{"id":8329,"date":"2022-09-26T14:36:18","date_gmt":"2022-09-26T13:36:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8329"},"modified":"2022-11-14T11:31:25","modified_gmt":"2022-11-14T10:31:25","slug":"wie-der-fisch-zum-meer-fand-muenchen-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8329","title":{"rendered":"Wie der Fisch zum Meer fand &#8211; M\u00fcnchen, Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Franziska Angerer, Musiktheater\/Tanztheater f\u00fcr Kinder ab 4 Jahren, nach der Geschichte <em>The Fish Who Found The Sea<\/em> von Alan Watts. Szenen aus <em>Generation Goldfish<\/em> von Charlotte Edmond (UA: Juni 2021), M\u00fcnchen, UA: 24. September 2022, M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Franziska Angerer\/Ballettszenen: Charlotte Edmonds\/Einstudierung Ballettszenen: Thomas Mayr\/Komposition: Katya Richardson\/Livemusik und Erz\u00e4hlstimme: Christine B\u00f6rsch-Supan\/B\u00fchne: Dieter Eisenmann\/Kost\u00fcme: Charlotte Edmonds, Susanne Stehle\/Regieassistenz: Magdalena Padrosa\/Dramaturgie: Serge Honegger\/Technische Produktionsleitung: Andrea Hajek\/Beleuchtung: Franz-Leonhard Zels\/Lichtpult: Johannes Unger\/Video: Lea Heutelbeck<\/p>\n<p>Mitwirkende: Judith Seibert (Fisch)\/Severin Brunhuber (Gill)\/Sin\u00e9ad Bunn (Red)\/Christine B\u00f6rsch-Supan (Meer)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. September 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Muenchen-Fisch.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8330\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Muenchen-Fisch.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"277\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Muenchen-Fisch.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Muenchen-Fisch-300x128.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Der Kleine Fisch genie\u00dft sein Dasein im Gro\u00dfen Meer. Er schwimmt fr\u00f6hlich und leichtflossig durch das Wasser und bemerkt dabei gar nicht, da\u00df er sich im Wasser befindet und schwimmt. Er schwimmt gemeinsam mit anderen Fischen und Meerestieren und manchmal schwimmt er auch allein f\u00fcr sich. Das Schwimmen ist f\u00fcr ihn so selbstverst\u00e4ndlich wie f\u00fcr die Menschen das Atmen, und er bemerkt eigentlich gar nicht, da\u00df er schwimmt und damit Teil des Gro\u00dfen Meeres ist.<\/p>\n<p>Eines Tages aber fragte er sich, wie das Schwimmen \u00fcberhaupt vor sich ging. Fast augenblicklich wu\u00dfte er gar nicht mehr, wie das Schwimmen geht. Er bekam gro\u00dfe Angst davor, da\u00df er in die tiefe Dunkelheit des Gro\u00dfen Meeres unter ihm abst\u00fcrzen k\u00f6nnte. Der Kleine Fisch geriet in heftige Panik und wu\u00dfte sich in seiner Not nicht anders zu helfen, als seine Schwanzflosse zu schnappen. Er glaubte, wenn er nur die Schwanzflosse erwischen w\u00fcrde, dann k\u00f6nne er wieder so selbstverst\u00e4ndlich schwimmen wie zuvor. Der Kleine Fisch nahm alle seine Kraft zusammen und versuchte immer und immer wieder, seine Schwanzflosse mit dem Maul zu schnappen. Die Fische Red und Gill schwammen vorbei und versuchten, ihm zu helfen und ihn zu unterst\u00fctzen. Der Kleine Fisch aber hatte nur seine Schwanzflosse im Sinn und nahm kaum Notiz von den anderen Meeresbewohner*innen.<\/p>\n<p>Nach vielen, vielen Versuchen war der Kleine Fisch m\u00fcde und schon ganz schwach. Da sprach ihn pl\u00f6tzlich das Gro\u00dfe Meer an und wollte wissen, was er da tue. Der Kleine Fisch glaubte, keine Zeit f\u00fcr das Meer zu haben. Das Gro\u00dfe Meer aber fragte, warum er denn noch nicht in die Tiefe gest\u00fcrzt sei, wenn er doch gar nicht schwimmen konnte. Und in diesem Moment fiel dem kleinen Fisch auf, da\u00df er ja bereits am Schwimmen war. Von diesem Augenblick an war der Fisch unheimlich gl\u00fccklich und erleichtert. Er bemerkte, wie er vom Gro\u00dfen Meer getragen wurden und da\u00df er selbst ein wichtiger Teil des Gro\u00dfen Meeres war.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Parkettgarderobe des Nationaltheaters war zu Vorstellungszwecken umgestaltet worden: Matratzen luden zum gem\u00fctlichen Liegen und Kuscheln ein, spiegelnde Fl\u00e4chen erinnerten direkt an Unterwasserwelten. Durchsichtige, heliumgef\u00fcllte Luftballons an langen Schn\u00fcren symbolisieren Wasserblasen. Drei Goldfische schwimmen in einem kleinen Aquarium. Im Zentrum der freien Fl\u00e4che in der Mitte, die als B\u00fchne fungierte, steht eine nostalgische Badewanne mit L\u00f6wenf\u00fc\u00dfen, die auf Rollen bewegt werden kann. Durch diese \u201eandere\u201c B\u00fchne sind die Darstellenden f\u00fcr die Kinder zum Greifen nah.