{"id":837,"date":"2009-10-13T22:17:23","date_gmt":"2009-10-13T20:17:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=837"},"modified":"2010-03-21T23:40:12","modified_gmt":"2010-03-21T22:40:12","slug":"stockholm-konigliche-oper-xerxes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=837","title":{"rendered":"Stockholm, K\u00f6nigliche Oper &#8211; XERXES"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685 \u2013 1759), Opera seria in drei Akten, Libretto von einem anonymen Verfasser nach Silvio Stampiglia und Niccol\u00f2 Minato<br \/>\nUA: 1738 London<br \/>\nRegie: Daniel Slater, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcm: Robert Inne Hopkins, Licht: Linus Fellbom<br \/>\nDirigent: Andreas Stoehr, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der K\u00f6niglichen Oper, Einstudierung: Folke Alin und Christina H\u00f6rnell<br \/>\nSolisten: Katarina Karn\u00e9us (Xerxes), Matilda Paulsson (Arsamenes), Katarina Leoson (Amastris), Lars Arvidson (Ariodates), Malin Bystr\u00f6m (Romilda), Ailish Tynan (Atalanta), Mark Stone (Elviro)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 10. Oktober 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"stockholm-xerxes.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/stockholm-xerxes.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"stockholm-xerxes.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/stockholm-xerxes.jpg\" \/><\/a>Xerxes verliebt sich in Romilda, die ihrerseits aber Xerxes Bruder Arsamenes in heimlicher Liebe zugetan ist, so wie auch Arsamenes ihr. Eine Intrige der Schwester Romildas, Atalantas, die ihrerseits Arsamenes f\u00fcr sich haben m\u00f6chte, schl\u00e4gt fehl und das Paar Arsamenes-Romilda findet schlie\u00dflich zueinander, w\u00e4hrend sich der Perserk\u00f6nig mit der inkognito erschienen ausl\u00e4ndischen Prinzessin Amastris, die verzweifelt seinem Werben um Romilda zugesehen hat und mit der er verlobt ist, verheiratet.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDaniel Slater verlegt die Handlung von der Ausstattung her in die sp\u00e4ten 1940er Jahre, d.h. sowohl die Kost\u00fcme als auch das szenische Ambiente sind einheitlich im Stile dieser Zeit gehalten. Der erste Akt spielt in einem Hotel, in dem sich Xerxes aufh\u00e4lt, sowie an einem Flughafen, der zweite und dritte z.T. in seinem B\u00fcro oder an der Br\u00fccke \u00fcber den Hellespont. Die Inszenierung betont die heiteren Momente der Handlung und erg\u00e4nzt sie, etwa durch stummfilmartige Texteinblendungen w\u00e4hrend der Szeneneinleitungen und der Ouvert\u00fcre, ohne die Oper jedoch ins L\u00e4cherliche zu ziehen. Die lyrischen Momente \u2013 also vor allem die Arien der Hauptfiguren \u2013 werden deutlich herausgearbeitet und kontrastieren mit der sonst eher fr\u00f6hlichen Grundstimmung dieser Inszenierung. Die Personenf\u00fchrung ist in sich restlos schl\u00fcssig: Sie l\u00e4\u00dft die dargestellten Charaktere deutlich werden und nimmt die Affekte, die die Musik schildert, stets ernst. Man kann die Personenregie an sich als zeitlos betrachten, so da\u00df das 40er Jahre Ambiente vollkommen austauschbar wirkt. Genausogut h\u00e4tte man die Akteure auch in barockem oder antikem Kost\u00fcm pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, denn bis auf ein paar Momente \u2013 etwa Romildas und Atalantes Streit in einem Spa \u2013 spielen die zeittypischen Requisiten keine Rolle.