{"id":8346,"date":"2022-10-07T16:53:34","date_gmt":"2022-10-07T15:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8346"},"modified":"2022-10-09T16:55:32","modified_gmt":"2022-10-09T15:55:32","slug":"siegfried-berlin-staatsoper-unter-den-linden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8346","title":{"rendered":"Siegfried &#8211; Berlin, Staatsoper Unter den Linden"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em> in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1876 Bayreuth<\/p>\n<p>Inszenierung und B\u00fchnenbild: Dmitri Tcherniakov, Kost\u00fcme: Elena Zaytseva, Licht: Gleb Filshtinsky, Video: Alexey Poluboyarinov, Dramaturgie: Tatiana Werestchagina und Christoph Lang<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Staatskapelle Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Andreas Schager (Siegfried), Stephan R\u00fcgamer (Mime), Michael Volle (Wanderer), Johannes Martin Kr\u00e4nzle (Alberich), Peter Rose (Fafner), Anna Kissjudit (Erda), Anja Kampe (Br\u00fcnnhilde), Victoria Randem (Waldvogel)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. Oktober 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-siegfried_B_276.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8347\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-siegfried_B_276.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"441\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-siegfried_B_276.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-siegfried_B_276-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Siegfried, der Sohn der Geschwister Siegmund und Sieglinde, wird von Alberichs Bruder, dem Zwerg Mime, einsam im Wald aufgezogen. Mimes heimliches Ziel ist es, den starken und furchtlosen J\u00fcngling gegen den Drachen Fafner aufzustacheln, damit er ihn t\u00f6te und seinem Ziehvater so den Ring verschaffe. Doch Siegfried begehrt gegen Mime auf. Er zwingt ihn, ihm den Namen seiner Mutter zu nennen und schmiedet sich aus den Tr\u00fcmmern des Schwertes Nothung ein neues Schwert, mit dem er zur Drachenh\u00f6hle aufbricht. Als er den Riesenwurm Fafner get\u00f6tet hat, bringt er den Ring an sich und erkennt nun die List und Berechnung Mimes. Aus Zorn bringt er ihn um und macht sich auf zum Br\u00fcnnhildefelsen, um dort die Walk\u00fcre zu erwecken. Den Weg dorthin versperrt ihm der Wanderer, der durch die Menschenwelt streifende Gott Wotan, und es kommt zum Kampf. Wotans Speer, der ihm die Macht \u00fcber die Welt sicherte, wird zerschlagen und seine Herrschaft neigt sich damit dem Ende zu. Siegfried durchbricht den Feuerkreis, weckt Br\u00fcnnhilde und beide entbrennen in Liebe zueinander.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist von den vergangenen zwei Teilen her bekannt. Wir sehen abwechselnd Wotans B\u00fcro, Siegfrieds Kinderzimmer, den Repr\u00e4sentationssaal des Instituts und einen Korridor mit Fahrstuhl. Die Drehb\u00fchne rotiert in den ersten beiden Aufz\u00fcgen beinahe st\u00e4ndig im Uhrzeigersinn, was zu einem Hintergrundsl\u00e4rm f\u00fchrt, der in den leisen Passagen st\u00f6rt. Siegfried ist ein verhaltensauff\u00e4lliger Jugendlicher im Trainingsanzug, der, w\u00e4hrend er die Schmiedelieder im ersten Aufzug singt, seine Spielsachen anz\u00fcndet und sein Kinderzimmer mit einem gro\u00dfen Hammer zertr\u00fcmmert. Im zweiten Aufzug k\u00e4mpft er dann mit einem verwahrlosten alten Fafner in Zwangsjacke. Der zweite Akt wird szenisch als psychologisches Experiment (oder der Versuch einer Therapie?) zur Aggressionsbew\u00e4ltigung gestaltet, das damit schlie\u00dft, das Siegfried nicht nur Fafner, sondern auch seinen Aufseher (?) Mime t\u00f6tet. Der Waldvogel ist eine Psychologin, die Siegfried mit einem ferngesteuerten Vogel zum Lachen bringt. Mime, Alberich und Wotan sind stark gealtert und machen sich, wo sie nur k\u00f6nnen, gegenseitig das Leben schwer. Br\u00fcnnhilde wird von Siegfried im Schlaflabor entdeckt und wachgek\u00fc\u00dft. Die aus den vorigen Teilen bekannten stummen Nebenrollen \u2013 Institutsmitarbeiter und -verwaltung \u2013 tauchen wieder auf. Welche Funktion Erda in diesem institutsinternen Kosmos hat, bleibt im Unklaren. Wie in den vorigen Teilen auch wird auf jegliche spektakul\u00e4ren Effekte \u2013 etwa den Kampf mit dem Drachen oder Siegfrieds Durchschreiten des Feuers \u2013 verzichtet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>An diesem Abend lief es musikalisch nicht optimal. Unter der Leitung von <strong>Christian Thielemann<\/strong> gab es vor allem im ersten Aufzug Unstimmigkeiten im Orchester und zwischen Instrumentalisten und S\u00e4ngern. W\u00e4hrend des ersten Teils der Wissenswette zwischen Mime und Wanderer fielen ein paar Eins\u00e4tze aus. Der S\u00e4nger des Wanderers, <strong>Michael Volle<\/strong>, war so dazu gezwungen, Melodien zu improvisieren, was ihm mit