{"id":8339,"date":"2022-10-04T18:00:15","date_gmt":"2022-10-04T17:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8339"},"modified":"2022-11-14T11:28:45","modified_gmt":"2022-11-14T10:28:45","slug":"die-walkuere-berlin-staatsoper-unter-den-linden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8339","title":{"rendered":"Die Walk\u00fcre &#8211; Berlin, Staatsoper Unter den Linden"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), erster Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em> in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1870 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Inszenierung und B\u00fchnenbild: Dmitri Tcherniakov, Kost\u00fcme: Elena Zaytseva, Licht: Gleb Filshtinsky, Video: Alexey Poluboyarinov, Dramaturgie: Tatiana Werestchagina und Christoph Lang<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Staatskapelle Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Robert Watson (Siegmund), Mika Kares (Hunding), Michael Volle (Wotan), Vida Miknevi\u010di\u016bt\u0117 (Sieglinde), Claudia Mahnke (Fricka), Anja Kampe (Br\u00fcnnhilde), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Oktober 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-walkuere.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8340\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-walkuere.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"427\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-walkuere.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Berlin-Staatsoper-walkuere-300x197.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde findet in ihrer H\u00fctte einen fremden Mann vor, der sich auf der Flucht befindet. Er stellt sich ihr und ihrem Mann Hunding als Wehwalt vor. Bei der Erz\u00e4hlung seiner Flucht kommt heraus, da\u00df er ein Feind von Hundings Sippe ist. Hunding gew\u00e4hrt ihm Asyl f\u00fcr eine Nacht und k\u00fcndigt an, ihm am n\u00e4chsten Tag nachzusetzen. Alle begeben sich zur Ruhe. Sieglinde, die ihren Gatten bet\u00e4ubt hat, erscheint. Siegmund offenbart ihr seine wahre Identit\u00e4t und zieht das Schwert Nothung aus dem Stamm einer Esche, die in der H\u00fctte steht. Beide entdecken, da\u00df sie Zwillingsgeschwister sind und verlieben sich ineinander. Daraufhin stellt Fricka, die Schutzg\u00f6ttin der Ehe, ihren Gatten Wotan zur Rede. Siegmund und Sieglinde sind seine au\u00dferehelichen Kinder, ebenso wie die Walk\u00fcre Br\u00fcnnhilde. Die Walk\u00fcren haben gefallene Helden nach Walhall zu bringen, die die G\u00f6tterburg vor einem Angriff Alberichs verteidigen sollen. Siegmund soll den Ring des Nibelungen an sich bringen. Doch, wie Fricka Wotan darlegt, w\u00e4re das ein Versto\u00df gegen seine eigenen Gesetze. Wotan befiehlt Br\u00fcnnhilde daher, Siegmund im Kampf mit Hunding sterben zu lassen. Sie erscheint Siegmund und verk\u00fcndet ihm seinen baldigen Tod. Von Schmerz \u00fcberw\u00e4ltigt droht er damit, sich und seine ohnm\u00e4chtige Zwillingsschwester zu t\u00f6ten. Br\u00fcnnhilde empfindet Mitgef\u00fchl und setzt sich \u00fcber Wotans Befehl hinweg, der selbst in den Kampf eingreift und Hunding den Sieg davontragen l\u00e4\u00dft. Unterdessen sammeln sich die Walk\u00fcren, um nach Walhall zu ziehen. Br\u00fcnnhilde bittet sie um Hilfe f\u00fcr Sieglinde, die von Siegmund ein Kind erwartet, doch vergebens. Sieglinde flieht allein in den Wald und Br\u00fcnnhilde erwartet ihren zornigen Vater, der sie aus Walhall verst\u00f6\u00dft. Er versenkt sie in Schlaf und schlie\u00dft einen Kreis aus Feuer um ihren Felsen, der nur von demjenigen, der seinen Speer nicht f\u00fcrchtet, durchbrochen werden kann.