{"id":8374,"date":"2023-03-19T15:15:46","date_gmt":"2023-03-19T14:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8374"},"modified":"2023-03-20T08:10:19","modified_gmt":"2023-03-20T07:10:19","slug":"arabella-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8374","title":{"rendered":"Arabella &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Lyrische Kom\u00f6die in drei Aufz\u00fcgen, Libretto von Hugo von Hofmannsthal, UA: 1. Juli 1933 Dresden<\/p>\n<p>Regie: Tobias Kratzer, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Rainer Sellmaier, Choreographie: Jeroen Verbruggen, Licht: Stefan Woinke, Video: Jonas Dahl und Manual Braun, Dramaturgie: Bettina Bartz<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines<\/p>\n<p>Solisten: Albert Pesendorfer (Graf Waldner), Doris Soffel (Adelaide), Sara Jakubiak (Arabella), Elena Tsallagova (Zdenka), Russell Braun (Mandryka), Robert Watson (Matteo), Thomas Blondelle (Graf Elemer), Hye-Young Moon (Fiakermilli) u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. M\u00e4rz 2023 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Berlin-DO-Arabella.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8375\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Berlin-DO-Arabella.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Berlin-DO-Arabella.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Berlin-DO-Arabella-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Familie von Graf Waldner, der sein Verm\u00f6gen beim Kartenspielen durchgebracht hat, wohnt in einem Hotel in Wien. Es ist Faschingsdienstag und seine Tochter Arabella hat drei Grafen als Verehrer, deren Geld die Familie Waldner im Falle einer Heirat retten wird. Sie soll sich vor dem Aschermittwoch f\u00fcr einen von ihnen entscheiden. Au\u00dferdem macht ihr noch der Leutnant Matteo, in den ihre Schwester Zdenka heimlich verliebt ist, den Hof. Allerdings mu\u00df Zdenka ihre Identit\u00e4t als Frau geheimhalten und tr\u00e4gt stets M\u00e4nnerkleider, da der Familie das Geld, fehlt, um zwei T\u00f6chter standesgem\u00e4\u00df einzukleiden. Die Situation wird noch verwickelter, als der ungarische Graf Mandryka erscheint, der mit seinem Geld um sich wirft und Graf Waldner um die Hand seiner Tochter Arabella bittet, die sich von allen ihren Verehrern am meisten f\u00fcr ihn interessiert. Nach ihrem ersten Gespr\u00e4ch mit ihm verloben beide sich, doch bittet Arabella darum, diesen letzten Tag ihrer M\u00e4dchenzeit noch f\u00fcr sich verbringen zu d\u00fcrfen und tanzt einen letzten Tanz mit den drei Grafen, die ihr die Aufwartung gemacht haben. Matteo ignoriert sie geflissentlich, dem Zdenka heimlich einen Schl\u00fcssel zusteckt mit den Worten, Arabella w\u00fcrde in ihrem Zimmer auf ihn warten. Mandryka hat die beiden belauscht und ist rasend vor Wut. Auf dem dunklen Hotelzimmer verbringen Zdenka und Matteo eine Liebesnacht miteinander. Matteo ist der \u00dcberzeugung, er sei mit Arabella zusammen gewesen, und verwirrt, als er sie anschlie\u00dfend im Foyer trifft und sie ihn so abweisend behandelt wie immer. Er verlangt eine Erkl\u00e4rung von ihr, als Mandryka und Arabellas Eltern eintreten, die die Ehre der Familie in Gefahr sehen. Mandryka fordert Matteo zum Duell, als Zdenka das R\u00e4tsel aufl\u00f6st und sich als Frau zu erkennen gibt. Graf Waldner erlaubt Matteo und Zdenka, sich miteinander zu verloben. Arabella und Mandryka bleiben zur\u00fcck. Er sch\u00e4mt sich daf\u00fcr, sie verd\u00e4chtigt zu haben, und sie verl\u00e4sst verletzt die Szene. Nach einer kurzen Pause kehrt sie zur\u00fcck und gibt ihm zu verstehen, da\u00df sie ihn dennoch heiraten werde.