{"id":839,"date":"2009-10-13T22:22:57","date_gmt":"2009-10-13T20:22:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=839"},"modified":"2010-03-21T23:40:12","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:12","slug":"essen-aalto-theater-siegfried","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=839","title":{"rendered":"Essen, Aalto Theater &#8211; SIEGFRIED"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Musik und Text von Richard Wagner<br \/>\nUA: 16.08.1876 Bayreuth<br \/>\nRegie: Anselm Weber, B\u00fchnenbild: Raimund Bauer, Kost\u00fcme: Bettina J. Walter<br \/>\nDirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker<br \/>\nSolisten: Johnny van Hal (Siegfried), Rainer Maria R\u00f6hr (Mime), Almas Svilpa (Wotan\/Wanderer), Oskar Hillebrandt (Alberich), Kirsi Tiihonen (Br\u00fcnnhilde), Marcel Rosca (Fafner), Ljubov Sokolova (Erda) Christina Clark (Waldvogel)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 10. Oktober 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"essen-siegfried.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/essen-siegfried.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"essen-siegfried.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/essen-siegfried.jpg\" \/><\/a>Zwerg Mime will den Ring des Nibelungen f\u00fcr sich gewinnen, das Symbol ewiger Macht. Da der Ring von dem Drachen Fafner bewacht wird, hat Mime den verwaisten Heldenspr\u00f6ssling Siegfried gro\u00dfgezogen. Dieser soll den Drachen f\u00fcr ihn besiegen. Auf den Ring haben es auch Mimes Bruder Alberich und der als Wanderer umherziehende Gott Wotan abgesehen. Mit einem selbstgeschmiedeten Schwert t\u00f6tet Siegfried jedoch nicht nur Fafner, sondern auch Mime. Nachdem Siegfried den Ring an sich genommen hat, r\u00e4t ihm ein Waldvogel, sich eine Frau zu suchen: Br\u00fcnnhilde, die von Feuer umgeben auf einem Felsen schl\u00e4ft. Vor dem Br\u00fcnnhilden-Felsen begegnet Siegfried Wotan, der gerade die G\u00f6ttin Erda \u00fcber die Zukunft von Menschen und G\u00f6ttern ausgehorcht hat. Im Streit zerschl\u00e4gt Siegfried Wotans Speer, das Zeichen seiner g\u00f6ttlichen Macht. Der Weg zu Br\u00fcnnhilde ist frei.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nMime und Siegfried hausen in einem heruntergekommenen Backsteinbau, der sich im Hintergrund zu einer trostlosen, zerst\u00f6rten Landschaft \u00f6ffnet. Die gesamte B\u00fchnenboden besteht bis zum Ende des zweiten Aufzuges aus kleinen H\u00fcgeln \u2013 den Schuppen des Drachen, wie sich sp\u00e4ter herausstellt: Siegfried t\u00f6tet Fafner, indem er mehrfach mit dem Schwert in den Boden sticht. Mime, Siegfried und der als obdachloser Kr\u00fcppel vor der Drachenh\u00f6hle lebende Alberich tragen Alltagskleidung unserer Zeit und hantieren mit Requisiten wie Kr\u00fccken, Liegest\u00fchlen oder Fastfood. Der Waldvogel erscheint als attraktive junge Frau im Abendkleid. Die Kost\u00fcme von Wotan, Erda und Br\u00fcnnhilde dagegen entf\u00fchren in eine zwischen Mittelalter und Fantasy schwankende Sagenwelt. Mythologische Elemente, zum Beispiel Wotans Raben, werden durch Projektionen dargestellt. F\u00fcr die Szene mit Erda (in einem Wartezimmer) verwandelt sich Wotan kurzzeitig in einen biederen