{"id":8317,"date":"2022-09-01T07:23:32","date_gmt":"2022-09-01T06:23:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8317"},"modified":"2022-09-04T14:54:35","modified_gmt":"2022-09-04T13:54:35","slug":"die-walkuere-helsinki-finnische-nationaloper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8317","title":{"rendered":"Die Walk\u00fcre &#8211; Helsinki, Finnische Nationaloper"},"content":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), erster Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em> in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1870 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Anna Kelo, B\u00fchnenbild, Licht und Video: Mikki Kunttu, Kost\u00fcme: Erika Turunen<\/p>\n<p>Dirigent: Hannu Lintu, Orchester der finnischen Nationaloper<\/p>\n<p>Solisten: Joachim B\u00e4ckstr\u00f6m (Siegmund), Matti Turunen (Hunding), Tommi Hakala (Wotan), Miina-Liisa V\u00e4rel\u00e4 (Sieglinde), Niina Keitel (Fricka), Johanna Rusanen (Br\u00fcnnhilde), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. August 2022<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Helsinki-Walkuere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8318\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Helsinki-Walkuere.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Helsinki-Walkuere.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Helsinki-Walkuere-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde findet in ihrer H\u00fctte einen fremden Mann vor, der sich auf der Flucht befindet. Er stellt sich ihr und ihrem Mann Hunding als Wehwalt vor. W\u00e4hrend der Erz\u00e4hlung seiner Flucht wird deutlich, da\u00df er ein Feind von Hundings Sippe ist. Hunding gew\u00e4hrt ihm Asyl f\u00fcr eine Nacht und k\u00fcndigt an, ihm am n\u00e4chsten Tag nachzusetzen. Alle begeben sich zur Ruhe. Sieglinde, die ihren Gatten bet\u00e4ubt hat, erscheint. Siegmund offenbart ihr seine wahre Identit\u00e4t und zieht das Schwert Nothung aus dem Stamm einer Esche, die in der H\u00fctte steht. Beide entdecken, da\u00df sie Zwillingsgeschwister sind und verlieben sich ineinander. Daraufhin stellt Fricka, die Schutzg\u00f6ttin der Ehe, ihren Gatten Wotan zur Rede. Siegmund und Sieglinde sind seine au\u00dferehelichen Kinder, ebenso wie die Walk\u00fcre Br\u00fcnnhilde. Die Walk\u00fcren haben gefallene Helden nach Walhall zu bringen, die die G\u00f6tterburg vor einem Angriff Alberichs verteidigen sollen. Siegmund soll den Ring des Nibelungen an sich bringen. Doch, wie Fricka ihrem Mann darlegt, w\u00e4re das ein Versto\u00df gegen seine eigenen Gesetze. Wotan befiehlt Br\u00fcnnhilde, Siegmund im Kampf mit Hunding sterben zu lassen. Sie erscheint Siegmund und verk\u00fcndet ihm seinen baldigen Tod. Von Schmerz \u00fcberw\u00e4ltigt droht er damit, sich und seine ohnm\u00e4chtige Zwillingsschwester zu t\u00f6ten. Br\u00fcnnhilde empfindet Mitgef\u00fchl und setzt sich \u00fcber Wotans Befehl hinweg, der dann selbst in den Kampf eingreift und Hunding den Sieg davontragen l\u00e4\u00dft. Unterdessen sammeln sich die Walk\u00fcren, um nach Walhall zu ziehen. Br\u00fcnnhilde bittet sie um Hilfe f\u00fcr Sieglinde, die von Siegmund ein Kind erwartet, doch vergebens. Sieglinde flieht allein in den Wald und Br\u00fcnnhilde erwartet ihren zornigen Vater, der sie aus Walhall verst\u00f6\u00dft. Er versenkt sie in Schlaf und schlie\u00dft einen Kreis aus Feuer um ihren Felsen, der nur von demjenigen, der seinen Speer nicht f\u00fcrchtet, durchbrochen werden kann.