{"id":8293,"date":"2022-03-15T12:45:06","date_gmt":"2022-03-15T11:45:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8293"},"modified":"2022-03-16T12:55:37","modified_gmt":"2022-03-16T11:55:37","slug":"die-entfuehrung-aus-dem-serail-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8293","title":{"rendered":"Die Entf\u00fchrung aus dem Serail &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Singspiel in drei Akten, Libretto: Johann Gottlieb Stephanie nach Christoph Friedrich Bretzner, UA: 16. Juli 1782, Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Kai Anne Schuhmacher, B\u00fchne &amp; Video: Dominique Wiesbauer, Kost\u00fcme: Valerie Hirschmann<\/p>\n<p>Dirigent: Rainer M\u00fchlbach und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Florian Reiners (Bassa Selim), Kathrin Zukowski (Konstanze), Seung Jick Kim (Belmonte), Rebecca Murphy (Blonde), Dustin Drosdziok (Pedrillo), Lucas Singer (Osmin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. M\u00e4rz 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Koeln-Entfuehrung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8294\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Koeln-Entfuehrung.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Koeln-Entfuehrung.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Koeln-Entfuehrung-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Belmonte reist \u00fcber das Meer, um seine Verlobte Konstanze aus der Gewalt des Bassa Selim zu befreien. Dieser h\u00e4lt Konstanze, ihre Dienerin Blonde und dessen Geliebten Pedrillo als seine Sklaven gefangen und will Konstanze zu seiner Geliebten machen. Konstanze wehrt sich gegen den Bassa; ebenso verweigert sich Blonde Osmin, Selims Diener. Belmonte plant zusammen mit Pedrillo die Flucht: Pedrillo macht Osmin betrunken, so da\u00df dieser einschl\u00e4ft und die vier fliehen k\u00f6nnen. Doch bevor sie das Schiff erreichen, erwacht Osmin und f\u00fchrt sie vor den Bassa Selim. Alle rechnen mit der Todesstrafe, doch Selim ist gro\u00dfz\u00fcgig und l\u00e4\u00dft die Gefangenen frei.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne im Staatensaal 3 ist eine gekippte Fl\u00e4che auf der sich mehrere Stofflaken befinden, die an Seilen befestigt sind und im Verlauf des St\u00fcckes zu einer Art Zelt aufgespannt werden. Ansonsten bleibt die B\u00fchne karg, so da\u00df die bonbonfarbenen und schrillen Kost\u00fcme im Vordergrund stehen. Diese greifen verschiedene Zirkussymbole auf. Die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger sind beispielsweise als Dompteure, Clowns oder Tiger verkleidet; dabei sind f\u00fcr Farben und der Fantasie keine Grenzen gesetzt.<\/p>\n<p>Osmin tr\u00e4gt einen langen Frack und zerfetzte Kleidung, seine Augen sind schwarz umrandet. Bassa Selim wird als dandyhafter Zirkusdirektor mit langem Umhang, schwarzen Lackhandschuhen und Lederhose pr\u00e4sentiert. Die Handlung ist in weiten Teilen nicht mehr wiederzuerkennen, ebenso sind die gesprochenen Dialoge an vielen Stellen entsprechend bearbeitet. Statt in einem Serail wird Konstanze in einer traumhaften Zirkus-Illusion gefangen gehalten. Doubles von Belmonte und Konstanze erscheinen schlafend auf der B\u00fchne, sie ist schwanger, er im Pyjama, was offensichtlich auf eine ungl\u00fcckliche Beziehung in der Realit\u00e4t hinweist, aus der sich beide \u201ehinweg tr\u00e4umen\u201c wollen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester ist aus Platzgr\u00fcnden nicht vor der B\u00fchne positioniert, sondern hinten zwischen den Zuschauertrib\u00fcnen, was die Koordination von Gesang und Instrumenten f\u00fcr <strong>Rainer