Anzugtr\u00e4ger, der auch mit einem Strau\u00df Rosen bei der G\u00f6ttin nicht zum Ziel kommt. F\u00fcr das Finale senkt sich der Br\u00fcnnhilden-Felsen rot gl\u00fchend vom Schn\u00fcrboden herab. Siegfried befreit Br\u00fcnnhilde von ihrer R\u00fcstung und drapiert deren Bestandteile sorgf\u00e4ltig auf dem Felsen, bevor das Paar zueinander findet und sein Schlu\u00dfduett dicht an der Rampe singt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDas gr\u00f6\u00dfte Lob geb\u00fchrt den <strong>Essener Philharmonikern<\/strong> unter <strong>Stefan Soltesz<\/strong>. Was hier an Spannung, Leidenschaft und Detailreichtum aus dem Graben kommt, kann es ohne weiteres mit internationalen Standards aufnehmen. Von den S\u00e4ngern erreicht dieses Niveau h\u00f6chstens <strong>Oskar Hillebrandt<\/strong> (Alberich), der einen nicht nur stimmgewaltigen, sondern auch in seiner verzweifelten Machtgier \u00fcberzeugenden Nibelungen auf die B\u00fchne bringt. Auch <strong>Kirsi Tiihonen<\/strong> (Br\u00fcnnhilde) steht, von zwei verungl\u00fcckten Spitzent\u00f6nen abgesehen, ein beeindruckendes Stimmaterial zur Verf\u00fcgung. <strong>Johnny van Hal<\/strong> (Siegfried) kann dank seiner Ausstrahlung und Statur den aufm\u00fcpfigen Halbstarken authentischer darstellen als mancher Fachkollege, seine eher kleine, eng gef\u00fchrte Stimme ist aber wenig attraktiv. Rollen-Deb\u00fctant <strong>Almas Svilpa<\/strong> (Wotan) k\u00e4mpft sich mit undeutlicher Aussprache wacker durch seine Partie, hat jedoch mit der Bew\u00e4ltigung der T\u00f6ne soviel zu tun, da\u00df seine Figur ohne Profil bleibt. Der agile <strong>Rainer Maria R\u00f6hr<\/strong> (Mime) setzt ganz auf seinen zwar farblosen, aber durchschlagskr\u00e4ftigen Tenor und k\u00f6nnte dabei darstellerisch noch etwas pr\u00e4senter sein. <strong>Ljubov Sokolova<\/strong> (Erda), <strong>Marcel Rosca<\/strong> (Fafner) und <strong>Christine Clark <\/strong>(Waldvogel) runden ein solides, aber nicht herausragendes Ensemble ab.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Regie von <strong>Anselm Weber<\/strong> arbeitet \u00fcberwiegend eng am Text und unterh\u00e4lt anfangs auch durch witzige Details. Der f\u00fcr Wagners Opern notwendige lange Atem fehlt: Im dritten Aufzug h\u00e4lt nur das brillant spielende und daf\u00fcr mit Ovationen gefeierte Orchester die Spannung \u2013 sicher auch ein Grund daf\u00fcr, da\u00df Regisseur Weber vor dem Vorhang mit kr\u00e4ftigen Buhrufen empfangen wird. Die Solisten werden wohlwollend \u2013 wenn auch nicht enthusiastisch \u2013 beklatscht, k\u00f6nnen aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dieser Siegfried ist der bisher schw\u00e4chste Teil der Essener Ring-Tetralogie. Auf die G\u00f6tterd\u00e4mmerung (Premiere Herbst 2010) darf man gespannt sein.<\/p>\n<p>Dr. E.-M. Ernst<\/p>\n<p>Bild: Thomas Aurin<br \/>\nDas Bild zeigt: Aufm\u00fcpfiger Halbstarker: Siegfried (Johnny van Hal, rechts) mit seinem Ziehvater Mime (Rainer Maria R\u00f6hr)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Musik und Text von Richard Wagner UA: 16.08.1876 Bayreuth Regie: Anselm Weber, B\u00fchnenbild: Raimund Bauer, Kost\u00fcme: Bettina J. 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