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist insgesamt recht dunkel und wird fast nur von effektvollen Spots und Videoinstallationen erleuchtet. Die Bildsprache ist ausgesprochen kraftvoll. Die Kost\u00fcme und Requisiten erinnern an den zweiten Weltkrieg. Wotan tritt als Offizier in Wehrmachtsuniform auf, der zu Beginn des zweiten Aufzugs seine Truppen im Gefechtstand kommandiert. Hunding ist ein b\u00f6sartiger Priester, der mit seinen Sklaven im finsteren Wald haust. Die Walk\u00fcren sind kr\u00e4ftige Amazonen, die die gefallenen Helden auf die B\u00fchne schleppen und ihre Schlachtrufe barbusig ins Publikum singen. Es kommen etliche Komparsen zum Einsatz, die die Aktionen der singenden Figuren verst\u00e4rken. Lichtgestaltung und B\u00fchnenbild der zweiten Werkh\u00e4lfte erinnern entfernt an die Szenografien Heinz Tietjens und Emil Preetorius\u2018 aus den 30er und 40er Jahren. Der Fluch des Rings wird durch ein visuelles Leitmotiv auf die B\u00fchne gebracht, n\u00e4mlich einen Ring, der gelegentlich in der Mitte der Szene aufscheint. Auch am Ende des letzten Aufzugs senkt sich ein gewaltiger schwarzer Ring herab, der entz\u00fcndet wird. Nur wenige Farben sind zu sehen, u.a. blauer Lichtschein am Horizont im zweiten oder ein rotes Leuchten am Ende des ersten Aufzugs. Frickas und Br\u00fcnnhildes violette Kost\u00fcme heben sich von den \u00fcbrigen dunklen Kleidern der anderen S\u00e4nger ab. Die Handlung folgt der Wagner\u2019schen Vorgabe mit einer kleinen Ausnahme: Sieglinde wird im zweiten Aufzug zusammen mit Siegmund von Hunding get\u00f6tet und von Br\u00fcnnhilde im dritten Akt zu den gefallenen Helden gelegt, die die Walk\u00fcren zu ihrem Nachleben erwecken.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur visuell, auch musikalisch ging es an diesem Abend kraftvoll zur Sache. <strong>Hannu Lintu<\/strong> gestaltete die Musik klanglich sch\u00f6n ausgesteuert und rhythmisch und dynamisch eher etwas blockhaft. D.h. im Gegensatz zu den flexiblen Tempi anderer Wagnerinterpreten hielt er gerne \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit an einem Tempo fest und nahm es in der Regel ein wenig schneller als gew\u00f6hnlich, was den Schl\u00fcssen der drei Aufz\u00fcge rhythmische Stringenz verlieh. Die dynamischen Kontraste im ersten Aufzug, der im Sprechgesang beginnt und dann immer kantabler wird, waren stark. Ein fortissimo unter Lintu ist auch wirklich ein fortissimo, was er aber nur dank der starken Stimmen seiner S\u00e4nger auch so umsetzen kann. Die werden n\u00e4mlich an keiner Stelle, auch nicht bei den massiven Blecheins\u00e4tzen, vom Orchester zugedeckt. Abgesehen von ihrer Strahlkraft unterschieden sich die s\u00e4ngerischen Leistungen an diesem Abend voneinander. Beginnen wir mit <strong>Joachim B\u00e4ckstr\u00f6m<\/strong> (Siegmund). Seine vergleichsweise sportliche und bewegliche Erscheinung auf der B\u00fchne hob sich von den \u00fcbrigen S\u00e4ngern physisch ab. Neben einer tenoralen Spitze f\u00e4llt sein baritonal f\u00fclliges Timbre angenehm auf. Seine Aussprache war wie die der meisten S\u00e4nger an diesem Abend gut. <strong>Miina-Liisa V\u00e4rel\u00e4<\/strong> (Sieglinde) machte mit ihrem m\u00e4chtigen Organ den \u00fcbrigen S\u00e4ngerinnen an diesem Abend ernsthaft Konkurrenz. Selbst in den Orchestertuttis des ersten und dritten Aufzugs setzte sie ihre T\u00f6ne souver\u00e4n auf die Begleitung, ohne darin unterzugehen. Ihre Stimme zeigte keinerlei Verschlei\u00dferscheinungen. Der Hunding <strong>Matti Turunens<\/strong> pa\u00dfte optisch und akustisch eher in eine russische als eine deutsche Oper. Traditionell haben die Finnen viele hervorragende Opernb\u00e4sse gehabt, die Wagner singen, und seine m\u00e4chtige Stimme reiht sich von ihrem Volumen her vollkommen in diese Tradition ein. Rhythmisch und intonatorisch waren jedoch ein paar Unsicherheiten zu sp\u00fcren. <strong>Tommi Hakala<\/strong> (Wotan) besitzt einen fantastischen Heldenbariton und verf\u00fcgt \u00fcber eine makellos deutliche Aussprache. Auch er gab, wie s\u00e4mtliche