{"id":8367,"date":"2023-02-20T19:38:12","date_gmt":"2023-02-20T18:38:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8367"},"modified":"2023-02-20T19:38:12","modified_gmt":"2023-02-20T18:38:12","slug":"daphne-staatsoper-unter-den-linden-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8367","title":{"rendered":"Daphne  &#8211; Staatsoper unter den Linden, Berlin"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), bukolische Trag\u00f6die in einem Akt, Libretto von Joseph Gregor, UA: 1938 Dresden<\/p>\n<p>Dirigent: Thomas Guggeis, Staatskapelle und Staatsopernchor Berlin; Choreinstudierung: Martin Wright<\/p>\n<p>Solisten: Vera-Lotte Boecker (Daphne), Ren\u00e9 Pape (Peneios), Anna Kissjudit (Gaea), Magnus Dietrich (Leukippos), Pavel \u010cernoch (Apollo) u.v.a.<\/p>\n<p>Romeo Catellucci (Inszenierung, B\u00fchnenbild, Kost\u00fcme, Licht), Evelin Facchini (Choreographie) und viele Mitarbeiter<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Februar 2023 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Berlin-daphne_RC_253.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8368\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Berlin-daphne_RC_253.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"357\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Berlin-daphne_RC_253.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Berlin-daphne_RC_253-300x165.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Daphne, Tochter der Gaea und des Fischers Peneios, weilt am Abend des Dionysosfestes bei ihrem Lieblingsbaum. Sie f\u00fchlt sich den Pflanzen st\u00e4rker verbunden als den Menschen. Ihr Vater ruft die Sch\u00e4fer mit einem Horn zum Fest, das dem Rausch und der Zeugung gewidmet ist. Unter ihnen befindet sich Leukippos, den Daphne seit ihrer Kindheit kennt und der sie nun als erwachsener Mann zu begehren beginnt. Daphne weist ihn zur\u00fcck. Zwei M\u00e4gde \u00fcberreden ihn, sich in Frauenkleidern unter die Feiernden zu mischen, um seine Ann\u00e4herungsversuche fortsetzen zu k\u00f6nnen. Unterdessen erscheint Apollo als Hirte verkleidet, der Daphne ebenfalls begehrt und sie mit einem Ku\u00df erschreckt. Er ist eifers\u00fcchtig auf Leukippos, den er demaskiert und dem er vorwirft, das Fest des Dionysos entweiht zu haben, gibt sich als Ph\u00f6bus Apollo zu erkennen und t\u00f6tet Leukippos mit einem Blitz. Von Reue geplagt bittet er daraufhin den G\u00f6ttervater Zeus Kronion, Leukippos unter die G\u00f6tter zu versetzen und Daphne ihren Wunsch, eins mit den von ihr am meisten geliebten Gesch\u00f6pfen zu werden, zu erf\u00fcllen. Sie verwandelt sich in einen Lorbeerbaum.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Schon beim ersten Blick auf die B\u00fchne wurde deutlich, da\u00df es sich die Regie zum Ziel gesetzt hatte, das Werk geh\u00f6rig gegen den Strich zu b\u00fcrsten. Statt einer hei\u00dfen, trockene, griechischen Landschaft befinden wir uns in einer arktischen Polarnacht. Es schneit st\u00e4ndig, die B\u00fchne ist dunkel \u2013 auch wenn die Beleuchtung sich h\u00e4ufig stimmungsvoll \u00e4ndert und ein paar Polarlichter angedeutet werden \u2013 und die Akteure laufen in dicker Winterbekleidung herum, mit einer Ausnahme: Daphne entledigt sich bereits bei ihrem ersten Monolog ihrer Kleider und singt dann fast den ganzen Abend \u00fcber in Unterw\u00e4sche. Apollo entsteigt einem klassischen Relief, das sich aus dem Schnee erhebt, die Fischer um Peneios angeln auf dem Eis und rituelle Handlungen werden mit wenigen Requisiten nur angedeutet. So liegt Daphne w\u00e4hrend der Dionysosfeier auf einem schlichten wei\u00dfen Altar und scheint zu bluten, der enttarnte Leukippos wird mit einem Kanister Blut \u00fcbergossen, der auf einer S\u00e4ule im auf ihn Vordergrund wartet, die M\u00e4nner wappnen sich f\u00fcr die Zeremonie mit Thyrsosst\u00e4ben und Daphnes Begegnung mit Apollo gipfelt im Tausch seines wei\u00dfen Mantels, den er ihr \u00fcberzieht. Das entscheidende Requisit, der Baum, der Daphnes bester Freund ist, ist ein d\u00fcrres, kahles Gew\u00e4chs, das sie am Ende der Oper ausrei\u00dft und das im Zentrum der B\u00fchne schweben bleibt, w\u00e4hrend sie sich bei ihrer Verwandlung mit dunkler Farbe einreibt und im Schnee vergr\u00e4bt. Die Choreographie der Ch\u00f6re war beweglich. Allerdings sangen die Solisten h\u00e4ufig nach Art von Konzerts\u00e4ngern nebeneinander stehend frontal ins Publikum hinein. Bei der B\u00fchnentechnik kam es an diesem Abend zu ein paar Zwischenf\u00e4llen. Mitunter