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme entsprechen gegenw\u00e4rtigen Standards, d.h. verglichen mit dem vorangegangenen <em>Rheingold<\/em> befinden wir uns in einer sp\u00e4teren Epoche. Das B\u00fchnenbild im ersten Aufzug zeigt Wotans B\u00fcro mit Blick auf die Wohnung Hundings. Hunding ist ein Wachmann, der von der Arbeit nach Hause kommt und sich von Sieglinde das Abendessen servieren l\u00e4\u00dft, das er unger\u00fchrt verzehrt, w\u00e4hrend Siegmund von seiner Flucht berichtet. Es handelt sich bei Siegmund um einen entflohenen Str\u00e4fling mit psychischen Problemen. In Hundings Wohnung findet auch die Auseinandersetzung zwischen Fricka und Wotan sowie Wotans langer Monolog statt. Die beiden W\u00e4lsungen fliehen in die Katakomben von Wotans Versuchsanstalt, wo sie sich in einer Werkstatt verstecken. Siegmund wird nicht get\u00f6tet, sondern von Polizisten in Krawalluniform w\u00e4hrend des instrumentalen Nachspiels abgef\u00fchrt. Der letzte Aufzug findet im Vorlesungssaal des Instituts statt. Die Walk\u00fcren sehen sich w\u00e4hrend der ersten Szene auf einer Leinwand Psychogramme von Versuchspersonen (oder Insassen der Anstalt?) an. Wie schon im vorangegangenen <em>Rheingold<\/em> werden spektakul\u00e4re Effekte bewu\u00dft vermieden bzw. Erwartungen der Zuschauer absichtlich entt\u00e4uscht. Der Kampf zwischen Hunding und Siegmund f\u00e4llt aus und der Feuerzauber findet nicht wirklich statt, sondern Br\u00fcnnhilde stellt sich in einen Stuhlkreis und malt mit einem Stift ein paar Flammen auf die M\u00f6bel. Es gibt kleine, humoristische Einschl\u00e4ge im darstellerischen Spiel, etwa, wenn Wotan sich zornig versucht, eine Zigarette anzuz\u00fcnden oder Hunding sich mit sichtbar schwerem Kopf im zweiten Aufzug aus dem Bett sch\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Wieder einmal steht das erstklassig aufspielende Orchester unter der Leitung <strong>Christian Thielemanns<\/strong> im Zentrum des musikalischen Geschehens. Die instrumentatorischen Finessen der Partitur werden sch\u00f6n herausarbeitet \u2013 etwa in Wotans Monolog, den kurzen, das stumme Spiel der Zwillingsgeschwister untermalenden Orchesterepisoden und nicht zuletzt dem bekannten Walk\u00fcrenritt \u2013, das Tempo wird wie gewohnt eher zur\u00fcckgenommen, was die S\u00e4nger mitunter zu Tondehnungen nach Art einer Fermate n\u00f6tigt, und sehr flexibel gestaltet. Die schw\u00e4chste s\u00e4ngerische Leistung dieses Abends erbrachte <strong>Robert Watson<\/strong> (Siegmund), der allerdings auch einen unkonventionellen, sich linkisch und \u00e4ngstlich \u00fcber die B\u00fchne bewegenden Siegmund zu geben hat. Seine Stimme hat ein baritonales Timbre und klingt nicht strahlend und klar. Das passte zwar zu dem Charakter, den er zu geben hatte, wurde aber vom Publikum nicht honoriert. Hinzu kommen eine etwas undeutliche Aussprache und leichte rhythmische Unsicherheiten. <strong>Vida Miknevi\u010di\u016bt\u0117<\/strong> beeindruckte als Sieglinde mit einer kr\u00e4ftigen Stimme, guter Aussprache und h\u00f6chst engagiertem darstellerischen Spiel. Die Regie verlangt ihr einiges ab. Sie hat mehrfach zu kollabieren, panisch zu zittern und zu schlafwandeln. Dabei atmet sie etwas zu h\u00e4ufig keuchend ein. <strong>Mika Kares<\/strong> sang ordentlich und gab einen eiskalten, brutalen Hunding. Er verf\u00fcgt \u00fcber eine sehr deutliche Mimik. <strong>Claudia Mahnke<\/strong> (Fricka) sang und spielte ihre Rolle grundsolide. Zwar ist ihre Stimme etwas spr\u00f6de, doch beh\u00e4lt sie stets die Kontrolle \u00fcber ihre Tongebung. Es bleiben