{"id":8429,"date":"2023-10-08T14:56:07","date_gmt":"2023-10-08T13:56:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8429"},"modified":"2023-10-08T14:58:25","modified_gmt":"2023-10-08T13:58:25","slug":"il-trittico-saarlaendisches-staatstheater-grosses-haus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8429","title":{"rendered":"Il trittico &#8211; Saarl\u00e4ndisches Staatstheater, Gro\u00dfes Haus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Opernzyklus bestehend aus drei Einaktern: <em>Il tabarro<\/em> (Libretto: Giuseppe Adami), <em>Suor Angelica<\/em> und <em>Gianni Schicchi<\/em> (Libretti: Giovacchino Forzano), UA: 14. Dezember 1918, Metropolitan Opera, New York<\/p>\n<p>Inszenierung: Wolfgang N\u00e4gele, B\u00fchnenbild: Lina D\u00e4\u00dfler, Kost\u00fcme: Irina Spreckelmeyer, Licht: Susanne Reinhardt, Dramaturgie: Benjamin W\u00e4ntig<\/p>\n<p>Dirigent: S\u00e9bastien Rouland, Saarl\u00e4ndisches Staatsorchester<\/p>\n<p>Opern- und Kinderchor des Saarl\u00e4ndischen Staatstheaters, Einstudierung: Jaume Miranda<\/p>\n<p>Solisten: Peter Sch\u00f6ne (Michele; Gianni Schicchi), Ingegjerd Bag\u00f8ien Moe (Giorgetta), Angelos Samartzis (Luigi), Clara-Sophie Bertram (la frugola; la suora infermiera), Suor Angelica (Valda Wilson), Doris Lamprecht (la zia principessa; Zita), Barbara Br\u00fcckner (la badessa), Liudmilla Lokaichuck (Lauretta; una amanta), Jon Jurgens (Rinuccio; un amanto), Stefan R\u00f6ttig (il talpa; Betto di Signa) u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. Oktober 2023 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Saarbruecken-trittico_Gianni_Schicchi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8431\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Saarbruecken-trittico_Gianni_Schicchi.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"431\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Saarbruecken-trittico_Gianni_Schicchi.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Saarbruecken-trittico_Gianni_Schicchi-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In seinem Opernzyklus <em>Il trittico<\/em> (das Triptychon) kombiniert Puccini drei vollkommen unterschiedliche und voneinander unabh\u00e4ngige St\u00fccke miteinander: ein tragisches, veristisches Sozialdrama, eine Art lyrischer Legende und eine Kom\u00f6die.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> <em>Il tabarro<\/em> \u2013 <em>Der Mantel<\/em><\/strong> spielt in Paris um 1910.<br \/>\nMichele, ein \u00e4lterer Schiffer auf der Seine, und seine j\u00fcngere Frau Giorgetta leben auf einem Boot. Ihr Leben\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ist wie das aller anderen Akteure von bitterer Armut gepr\u00e4gt, und vor einem Jahr haben sie ihr gemeinsames Kind verloren. Giorgetta hat einen heimlichen Liebhaber, den Lastentr\u00e4ger Luigi, der unter der Situation leidet und sich mit dem Gedanken tr\u00e4gt, sie zu verlassen. In Michele w\u00e4chst ein schlimmer Verdacht. Er bewacht Giorgetta nachts, als sie sich unter Deck zur\u00fcckgezogen hat, f\u00e4ngt Luigi ab, t\u00f6tet ihn und verbirgt seine Leiche unter einem gro\u00dfen Mantel. Giorgetta kommt unruhig an Deck und Michele bittet sie, zu ihm unter seinen Mantel zu kommen. Als sie ihren toten Liebhaber sieht, bricht sie schreiend zusammen.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> <em>Suor Angelica<\/em> \u2013 <em>Schwester Angelica<\/em><\/strong> spielt in einem italienischen Kloster Ende des 17. Jahrhunderts.