{"id":846,"date":"2009-10-22T10:18:11","date_gmt":"2009-10-22T08:18:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=846"},"modified":"2010-03-21T23:40:09","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:09","slug":"dusseldorf-deutsche-oper-am-rheinschauspielhaus-das-schloss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=846","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorf, Deutsche Oper am Rhein\/Schauspielhaus &#8211; DAS SCHLOSS"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>nach dem Roman von Franz Kafka<br \/>\nUrauff\u00fchrung der Bearbeitung von Alexander M\u00fcller-Elmau<br \/>\nMusik: Gustav Mahler, bearbeitet von Thomas Hertel<br \/>\nRegie und B\u00fchnenbild: Alexander M\u00fcller-Elmau, Kost\u00fcme: Gabriele Sterz<br \/>\nDirigent: Ville Enckelmann, Mitglieder der D\u00fcsseldorfer Symphoniker<br \/>\nDarsteller: Daniel Christensen (K.), Anke Hartwig (Wirtin\/Mutter\/Mizzi), Lisa Arnold (Olga\/Frieda\/Pepi), Moritz F\u00fchrmann (Schwarzer\/Barnabas\/Lehrer), Folker Mosebach (Wirt\/Vater\/Vorsteher\/B\u00fcrgel), Urs Peter Halter (Jeremias\/Momus), Ronaldo Navarro (Tanz, Artur), Annette Seiltgen (Mezzosopran, Amalia), Laura Nyk\u00e4nen (Alt, M\u00e4dchen aus dem Gasthof), Heikki Kilpel\u00e4inen (Bariton, Fritz)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 18. Oktober 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/duesseldorf-das-schloss.jpg\" TITLE=\"duesseldorf-das-schloss.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/duesseldorf-das-schloss.jpg\" ALT=\"duesseldorf-das-schloss.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>K. kommt in ein Dorf, um dort als Landvermesser zu arbeiten. \u00dcber das Dorf herrscht ein allgegenw\u00e4rtiger, r\u00e4tselhafter Verwaltungsapparat mit Sitz im Schlo\u00df, der den B\u00fcrgern panische Angst einjagt. Von K.s Auftrag wei\u00df man nichts. Um die Sache aufzukl\u00e4ren, versucht K. mit dem Schlo\u00df Kontakt aufzunehmen. Je st\u00e4rker er sich bem\u00fcht, desto feindseliger und abweisender verhalten sich die Dortbewohner. Erst als K. resigniert, kommt es zu einer Ann\u00e4herung zwischen ihm und der Wirtin, die stellvertretend f\u00fcr die Dorfgemeinschaft steht.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nKafkas Roman-Fragment ist auf wenige zentrale Szenen verdichtet, die in raschem Tempo ablaufen. B\u00fchnenbild und Ausstattung sind auf das Notwendigste beschr\u00e4nkt. Die Hauptrollen \u00fcbernehmen Schauspieler. Alle bis auf den Protagonisten schl\u00fcpfen in mehrere Figuren. F\u00fcr besondere Effekte wie z.B. die Imitation von im Schnee knirschenden Schritten oder f\u00fcr erz\u00e4hlende Passagen sind die Schauspieler mit Mikrofonen ausgestattet. Die Akteure befinden sich bereits vor dem eigentlichen Beginn der Vorstellung auf der B\u00fchne und verlassen sie danach so gut wie gar nicht mehr \u2013 der Darsteller des K. bleibt sogar w\u00e4hrend der Pause darauf. Aufgelockert wird das d\u00fcstere, mitunter absurde Geschehen durch einen T\u00e4nzer und vor allem durch die drei Operns\u00e4nger, die solistisch oder im Terzett Lieder von Gustav Mahler vortragen. Die Instrumentalbegleitung \u00fcbernehmen drei Streicher der D\u00fcsseldorfer Symphoniker, verst\u00e4rkt durch Jazz-Bl\u00e4ser, eine E-Gitarre und einen DJ f\u00fcr akustische Verfremdungseffekte. Wie die S\u00e4nger sind auch die Musiker durch kurze Sprechrollen oder Attacken gegen K. in die Handlung eingebunden. Zur Pause und bei der Schlu\u00dfszene leert sich die B\u00fchne langsam: Zur\u00fcck bleiben nur K. und die Frauen, zu denen er in einer besonderen Beziehung steht.