{"id":8343,"date":"2022-10-04T18:11:41","date_gmt":"2022-10-04T17:11:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8343"},"modified":"2022-10-05T18:16:15","modified_gmt":"2022-10-05T17:16:15","slug":"miranda-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8343","title":{"rendered":"Miranda &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von: Henry Purcell (1659-1695) Semi-Opera (eine Art Vaudeville) nach William Shakespeare, Libretto: Cordelia Lynn, UA: 2. Oktober 2022, K\u00f6ln<\/p>\n<p>Regie: Katie Mitchell, B\u00fchne: Chloe Lamford, Kost\u00fcme: Sussie Juhlin-Wall\u00e9n<\/p>\n<p>Dirigent: George Petrou und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Adriana Bastidas-Gamboa (Miranda), Alastair Miles (Prospero), Emily Hindrichs (Anna), Ed Lyon (Ferdinand), John Heuzenroeder (Pastor), Jakob Geppert (Anthony)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Oktober 2022<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Koeln-Miranda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8344\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Koeln-Miranda.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Koeln-Miranda.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Koeln-Miranda-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die junge Frau Miranda hat sich das Leben genommen und ihre Familie betrauert bei der Beerdigung ihren Tod. Eine verschleierte Braut unterbricht die Zeremonie und will die wahre Geschichte von Miranda erz\u00e4hlen. Unter ihrer Leitung spielen Schauspieler das verst\u00f6rende Leben der Miranda nach und zeigen, wie sie von ihrem Vater vergewaltigt und als Kind verheiratet wird. Die Braut ist in Wahrheit Miranda, die ihren Vater und ihren Mann mit ihren Traumata konfrontieren will. Ferdinand, Mirandas Mann, bittet sie um Verzeihung, doch ihr Vater Prospero weigert sich, seine Fehler zuzugeben. Miranda verl\u00e4\u00dft mit ihrem Mann und ihrem Sohn die Kirche. W\u00e4hrenddessen tr\u00e4umt Prospero von Selbstmord.<\/p>\n<p>Vorbemerkung<\/p>\n<p>Bei der Oper handelt es sich um ein Projekt, f\u00fcr das Musik von Purcell rund um die Geschichte der Miranda aus Shakespeares <em>Sturm<\/em> arrangiert wurde. Bei der Musik handelt es sich sowohl um theatrale Semi-Opera-Kompositionen als auch geistliche St\u00fccke. Ziel des Experiments sollte es sein, das au\u00dfergew\u00f6hnliche Repertoire wieder zum Leben zu erwecken und der Semi-Opera ihre urspr\u00fcngliche Bestimmung zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt das Innere einer Kirche mit Betonw\u00e4nden, Altar, Gebetst\u00fchlen und weiteren Kirchensymbolen. Die Kost\u00fcme sind zeitlos in Schwarzt\u00f6nen gehalten und spiegeln die trauernde Beerdigungsgesellschaft wider. Die Frauen tragen schlichte Kost\u00fcme, die Herren Anz\u00fcge. Der Fokus der Inszenierung liegt klar auf der musikalischen Darbietung und der Entwicklung einer d\u00fcsteren, tragischen Atmosph\u00e4re, die besonders durch die sakrale Musik Purcells unterstrichen wird. Mirandas Geschichte wird durch ein Alter Ego repr\u00e4sentiert, die sich Masken von Prospero, Miranda und Ferdinand vor das Gesicht halten. Adriana Bastidas-Gamboa tr\u00e4gt unter ihrem Hochzeitskleid eine schwarze Maske, die sie erst zum Schlu\u00df abzieht, um ihre wahre Identit\u00e4t zu enth\u00fcllen und zielt mit einem Revolver auf die Gesellschaft, um sich Geh\u00f6r zu verschaffen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Ouvert\u00fcre wird von <strong>George Petrou<\/strong> mit einem schweren und gleichm\u00e4\u00dfigen Dirigat er\u00f6ffnet. Das