{"id":850,"date":"2009-10-14T15:10:30","date_gmt":"2009-10-14T13:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=850"},"modified":"2010-03-21T23:40:12","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:12","slug":"detmold-landestheater-der-ring-des-nibelungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=850","title":{"rendered":"Detmold, Landestheater &#8211; DER RING DES NIBELUNGEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); B\u00fchnenfestspiel f\u00fcr drei Tage und einen Vorabend; Text vom Komponisten; UA: 1876, Bayreuth.<br \/>\nRegie: Kay Metzger, B\u00fchne: Petra Mollerus<br \/>\nDirigent: Erich W\u00e4chter, Orchester, Chor, Extrachor und Ballett des Landestheaters Detmold<br \/>\nSolisten: Mark Morouse (Wotan im Rheingold, Wanderer), Tomasz Konieczny (Wotan in Walk\u00fcre), Johannes Harten (Loge, Siegmund, Siegfried in G\u00f6tterd\u00e4mmerung), Joachim Goltz (Alberich), Evelyn Krahe  (Erda), Brigitte Bauma (Sieglinde), Sabine Hogrefe (Br\u00fcnnhilde), Lawrence Bakst (Siegfried in Siegfried), Bruno Gebauer (Mime in Siegfried), Andreas J\u00f6ren (Gunther), Renatus Meszar (Hagen), Brigitte Bauma (Gutrune), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 3. bis 10. Oktober 2009 (erster Zyklus)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"detmold-ring.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/detmold-ring.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"detmold-ring.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/detmold-ring.jpg\" \/><\/a>Der Ring beginnt mit der Entstehung der Welt und endet mit ihrem Untergang. Es geht um Habgier, Machtbesessenheit, Intrigen und eine ungerechte, sterbende Weltordnung. Wotan und die G\u00f6tter k\u00e4mpfen um die Macht gegen Alberich und die Nibelungen. Wotan bezieht seine Macht aus dem Speer, den er aus der Weltesche geschnitten hat, Alberich aus dem Ring, den er aus dem geraubten Rheingold geformt hat. Den Ring verliert Alberich an die Riesen, die den G\u00f6ttern die Burg Walhall bauten. Wotan will den Ring zur\u00fcckgewinnen, ein erster Versuch mit Siegmund und Sieglinde scheitert. Deren Sohn Siegfried ist der freie Held, der den Drachen t\u00f6tet und den Ring erbeutet. Siegfried wird Opfer einer gro\u00dfen Intrige seiner Braut Br\u00fcnnhilde und im Kampf um den Ring get\u00f6tet. Sein Untergang wird zum Untergang der Welt und ihrer Ordnung.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEigentlich kann man den Ansatz der Regie, die vier Ringteile in vier verschiedenen Zeitperioden anzusiedeln, als Vereinfachung ansehen. Zum einen, weil eigenst\u00e4ndige Produktionen entstehen, zum anderen, weil die Erkl\u00e4rung der \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Teilen entf\u00e4llt. Die Br\u00fcche, die entstehen, wenn Personen aus verschiedenen Zeitebenen aufeinandertreffen, l\u00f6sen die Darstellung der komplexen Handlung auf:<br \/>\nDas <em>Rheingold<\/em> spielt im Zeitalter des Absolutismus, Wotan ist ein absolutistischer F\u00fcrst wie Ludwig XIII., Loge sein Kardinal Richelieu mit dem Grundsatz \u201eDer Zweck heiligt die Mittel\u201c. Seine Mitstreiter entstammen einer teils barocken, teils sp\u00e4tbarocken Gesellschaft. Die Rheint\u00f6chter tanzen in einer ansehnlichen Ballett-Einlage um den