{"id":833,"date":"2009-10-11T20:23:34","date_gmt":"2009-10-11T18:23:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=833"},"modified":"2010-03-21T23:41:04","modified_gmt":"2010-03-21T22:41:04","slug":"bremen-theater-eine-florentinische-tragodie-der-zwerg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=833","title":{"rendered":"Bremen, Theater &#8211; EINE FLORENTINISCHE TRAG\u00d6DIE &#8211; DER ZWERG"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>Eine florentinische Trag\u00f6die<\/em><br \/>\nvon Alexander von Zemlinsky (1871-1942), Oper in einem Akt, Text von Oscar Wilde, deutsche \u00dcbersetzung: Max Meyerfelds<br \/>\nUA: 30.Januar 1917, Stuttgart<br \/>\n<em>Der Zwerg<\/em><br \/>\nvon Alexander von Zemlinsky, ein tragisches M\u00e4rchen in einem Akt, Text: Georg C. Klaren frei nach Oscar Wildes M\u00e4rchen Der Geburtstag der Infantin<br \/>\nUA: 28.Mai 1922, K\u00f6ln<br \/>\nRegie: Andreas Bode, Dramaturgie: Hans-Georg Wegner, Ausstattung: Ai Weiwei und Monika Gora<br \/>\nDirigent: Markus Poschner, Bremer Philharmoniker, Chor und Choreinstudierung: Tarmo Vaask,<br \/>\nSolisten: Mark Duffin (Guido Bardi),Carsten Wittmoser (Simone), Nadja Stefanoff (Bianca), Sara Hershkowitz (Donna Clara), Nadine Lehner (Chita), Loren Lang (Don Estoban), Peter Marsh (Zwerg), Steffi Lehmann (erste Zofe), Agnes Selma Weiland (zweite Zofe), Sirin Kilic (dritte Zofe), Maja Gabriel (erstes M\u00e4dchen), Julia Huntgeburth (zweites M\u00e4dchen), Lukas Helming (Don Alvarez)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 4.Oktober 2009 (Doppelpremiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bremen-zwerg.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/bremen-zwerg.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bremen-zwerg.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/bremen-zwerg.jpg\" \/><\/a>Simone \u00fcberrascht seine Frau Bianca bei einem t\u00eate-\u00e0-t\u00eate mit dem Prinzen Bardi, tut aber zun\u00e4chst so, als wenn er nichts gesehen h\u00e4tte. Doch bald nimmt er das Duell mit Worten, sp\u00e4ter mit Schwertern auf. Im Kampf scheint er zun\u00e4chst zu verlieren, doch Bianca l\u00f6scht auf sein Gehei\u00df hin die Lichter, und er erw\u00fcrgt seinen Widersacher im Dunkeln. Bianca, die eben noch ihren Liebhaber angefeuert hat, ihren verachteten Mann zu t\u00f6ten, ist fasziniert von seiner pl\u00f6tzlich auftauchenden St\u00e4rke so wie er von ihrer Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>Zum 18. Geburtstag erh\u00e4lt die Infantin von Spanien Donna Clara ein seltsames Geschenk: einen verwachsenen Zwerg, der seine H\u00e4\u00dflichkeit nicht kennt, weil er noch nie in den Spiegel geschaut hat. Er verliebt sich in die Infantin, auch wenn Clara glaubt, er treibe nur Scherz mit ihr. Nachdem der Zwerg ein wehm\u00fctiges Liebeslied vortragen hat, soll er sich eine Frau zum Heiraten aussuchen und w\u00e4hlt Donna Clara. Die Infantin geht scheinbar auf seine Liebeserkl\u00e4rung ein. Durch Zufall sieht der Zwerg sich im Spiegel und erschrickt zutiefst vor seinem Anblick. Er stirbt, als die Infantin ihm gesteht, da\u00df sie ihn h\u00e4\u00dflich findet.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie florentinische Trag\u00f6die findet ausdrucks\u2013 und weitgehend bewegungslos neben einer hoch aufget\u00fcrmten Fahrradinstallation statt. Das Eifersuchtsdrama mit t\u00f6dlichem Ausgang, so wie es das Libretto eigentlich vorsieht, wird hier eher zu einer konzertanten Auff\u00fchrung als zu einem in Szene gesetzten Musikdrama.