S\u00e4nger, an diesem Abend stimmlich alles, und trotz leichter Erm\u00fcdungserscheinungen im dritten Aufzug bestach er mit einem tadellos gesungenen Abschied. Darstellerisch war sein Wotan imposant. <strong>Niina Keitel<\/strong> sprach nicht ganz so deutlich aus wie die \u00fcbrigen S\u00e4nger, nutzte aber ihre mond\u00e4ne Garderobe, um eine elegant indignierte Fricka auf die B\u00fchne zu stellen. Bleibt noch die Hauptrolle dieses Dramas, Br\u00fcnnhilde, die von <strong>Johanna Rusanen<\/strong> gesungen wurde. Darstellerisch wird ihr einiges abverlangt. Sie hat das wilde Wotanskind mit Punkfrisur, das \u00fcber den pl\u00f6tzlichen Sinneswandel seines Vaters erschrickt, wie auch die wehrlose Frau, die in Unterw\u00e4sche ihrer halbg\u00f6ttlichen Insignien entledigt wird, zu geben und machte das vor allem mimisch ausgezeichnet. Gesanglich bew\u00e4ltigte sie ihre Partie gut bis sehr gut. Es fehlt ihr nicht an der n\u00f6tigen H\u00f6he und die gef\u00fcrchteten Schlachtrufe zu Beginn des zweiten Aufzugs gelangen ihr vollauf. Insgesamt lief ihre Stimme den Abend \u00fcber. Doch fielen ganz vereinzelt Phrasen auf den Hals und klangen dadurch zu scharf und eng. Dessen ungeachtet spielte sie mit gro\u00dfem Ausdruck und Engagement und stellte im zweiten Aufzug ein paar Facetten dieser Rolle heraus, die sonst weniger betont werden. Mit ihrer bisweilen ungest\u00fcmen szenischen Pr\u00e4senz f\u00fcgte sie sich in die Gruppe ihrer Walk\u00fcrenschwestern ein. Ohne auf die Leistungen der S\u00e4ngerinnen dieser acht Partien im einzelnen eingehen zu k\u00f6nnen, sei nur so viel gesagt: Wenn man diese Schar auf der B\u00fchne h\u00f6rt und sieht, nimmt man ihr ohne Vorbehalte ab, sich im Schlachtenget\u00fcmmel richtig wohl zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Fortsetzung der <em>Ring<\/em>-Inszenierung von Anna Kelo besticht mit ihrer Mischung aus Wucht und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Eine sensible, nicht zu dick auftragende Personenregie in den Dialogszenen wird hier mit sch\u00f6nen Videoprojektionen, spektakul\u00e4ren Ensembleszenen und einer zupackenden, schn\u00f6rkellosen musikalischen Interpretation kombiniert. Durch die konkreten historischen Einschl\u00e4ge zeichnet sich eine Zeitreise ab, die dieser <em>Ring<\/em> beschreiben wird. Die musikalisch-dramatische Vorlage Wagners wird durchweg ernst genommen. Das Konzept dieser Inszenierung l\u00e4\u00dft sich vielleicht am k\u00fcrzesten mit den Begriffen der Verst\u00e4rkung und \u00dcberw\u00e4ltigung umschreiben, womit es Wagners eigenem k\u00fcnstlerischen Ansatz mehr als ad\u00e4quat ist. Sowohl musikalisch als auch szenisch wird hier geklotzt, nicht gekleckert. Man darf auf die Fortsetzung im M\u00e4rz gespannt sein.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Ralph Larmann<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tommi Hakala (Wotan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), erster Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1870 M\u00fcnchen Regie: Anna Kelo, B\u00fchnenbild, Licht und Video: Mikki Kunttu, Kost\u00fcme: Erika Turunen Dirigent: Hannu Lintu, Orchester der finnischen Nationaloper<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8317\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8318,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[286,1],"tags":[],"class_list":["post-8317","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-helsinki-finnische-nationaloper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8317"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8319,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8317\/revisions\/8319"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8318"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}