Orchester, das in der typisch barocken Instrumentierung besetzt ist, erzeugt eine tief melancholische Stimmung, die an einen Trauermarsch erinnert. <strong>Adriana Bastidas-Gamboa<\/strong> (Miranda) singt und spielt die Titelrolle bravour\u00f6s und bietet damit mehrere H\u00f6hepunkte. Ihr warmer Mezzosopran f\u00fcllt die Tiefe anmutig und schwer aus. In der H\u00f6he steigert sie sich in den Spitzent\u00f6nen und erzeugt einen ausgewogenen Klang. Die den Verzweiflungsanstrich ihrer Rolle bringt sie durch Anschwellen ihrer Stimme besonders gut zum Ausdruck, die sie in den barocken Arien mit vielen Verzierungen und Koloraturen sehr versiert und technisch gekonnt einsetzt. Dabei legt sie sehr viel Wert auf eine extrovertierte Aktion und zeigt auch in aggressiven Gesten wie sie ihren Vater und ihren Mann bedroht und sie \u00f6ffentlich denunziert.<\/p>\n<p>Ihre Gegenspielerin <strong>Emily Hindrichs<\/strong> (Anna) \u00fcberzeugt durch einen glockenklaren Sopran, der die Unschuld ihrer Rolle gut verk\u00f6rpert und in der H\u00f6he wundersch\u00f6n brilliert. Die Trauer \u00fcber die dunkle Vergangenheit ihres Mannes, spielt sie als schwangere Frau durch sehr viele zerbrechlich anmutende einf\u00fchlsame Gesten, h\u00e4lt ihre Hand z.B. mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Bauch, wobei sie sich von ihrem Mann abwendet.<\/p>\n<p><strong>Alastair Miles<\/strong> (Prospero) dagegen betont mit seinem d\u00fcsteren Ba\u00df und scharf, akzentuierten Gesang seine Wut und Aggressivit\u00e4t. Dabei verf\u00fcgt seine Stimme \u00fcber ein gro\u00dfes Volumen, das er gekonnt einsetzt, um seine Machtposition als Vater und Familienoberhaupt zu verdeutlichen. <strong>Ed Lyon<\/strong> (Ferdinand) schl\u00e4gt mit seinem Tenor mit hellem metallischen Timbre eher sanftere und gef\u00fchlvolle T\u00f6ne an. Dabei l\u00e4\u00dft er seine Stimme besonders in der H\u00f6he eindrucksvoll poltern und bringt die Trauer \u00fcber den Verlust seiner Frau auf vielf\u00e4ltige Weise zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Ein besonderer H\u00f6hepunkt ist auch die Leistung von <strong>Jakob Geppert<\/strong> (Anthony), der in seinem jungen Alter schon ein erstaunlich technisches K\u00f6nnen an den Tag legt. Mit seiner Knabenstimme erreicht er die hohen T\u00f6ne sehr gut und klingt dabei unschuldig und sehr rein. Den Verlust seiner Mutter bringt er durch eine gebeugte Haltung und Zusammenkauern vor ihrem Sarg zum Ausdruck. Auch der Chor besticht in den kirchlichen Partien durch einen sehr ausbalancierten Klang und erzeugt so sehr viele r\u00fchrende Trauermomente.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine sehr tragische und nachdenklich stimmende Inszenierung, die besonders durch die hervorragende musikalische Leistung besticht. Die Musik Purcells ist wunderbar arrangiert, auch wenn man sich mehr an eine Messe als an eine Oper erinnert f\u00fchlt. Publikumslieblinge sind Adriana Bastidas-Gamboa, Alastair Miles und Ed Lyon. F\u00fcr Liebhaber von Purcell und Barockmusik eine absolut sehenswerte Auff\u00fchrung!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Sandra Then<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Alastair Miles (Prospero), Ed Lyon (Ferdinand), John Heuzenroeder (Pastor), Emily Hindrichs (Anna), Chor der Oper K\u00f6ln, Mitglieder des Internationalen Opernstudios der Oper K\u00f6ln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von: Henry Purcell (1659-1695) Semi-Opera (eine Art Vaudeville) nach William Shakespeare, Libretto: Cordelia Lynn, UA: 2. 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