Rheingold-Brunnen. Walhall ist das Hermann-Denkmal und sorgt so f\u00fcr etwas Lokalkolorit. Die<em> Walk\u00fcre<\/em> spielt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wotan ist immer noch Mitglied einer mond\u00e4nen Gesellschaft, hat aber bereits abgedankt. Die wei\u00df gekleideten Walk\u00fcren f\u00fchren mittels Pfeil und Bogen die toten Helden aus dem Sch\u00fctzengraben nach Walhall: Ein zweites, sehenswertes Ballett. <em>Siegfried <\/em>spielt den Hippie der 70er Jahre, der von Wasserpfeife rauchenden Blumenm\u00e4dchen-Rheint\u00f6chtern beraten wird. Woglinde \u00fcbernimmt dabei den Part des Waldvogels. Mime wohnt in einem Wohnwagen auf einem Zeltplatz. Als unter den Zelten eine Schmiede hervorkommt, holt Mime seine alte Wehrmachtskluft hervor und malt sich ein Lippenb\u00e4rtchen an. Fafner lebt in einem biederen H\u00e4uschen mit Blumenk\u00e4sten, sein Gold stapelt er unterm Bett, das er mit einem Maschinengewehr bewacht. Wotans Weckruf ergeht aus einer Telefonzelle, in die die Rheint\u00f6chter Alberich sperren. Die f\u00fcr das Jahr 1968 assoziierte Abrechnung mit der V\u00e4tergeneration erfolgt zuerst mit Fafners und Mimes Tod durch Siegfried Schwert. Dann beendet Siegfried die Herrschaft Wotans endg\u00fcltig, als er seinen Speer spaltet. Die <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> spielt in einer futuristischen Zukunft, Erinnerungen an Science-Fiction-Klassiker wie Stanley Kubricks <em>Dr. Seltsam<\/em> oder Terry Gilliams<em> 12 Monkeys<\/em> kommen auf. Der Kampf um den Ring beginnt mit ungeahnten neuen Mitteln. Diese scheinen jedoch ausschlie\u00dflich der Manipulation der Menschen zu dienen. Hagen ist der gro\u00dfe Manipulator, er kontrolliert die Medien und mu\u00df sich doch immer wieder seiner Mutter Kriemhilde (einer stummen Rolle) stellen. F\u00fcr die au\u00dferhalb dieser Welt lebenden Rheint\u00f6chter ist eine Eiszeit angebrochen. Der Kampf endet an Wotans Tafel, es lodert der Weltenbrand aus der verdorrten Weltesche und hinterl\u00e4\u00dft nur einen toten Gunther und herumsitzenden Hagen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nStreng genommen besteht dieser erste Zyklus aus vier Wiederaufnahmen zur\u00fcckliegender Premieren. Diese Wiederaufnahmen mit ge\u00e4nderter Besetzung konnten offensichtlich nur wenig geprobt werden. Das f\u00fchrte zu einer Reihe von Abstimmungsproblemen im Orchester und auch mit den Solisten. Solch ein Gepolter im Orchester und H\u00e4nger der Solisten bei ihren Eins\u00e4tzen, wie man sie h\u00f6rte, regeln sich im Verlauf der weiteren Vorstellungen dank einer gewissen Routine. F\u00fcr einen Premierenzyklus kam es dann aber doch etwas zu h\u00e4ufig vor.<br \/>\nZwar spielt man in einer verkleinerten Orchesterbesetzung mit rund 70 Musikern. Gerade damit gelingt es GMD <strong>Erich W\u00e4chter<\/strong>, ein transparentes Klangbild zu formen. Zum Teil mag das der guten Akustik des historischen Hoftheaters des F\u00fcrstentums Lippe geschuldet sein.