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie beste S\u00e4ngerin und Darstellerin des Abends war zweifelsohne <strong>Ailish Tynan<\/strong> (Atalanta), die mit ihrem neckischen Spiel und ihrer Stimmtechnik das Publikum f\u00fcr sich einnahm. Es handelt sich bei ihr klar erkennbar um eine auf das Barockrepertoire spezialisierte S\u00e4ngerin, die sowohl \u00fcber die n\u00f6tige stimmliche Beweglichkeit als auch ein sehr schlankes und leicht ansprechendes Organ verf\u00fcgt. Ein wenig unklar ist, warum sie bei manchen Spitzent\u00f6nen enorm forcierte; vielleicht geschah das, um die Textaussage komisch zu \u00fcberzeichnen, vielleicht aber auch aus Furcht, in dem ausverkauften Haus, das f\u00fcr Auff\u00fchrungen von Barockmusik beinahe schon ein wenig zu gro\u00df ist, nicht gegen das Orchester anzukommen. Tats\u00e4chlich konnte man sich n\u00e4mlich des Eindrucks nicht erwehren, da\u00df Orchester und S\u00e4nger unter der Leitung von <strong>Andreas Stoehr<\/strong> erst im Laufe des ersten Aktes zu einer klanglichen Balance fanden, nachdem die S\u00e4nger etliche Male von den Instrumenten \u00fcbert\u00f6nt worden waren. Klar erkennbar legte es der Kapellmeister auf einen vollen, kontinuierlichen und dunklen Klang an und nicht \u2013 trotz der historischen Instrumente \u2013 auf einen transparenten, artikulatorisch mitunter schon fast manierierten Klang, wie er das Erscheinungsbild der historischen Auff\u00fchrungspraxis in letzter Zeit pr\u00e4gt. Alle anderen S\u00e4nger des Abends schlugen sich wacker, auch wenn es sich bei ihnen nicht um Barockspezialisten handelte. Hervorzuheben sind <strong>Katarina Karn\u00e9us<\/strong> als Xerxes und <strong>Matilda Paulsson<\/strong> als Arsamenes, die mit geschmackvoll angebrachten, wenn auch wenigen Verzierungen aufwarteten und beide \u00fcber vollt\u00f6nende Stimmen verf\u00fcgen, die am klassisch-romantischen Repertoire geschult sind. Au\u00dferdem gelang es beiden S\u00e4ngerinnen, treffend ihre m\u00e4nnlichen Rollen mimisch darzustellen. <strong>Malin Bystr\u00f6m<\/strong> sang die tiefe Partie der Romilda souver\u00e4n, stellenweise ergreifend, und besitzt dar\u00fcberhinaus eine ausgesprochen attraktive B\u00fchnenpr\u00e4senz. <strong>Lars Arvidson<\/strong> gab seine kurze Partie mit nuanciertem Stimmeinsatz, w\u00e4hrend <strong>Mark Stone<\/strong> als Elviro die schw\u00e4chste Leistung des Abends erbrachte. Seine Stimme und sein Spiel wirkten nerv\u00f6s und unausgeglichen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nAbgesehen von der historischen Beliebigkeit in der Wahl der Ausstattung ist diese Inszenierung vollauf gelungen: B\u00fchnenbild, Musik und Spiel der S\u00e4nger bilden eine feste Einheit. Die originale Handlung wird beibehalten, wenn auch das heitere Element des Librettos unterstrichen wird. Musikalisch geht es den Interpreten weniger um eine \u2013 ohnehin kaum greifbare \u2013 auff\u00fchrungspraktische Authentizit\u00e4t, sondern um Klangsch\u00f6nheit. Man bekommt kurz gesagt weniger akrobatische Verzierungsk\u00fcnste und orchestrales Staccato als raumf\u00fcllende Stimmen und einen vielleicht etwas romantisch anmutenden Gesamtklang geboten. Eine wirklich sehenswerte Erg\u00e4nzung des Stockholmer Repertoires!<br \/>\nDr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Alexander Kenney<br \/>\nDas Bild zeigt: Katarina Karn\u00e9us (Xerxes) und Malin Bystr\u00f6m (Romilda)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685 \u2013 1759), Opera seria in drei Akten, Libretto von einem anonymen Verfasser nach Silvio Stampiglia und Niccol\u00f2 Minato UA: 1738 London Regie: Daniel Slater, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcm: Robert Inne Hopkins, Licht: Linus Fellbom Dirigent: Andreas<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=837\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,96],"tags":[],"class_list":["post-837","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-stockholm-konigliche-oper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/837","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=837"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/837\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1274,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/837\/revisions\/1274"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=837"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=837"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=837"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}