{"id":8476,"date":"2024-02-19T18:26:42","date_gmt":"2024-02-19T17:26:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8476"},"modified":"2024-02-19T18:26:42","modified_gmt":"2024-02-19T17:26:42","slug":"idomeneo-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8476","title":{"rendered":"Idomeneo &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791) Trag\u00e9die lyrique in drei Akten, Libretto: Giambattista Varesco, UA: 29. Januar 1789, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Floris Visser, B\u00fchne: Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, Kost\u00fcme: Gideon Davey, Choreografie: Pim Veulings, Licht: James Farncombe<\/p>\n<p>Dirigent: Rub\u00e9n Dubrovsky und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Sebastian Kohlhepp (Idomeneo), Anna Lucia Richter (Idamante), Kathrin Zukowski (Ilia), Ana Maria Labin (Elettra), Anicio Zorzi Giustiniani (Arbace), John Heuzenroeder (Gran Sacerdote)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Februar 2024 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Idomeneo, der K\u00f6nig von Kreta, ger\u00e4t auf der R\u00fcckkehr aus dem Krieg mit Troja in einen heftigen Sturm. Um sein Leben zu retten, verspricht er dem Meeresgott Neptun ein Opfer, n\u00e4mlich den ersten Menschen, den er in Kreta an Land trifft. Das ist ausgerechnet sein Sohn Idamante. Auf Kreta hat Idamante sich in Ilia, die Tochter des trojanischen K\u00f6nigs, verliebt. Elettra, die Tochter des Griechenk\u00f6nigs Agamemnon, ist ebenfalls und hofft darauf, Idamante heiraten zu k\u00f6nnen. Arbace, Berater von Idomeneo, r\u00e4t dem K\u00f6nig, Idamante mit Elettra zu verheiraten und nach Argos zu schicken. Doch ein Sturm verhindert die Abreise. Idamante will sich als Held opfern, um Neptun zu bes\u00e4nftigen, doch Ilia kommt dazwischen und gesteht ihm ihre Liebe. Eine Stimme erkl\u00e4rt den Bann f\u00fcr gel\u00f6st, wenn Idomeneo als K\u00f6nig zur\u00fccktritt und daf\u00fcr Idamante und Ilia als K\u00f6nigspaar herrschen. Elettra hat nun alles verloren.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Koln_idomeneo_2324__sandra_then_18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8477\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Koln_idomeneo_2324__sandra_then_18.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Koln_idomeneo_2324__sandra_then_18.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Koln_idomeneo_2324__sandra_then_18-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre wird eine Gummizelle gezeigt, in der ein alter verr\u00fcckter Mann Zeichnungen von Neptun an die W\u00e4nde malt. Sp\u00e4ter \u00f6ffnen sich die W\u00e4nde der Gummizelle und geben den Blick auf die B\u00fchne frei, die eine Felsenattrappe zeigt. Der Boden ist mit Sand bedeckt. Die Handlung wird in die Moderne verlegt, die trojanischen Fl\u00fcchtlinge, so auch Ilia, werden als T\u00fcrken dargestellt, durch eine t\u00fcrkische Flagge, die neben der griechischen gehisst wird. Die Kost\u00fcme der Hauptdarsteller sind elegant und in gedeckten T\u00f6nen gehalten: Ilia und Elettra tragen schlichte schwarze Kleider, Idamante einen Anzug. Die Inszenierung arbeitet mit vielen blutr\u00fcnstigen Effekten, wie blut\u00fcberstr\u00f6mten Kriegsopfern und Zombies, die aus ihren Gr\u00e4bern aufsteigen. Der alte Mann aus der Ouvert\u00fcre entpuppt sich im Laufe der Auff\u00fchrung als \u00e4ltere Version von Idomeneo, der \u00fcber seine Kriegstraumata verr\u00fcckt geworden ist und wandelt in allen Akten verloren \u00fcber die B\u00fchne. Ebenso erscheint durchg\u00e4ngig ein dunkel gekleideter Mann mit einer Axt auf der B\u00fchne, der Idomeneo heimsucht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem ruhigen und konzentrierten Dirigat leitet <strong>Rub\u00e9n Dubrovsky<\/strong> das Orchester durch die Ouvert\u00fcre. Zu