erstaunlicher Ruhe und Souver\u00e4nit\u00e4t gelang. \u00dcberhaupt ist die Professionalit\u00e4t dieses S\u00e4ngers in musikalischer und darstellerischer Hinsicht eindrucksvoll so wie seine Wandlungsf\u00e4higkeit und Sicherheit in der Wahl der Mittel. Er vermag gebieterisch seine langen T\u00f6ne zu singen und darstellerisch kurze humoristische Gesten einzuf\u00fcgen, ohne dadurch seine Figur ins L\u00e4cherliche zu ziehen. Im ersten und zweiten Aufzug fehlte es ein wenig an artikulatorischer Feinarbeit im Orchester. Die erste H\u00e4lfte des dritten Aufzugs gelang ausgezeichnet, doch in der anderen H\u00e4lfte nahm der Dirigent die Tempi zu breit, was der S\u00e4ngerin der Br\u00fcnnhilde, <strong>Anja Kampe<\/strong>, Probleme bereitete. Ihr Ansatz der Spitzent\u00f6ne \u2013 ein c\u2018\u2018\u2018 \u2013 war gewaltsam und unsch\u00f6n. Ihre Rolle wird bisher etwas zu passiv gestaltet, d.h. Br\u00fcnnhilde erscheint mach wie vor lediglich als sympathische, treu-folgsame Tochter ihres Vaters, ohne rebellische oder heroische Anwandlungen. Auffallend waren an diesem Abend auch etliche anscheinend spontane Textvarianten und Ungenauigkeiten der Eins\u00e4tze bei den S\u00e4ngern.<\/p>\n<p><strong>Andreas Schager<\/strong> (Siegfried) ist darstellerisch phasenweise ein wenig einfallslos. So steht er in der zweiten H\u00e4lfte des letzten Aufzugs fast nur l\u00e4chelnd mit den H\u00e4nden in den Hosentaschen auf der Szene. Stimmlich vermochte er hingegen zu begeistern mit seinen kraftvollen hohen T\u00f6nen, die m\u00fchelos durch den dichten Orchesterklang vor allem des letzten Aufzuges hindurchdrangen. Auch bei den Schmiedeliedern kamen sie sch\u00f6n zum Tragen, die Christian Thielemann recht langsam nahm, ohne es allerdings damit so zu \u00fcbertreiben wie auf seiner Aufnahme von den Bayreuther Festspielen von 2008 (vgl. <em>operapoint<\/em> 10 Nr. 3, S. 49). Schagers Leistung verbesserte sich im Laufe des Abends. Im ersten Aufzug war seine Tongebung dynamisch und vom Timbre her uneben. D.h. neben den langen, hohen T\u00f6nen, die klar herausstachen, fielen die kurzen Endsilben oft nach hinten und waren kaum zu h\u00f6ren. Au\u00dferdem deutete sich bei ihm zu Beginn ein unausgeglichenes Tremolo an, das er in den beiden letzten Aufz\u00fcgen jedoch unter Kontrolle bekam. <strong>Stephan R\u00fcgamer<\/strong> (Mime) bewegte sich \u2013 vielleicht ein wenig zu stereotyp \u2013 mit vielen Ticks und Zuckungen \u00fcber die B\u00fchne. Deutliche Aussprache und klare Tongebung kennzeichneten seine wie auch <strong>Johannes Martin Kr\u00e4nzles<\/strong> (Alberich) Leistungen, der mit einer Gehhilfe \u00fcber die B\u00fchne wankte und schauspielerisch \u00fcberragend ist. <strong>Peter Rose<\/strong> (Fafner) sang seine Partie korrekt, aber nicht imponierend. <strong>Anna Kissjudit<\/strong> (Erda) hat eine volumin\u00f6se Tiefe und agierte gemessen und ausdrucksvoll und <strong>Victoria Randem<\/strong> (Waldvogel) hat eine sch\u00f6ne Tongebung und eine einnehmende Erscheinung auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Verglichen mit den vorangegangenen Teilen war der <em>Siegfried<\/em> musikalisch noch etwas unfertig und darstellerisch heterogen. Beeindruckende schauspielerische Leistungen wie diejenige Michael Volles und originelle szenische Einf\u00e4lle wie die Zerlegung von Siegfrieds Kinderzimmer kontrastierten mit eher statischen, unbestimmt zwischen Ironie und Ernst schwankenden Episoden wie der letzten Szene des St\u00fcckes, in der die beiden S\u00e4nger mehr oder weniger konventionell auf der B\u00fchne standen und im Kreise liefen. Das B\u00fchnenbild und die gealterten Figuren setzen die Geschichte von Wotans unheimlicher Menschenversuchsanstalt fort, jedoch wiederum mit einigen erz\u00e4hlerischen Inkonsequenzen. Das Publikum feierte zu Recht die dramatischen S\u00e4nger, allen voran Andreas Schager in der Titelrolle.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Andreas Schager (Siegfried), unten: Stephan R\u00fcgamer (Mime)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1876 Bayreuth Inszenierung und B\u00fchnenbild: Dmitri Tcherniakov, Kost\u00fcme: Elena Zaytseva, Licht: Gleb Filshtinsky, Video: Alexey Poluboyarinov, Dramaturgie: Tatiana Werestchagina und Christoph<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8346\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8347,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,1],"tags":[],"class_list":["post-8346","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berlin-staatsoper-unter-den-linden","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8346"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8348,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8346\/revisions\/8348"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8347"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}