<br \/>\nDie Ordensschwestern f\u00fchren ein karges Leben unter der strengen Kontrolle der \u00c4btissin, die auch kleine St\u00f6rungen der Ordnung bestraft. Angelica ist bekannt f\u00fcr ihre Heilkunst und lebt seit sieben Jahren im Kloster. Sie hat ein dunkles Geheimnis. Die pr\u00e4chtige Kutsche ihrer Tante, der F\u00fcrstin, f\u00e4hrt vor. Beide sprechen unter vier Augen miteinander. Die F\u00fcrstin, der Vormund Angelicas und ihrer Schwester, teilt ihr mit, da\u00df ihre Schwester zu heiraten gedenke und Angelica ihr deswegen ihren gesamten Besitz zu \u00fcbertragen habe. Angelica bittet sie um kurze Nachricht \u00fcber ihren unehelichen Sohn, der ihr nach der Geburt vor sieben Jahren fortgenommen wurde und von dem sie seitdem nichts geh\u00f6rt hat. Ihre Tante berichtet ihr knapp, er sei vor zwei Jahren gestorben und entfernt sich. Nach einem Moment der Verzweiflung fa\u00dft Angelica einen Beschlu\u00df: Sie nimmt eine t\u00f6dliche Kr\u00e4utermischung zu sich, um sich im Tod mit ihrem Kind zu vereinen. Als das Gift zu wirken beginnt, wird ihr mit Schrecken klar, da\u00df sie als Selbstm\u00f6rderin nie in den Himmel kommen wird. Sie betet zur Gottesmutter, ihr ihre Tods\u00fcnde zu verzeihen, die ihr Gebet erh\u00f6rt. Angelica stirbt, w\u00e4hrend ein Engelschor singt.<\/li>\n<li><strong> <em>Gianni Schicchi<\/em><\/strong> spielt in Florenz im Jahre 1299.<br \/>\nBuoso Donato ist gerade verstorben und seine habgierige Verwandtschaft durchsucht sein Haus, um sein Testament zu finden. Als es auftaucht, macht sich gro\u00dfe Entt\u00e4uschung breit, denn der wohlhabende Donato vererbt seinen gesamten Besitz dem \u00f6rtlichen M\u00f6nchskloster. Der verschlagene Gianni Schicchi tritt ein, dessen Tochter Lauretta mit Rinuccio aus Donatos Familie liiert ist und ihn heiraten will. Schicchi, der die Situation schnell \u00fcberblickt, weigert sich, einzuwilligen, seine Tochter in eine verarmte Familie einheiraten zu lassen. Die Familie bekniet ihn, irgendwie zu helfen, und Schicchi schl\u00e4gt vor, selber in die Rolle des sterbenden Donato zu schl\u00fcpfen und einem Notar dessen letzten Willen zu diktieren. Begeistert willigen alle ein und man ist sich auch schnell einig, wie der Besitz aufgeteilt werden soll, mit Ausnahme des Maultiers und des umfangreichen florentinischen Besitzes Donatos. Da die Zeit jedoch dr\u00e4ngt, verspricht Schicchi, eine gute L\u00f6sung zu finden und sch\u00e4rft allen ein, nicht von dem Plan abzuweichen, da auf die F\u00e4lschung eines Testaments eine drakonische Strafe stehe. Der Notar trifft ein und die Familie heuchelt gro\u00dfe Anteilnahme. Schicchi, verkleidet als Donato, verteilt auf dem Sterbebett Geld und Landg\u00fcter wunschgem\u00e4\u00df unter allen Anwesenden. Als es aber zu dem wichtigsten Teil des Erbes, Donatos Besitz in Florenz und seinem Maultier, kommt, bedenkt er gro\u00dfz\u00fcgig sich selbst. Z\u00e4hneknirschend lassen ihn Donatos Verwandte gew\u00e4hren, bis der Notar gegangen ist, um dann keifend \u00fcber ihn herzufallen. Schicchi wirft sie aus dem Haus Donatos, das nun sein eigenes geworden ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Szenenbild ist abstrakt und karg; an den Seiten ist die B\u00fchnenwand zu sehen und nur wenige Elemente \u2013 ein Stuckplatte, ein paar Kerzen, M\u00f6bel, bewegliche Stahlgel\u00e4nder und -treppen \u2013 kommen zum Einsatz. Allerdings sind es in allen drei St\u00fccken die gleichen Elemente, wodurch \u2013 wie auch durch das Auftauchen von den gleichen Figuren in mehreren St\u00fccken \u2013 alle drei Einakter bildlich und inhaltlich miteinander in Beziehung treten. Mit