{"id":8309,"date":"2022-06-13T19:11:32","date_gmt":"2022-06-13T18:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8309"},"modified":"2022-06-13T19:11:32","modified_gmt":"2022-06-13T18:11:32","slug":"die-meistersinger-von-nuernberg-deutsche-oper-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8309","title":{"rendered":"Die Meistersinger von N\u00fcrnberg &#8211; Deutsche Oper Berlin"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto Richard Wagner, UA: 21. Juni 1868 M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Jossi Wieler, Anna Viebrock, Sergio Morabito, Ko-B\u00fchnenbild: Torsten Gerhard K\u00f6pf, Ko-Kost\u00fcmbild: Charlotte Pistorius, Licht: Olaf Freese, Dramaturgie: Sergio Morabito, Sebastian Hanusa<\/p>\n<p>Dirigent: Markus Stenz, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines<\/p>\n<p>Solisten: Johan Reuter (Hans Sachs), Albert Pesendorfer (Veit Pogner), Philipp Jekal (Sixtus Beckmesser), Thomas Lehman (Fritz Kothner), Klaus Florian Vogt (Walther von Stolzing), Ya-Chung Huang (David), Heidi Stober (Eva), Annika Schlicht (Magdalena), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Juni 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DO-Berlin-Meistersinger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8310\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DO-Berlin-Meistersinger.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"431\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DO-Berlin-Meistersinger.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DO-Berlin-Meistersinger-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Veit Pogner, ein Meistersinger, verspricht dem Gewinner eines Gesangswettbewerbs, dessen Teilnehmer ebenfalls Meistersinger sein m\u00fcssen, am Johannistag seine Tochter Eva zur Frau. Aussichtsreichster Kandidat ist der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser. Eva hat sich jedoch bereits in den Junker Walther von Stolzing verliebt, der v\u00f6llig unvorbereitet versucht, durch ein Vorsingen als Meistersinger aufgenommen zu werden. Da er die Regeln nicht kennt, wird nichts daraus. Dem Schuster und Meistersinger Hans Sachs bleibt sein Probelied jedoch in Erinnerung. Die Nacht bricht herein und Walther und Eva beschlie\u00dfen, gemeinsam zu fliehen.<\/p>\n<p>Sachs, der die beiden mit Sorge beobachtet, beginnt lautstark vor seiner Werkstatt zu arbeiten und zwingt sie so, in ihrem Versteck zu bleiben. Als auch noch Beckmesser erscheint, um Eva ein St\u00e4ndchen zu singen, nutzt Sachs die Gelegenheit, um ihm die zahlreichen musikalischen Fehler in seinem Lied zu zeigen. Der Lehrling David kommt hinzu und beginnt mit Beckmesser eine Schl\u00e4gerei, weil dieser statt Eva versehentlich deren Amme Magdalena seine Serenade darbietet. Allgemeines Chaos bricht aus, das erst von der Ankunft des Nachtw\u00e4chters beendet wird.<\/p>\n<p>Eva und Walther werden getrennt und Sachs zieht ihn zu sich in die Werkstatt, wo der Junker die Nacht verbringt. Am n\u00e4chsten Morgen berichtet er Sachs singend von seinem Traum. Das Lied beeindruckt Sachs, der es niederschreibt und auf dem Tisch liegen l\u00e4\u00dft. Dort entdeckt es Beckmesser, der Sachs zur Rede stellt, ob er denn auch als Werber teilzunehmen gedenke. Sachs verneint und beschlie\u00dft, eine List anzuwenden. Er schenkt Beckmesser das Lied mit dem Hinweis, es sei schwer auszuf\u00fchren. Die Z\u00fcnfte und Meistersinger versammeln sich auf der Festwiese. Beckmesser scheitert mit seiner Darbietung des Liedes und klagt Sachs an, ihm mit dem unausf\u00fchrbaren St\u00fcck eine Falle gestellt zu haben. Dieser behauptet, es sei ein gutes Lied, wenn es von seinem Sch\u00f6pfer