<br \/>\nIn der zweiten Oper h\u00e4ngt ein gro\u00dfes instabiles Gebilde aus wei\u00dfen St\u00e4ben von der Decke herab. Alle Mitwirkenden tragen wei\u00dfe Kost\u00fcme, in die geometrische K\u00f6rper eingebaut sind, was verunstaltet wirkt im Gegensatz zum Zwerg, der \u2013 weder klein noch h\u00e4\u00dflich \u2013  als verunsicherter Mann, barfu\u00df und in braunen Cordhosen auftritt. Anstelle eines Spiegels spiegelt ein T\u00e4nzer den Zwerg, indem er seine Bewegungen nachmacht. Der Chor in der Rolle der h\u00f6fischen Gesellschaft weicht vor dem Zwerg zur\u00fcck, um sein Erschrecken vor sich selbst deutlich zu machen. Anstatt zu tanzen l\u00e4\u00dft sich die Infantin vom Chor tragen, anstatt zu sterben bleibt der Zwerg hilflos und allein auf der B\u00fchne zur\u00fcck.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nIn der florentinischen Trag\u00f6die tritt das Orchester in seiner tonmalerischen und die Handlung musikalisch nachzeichnenden Funktion zeitweilig in den Vordergrund und \u00fcberlagert die Szene. Die an Richard Strauss und Wagner erinnernde, durchkomponierte Musik \u00fcbert\u00f6nt an manchen Stellen den sonst gut verst\u00e4ndlich singenden <strong>Carsten Wittmoser<\/strong> (Simone).<br \/>\nDie emotionale und musikalische Entwicklung im zweiten Werk des Abends wird in \u00dcbereinstimmung mit dem Libretto von der Gestalt des Zwergs, also von <strong>Peter Marsh<\/strong>, und seiner herausragenden Tenorpartie getragen. Auch wenn er mit seinen dramatisierenden Gesten nicht glaubhaft wirkt und wenig nuanciert spielt, so ist er mit seinem Gesang der Star des Abends. Musikalisch ist ihm <strong>Nadine Lehner<\/strong> (Zofe) eher gewachsen als <strong>Sara Hershkowitz<\/strong> (Infantin), die schauspielerisch, aber nicht so sehr s\u00e4ngerisch \u00fcberzeugt.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nZemlinskys Kompositionen erscheinen als berauschende Tongem\u00e4lde, die das Publikum zu begeistertem Applaus animieren. Beide Inszenierungen vernachl\u00e4ssigen allerdings die Textaussagen: Weder das durch Doppelb\u00f6digkeit in der Wortwahl immer gef\u00e4hrlicher werdende Dreiecksverh\u00e4ltnis noch das Zerbrechen der sch\u00f6nen Tr\u00e4ume des liebenden Zwergs angesichts seiner H\u00e4\u00dflichkeit kommen zum Ausdruck. Das, was alternativ dargestellt werden soll, bleibt in unklaren Ans\u00e4tzen stecken. Das Programmheft stellt in rot leuchtenden Lettern den Namen des chinesischen K\u00fcnstlers Ai Weiwei vor den des Komponisten, auch der Inhalt des Heftes dient deutlich seiner Selbstdarstellung. Ist das publikumswirksamer als die Oper selbst?<br \/>\nC. Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<br \/>\nDas Bild zeigt: Der Zwerg \u2013 Peter Marsh (Zwerg), Sara Hershkowitz (die Infantin), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine florentinische Trag\u00f6die von Alexander von Zemlinsky (1871-1942), Oper in einem Akt, Text von Oscar Wilde, deutsche \u00dcbersetzung: Max Meyerfelds UA: 30.Januar 1917, Stuttgart Der Zwerg von Alexander von Zemlinsky, ein tragisches M\u00e4rchen in einem Akt, Text: Georg C. 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