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die szenische Seite der Produktion h\u00e4lt ein paar \u00dcberraschungen parat. Der komplette erste Aufzug und auch der Beginn des zweiten ist nach Art eines Kost\u00fcmdramas gestaltet, d.h. Requisiten, Kost\u00fcm und B\u00fchnenbild entsprechen mit ihren vielen Details exakt dem Schauplatz und der Zeit der Handlung. Wir befinden uns hier in einem mond\u00e4nen Wiener Hotel der 1860er Jahre. Im ersten Aufzug ist die B\u00fchne zweigeteilt, d.h. man sieht oft zwei R\u00e4ume gleichzeitig oder eine Seite wird zum Umbau mit einer gro\u00dfen Leinwand verh\u00fcllt, auf die Nahaufnahmen der S\u00e4nger und Zimmer projiziert werden. Mehrere Kamerafrauen mit Handkameras befinden sich w\u00e4hrend des Aufzugs auf der Szene. Im zweiten Aufzug ist das B\u00fchnenbild schlichter und nicht mehr zweigeteilt: Man sieht eine Art Vorhalle zum Ballsaal, in der sich die Dialoge abspielen. Ungef\u00e4hr in der Mitte des Aufzugs, als Mandryka sich von einem leidenschaftlichen Freier in einen eifers\u00fcchtigen Tyrannen verwandelt, beginnt eine Zeitreise, die uns von den 1860ern bis in die Gegenwart f\u00fchrt. Sie wird durch die Kost\u00fcme und Accessoires symbolisiert: Bei Mandrykas Zornesausbruch marschiert ein Schl\u00e4gertrupp der SA \u00fcber die Szene, nachdem die Kost\u00fcme und die T\u00e4nze, die zu sehen sind, den 20er Jahren entsprochen haben. Danach treten S\u00e4nger, Statisten und T\u00e4nzer im Stil der Nachkriegszeit gekleidet auf und am Ende des zweiten Aufzugs befinden wir uns in der Gegenwart. Das B\u00fchnenbild des dritten Aufzugs ist g\u00e4nzlich abstrakt: Die Szene ist bis auf eine gro\u00dfe Leinwand, auf der u.a. das Liebespaar Zdenka\/Matteo und ein Pistolenduell zwischen Matteo und Mandryka zu sehen sind, komplett dunkel. Die Personenregie folgt im wesentlichen den Vorgaben des Librettos. Es gibt dar\u00fcberhinaus in den beiden letzten Aufz\u00fcgen Komparsen, T\u00e4nzer und Choristen \u2013 der Chor hat in dieser Oper nur kurze Einw\u00fcrfe zu singen \u2013, die pantomimische Aktionen ausf\u00fchren, von denen ein paar vielleicht etwas zu \u00fcberdeutlich sind.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sir Donald Runnicles<\/strong> leitete das Orchester der Deutschen Oper zur\u00fcckhaltend, so wie man es von ihm gewohnt ist. D.h. den S\u00e4ngern wird zumeist der Vorrang einger\u00e4umt. Die Partitur hat rhythmisch ihre T\u00fccken und wurde ordentlich, jedoch ohne \u00dcberschwang, gespielt. Diese n\u00fcchterne Interpretation gefiel im Publikum nicht allen. Zu Beginn des ersten Aufzugs ist au\u00dferdem das Tempo recht hoch, was die Textverst\u00e4ndlichkeit beeintr\u00e4chtigt. Die s\u00e4ngerischen Leistungen waren musikalisch ohne Fehl und Tadel, doch k\u00f6nnte man stellenweise die Deklamation noch etwas verbessern. Diese Einschr\u00e4nkung gilt nicht f\u00fcr <strong>Albert Pesendorfer<\/strong> (Graf Waldner), der stimmlich und von seiner gro\u00dfen Statur und etwas steifen Erscheinung her seine Rolle angemessen auszuf\u00fcllen vermochte. \u00a0<strong>Doris Soffel<\/strong> (Adelaide) hat eine reife Stimme, sang ebenfalls gut verst\u00e4ndlich und ist eine souver\u00e4ne Darstellerin. Das ist auch<strong> Sara Jakubiak <\/strong>(Arabella), vor deren Leistung man den Hut ziehen mu\u00df. W\u00e4re man nicht vorab dar\u00fcber informiert worden, da\u00df