vorgetragen werde und bittet Walther als Zeugen auf das Podium. Seine Darbietung des Liedes bezaubert alle, ihm wird der Preis \u2013 Evas Hand \u2013 und der Rang eines Meisters angeboten, den er aber erst nach einer Ermahnung Sachs\u2018 annimmt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Regieteam hat die Handlung aktualisiert und leicht ver\u00e4ndert. Wir befinden uns in einer Musikhochschule, an der Walther sich einer Eignungspr\u00fcfung unterzieht und durchf\u00e4llt. Pogners Tochter Eva hat eine Aff\u00e4re mit Sachs, einem Physiotherapeuten und Schlagzeuglehrer, der Studenten und Kollegen mit bunten Gummisandalen ausstattet, und verl\u00e4\u00dft ihn f\u00fcr Walther. Beckmesser ist keine Karikatur, sondern einer von vielen recht steifen Musikprofessoren \u2013 den Meistersingern \u2013, der sich nicht minder pedantisch wie seine Kollegen benimmt. Magdalena hat eine Aff\u00e4re mit dem Studenten David und dirigiert den Hochschulchor. Erster und zweiter Aufzug spielen sich auf den eichenholzget\u00e4felten Korridoren, der dritte auf der Probeb\u00fchne ab. Kleidung und Habitus der Figuren entsprechen aktuellen Gepflogenheiten.<\/p>\n<p>Wie man sieht, ist die Handlung milde verfremdet und verst\u00e4rkt einige der Beziehungen zwischen den Figuren und ihre Charakterisierungen. Das umst\u00e4ndliche, b\u00fcrokratische Regelwerk der Institution entspricht der Tabulatur, das Volk ist das Publikum der Hochschulkonzerte, Veit Pogner der Rektor, der Gesangswettbewerb eine Pr\u00fcfung, usw. Da\u00df die Auff\u00fchrung trotz des recht n\u00fcchternen B\u00fchnenbildes und dieser Verlegung der Handlung dennoch gut funktioniert, liegt an der abwechslungsreichen und von den Darstellern intensiv durchgestalteten Personenregie.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zu den beiden Kontrahenten dieser Oper, Sachs und Beckmesser. Ihre Besetzung war insofern interessant, als <strong>Philipp Jekal<\/strong> (Beckmesser) rein technisch gesehen der bessere von beiden S\u00e4ngern war. Das soll nicht hei\u00dfen, da\u00df <strong>Johan Reuter<\/strong> (Sachs) lediglich mittelm\u00e4\u00dfig w\u00e4re. Als Darsteller ist er wie gemacht f\u00fcr die Rolle des l\u00e4ssigen, kumpelhaften Lehrers, der als einziger barfu\u00df \u00fcber die Szene geht und sich heimlich alleine betrinkt. Er hat eine starke szenische Pr\u00e4senz, ohne sich in den Vordergrund zu dr\u00e4ngen, und spielte sowohl die komischen wie auch die tragischen Z\u00fcge seiner Figur hervorragend heraus. Gesanglich kam er eher in den verhaltenen Passagen zum Zuge und wurde von dem generell recht kr\u00e4ftig aufspielenden Orchester mitunter zugedeckt. Seine Aussprache ist in Ordnung, aber nicht so deutlich wie diejenige Jekals, und er war nicht restlos textsicher. Sein Gesang hat eher sprechenden Charakter, w\u00e4hrend Jekal als Beckmesser einen belkantistische runden Stimmklang kultiviert hat. Etwas unbeholfen bewegte sich <strong>Albert Pesendorfer<\/strong> als Veit Pogner \u00fcber die B\u00fchne, was zu seiner Rolle pa\u00dfte. In seiner Rede im ersten Aufzug trat er wie eine Autorit\u00e4t auf und zeichnet sich durch seinen ehrfurchtgebietenden Ba\u00df aus.<\/p>\n<p><strong>Annika Schlicht<\/strong> (Magdalena) spielte ihre Rolle durchweg kom\u00f6diantisch und sang ausgewogen. Die Leistung <strong>Heidi Stobers<\/strong> als Eva war das nicht immer. Hier mu\u00df man ihr allerdings zugutehalten, da\u00df die Regie diese eher kleine Partie stark in den Vordergrund ger\u00fcckt hat, so da\u00df sie nun zur eigentlichen Hauptfigur der Handlung wird, um die drei M\u00e4nner k\u00e4mpfen. Ihre Aussprache war nicht sehr deutlich \u2013 was zum Teil dem dichten Satz Wagners in dieser Oper zuzuschreiben ist \u2013, und stellenweise sang sie ihre lyrische Partie mit hochdramatischer Tongebung, die unvermittelt herausstach.