{"id":8304,"date":"2022-05-02T20:56:16","date_gmt":"2022-05-02T19:56:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8304"},"modified":"2022-05-02T20:56:16","modified_gmt":"2022-05-02T19:56:16","slug":"der-schatzgraeber-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8304","title":{"rendered":"Der Schatzgr\u00e4ber &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>Der Schatzgr\u00e4ber<\/em><\/p>\n<p>von Franz Schreker (1878-1934), Oper in einem Vorspiel, vier Aufz\u00fcgen und einem Nachspiel, Text vom Komponisten, UA: 1920 Frankfurt a.M.<\/p>\n<p>Regie: Christof Loy, B\u00fchnenbild: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Barbara Drosihn, Licht: Olaf Winter, Dramaturgie: Dorothea Hartmann<\/p>\n<p>Dirigent: Marc Albrecht, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines<\/p>\n<p>Solisten: Tuomas Pursio (der K\u00f6nig), Michael Laurenz (der Narr), Daniel Johansson (Elis), Elisabet Strid (Els), Thomas Johannes Mayer (der Vogt), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. Mai 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/DOBerlin-schatzgraeber.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8305\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/DOBerlin-schatzgraeber.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"423\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/DOBerlin-schatzgraeber.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/DOBerlin-schatzgraeber-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6nigin ist krank, seitdem ihr Schmuck gestohlen wurde. Der Narr berichtet dem K\u00f6nig von Elis, dem wandernden S\u00e4nger, der mit seiner Laute verborgene Sch\u00e4tze aufsp\u00fcren k\u00f6nne. Der K\u00f6nig l\u00e4\u00dft nach Elis fahnden und verspricht dem Narren als Belohnung, sich eine Frau nehmen zu d\u00fcrfen. Els, die Tochter eines Wirtes, ist dem gestohlenen Schmuck verfallen \u2013 und die M\u00e4nner ihr. Sie bringt das Diebesgut nach und nach an sich, indem sie ihre Verlobten ermorden l\u00e4\u00dft, die die Juwelen bei einem Hehler erwerben. Als Elis erscheint, verliebt sie sich in ihn. Allerdings wird er des Mordes an Els\u2018 letztem Verlobten verd\u00e4chtigt und der Vogt ordnet seine Hinrichtung an. Der Narr trifft ein, rettet Elis und verliebt sich ebenfalls in Els. Sie l\u00e4\u00dft die geheimnisvolle Laute des S\u00e4ngers stehlen, damit er nicht den Schmuck bei ihr entdecke, gibt sich ihm in einer Liebesnacht hin und schenkt ihm den Schmuck, nachdem er ihr versprochen hat, nicht nach dessen Herkunft zu fragen. Die K\u00f6nigin wird von den Juwelen geheilt, aber Els verliert ihre Lebensfreude. Au\u00dferdem gelingt es dem Vogt, ihren Auftragsm\u00f6rder zu fassen, und die gesamte Geschichte kommt ans Licht. Der K\u00f6nig befiehlt, Els zu verbrennen, doch der Narr rettet sie, indem er sie zur Frau nimmt, w\u00e4hrend Elis sich mit Grauen von ihr abwendet. Nach einem Jahr, w\u00e4hrend dessen Els dahingesiecht hat, besucht er sie ein letztes Mal und singt die Sterbende in den ewigen Schlaf.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild bleibt im wesentlichen w\u00e4hrend aller Aufz\u00fcge identisch: ein gro\u00dfer, steinget\u00e4felter Saal mit Fenstern zur Rechten und Eing\u00e4ngen an der R\u00fcckseite. Lediglich durch ein paar M\u00f6bel werden die Schauplatzwechsel angedeutet. Kost\u00fcme und Saal sind elegant; sie erinnern entfernt an die Mode der Urauff\u00fchrungszeit. Es gibt \u2013 \u00fcber die stumme Rolle der K\u00f6nigin hinaus \u2013 viele stumme Komparsen und T\u00e4nzer, die den Gesangstext verdeutlichen und die Szene beleben so wie der Chor es tut. Doch da sowohl die Personen auf der B\u00fchne als auch die Requisiten in allen Aufz\u00fcgen und Vor- und Nachspiel gleich aussehen, tr\u00e4gt das B\u00fchnenbild nicht zur Verdeutlichung der Handlung bei \u2013 dies ist Aufgabe der Interaktionen zwischen den Akteuren \u2013 und wird, da es im Gegensatz zum farbig-schillernden Orchestersatz Schrekers auf Farben weitgehend verzichtet und so das Schwarz-Grau der Halle und Anz\u00fcge dominiert, im Laufe des Abends ein wenig eint\u00f6nig. Zugleich ist die Personenf\u00fchrung sehr s\u00e4ngerfreundlich, da sie keine Aktionen ausf\u00fchren m\u00fcssen, die ihnen ihre ohnehin schon schweren Parts noch zus\u00e4tzlich erschweren w\u00fcrden. Die Hauptfiguren \u2013 Elis, Els und der Narr \u2013 singen zumeist ins Publikum hinein.