sie mit nur wenigen Tagen Vorlaufzeit f\u00fcr eine erkrankte Kollegin eingesprungen ist, h\u00e4tte man sie f\u00fcr die Stammbesetzung dieser Inszenierung gehalten. Ihr sehr dunkler, klanglich ausgewogener Sopran, ihr ruhiges, sicheres dramatisches Spiel und die einf\u00fchlsame psychologische Gestaltung ihrer Figur, die w\u00e4hrend der Handlung einen Reifungsproze\u00df durchlebt, trugen zu einer rundum gelungenen Interpretation der Titelrolle bei. Ihr gelang es, im Gegensatz zu den kleineren Rollen, sich stets gegen das Orchester zu behaupten und lediglich in den h\u00f6chsten Passagen machte sich bei ihr eine leichte Anstrengung bemerkbar. <strong>Elena Tsallagova<\/strong> (Zdenka) spielte und sang mit viel Leidenschaft und Beweglichkeit, was zu ein paar herausstechenden Spitzent\u00f6nen f\u00fchrte. Das Leiden an ihrer Doppelidentit\u00e4t stellte sie auf der Szene und in den Filmsequenzen ergreifend heraus. <strong>Russell Braun<\/strong> (Mandryka) spielte seine Partie engagiert, hat eine ausgeglichene Stimme, k\u00f6nnte aber, wie auch<strong> Robert Watson<\/strong> (Matteo), noch etwas an der Gestaltung der deutschen Vokale arbeiten. Watson agierte in den ersten beiden Aufz\u00fcgen darstellerisch etwas aufgesetzt, vermochte aber im dritten seinem Charakter realistische Z\u00fcge zu geben.<strong> Thomas Blondelle<\/strong> (Graf Elemer) hat einen hell strahlenden Tenor, bewegt sich elegant \u00fcber die Szene und spricht gut aus. Ihre halsbrecherischen Koloraturen gestaltete<strong> Hye-Young Moon<\/strong> (Fiakermilli) so gut es eben geht. Hier verlangt die Partitur in karikierender Absicht mehr, als menschenm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Man kann sich von dieser in jeder Hinsicht lohnenden Inszenierung demn\u00e4chst daheim ein Bild machen; die Premiere wurde gefilmt und wird als DVD erscheinen. Diese Produktion, die das letzte Werk von Hofmannsthal und Strauss von mehreren Seiten gleichzeitig beleuchtet, bringt durch die in ihr vollzogene Zeitreise vor allem zwei Aspekte auf die B\u00fchne: Zum einen die Entwicklung der Hauptfigur von einer in den engen Konventionen des 19. Jahrhunderts gefangenen Dame zu einer ihrer selbst bewu\u00dften, unabh\u00e4ngigen, modernen Frau. Und zum anderen die eigenartige Stellung dieses Werkes in der Musikgeschichte, das zwar nostalgisch in das viktorianische Zeitalter zur\u00fcckblickt, aber auch die Abgr\u00fcnde, Br\u00fcche und Aufbr\u00fcche seiner Entstehungszeit in sich tr\u00e4gt. Diese Inszenierung nimmt ihre Rollen und ihre vielf\u00e4ltigen inneren Konflikte ernst, ohne jeden Vorbehalt. Es wird dabei sch\u00f6n musiziert, wenn auch, wie erw\u00e4hnt, ohne sp\u00e4tromantischen Klangrausch. Statt dessen werden die eckigen, modernistischen und ironischen Momente der Partitur herausgestellt. Einem kleinen Teil des Publikums pa\u00dfte das nicht. Die \u00fcberwiegende Mehrheit war aber mit dieser Produktion rundum zufrieden, die sich mit drei Attributen umrei\u00dfen l\u00e4\u00dft: dramaturgisch gelungen, abwechslungsreich und intelligent.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Thomas Aurin<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Doris Soffel (Adelaide), Russell Braun (Mandryka), Sara Jakubiak (Arabella),<\/p>\n<p>Albert Pesendorfer (Graf Waldner), Elena Tsallagova (Zdenka)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), Lyrische Kom\u00f6die in drei Aufz\u00fcgen, Libretto von Hugo von Hofmannsthal, UA: 1. 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