<\/p>\n<p>Zwei Ten\u00f6re waren an diesem Abend die musikalischen Glanzpunkte. Zum einen der Spieltenor <strong>Ya-Chung Huang<\/strong> (David), der glasklar ausspricht und hinrei\u00dfend agiert, und nat\u00fcrlich <strong>Klaus Florian Vogt<\/strong> (Walther von Stolzing), der seine kraftvolle, hohe und glatte Tongebung mit einer musterg\u00fcltigen Aussprache kombiniert.<\/p>\n<p>Die Leistungen von Ch\u00f6ren und Orchester unter der Leitung von <strong>Markus Stenz<\/strong> waren etwas durchwachsen. An einigen Stellen klapperten die Eins\u00e4tze, etwa bei den Ch\u00f6ren der Festwiese, und die Fanfarenbl\u00e4ser auf und hinter der B\u00fchne spielten ein paar falsche T\u00f6ne. Das Vorspiel, das \u2013 so wie es sein soll \u2013 bei geschlossenem Vorhang erklang, wurde thematisch durchgearbeitet, kraftvoll und in einem eher flotten Tempo genommen. Was noch ein wenig mehr Nacharbeit vertragen k\u00f6nnte, w\u00e4re die Artikulation vor allem in den Nebenstimmen, die in den schnelleren Passagen etwas verwaschen war. Au\u00dferdem schien die Tempowahl nicht allen S\u00e4ngern entgegenzukommen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der gewichtigen Themen, der oft getragenen Musik mit ihren breiten Tempi und den langen Szenen im dritten Aufzug gelang es dieser Produktion, eine wirkliche Kom\u00f6die auf die B\u00fchne zu stellen. Wagners Oper wird zwar aktualisiert, jedoch ohne da\u00df\u00a0ihr Gewalt angetan oder sie durch den Kakao gezogen w\u00fcrde. Das Zusammenspiel der Akteure, sowohl der Solisten als auch der Choristen, war minuti\u00f6s, was bei einer Kom\u00f6die unabdingbar ist, um das Interesse des Publikums den ganzen Abend \u00fcber zu erhalten, und viele kleine Einf\u00e4lle fungierten als unterhaltsamer Kommentar zu dem Werk, etwa, wenn David den Stadtschreiber Beckmesser in der Pr\u00fcgelfuge mit einem Fliederstrau\u00df \u00fcber die B\u00fchne jagt oder die Stimme des Nachtw\u00e4chters blechern aus den Lautsprechern in den Korridoren ert\u00f6nt. Man mu\u00df vielleicht nicht alles gut finden, was sich die Regie hat einfallen lassen, doch was sie unbestreitbar tut, ist, <em>Die Meistersinger<\/em> ernst zu nehmen. Die Publikumsmeinungen waren geteilt, wobei die Bravorufe die Buhs \u00fcberwogen. Unterhaltsam ist diese Inszenierung allemal.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Thomas Aurin<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Johan Reuter (Hans Sachs), Philipp Jekal (Sixtus Beckmesser)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto Richard Wagner, UA: 21. Juni 1868 M\u00fcnchen, Nationaltheater Regie: Jossi Wieler, Anna Viebrock, Sergio Morabito, Ko-B\u00fchnenbild: Torsten Gerhard K\u00f6pf, Ko-Kost\u00fcmbild: Charlotte Pistorius, Licht: Olaf Freese, Dramaturgie: Sergio Morabito, Sebastian Hanusa Dirigent:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8309\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8310,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1],"tags":[],"class_list":["post-8309","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berlin-deutsche-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8309","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8309"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8309\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8311,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8309\/revisions\/8311"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8310"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}