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Diese Oper hat viele kleinere Rollen, von denen <strong>Tuomas Pursio<\/strong> (der K\u00f6nig) und <strong>Thomas Johannes Mayer<\/strong> (der Vogt) zu den umfangreicheren geh\u00f6ren. Darstellerisch waren beide ausgezeichnet, aber Pursio kann noch ein wenig mehr an seiner Aussprache arbeiten. Generell befanden sich alle S\u00e4nger \u2013 zwei Hauptrollen wurden von Schweden gesungen, ohne da\u00df man bei ihnen einen markanten Akzent geh\u00f6rt h\u00e4tte \u2013 in dieser Hinsicht auf einem hohen Niveau. Schrekers Sprechgesang erlaubt es, wenn er derart akribisch geprobt worden ist, den Gesangstext ohne Probleme zu verstehen, auch in den st\u00e4rker begleiteten Passagen. <strong>Michael Laurenz<\/strong> (der Narr) ragte in dieser Hinsicht heraus, hat allerdings auch eine Spieltenorrolle, was die Aussprache beg\u00fcnstigt. <strong>Daniel Johansson<\/strong> (Elis) und<strong> Elisabet Strid<\/strong> (Els) haben die gesangstechnisch schwierigsten und umfangreichsten Rollen zu singen. Die einzige weibliche Partie dieser Oper wurde von Strid musikalisch sicher und mit Hingabe gestaltet. Sie hat neben den rezitativischen Passagen auch laute, kr\u00e4ftige T\u00f6ne zu setzen; beides kann bei Schreker mitunter sehr abrupt miteinander abwechseln. Die st\u00e4ndig modulierende Harmonik macht die Eins\u00e4tze zu einer echten Herausforderung. Der einzige kleine Makel an ihrer Leistung war, da\u00df sie sehr h\u00e4ufig in Richtung des Dirigenten sang, was ihr Spiel ein wenig steif werden lie\u00df. Johansson hatte mit seiner schweren Partie keine Probleme. M\u00f6glicherweise durch die Fremdsprache bedingt verlor sein Tenor, der ansonsten ausgeglichen und kraftvoll ist, in der H\u00f6he gelegentlich ein wenig an Glanz. Laurenz, Johansson und Strid wurden f\u00fcr ihre Leistungen vom Publikum zu Recht gefeiert ebenso wie das Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von <strong>Marc Albrecht<\/strong>. Schrekers Kennzeichen ist seine virtuose, st\u00e4ndig variierende Klangkunst, sein oft unruhiges \u00dcberblenden von dem einem faszinierenden Orchesterklang in den n\u00e4chsten. Seine Partitur kann man ohne \u00dcbertreibung als eine Perlenkette von musikalischen Ideen, ein musikalisches Pendant zu den funkelnden Edelsteinen und Preziosen des m\u00e4rchenhaften Schatzes dieser Oper. Die klanglichen \u00dcberg\u00e4nge gelangen tadellos und lie\u00dfen die zahllosen Sch\u00f6nheiten der Partitur zur Geltung kommen. Die rhythmische Koordination von Orchester und S\u00e4ngern war sauber und von der Lautst\u00e4rke her kamen Solisten und Choristen bei den kraftvolleren Stellen stets gut durch und der Orchesterklang blieb rund.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Der Schatzgr\u00e4ber<\/em> geh\u00f6rte nach der Urauff\u00fchrung zu den meistgespielten neugeschriebenen Werken der 1920er. Trotz der Schreker-Renaissance der vergangenen Jahrzehnte ist diese Oper heute nach wie vor eine echte Rarit\u00e4t geblieben, und dementsprechend schwierig ist es, S\u00e4nger zu finden, die diese anspruchsvolle Musik bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen und bereit sind, sich in musikalisches Neuland vorzuwagen. Diese Produktion ist sehr gut besetzt, die Regie nimmt das St\u00fcck ernst und wahrt den engen Zusammenhang zwischen Musik und Aktion. Alles, was man an diesem Abend zu h\u00f6ren bekommt, ist grundsolide, es gibt keine st\u00f6renden szenischen Momente und die Idee, das St\u00fcck als psychologisches Drama anstatt als d\u00fcsteres M\u00e4rchen zu erz\u00e4hlen, geht auf. Was man ein wenig vermi\u00dft, sind ein paar \u00fcberraschende visuelle Einf\u00e4lle, die mit der vor Kl\u00e4ngen und musikalischen Ideen \u00fcberbordenden Musik zusammenspielen w\u00fcrden. Wenn man dies also \u00fcberhaupt als einen Kritikpunkt auffassen will, so w\u00e4re er, da\u00df die Produktion vielleicht etwas zu konzentriert und seri\u00f6s geraten ist, statt an der einen oder anderen Stelle ruhig einmal auf Effekthascherei und Spektakel zu setzen, also ein wenig mehr zu riskieren. Wie dem auch sei, die Inszenierung ist dennoch kurzweilig und musikalisch packend.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tuomas Pursio (der K\u00f6nig), Michael Laurenz (der Narr)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schatzgr\u00e4ber von Franz Schreker (1878-1934), Oper in einem Vorspiel, vier Aufz\u00fcgen und einem Nachspiel, Text vom Komponisten, UA: 1920 Frankfurt a.M. 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