M\u00fchlbach<\/strong> schwierig macht. Die Ouvert\u00fcre beginnt holprig, was auch daran liegt, da\u00df Lucas Singer (Osmin) den ersten Teil auf der elektrischen Orgel spielt und das Orchester erst ein paar Takte sp\u00e4ter einsetzt. <strong>Lucas Singer<\/strong> (Osmin) singt in der Arie <em>Solche hergelaufne Laffen<\/em> mit einem knurrenden Ba\u00df, dabei hat seine Stimme ein helles Timbre, was ihm in den <em>forte<\/em> akzentuierten hohen T\u00f6nen sehr zugutekommt. Schauspielerisch ahmt er den knittrigen, verh\u00e4rmten Diener in Mimik und Gestik sehr gekonnt nach und l\u00e4\u00dft seine ganze Bosheit an seinen Gegenspielern aus. Allerdings f\u00e4llt es ihm gesanglich mitunter schwer das Tempo zu halten, so da\u00df die Koloraturen etwas h\u00f6lzern klingen und die tiefen T\u00f6ne auch deutlich zu leise betont werden.<\/p>\n<p>Deutlich besser singt <strong>Seung Jick Kim<\/strong> (Belmonte) mit seinem vollmundigen, warmen Tenor. In der Arie <em>Konstanze dich wiederzusehen<\/em> haucht er die leisen T\u00f6ne im <em>sotto voce<\/em> wunderbar. Dadurch vermag er seinen tiefen Empfindungen Ausdruckf\u00e4higkeit zu verleihen, w\u00e4hrend er gedankenversunken Konstanzes Kleid vor sich hinh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Un\u00fcbertroffen ist aber <strong>Kathrin Zukowski<\/strong> (Konstanze), die sich mit ihrem glasklaren, k\u00fchlen Sopran von Arie zu Arie noch mehr steigert und dabei alle Register der Gesangskunst zieht. \u00dcberw\u00e4ltigend ist sie in <em>Martern aller Arten<\/em>: Hier setzt sie sich k\u00f6rperlich gegen die Unterdr\u00fcckung des Bassa Selims zur Wehr, zerrei\u00dft selbstbewu\u00dft ihr Kleid und l\u00e4\u00dft ihre Stimme in der H\u00f6he anmutig anschwellen. Weder die vielen schwierigen Koloraturen der Triller, der Tonspr\u00fcnge oder die schnelle Rhythmik bereiten ihr Probleme \u2013 alles meistert sie mit gro\u00dfer Leichtigkeit.<\/p>\n<p>Eine ebenfalls sehr gute Leistung bringen <strong>Rebecca Murphy<\/strong> (Blonde) und <strong>Dustin Drosdziok<\/strong> (Pedrillo), die beide sehr dynamisch singen und sich gleichzeitig schauspielerisch ins Zeug legen. <strong>Murphy<\/strong> \u00fcberzeugt mit einem metallischen Sopran, der in der H\u00f6he angenehm scharf klingt und gut zu der Rolle der kokettierende Blonde pa\u00dft, die als Dompteuse zwei Tiger auf der B\u00fchne mit ihrer Peitsche z\u00e4hmt. <strong>Drosdzioks<\/strong> Tenor ist leicht kehlig und spitz in der Betonung, kann aber besonders in der H\u00f6he strahlen. <strong>Florian Rainer<\/strong> (Bassa Selim) spielt seine Rolle als Herrscher sehr exzeptionell und verstr\u00f6mt dabei ein unheimliches Stimmung. Mit seinen H\u00e4nden projiziert er beispielsweise Schatten auf eine Leinwand und manipuliert Belmonte wie ein Marionettenspieler.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Katrin Zukowski ist der unangefochtene Star und Publikumsliebling des Abends, dicht gefolgt von Seung Jick Kim. Insgesamt legt sich das sehr junge Ensemble mit seinen Rollendebuts gesanglich und schauspielerisch voll ins Zeug, was \u00fcber die experimentelle Inszenierung des St\u00fcckes hinwegtr\u00f6sten kann. Ohne einen Blick in das Programmheft zu werfen, versteht man die Handlung aber nicht wirklich und selbst dann bleiben noch viele Fragen offen.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Florian Reiners (Bassa Selim), Kathrin Zukowski (Konstanze)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Singspiel in drei Akten, Libretto: Johann Gottlieb Stephanie nach Christoph Friedrich Bretzner, UA: 16. 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