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nAlle Mitwirkenden lassen sich mit gro\u00dfem Engagement und ohne sp\u00fcrbare Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zwischen Schauspielern und S\u00e4ngern auf das schwierige Projekt ein. <strong>Daniel Christensen<\/strong> (K.), durch seine ununterbrochene Anwesenheit auf der B\u00fchne stark gefordert, verk\u00f6rpert intensiv einen jungenhaften, in seiner Hartn\u00e4ckigkeit naiven Landvermesser. <strong>Lisa Arnold<\/strong> (Olga\/Frieda\/Pepi) ist vor allem f\u00fcr die zwiesp\u00e4ltige Figur der Frieda eine Spur zu niedlich, daf\u00fcr beweist <strong>Anke Hartwig<\/strong> (Wirtin\/Mutter\/Mizzi) als alte Frau Mut zur H\u00e4\u00dflichkeit. Sie hinterl\u00e4\u00dft neben Christensen den st\u00e4rksten Eindruck. <strong>Urs Peter Halter<\/strong> (Jeremias\/ Momus) und der T\u00e4nzer <strong>Ronaldo Novarro<\/strong> (Artur) pr\u00e4gen sich vor allem durch ihre k\u00f6rperliche Agilit\u00e4t ein. <strong>Moritz F\u00fchrmann<\/strong> (Schwarzer\/Barnabas\/Lehrer), zu Beginn auch als Hornist zu h\u00f6ren, und <strong>Folker Mosebach<\/strong> (Wirt\/Vater\/Vorsteher\/B\u00fcrgel) wechseln geschickt und mitunter v\u00f6llig nahtlos ihre verschiedenen Rollen. Die drei S\u00e4nger <strong>Annette Seiltgen, Laura Nyk\u00e4nen<\/strong> und <strong>Heikki Kilpel\u00e4inen<\/strong> sowie das Instrumentalensemble unter <strong>Ville Enckelmann<\/strong> stellen sich ihrer Herausforderung mit Musikalit\u00e4t und Gestaltungsreichtum\u2013 Eigenschaften, durch die sich die zu Fragmenten zerrissenen Mahler-Lieder doch wieder zu einem Ganzen f\u00fcgen. Einen ganz eigenen Reiz entfalten die drei dunkel gef\u00e4rbten Stimmen und die in ihren Ausdrucksm\u00f6glichkeiten v\u00f6llig inhomogenen Instrumente in den Terzett-Versionen der Lieder.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine Oper wie Aribert Reimanns von 1992 wollte Alexander M\u00fcller-Elmau mit seinem D\u00fcsseldorfer<em> Schlo\u00df<\/em> nicht schaffen. Seine Bearbeitung ist ein (zugegebenerma\u00dfen nicht ganz neues) Experiment, das aus Schauspiel, Musik und Tanz besteht. Im Vordergrund steht dabei die N\u00e4he von Kafkas Text zu Mahlers Musik. Und tats\u00e4chlich eignen sich die fragmentarisch vorgetragenen Lieder vortrefflich zur Illustration der d\u00fcsteren, mitunter ausweglosen Atmosph\u00e4re des Romans. Die auf dem Besetzungszettel zun\u00e4chst gewagt anmutende Kombination aus Streichern, Jazz-Bl\u00e4sern, E-Gitarre und Live-Elektronik tut dabei der Musik keineswegs Gewalt an, sondern ist ein interessantes Klangerlebnis. Die Stimmung der Lieder bleibt vollkommen erhalten.<br \/>\nDer darstellerische und musikalische Kraftakt aller Beteiligten wird mit herzlichem Applaus aufgenommen. Fraglich ist allerdings, was inhaltlich von diesem Schlo\u00df in Erinnerung bleibt: Die Bearbeitung fragmentarisiert den ohnehin nur als Fragment vorliegenden Text fast bis zur Unkenntlichkeit. Dem Ergebnis ist ohne Kenntnis des Romans nur schwer zu folgen.<\/p>\n<p>E.-M. Ernst<\/p>\n<p>Bild: Sebastian Hoppe<br \/>\nDas Bild zeigt: Die Dorfbewohner gegen K. (Daniel Christensen, mit Telefonh\u00f6rer)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>nach dem Roman von Franz Kafka Urauff\u00fchrung der Bearbeitung von Alexander M\u00fcller-Elmau Musik: Gustav Mahler, bearbeitet von Thomas Hertel Regie und B\u00fchnenbild: Alexander M\u00fcller-Elmau, Kost\u00fcme: Gabriele Sterz Dirigent: Ville Enckelmann, Mitglieder der D\u00fcsseldorfer Symphoniker Darsteller: Daniel Christensen (K.), Anke Hartwig<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=846\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,1],"tags":[],"class_list":["post-846","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dusseldorf-deutsche-oper-am-rhein","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/846","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=846"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/846\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1263,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/846\/revisions\/1263"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}