Spielst\u00e4tte, dem historischen gro\u00dfen Haus des Landestheaters die sogenannte Lessing-Fassung, eine reduzierte Orchesterfassung f\u00fcr kleine H\u00e4user, im Falle des Rheingolds liegt vom Meister sogar eine Autorisation vor. Die musikalischen H\u00f6hepunkte in der G\u00f6tterd\u00e4mmerung sind eigentlich <em>Siegrieds Rheinfahrt<\/em> und das feurige <em>Finale<\/em>. Das wird mit monumentaler Wucht von <strong>Daniel Carter <\/strong>zelebriert. Unter seiner Leitung erlebt man einen unverstellten Blick auf die Wagnerschen Klangbilder, die mit gro\u00dfer lyrischer Spielfreude ohne \u00fcberzogene dramatische Effekte \u00fcber die B\u00fchne kommen. Das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg ist schon lange im Wagner-Fach t\u00e4tig, kann auf seine Erfahrungen im Vorfeld der Gr\u00fcndung der Bayreuther Festspiele &#8211; auch wenn die kleinere Besetzung im Blech wegen der sehr direkten Akustik manchmal etwas wackelig klingt &#8211; <em>Siegfrieds<\/em> <em>Hornrufe<\/em> sind eben gef\u00fcrchtet. Auf dieser Basis k\u00f6nnen die Solisten aufbauen, besonders erw\u00e4hnenswert die Einspringerin <strong>Annika Schlicht<\/strong> von der Deutschen Oper Berlin. Sie singt dort die Waltraute in der aktuellen Ring Produktion. Eine klar strukturierte Pr\u00e4sentation, bestens intoniert, absolut wortverst\u00e4ndlich vorgetragen, emotional bis in die letzte Strophe, das macht den flehentlichen Auftritt der Waltraute mit der Bitte um die R\u00fcckgabe des Ringes zu einem dramaturgischen H\u00f6hepunkt. Wenn man es auf der gro\u00dfen B\u00fchne der Deutschen Oper exzellent gestalten kann, dann gelingt es auch auf der kleinen B\u00fchne in Coburg!<\/p>\n<p>An dieser Gestaltung w\u00e4chst auch die zweite Person in der Waltrautenerz\u00e4hlung. <strong>Irina Oknina<\/strong> versucht \u00e4hnlich zu gestalten und reduziert ihre dramatische Strahlkraft um ihrer Br\u00fcnnhilde Gestaltungsr\u00e4ume zu gew\u00e4hren. So werden die <em>Starken Scheite<\/em> am Ende kein wuchtiger hochdramatischer Aufruf zum Kampf, sondern eine differenziert gestaltete Trauerrede auf Siegfried. Der brennende Weltuntergang entf\u00e4llt &#8211; es gibt noch Mitleid.<\/p>\n<p>Kein Mitleid kennt ihr Gegenspieler Hagen. <strong>Bartosz Araskiewicz <\/strong>kann ebenso in der Lautst\u00e4rke differenzieren und seine Stimme b\u00f6sartig charakterisieren. Seine Rollengestaltung als kaltbl\u00fctiger und mitleidloser Strippenzieher gestaltet er dank seinem eloquenten Ba\u00dfbariton mit aller Macht. \u00c4hnlich auch <strong>Michael Lion<\/strong>, der Haus-Ba\u00df, der gestalterisch noch mehr M\u00f6glichkeiten hat.<\/p>\n<p>Im ersten Akt mag man <strong>Gustavo Lopez Manzitti <\/strong>seinen Siegfried als Heldentenor titulieren. Danach versucht er es, indem er mit seiner gro\u00df-volumigen Stimme immer mehr zum Sprechgesang \u00fcbergeht. Er zieht die T\u00f6ne auch manchmal von unten herauf, statt sich von oben darauf zu setzen, was auch manchmal zur Ungenauigkeit in der Intonation f\u00fchrt. Daf\u00fcr kann er mit raschen Forcierungen das Publikum in seinen Bann ziehen. Die Gutrune der <strong>Ana Naqe <\/strong>\u00fcberzeugt mit resolutem Format und der b\u00f6sartige Gunther von <strong>Martin Trepl<\/strong>, ist zwar etwas zur\u00fcckhaltender als der Hagen von Bartosz Araskiewicz, seinen Eroberungsdrang kann er aber stimmlich geltend machen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser G\u00f6tterd\u00e4mmerung in der Ausweichspielst\u00e4tte Globe ist der Ring des Nibelungen vollendet. Die ersten Zyklen werden erst in der \u00fcbern\u00e4chsten Spielzeit erwartet, denn die \u00fcbrigen Ring-Teile m\u00fcssen erst an die neuen Gegebenheiten der Ausweichspielst\u00e4tte angepa\u00dft werden. Dieses hat n\u00e4mlich im Gegensatz zum gro\u00dfen Haus au\u00dfer einer Drehb\u00fchne eigentlich keine weitere B\u00fchnentechnik, wie z.B. Z\u00fcge oder Versenkungen. Das gro\u00dfe Haus des Landestheaters, die alte Spielst\u00e4tte mit Technik, wird wohl auf lange Zeit wegen Renovierung ausfallen. Urspr\u00fcnglich war die Ausweichspielst\u00e4tte im Entwurf an der Shakespeare-B\u00fchne Globe als Rundtheater geplant &#8211; davon blieb nur die \u00e4u\u00dfere runde H\u00fclle \u00fcbrig, im inneren ist es ein klassisches kleines Theater geworden.<\/p>\n<p>Errichtet wurde es auf einer innerst\u00e4dtischen Sanierungsfl\u00e4che, zwischen G\u00fcterbahnhof und ehemaligen Schlachthof. Es steht nun inmitten eines Schotterplatzes, die \u00fcbrigen Fl\u00e4chen werden noch mit Parkfl\u00e4chen und einem neuen Stadtviertel mit unendlich vielen M\u00f6glichkeiten entwickelt. Coburg ist eine Stadt des Designs, der renovierte Hauptbahnhof nebenan zeugt ebenso davon. Das Globe hat es schon auf die Titelseite vieler Fach- und insbesondere Opernzeitschriften gebracht. Es wird das Schicksal vieler Ausweichspielst\u00e4tten teilen &#8211; es wird auch nach der Ausweichnutzung erhalten bleiben &#8211; vielleicht sogar als Schauspielhaus des Landestheaters.<\/p>\n<p>Die musikalische Umsetzung ist ganz sicher ein Gewinn, da hier unaufgeregt das Werk Wagners wortverst\u00e4ndlich wirken wird. Die S\u00e4ngerriege ist eine gesunde Mischung aus Nachwuchs und erfahrenen S\u00e4ngern. Dem Publikum ist h\u00f6rbar zufrieden: Jubel, Bravos ohne Grenzen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Elke Walkenhorst<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michael Lion (Hagen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten, UA: 17. 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