der leeren Szenerie kontrastiert das lebendige, psychologisch sehr intensive und genau abgemessene Spiel der Akteure, das in dieser Produktion ganz im Vordergrund steht. Die Kost\u00fcme und Einrichtungen der R\u00e4ume sind nicht historisierend exakt, sondern deuten die jeweiligen Milieus grob lediglich an. Obgleich die drei Opern inhaltlich so gut wie gar nichts miteinander gemeinsam haben, stellt das B\u00fchnenbild durch kleine, pointierte Gesten mitunter \u00fcberraschende Parallelen und Zusammenh\u00e4nge zwischen ihnen her.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>S\u00e9bastien Rouland<\/strong> leitete das Saarl\u00e4ndische Staatsorchester mit sicherer Hand. Die \u00fcberaus abwechslungsreichen Klanglandschaften traten plastisch auf das Sch\u00f6nste hervor. Die Lautkulisse des <em>Tabarro<\/em>, bei dem die Ger\u00e4usche der Gro\u00dfstadt \u2013 etwa das Horn der Seine-Schiffe \u2013 Teil der farbig kraftvollen Partitur sind und in dem sich die lautesten Klangballungen aller drei St\u00fccke finden, war atmosph\u00e4risch dicht, packend und perfekt auf die Stimmen der drei Hauptakteure abgestimmt. Artikulation, dynamische Nuancierung, Klangbalance zwischen S\u00e4ngern und Orchester \u2013 all das gelang makellos.<\/p>\n<p>In <em>Suor Angelica<\/em>, die g\u00e4nzlich ohne M\u00e4nnerstimmen auskommt, ist das Klangbild durchl\u00e4ssiger, heller und leichter. Hier stehen die Ensemble- und Chors\u00e4tze der Schwestern sowie der abschlie\u00dfende, zwischen Vision und Verzweiflung schwankende Schlu\u00dfmonolog der Titelfigur im Vordergrund. Rouland w\u00e4hlte die richtigen Tempi und schlug hier lange Spannungsb\u00f6gen, womit er den S\u00e4ngerinnen den notwendigen Freiraum f\u00fcr klangliche und sprachliche Feinarbeit verschaffte. Das Orchester tritt hier etwas st\u00e4rker in den Hintergrund als in den anderen Einaktern.<\/p>\n<p>In <em>Gianni Schicchi<\/em> geht es schlie\u00dflich recht temporeich zur Sache, was genaue Phrasierung und akkurate Eins\u00e4tze erfordert. Orchester und S\u00e4nger, die sich hier mit unendlich vielen kleinen Aktionen in nahezu st\u00e4ndiger Bewegung befinden, meisterten das alles ohne erkennbare Probleme. Hervorzuheben ist der runde, ausgewogene Wohlklang des Saarl\u00e4ndischen Staatsorchesters, der es ohne weiteres mit dem von Orchestern in gr\u00f6\u00dferen H\u00e4usern aufzunehmen vermag.<\/p>\n<p>Zu den Leistungen der S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen im einzelnen.<\/p>\n<p>Angesichts der zahlreichen Rollen werde ich mich nur auf die wichtigsten Partien beschr\u00e4nken. Da einige S\u00e4nger in zwei Opern auftraten, konnte man auch ihre darstellerische Wandlungsf\u00e4higkeit bewundern.<\/p>\n<p>Hier w\u00e4re zun\u00e4chst <strong>Peter Sch\u00f6ne<\/strong> zu nennen, der zwei Hauptpartien sang, zum einen den d\u00fcsteren Michele in <em>Il tabarro<\/em>, zum anderen die heitere Titelpartie in <em>Gianni Schicchi<\/em>. Er hat zwar keinen Heldenbariton, wei\u00df aber mit seinen stimmlichen Ressourcen geschickt und abwechslungsreich umzugehen. Der darstellerische Kontrast, den er zu \u00fcberbr\u00fccken hat, k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer nicht sein. Am st\u00e4rksten wirkte er in den melancholischen Momenten, in denen Michele verzweifelt versucht, die Liebe seiner Frau wiederzugewinnen.