polterte es laut im Hintergrund und beim ersten Vorhang nach dem St\u00fcck hatten die B\u00fchnentechniker es noch nicht geschafft, die Szene zu verlassen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00fcppige, st\u00e4ndig changierende, farbige Orchester und die dunkle, an Farben arme und monotone B\u00fchne stehen in seltsamem Kontrast zueinander. <strong>Thomas Guggeis<\/strong> dirigierte die Staatskapelle sicher und pr\u00e4sentierte viele klanglich sch\u00f6n austarierte Passagen. Doch war das gro\u00dfbesetzte Orchester stellenweise zu laut f\u00fcr die S\u00e4nger. <strong>Vera-Lotte Boecker<\/strong> hat eine jugendliche, bewegliche Stimme von gro\u00dfer Strahlkraft, mit der sie ihre exzeptionell anspruchsvolle Partie mit scheinbarer Leichtigkeit meisterte. Darstellerisch war ihr Vortrag ebenso beweglich und engagiert und sie trug mit ihrer Leistung die nicht gerade verst\u00e4ndliche Handlung, die an diesem Abend dem Publikum pr\u00e4sentiert wurde. <strong>Ren\u00e9 Pape<\/strong> gab einen erhaben \u00fcber die Szene schreitenden und stimmlich vollen Peneios. Seine Leistung wurde allerdings von <strong>Anna Kissjudit<\/strong> als Gaea in den Schatten gestellt. Ihre tiefen Brustt\u00f6ne waren unglaublich volumin\u00f6s und standen klanglich klar \u00fcber dem Orchester. <strong>Magnus Dietrich<\/strong> (Leukippos) sang und spielte kraftvoll und mit gro\u00dfer Hingabe. Seine Stimme hat eine sch\u00f6ne Spitze, die <strong>Pavel \u010cernoch<\/strong> (Apollo) ein wenig fehlt. Auch wenn er keine kleine Stimme hat, klang sie doch \u00fcber weite Strecken etwas verschleiert. Darstellerisch ist er hingegen eine eindrucksvolle Erscheinung. Der Text war bei den M\u00e4nnern recht schlecht zu verstehen, was aber auch zu einem guten Teil der Komposition geschuldet sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Den ausbleibenden Erfolg von Strauss\u2018 <em>Daphne<\/em> hat man oft dem Libretto angelastet. Man kann die recht statuarische Dramaturgie, die gestelzte Sprache oder auch die nicht sonderlich stringente Entwicklung der Handlung in der Tat kritisch sehen. Statt jedoch zu versuchen, Klarheit in diese schwer verst\u00e4ndliche Oper zu bringen, lud man sie mit zus\u00e4tzlichen Symbolen und Bedeutungsebenen auf. Der dunklen Szene entsprach an diesem Abend der dunkle Sinn der Inszenierung. Das ist nicht immer von Schaden und lie\u00df einige ergreifende Momente \u2013 den Auftritt Apollos und seine Begegnung mit Daphne etwa \u2013 entstehen. Dann gab es aber auch ein paar Einf\u00e4lle, die \u00fcberaus schlicht und plakativ daherkamen, etwa Daphnes an den Gekreuzigten erinnernde Seitenwunde, die thematisch ziemlich deplaziert daherkam, oder (unfreiwillig?) komische Momente, etwa, wenn Daphne dem vom Blitz getroffenen Leukippos eine Herz-Lungen-Massage verpa\u00dft. Es mag dieser Inszenierung eine tiefgr\u00fcndige einheitliche Idee zugrunde liegen. Erschlossen hat sie sich mir in dem Falle aber nicht.<\/p>\n<p>Dadurch, da\u00df die Handlung recht schemenhaft bleibt \u2013 sowohl inhaltlich als auch visuell \u2013, tritt die Musik umso st\u00e4rker in den Vordergrund. Das ist vielleicht das gr\u00f6\u00dfte Verdienst dieser Auff\u00fchrung, der Musik den Vortritt zu lassen, denn die Qualit\u00e4t der musikalischen Darbietungen lie\u00df die Sch\u00f6nheit dieses Sp\u00e4twerkes voll zur Geltung kommen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Pavel \u010cernoch (Apollo), Ren\u00e9 Pape (Peneidos), Anna Kissjudit (Gaea), Herren des Staatsopernchores<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), bukolische Trag\u00f6die in einem Akt, Libretto von Joseph Gregor, UA: 1938 Dresden Dirigent: Thomas Guggeis, Staatskapelle und Staatsopernchor Berlin; Choreinstudierung: Martin Wright Solisten: Vera-Lotte Boecker (Daphne), Ren\u00e9 Pape (Peneios), Anna Kissjudit (Gaea), Magnus Dietrich (Leukippos), Pavel<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8367\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8368,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,1],"tags":[],"class_list":["post-8367","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berlin-staatsoper-unter-den-linden","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8367"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8369,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8367\/revisions\/8369"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8368"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}