<\/p>\n<p>Vor dem Eintreten in den Raum werden die Zuschauenden gebeten, ihre Schuhe auszuziehen. Auf diese Weise wird das Musiktheater-Erlebnis noch gem\u00fctlicher.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger\/Darstellende und Musik<\/strong><\/p>\n<p>Darstellerin <strong>Judith Seibert<\/strong> singt und tanzt sich von Anfang an in die Herzen der Zuschauenden. Ihre sorglosen, fr\u00f6hlichen T\u00f6ne zu Beginn muten kindlich an und lassen viel Raum f\u00fcr Identifikation f\u00fcr das junge Publikum. Ihre Darstellung gelingt im Lauf der gesamten Vorstellung \u00fcberzeugend. Sowohl im Zusammenspiel mit den Fischen Gill (<strong>Severin Brunhuber<\/strong>) und Red (<strong>Sin\u00e9ad Bunn<\/strong>), im \u201eDuett\u201c mit dem Gro\u00dfen Meer (<strong>Christine B\u00f6rsch-Supan<\/strong>), aber auch in solistischen Szenen wie im Kampf mit der widerspenstigen Schwanzflosse ist die Figur des Kleinen Fischs fortw\u00e4hrend lebendig.<\/p>\n<p><strong>Sin\u00e9ad Bunn <\/strong>hingegen stellt einen ganz anderen Fisch dar, mit weichen, flie\u00dfenden Bewegungen aus dem Bereich des klassischen Balletts. Einen ebenso anderen Fisch stellt <strong>Severin Brunhuber <\/strong>als einziger m\u00e4nnlicher Darsteller dar. Gill und Red treten so als gelungener Gegenpol zum Kleinen Fisch auf und setzen sich mit ihrer Existenz im Gro\u00dfen Meer scheinbar kaum auseinander.<\/p>\n<p><strong>Christine B\u00f6rsch-Supan <\/strong>als das Gro\u00dfe Meer nimmt eine andere Rolle ein. Sie begr\u00fc\u00dft die Kinder zu Beginn und sorgt auch f\u00fcr die Live-Musik. Hierbei verwendet sie beispielsweise das Gluckern des Wassers als Begleitung zu den Bewegungen der anderen Darstellenden und duettiert mit diesem Gluckern beispielsweise auch mit dem Kleinen Fisch, der zu Beginn eine Colaflasche nebst Strohhalm in der Hand h\u00e4lt und so ebenfalls gluckern kann.<\/p>\n<p>Die Musik des St\u00fcckes ist grunds\u00e4tzlich abwechslungsreich und dient insbesondere dazu, die Stimmungen in den einzelnen Szenen zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Wie der Fisch zum Meer<\/em> fand ist Musiktheater im besten Sinne: Musik, Darstellung, Tanz, multimediale Darstellung, Live-Performance, aktives Mitmachen und Sprache treffen aufeinander. Die Vorstellung gestaltet sich als \u00fcberaus stimmungsintensiv, abwechslungsreich und \u00fcberzeugend: die Herausforderungen des Kleinen Fischs im Gro\u00dfen Meer lassen sich ohne Schwierigkeiten nachvollziehen und auch auf emotionaler Ebene miterleben.<\/p>\n<p>Die \u00dcberzeugungskraft der Darstellung haben auch die kleinen Zuschauenden bemerken k\u00f6nnen: Alle Zuschauenden waren die vierzig Minuten bis zum Schlu\u00dfapplaus konzentriert dabei. Einige Zwischenfragen seitens der Darstellenden und Mitmachangebote machten es den Kindern zus\u00e4tzlich leicht, bei der Sache zu bleiben: Die Kinder machten mit Begeisterung Schwanz- und Seitenflossen und die Bewegungen des Fischmauls nach. Auf den gem\u00fctlichen Matratzen ergab sich au\u00dferdem die M\u00f6glichkeit, sich selbst als Teil des Gro\u00dfen Meeres zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Das liebevoll gestaltete Programmheft rundete das Musiktheater-Erlebnis ab: Auf rund 40 Seiten findet sich die Geschichte des Kleinen Fischs, aber auch Angebote zum Weitermalen oder Ausschneiden. Auf diese Weise kann der <em>Kleine Fisch<\/em> auch in den Kinderzimmern weiterschwimmen, und das Programmheft sorgt f\u00fcr eine nachhaltige Verankerung des Musiktheater-Erlebnisses im Alltag der Kinder. Nach der Vorstellung durften sich die vielf\u00e4ltigen Akteure auf und hinter der B\u00fchne \u00fcber kr\u00e4ftigen Applaus freuen.<\/p>\n<p>Ein einziges Fragezeichen steht hinter dem Aquarium mit den lebenden Fischen: die Fische haben kaum Platz und weder Besch\u00e4ftigungs- noch R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten. In Zeiten, in denen das Tierwohl wieder einen Stellenwert bekommt, h\u00e4tten diese Fische sicherlich auch durch Wasserpflanzen oder durch eine multimediale Installation ersetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dr. Raika L\u00e4tzer<\/p>\n<p>Bild: Ksenia Orlova<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Judith Seibert (Fisch), Christine B\u00f6rsch-Supan (Meer)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Franziska Angerer, Musiktheater\/Tanztheater f\u00fcr Kinder ab 4 Jahren, nach der Geschichte The Fish Who Found The Sea von Alan Watts. Szenen aus Generation Goldfish von Charlotte Edmond (UA: Juni 2021), M\u00fcnchen, UA: 24. 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