<\/p>\n<p>Ebenso weit auseinander liegen die Rollen, die <strong>Doris Lamprecht<\/strong> (la zia principessa; Zita) gab. Bei der F\u00fcrstin handelt es sich um eine Contralto-Partie, bei der von Zita um eine Altpartie. Ihre Stimme, deren leichte Spr\u00f6digkeit in der Tiefe der Rolle der F\u00fcrstin eine interessante charakteristische Note verlieh, ist ausdrucksvoll und ihr Spiel ist das nicht minder. Die eiskalte F\u00fcrstin, die mit wenigen Bewegungen ihre unerbittliche Strenge gegen\u00fcber ihrer Nichte zum Ausdruck bringt, sowie die Slapstick-Rolle der Zita gelangen ihr direkt nacheinander rundum. Sie ist eine hervorragende Darstellerin ebenso wie die S\u00e4ngerin der Titelrolle in <em>Suor Angelica<\/em>, <strong>Valda Wilson<\/strong>. Deren stimmliche Kontrolle und schauspielerische Leistung geh\u00f6rten zu den H\u00f6hepunkten des Abends. Erst nach und nach aus den identisch gekleideten Ordensschwestern als Hauptcharakter hervortretend, beherrscht sie das B\u00fchnengeschehen nach einer Weile und zeichnet sich durch einen bis ins Detail durchgearbeiteten Vortrag aus. Damit ist sowohl ihr Gesangsvortrag als auch ihre Verk\u00f6rperung dieser recht schwierigen Rolle gemeint. Angelica schwankt zwischen Gef\u00fchlsextremen, mu\u00df aber dabei stehts die Contenance bewahren; d.h. die S\u00e4ngerin hat sich, bis auf den Schlu\u00df, mit kleinen Gesten und mimischen Andeutungen zu begn\u00fcgen, um ihr aufgew\u00fchltes Innenleben nach au\u00dfen zu kehren. Wenn diese so ergreifend gestaltet werden, wie es Wilson kann, ohne \u00fcbertrieben oder klischeehaft zu wirken, wird dieser mittlere Einakter, der von allen drei Opern des <em>Trittico<\/em> am seltensten alleine aufgef\u00fchrt wird, zum psychologisch abgr\u00fcndigsten und faszinierendsten des Zyklus. Hinzu kommt bei ihr eine perfekte Beherrschung der stimmlichen Anforderungen. Der Ton dieser Rolle darf nicht ins allzu Dramatische verfallen, auch hier sind es die Nuancen und kleinen Andeutungen, die den gr\u00f6\u00dften Effekt haben und die Wilson mit einem Gesp\u00fcr f\u00fcr das richtige Ma\u00df souver\u00e4n beherrscht. Ihr leichter Ansatz und ihre eher schlanke Stimme erwiesen sich f\u00fcr diese Partie als ideal.<\/p>\n<p>Die Rolle der Giorgetta im <em>Tabarro<\/em>, gesungen von <strong>Ingegjerd Bag\u00f8ien Moe<\/strong>, verlangt hingegen gr\u00f6\u00dfere Expressivit\u00e4t im Spiel und nicht zuletzt im Stimmvolumen. In ihren kurzen Duett-Passagen mit Luigi \u2013 oder besser: kurzen Ausbr\u00fcchen, die vom vollen Orchestertutti begleitet werden \u2013 kam ihre hochdramatische Sopranstimme voll zum Tragen. Diese f\u00fcr Puccinis Stil typischen Abschnitte gestaltete sie gemeinsam mit ihrem Partner und dem Orchester spektakul\u00e4r ohne an ihre Grenzen zu gehen. Ihr Partner als Luigi war <strong>Angelos Samartzis<\/strong>, dessen Tenor genau dem entspricht, was man bei Puccini erwartet: ein voller, hell-dunkler, \u00fcber alle Register homogener Klang, der sich scheinbar m\u00fchelos auch \u00fcber das st\u00e4rkste Orchestertutti legt. Das Spiel beider S\u00e4nger war intensiv, mitunter kompromi\u00dflos physisch. Ihre Stimmen erg\u00e4nzen sich wunderbar. Auch in<em> Gianni Schicchi<\/em> gibt es ein paar kurze hochdramatische Einschl\u00e4ge, die \u00e4hnlich kraftvoll, aber wesentlich k\u00fcrzer gehalten sind. Es handelt sich hierbei um das jugendliche Liebespaar Lauretta\/Rinuccio, gesungen von <strong>Liudmilla Lokaichuck<\/strong> \u2013 f\u00fcr ihren Vortrag des Opernhits <em>O mio babbino caro<\/em> erhielt sie zu Recht Szenenapplaus \u2013 und <strong>Jon Jurgens<\/strong>. Die Idee, diese beiden S\u00e4nger auch die kurzen Rollen der beiden Liebenden in <em>Il tabarro<\/em> singen zu lassen, schuf eine weitere dramaturgische Klammer zwischen den Einaktern. Beide S\u00e4nger haben eine sympathische B\u00fchnenpr\u00e4senz und verf\u00fcgen \u00fcber hervorragendes Stimmaterial.