Beginn werden die Streicher etwas von den Bl\u00e4sern \u00fcbert\u00f6nt, aber immer mehr entwickelt sich in allen Instrumenten ein majest\u00e4tischer Klang. Der tragische Inhalt der Oper wird durch die dynamischen Stimmungswechsel, die eine verhei\u00dfungsvolle Atmosph\u00e4re andeuten, gut antizipiert. Unter den Frauenstimmen sticht <strong>Kathrin Zukowski<\/strong> (Ilia) durch ihren glockenklaren, lyrischen Sopran hervor, den sie von Anfang an bestens unter Kontrolle hat und ohne Anstrengung durch die Koloraturen und Triller jagt. Ihre Verzweiflung \u00fcber die Gefangenschaft als Fl\u00fcchtling verdeutlicht sie besonders gut im ersten Akt: hier legt sie sich, trauernd um ihren Vater, auf den Boden, w\u00e4hrend sie die Arie <em>Padre, germani, addio! &#8211; Vater, Br\u00fcder, lebt wohl! <\/em>im sotto voce und mit ausgesprochen klarer Intonation singt. <strong>Anna Lucia Richter <\/strong>(Idamante) singt die Kastratenrolle des jungen Prinzen mit einem warmen, dunkel gef\u00e4rbten Mezzo und betont dabei besonders ihre Verliebtheit durch kokettierende Gesten. In der Arie <em>Non ho colpa, e mi condanni &#8211; Mich tr\u00e4gt keine Schuld und ihr verdammt mich <\/em>singt sie sich in Rage und zeigt ihre ganze Wut auch stimmlich durch das gekonnte Anschwellen in der H\u00f6he und markantes Volumen in der Bruststimme. Ebenso \u00fcberzeugt <strong>Ana Maria Labin<\/strong> (Elettra) mit ihrem warmen Sopran, der ein sehr metallisches Timbre aufweist, besonders in den dramatischen Arien. Sowohl in ihrer Arie im ersten Akt, als sie die Furien des Hades besingt, als auch in ihrer letzten Arie zeigt sie vollen stimmlichen Einsatz und singt wie besessen mit weit aufgerissenen Augen. Unter den M\u00e4nnerstimmen ist <strong>Sebastian Kohlhepp<\/strong> (Idomeneo) mit seinem kraftvollen, scheppernden Tenor mit Abstand der beste S\u00e4nger. Er spielt den K\u00f6nig als verwirrten, von Traumata befallenen Herrscher und taumelt mit weit aufgerissenen Augen \u00fcber die B\u00fchne. Die Verzweiflung und Angst ist ihm f\u00f6rmlich ins Gesicht geschrieben, dabei singt er mit unglaublich viel Volumen und sehr akzentuiert die Arie <em>Fuor del mar &#8211; Dem Meer entronnen <\/em>und l\u00e4\u00dft seine Stimme in den Spitzent\u00f6nen gl\u00e4nzen &#8211; wof\u00fcr es vom Publikum auch schallenden Applaus und Bravo-Rufe gibt. <strong>Anicio Zorzi Giustiniani <\/strong>(Arbace) zeigt mit seinem hellen, metallischen Tenor, den er sehr akzentuiert einsetzt, als Berater und St\u00fctze f\u00fcr Idomeneo ebenfalls eine sehr solide Leistung. Erw\u00e4hnenswert ist auch die Leistung des Chores, der einige Eins\u00e4tze hat und einige Male durch einen sehr intensiven und durchdringenden Gesang f\u00fcr eine unheimliche Atmosph\u00e4re auf der B\u00fchne sorgt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine d\u00fcstere Inszenierung, die einige G\u00e4nsehautmomente bietet. Die Rahmenhandlung schafft es, die Aktualit\u00e4t des St\u00fccks hervorzuheben, da der Fokus auf der Grausamkeit des Kriegs und dessen psychologischen Auswirkungen liegt. Etwas weniger Effekthascherei h\u00e4tte es aber auch getan. Musikalisch ist der Abend absolut hochkar\u00e4tig besetzt. Alle S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen sind stimmgewaltig und transportieren die wundersch\u00f6ne Musik von Mozart in die Moderne. In Verbindung mit dem Chor und dem Orchester ergibt das ein perfektes Gesamtbild. Da bleiben keine W\u00fcnsche mehr offen!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Sandra Then<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sebastian Kohlhepp (Idomeneo), Anna Lucia Richter (Idamante)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791) Trag\u00e9die lyrique in drei Akten, Libretto: Giambattista Varesco, UA: 29. 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