<br \/>\nUnbestrittener Liebling des Publikums war <strong>Joachim Goltz<\/strong> als Alberich. Mit viel baritonaler Wucht und heldischem Glanz sang er auch noch dort, wo andere Kollegen zum Sprechgesang \u00fcbergehen. Ihm standen die beiden Wotane <strong>Mark Morouse<\/strong> und <strong>Tomasz Konieczny<\/strong> in nichts nach. Der Spielwitz im <em>Rheingold<\/em> und die gef\u00fcrchteten H\u00f6hen in der <em>Walk\u00fcre<\/em> wurden mehr als achtbar gemeistert. Diese drei Baritone kann man sich auch an gr\u00f6\u00dferen H\u00e4usern vorstellen. <strong>Johannes Harten<\/strong> war in den Tenor-Rollen stellenweise \u00fcberfordert. Er hatte in der H\u00f6he keinen Glanz und baute auch im Verlaufe des Rheingold stimmlich h\u00f6rbar ab.<strong> Brigitte Bauma<\/strong> h\u00f6rte sich als G\u00f6ttin der Jugend (Freia) \u00e4lter an als <strong>Fricka \u2013 keifend<\/strong> gesungen von <strong>Monika Waeckerle<\/strong> \u2013, als Sieglinde versuchte sie es mit Kraft, und konnte mit ihrem Tremolo in den dramatischen Abschnitten der Rolle \u00fcberzeugen. <strong>Christoph Stephinger<\/strong> verlieh mit seinem fast schwarzen Ba\u00df und ausdrucksvoller Tiefe der Rolle des Hunding die n\u00f6tige B\u00f6sartigkeit. <strong>Sabine Hogrefe<\/strong> ist eine Nachwuchshoffnung als dramatischer Sopran. Ihre Schw\u00e4chen besserten sich bereits im Laufe des <em>Rings<\/em>, aber ab und an klingt sie noch flatterig und kehlig in der H\u00f6he. <strong>Lawrence Bakst<\/strong> ist ein bekannter Heldentenor aus der zweiten Reihe. Den Siegfried mit seinen Schmiedeliedern meisterte er mit heldentenoralem Strahlen ohne Fehl und Tadel. <strong>Bruno Gebauer<\/strong> als Mime hat das passende Alter f\u00fcr die Rolle (69 Jahre) und klingt auch so. <strong>Evelyn Krahe<\/strong> singt mit ihrem kr\u00e4ftigen dunklen Mezzo eine fesselnde Erda und Waltraute. Besonders bemerkenswert, da\u00df sie nebenher auch noch als Norn und Rheintochter mitsingt. <strong>Renatus Meszar<\/strong> (Hagen) ist ein strahlender Heldenba\u00dfbariton mit gro\u00dfer Spielfreude und sicherer Technik. Sein Potential zeigte sich schon im <em>Ring<\/em> in Weimar eindrucksvoll.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nIm Vorgriff Richard Wagners Geburtsjahr 2013 sprie\u00dfen die <em>Ringe<\/em>. Auch das Landestheater Detmold hat mit wenig Geld und viel Energie einen <em>Ring<\/em> auf die Beine gestellt, dem man Bewunderung zollen mu\u00df. Sicherlich, die Vorgabe, eine Gastspielproduktion ins Programm zu nehmen (man zeigt diesen <em>Ring<\/em> auch an anderen H\u00e4usern) engt die M\u00f6glichkeiten der B\u00fchnentechnik ein. Das Konzept, die Ringteile in vier verschiedenen Zeitperioden anzusetzen, erm\u00f6glicht ungewohnte, teils neue Perspektiven. Musikalisch ist die Mischung aus altgedienten Kr\u00e4ften aus der zweiten Reihe und Nachwuchss\u00e4ngern sehr interessant. Die lautstarke Unterst\u00fctzung des Publikums gibt jedoch Ansporn, kleinere Probleme in den kommenden Vorstellungen auszugleichen. In der Summe war dieser Ring eine gute Leistung, die dem Haus einen Platz in der Liste der empfehlenswerten <em>Ring<\/em>-Produktionen, die man derzeit in Deutschland\/Europa sehen kann.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: H\u00f6rnschemeyer\/Worms<br \/>\nDas Bild zeigt: Walk\u00fcre: Der Feuerzauber ist wenig spektakul\u00e4r<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); B\u00fchnenfestspiel f\u00fcr drei Tage und einen Vorabend; Text vom Komponisten; UA: 1876, Bayreuth. 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