<\/p>\n<p>Viel w\u00e4re noch \u00fcber die gelungene Gestaltung auch der kleinen Rollen, etwa der tragikomischen namenlosen Charaktere, die <strong>Stefan R\u00f6ttig<\/strong> (il talpa) und <strong>Clara-Sophie Bertram<\/strong> (la frugola) in <em>Il tabarro<\/em> verk\u00f6rpern, zu sagen, denn diese Inszenierung zeichnet sich, wie deutlich geworden sein d\u00fcrfte, durch eine gro\u00dfe Liebe zum schauspielerischen Detail aus. Alle, auch die kleinsten Nebencharaktere, werden individuell durchgestaltet, so da\u00df sogar bei den uniformierten Ordensschwestern in <em>Suor Angelica<\/em> keine uniforme Masse, sondern eine Gruppe von vielen unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeiten entsteht.<\/p>\n<p>Die F\u00fclle von kurzen Aktionen und dramatischen Einf\u00e4llen in <em>Gianni Schicchi<\/em> zu beschreiben, w\u00fcrden den Rahmen hier vollends sprengen. Man kann lediglich zusammenfassend sagen, da\u00df in den Ensembleszenen (panto-)mimisch st\u00e4ndig viele kleine Geschichten erz\u00e4hlt werden, da\u00df alle drei an sich disparaten Einakter durch wiederkehrende, an sich unscheinbare Requisiten \u2013 etwa wie die Toten-Kerze \u2013, wiederkehrende Charaktere und S\u00e4nger in mehreren Rollen geschickt miteinander verbunden werden und dieses exzeptionelle Opern-Triptychon so zu einer stabilen Einheit zusammenf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es darf an dieser Stelle bitte keinesfalls abwertend verstanden werden, wenn ich feststellen m\u00f6chte, da\u00df die atemberaubende Qualit\u00e4t dieser Auff\u00fchrung f\u00fcr mich \u00fcberraschend war. Saarbr\u00fccken ist zwar ein kleineres Haus als etwa die gro\u00dfen Opern in Berlin oder Dresden. Eine bessere musikalisch-dramatische Umsetzung dieser drei St\u00fccke ist jedoch selbst dort kaum denkbar. Wohl dem Haus, das \u00fcber ein derart gl\u00e4nzendes und vielseitiges S\u00e4nger-Ensemble verf\u00fcgt und \u00fcber ein derart gut eingespieltes Orchester, dessen Leiter eine solide Einheit zwischen S\u00e4ngern und Instrumentalisten herstellte! Weder darstellerisch noch musikalisch wurde trotz dieser so unterschiedlichen St\u00fccke mit ihren kontr\u00e4ren Anforderungen irgendeine Schw\u00e4che, Unsicherheit oder Undeutlichkeit erkennbar. Die S\u00e4nger f\u00fchlten sich in ihren Rollen sichtbar wohl, gingen in ihren Charakteren auf und konnten gerade aufgrund der sparsamen, aber nicht effektlos eingerichteten Szene deren Entwicklungen und Innenleben minuti\u00f6s ausleuchten. Die Regie stellt sich hier in den Dienst der Sache, ja, sie erreicht sogar etwas, das im Original gar nicht so angelegt ist: Die drei Einakter verm\u00f6gen sich in dieser Interpretation gegenseitig zu kommentieren und inhaltlich zu vertiefen. Das begeisterte nicht nur das Publikum. Nachdem der Schlu\u00dfapplaus im Saal verklungen war, konnte man hinter dem geschlossenen Vorhang den Applaus der Aus\u00fcbenden f\u00fcr ihre eigene Leistung h\u00f6ren. Hochverdient waren sie beide.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Martin Kaufhold<\/p>\n<p>Gianni Schicchi: Peter Sch\u00f6ne (Gianni Schicchi) li.; Ensemble re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Opernzyklus bestehend aus drei Einaktern: Il tabarro (Libretto: Giuseppe Adami), Suor Angelica und Gianni Schicchi (Libretti: Giovacchino Forzano), UA: 14. 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