die beiden l\u00e4ngsten und schwersten Partien der Walk\u00fcre: <strong>Michael Volle<\/strong> (Wotan) agiert wirklich lebhaft und abwechslungsreich. Er hat viele stumme Gesten und untermalte seinen langen Monolog mit nat\u00fcrlich anmutenden, sch\u00f6n nuancierten Geb\u00e4rden. Sein Vortrag hat eine immense klangliche Bandbreite. Er verf\u00fcgt \u00fcber sprecherische wie auch rauhe T\u00f6ne, kr\u00e4ftige, fast schon tenorale Spitzent\u00f6ne, ein volumin\u00f6ses Mittelregister und eine makellose Aussprache. Leider zeigten sich aber bei ihm wie auch bei<strong> Anja Kampe<\/strong> (Br\u00fcnnhilde) vor allem in der letzten Szene Unsicherheiten im Text. Die S\u00e4ngerin der Titelpartie hat wie der S\u00e4nger des Siegmund von der Regie eine nicht sonderlich dankbare Aufgabe zugewiesen bekommen. Ihr Outfit ist nicht sehr elegant und sie bekam keine Gelegenheit, ihre Rolle individuelle Z\u00fcge zu verleihen, weder in der Todesverk\u00fcndigung noch bei Wotans Abschied. Ihre Br\u00fcnnhilde ist eine nette Person, blieb jedoch etwas bla\u00df und das, obwohl ihre K\u00f6rpersprache bisweilen abrupt umschl\u00e4gt. So trat sie mit altert\u00fcmlich anmutenden, weiten Armbewegungen im zweiten Aufzug auf, stand dann aber im weiteren Verlauf phasenweise ein wenig teilnahmslos auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die musikalische Entdeckungsreise in die Welt der Wagner\u2019schen Kl\u00e4nge nahm an diesem Abend ihren gegl\u00fcckten Fortgang. Der Reichtum artikulatorischer und dynamischer Nuancen lie\u00df eine F\u00fclle von Details zutage treten. Die Inszenierung bietet packende, aber auch entt\u00e4uschende und nicht ganz logische Momente. Warum f\u00e4ngt Wotan im dritten Aufzug beispielsweise wieder Sieglinde ein und wieso und wohin verschwindet sie danach? Das Spiel der Akteure ist physisch intensiv, aber nicht ganz frei von Stereotypen. So haben Wotan und Hunding bei ihren Zornesausbr\u00fcchen stets M\u00f6bel umzuwerfen und Gegenst\u00e4nde von den Tischen zu fegen, wohingegen die weiblichen Charaktere \u2013 mit Ausnahme Sieglindes \u2013 eher passiv und zur\u00fcckhaltend, vielleicht sogar ein wenig ironisierend agieren. Die Verkn\u00fcpfung mit der abgewandelten Handlung des <em>Rheingold<\/em> ist ein wenig lose. Doch werden die beiden verbleibenden Teile hier m\u00f6glicherweise etwas mehr Klarheit bringen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Robert Watson (Siegmund), Vida Miknevi\u010di\u016bt\u0117 (Sieglinde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), erster Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1870 M\u00fcnchen Inszenierung und B\u00fchnenbild: Dmitri Tcherniakov, Kost\u00fcme: Elena Zaytseva, Licht: Gleb Filshtinsky, Video: Alexey Poluboyarinov, Dramaturgie: Tatiana Werestchagina und Christoph<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8339\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8340,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,134],"tags":[],"class_list":["post-8339","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-featured"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8339","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8339"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8339\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8341,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8339\/revisions\/8341"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8340"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8339"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8339"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}